Theodor Fontane als Theaterkritiker. Analyse seiner Auseinandersetzung mit den Lessing-Aufführungen


Masterarbeit, 2015
76 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Themenbegründung
1.2 Fragestellung, Aufbau und Methodik der Arbeit
1.3 Quellenlage und Forschungsstand

2 Die Kulturszene im Berlin des 19. Jahrhundert
2.1 Fontane und die Presselandschaft
2.1.1 Die Vossische Zeitung
2.1.2 Fontane und die Vossische Zeitung
2.2 Berlin als Theaterstadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert
2.2.1 Das Königliche Schauspielhaus am Gendarmenmarkt
2.2.2 Die Freie Bühne

3 „Der Herr hat heut’ Kritik.“
3.1 Fontane und sein Selbstverständnis als Kritiker
3.2 Eine Analyse zu Fontanes Lessing-Kritiken
3.2.1 Aufbau und Struktur
3.2.2 Fontanes Anforderungen an die Darsteller und seine Figureninterpretation
3.2.3 Kritik an Lessings Texten
3.3 Eine „heikle Frage“ – Fontanes Äußerungen zu Nathan der Weise

4 Zusammenfassung und Ausblick

5 Literaturverzeichnis

6 Anhang

1 Einleitung

1.1 Themenbegründung

Der unnatürlichen Geschraubtheit Gottscheds mußte, nach einem ewigen Gesetz, der schöne, noch unerreicht gebliebene Realismus Lessings folgen, und der blühende Unsinn, der […] sich aus verlogener Sentimentalität und gedankenlosem Bilderwust entwickelt hatte, mußte als notwendige Reaktion eine Periode ehrlichen Gefühls und gesunden Menschenverstandes nach sich ziehen, von der wir kühn behaupten: sie ist da.[1]

So schreibt Theodor Fontane in seinen Ausführungen über Unsere Lyrische und Epische Poesie seit 1848 aus dem Jahre 1853. Damals verdiente er sein tägliches Brot mit verschiedensten journalistischen Arbeiten, eine Tätigkeit, die vierzig Jahre lang seine hauptberufliche sein sollte. Als er Anfang der 50er Jahre die oben stehenden Zeilen schrieb, war ihm noch nicht bewusst, dass er knapp zwanzig Jahre später in die Fußstapfen des hier erwähnten Gotthold Ephraim Lessings treten sollte. Denn genauso wie er arbeitete Fontane für die Vossische Zeitung in Berlin, für die er insgesamt zwanzig Jahre lang Theaterkritiken über Aufführungen des Königlichen Schauspielhauses verfasste. In den entstandenen Texten äußert er sich nicht nur abneigend oder wohlgesonnen gegen die einzelnen Inszenierungen, sondern setzt sich auch damit auseinander, wie Theater sein soll und was ein gutes Stück ausmacht. Somit lässt sich auch hier ein Zusammenhang zu Lessing herstellen, der mit seiner Hamburgischen Dramaturgie ein Standardwerk der Theatertheorie geschaffen hat. Es liegt also nahe, eine Parallele zwischen diesen beiden Dichtern zu ziehen, die [f]ührte man heute eine Umfrage durch, welche der überkommenden Dokumente über das Theater früherer Jahrhunderte für die gegenwertige Praxis von größter Bedeutung sind […] ganz gewiß […] immer wieder auftauchen[…][2] würde. Die Schriften entstanden mit einem Abstand von über hundert Jahren und unter jeweils anderen Bedingungen. Als Lessing 1767 als Dramaturg nach Hamburg ging, setzte er große Hoffnungen in das Deutsche Nationaltheater in Bezug auf die Bekämpfung feudaler Bevormundung. Er wollte ein Theater schaffen, das dem Volk gehören sollte, ein Theater, in dem es seine eigenen Ideen und ein eigenes Selbstverständnis unterbringen konnten.[3] Dabei ging es ihm vor allem um Natürlichkeit, gemischte Charaktere und Katharsis. Das französische Theater lehnte er ab, das englische hingegen machte er zu seinem Leitbild.[4] Zu Fontanes Kritikerzeit hatte – trotz der größtenteils noch adlig besetzten politischen Herrschaftspositionen – das Bürgertum die ökonomische wie kulturelle Macht inne. Das kritische „kulturräsonierende“ Publikum der Aufklärung hatte sich inzwischen zum „kulturkonsumierenden“ Publikum der Gründerjahre gewandelt.[5] Die Ideale, nach denen Lessing seine Dramatik hatte ausrichten wollen, waren vergessen.[6] Umso interessanter ist es, dass man ähnliche Vorstellungen etwa hundert Jahre später bei Fontane findet. Wie sich nachweisen lässt, geht es ihm um eine ausgewogene Balance zwischen Kunst und Natur, um eine Wahrhaftigkeit der Darsteller sowie der Stücke, Aspekte, die schon Lessing wichtig waren.[7] Dass Fontane Lessings Schriften kannte, ist belegt.[8] Ob sich darunter auch die Hamburgische Dramaturgie befand, ist zwar nicht bewiesen, man kann jedoch an Hand Fontanes Äußerungen darauf schließen.[9] So merkt er in seinen Berichten Die Londoner Theater. Insonderheit mit Rücksicht auf Shakespeare in einer Fußnote an: „Die unsrigen schreien kaum je, und wenn es geschieht, mit Anstand, mit Maß. Trotz Lessing geb’ ich […] dem englischen Naturschrei unbedingt den Vorzug.“[10] Es ist anzunehmen, dass sich das „trotz Lessing“ auf die Ausführungen desselben zum englischen Theater in der Hamburgischen Dramaturgie bezieht.[11] Ähnlich wie Lessing war Fontane immer auf der Suche nach dem Konzept der Wahrhaftigkeit im Theater, die er vor allem im Konzept der Freien Bühne fand, in deren Mittelpunkt die Kunst stehen [soll], die neue Kunst, die die Wahrheit anschaut und das gegenwärtige Dasein. […] Wahrheit und Wahrheit, Wahrheit auf jedem Lebenspfade ist es, die auch wir erstreben und fordern.[12]

Für Autoren wie beispielsweise Hugo Bürger, der „nur ein Organ für die Wirkung, nicht für die Wahrheit [hat]“[13], hatte er wenig Verständnis. Die vorliegende Arbeit stellt eine Verbindung zwischen den beiden Dichtern her, indem sie Fontanes Theaterkritiken zu Lessing-Aufführungen im Königlichen Schauspielhaus untersucht. Dabei sei vorweggenommen, dass die zu untersuchenden Texte sich nicht auf das vollständige dramatische Werk Lessings beziehen können, da von 1870 bis 1889 im Königlichen Schauspielhaus lediglich Minna von Barnhelm, Emilia Galotti und Nathan der Weise gespielt wurden. Am meisten Raum nimmt die Emilia ein, die Fontane in fünfzehn Kritiken bespricht, gefolgt von der Minna mit acht und dem Nathan mit lediglich drei Kritiken. Interessant ist dabei, dass Fontane schon Anfang der 1850er Jahre, während seiner Zeit in England, eine Aufführung des Deutschen Theaters in London von Emilia Galotti sieht und eine Kritik verfasst, die am 24. Juni 1852 in der Preußischen (Adler-) Zeitung erscheint. Neben Schiller und Shakespeare ist Lessing also einer der ersten Theaterautoren, die ihn in seiner Tätigkeit als Kritiker beschäftigen. Alle drei gehören auch zu den Autoren, deren Bühnenwerke bis heute gespielt werden sind, denn viele der von Fontane kritisierten Stücke sind heute vergessen und tauchen nicht mehr im Kanon der Theaterspielpläne auf. Während die Kritiken über Schiller- und Shakespeareaufführungen in der Fontane-Forschung bereits Beachtung fanden (u.a. Freydank 2001; Grawe 1997), wurden die Kritiken zu Lessings Stücken bisher immer nur am Rande betrachtet. Lediglich die Texte zu Aufführungen von Nathan der Weise wurden vereinzelt in Untersuchungen zu Fontanes Einstellung zum Judentum herangezogen (Goldammer 1993; Fleischer 1998). Dabei lässt sich beispielhaft an den Lessing -Kritiken nicht nur Fontanes Verständnis von Theater zeigen, sondern auch seine ambivalente Einstellung zu dem Dichter selbst, den er auf der einen Seite bewundert und doch wieder wegen seiner Toleranzideen kritisiert. Gerade dieser Aspekt hat nichts an Aktualität eingebüßt, da Lessings Idee von der Gleichstellung aller Religionen bis heute nicht funktioniert. Anschläge von radikalen Islamisten, wie auf die Garissa University in Kenia oder die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo in Paris zeigen, dass einige Menschen ihre Vorstellung von Religion noch immer über die aller anderen stellen. Die daraus hervorgehende Angst ist in Teilen der Bevölkerung so stark, dass sie sich in Hass gegen alles Fremde umwandelt. Es wird vergessen, dass nicht jeder Muslim ein Terrorist, nicht jeder Fremde ein Krimineller ist. Organisationen wie PEGIDA seien als nur ein Beispiel für diese Denkweise genannt. Zu Fontanes Zeit richtete sich dieser Fremdenhass in bestimmten Kreisen gegen alles Jüdische. Dabei war es gleichgültig, ob die Betroffenen ihre Religion ausübten oder ob sie konvertiert waren. Sie blieben ähnlich stigmatisiert wie Muslime nach dem Anschlag am 11. September 2001 oder die Flüchtlinge aus aller Welt, die in Deutschland eine neue Zukunft suchen. Kaum weniger aktuell, wenn auch nicht so brisant, sind Fontanes Vorstellungen von Dramaturgie und der darstellerischen Leistung der Schauspieler. Häufig verlieren sich moderne Inszenierungen in medialen Affekten, anstatt die Aktualität von Stücken herauszuarbeiten. Gerade im Potsdamer Theater lässt sich außerdem eine Tendenz erkennen, die Darsteller jedes Gefühl nur noch schreien und nicht mehr ausleben zu lassen. Fontanes ehrliche Kritiken können mit ihrem literarischen Stil somit nicht nur für heutige Kritiker, sondern auch Dramaturgen und Regisseure beispielhaft wirken.

1.2 Fragestellung, Aufbau und Methodik der Arbeit

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Fragen, wie Fontane als Theaterkritiker gearbeitet hat und welche Aspekte ihm in seiner Auseinandersetzungen mit den Bühnenaufführungen besonders wichtig waren. Diese beiden Aspekte werden in zwei Schritten bearbeitet. Dabei werden zum einen die kulturhistorischen Voraussetzungen zusammengetragen und systematisiert. Zum anderen werden Fontanes Auffassungen von Theater am Beispiel der Rezensionen zu Lessingaufführungen analysiert. Methodisch folgt die Arbeit im Hauptteil einer literaturwissenschaftlichen Textanalyse, die in eine kulturhistorische Untersuchung eingebettet ist.

Der erste Teil der Arbeit widmet sich dementsprechend dem kulturellen Umfeld Fontanes in Berlin, genauer der Theater- und Zeitungslandschaft. Dabei wird zunächst kurz dargestellt, welche Zeitungen in Berlin im 19. Jahrhundert vertreten waren, welche Stellung diese einnahmen und für welche Fontane gearbeitet hat. Da Fontane als Theaterkritiker für die Vossische Zeitung tätig war, wird diese ausführlich in Bezug auf Entwicklung und Bedeutung beschrieben. Darüber hinaus soll Fontanes Beziehung zu ihr analysiert werden, die über die des angestellten Kritikers hinausgeht. An die Darstellung der Berliner Presse schließt sich ein Exkurs über die Theaterlandschaft an, wobei das Königliche Schauspielhaus sowie die Freie Bühne detaillierter betrachtet werden sollen. Ersteres ist von besonderer Bedeutung, weil Fontane dort zwanzig Jahre lang die aufgeführten Stücke rezensiert hat. Die Freie Bühne ist für Fontanes Kritikerzeit wichtig, weil er in ihrer Bewegung die Kunst und die Wahrheit des Theaters vereint sah. Die konträren Besprechungen mehrerer Kritiker zur Uraufführung von Gerhart Hauptmanns Vor Sonnenaufgang zeugten von einer großen Debatte im damaligen Theaterkreis, bei der sich Fontane auf die Seite Hauptmanns stellte und damit richtungsweisend für die naturalistische Bewegung war. Zudem bilden die Kritiken zu Aufführungen der Freien Bühne den Abschluss seiner Kritikertätigkeit und markieren somit einen wichtigen Punkt in Fontanes Kritikerdasein. Seine Kritiken über Aufführungen des Französischen Theaters in Berlin werden, genauso wie das Theater selbst, in der vorliegenden Arbeit nur kurz erwähnt, da dahingehende ausführliche Erläuterungen deren Rahmen sprengen beziehungsweise zu weit vom Themenschwerpunkt abweichen würden.

Im zweiten Teil folgt zunächst ein Abriss über Fontanes Zeit als Theaterkritiker, wobei der Schwerpunkt auf seinem Selbstverständnis als Kritiker liegt. Dabei wird dargelegt, wie Fontane sich selbst gesehen hat, wie er mit Kritik umgegangen ist und in welcher Beziehung er zu seinem Beruf sowie dem Theatermilieu stand. Anschließend folgt die Analyse seiner Kritiken zu Lessing-Aufführungen am Königlichen Schauspielhaus, bei der auch Bezüge zu anderen Kritiken Fontanes hergestellt werden, um seine Auffassungen über das Theater besser verdeutlichen zu können. Die vorliegenden Texte werden auf Struktur und Stilistik untersucht. Die Auseinandersetzung mit den Darstellern wird einen großen Raum einnehmen, da Fontane an diesen beispielhaft alle ihm wichtigen Aspekte abhandelt. So stellt er daran allgemein seine Vorstellung von guter Schauspielkunst dar und äußert sich konkret zu bestimmten Figuren und wie diese dargestellt werden sollten. Er beurteilt Maske sowie Kostüm und übt Kritik an Lessings Texten. Mit welchen Mitteln er diese Aspekte herausarbeitet, soll in der Analyse gezeigt werden.

Einen besonderen Aspekt in der Textuntersuchung stellen die Kritiken zu Aufführungen von Lessings Nathan der Weise dar, an denen sich Fontanes ambivalentes Verhältnis zu dem Dichter zeigen lässt. Insbesondere die Haltung Fontanes zur Ringparabel soll herausgearbeitet werden, zu der er sich auch in mehreren Briefen äußert. Unterschiede zwischen seinen öffentlichen Äußerungen in den Kritiken und den privaten in den Briefen müssen gedeutet werden.

Die Arbeit beschränkt sich auf Fontanes Äußerungen zu Lessings Nathan, die in enger Verbindung mit seiner insgesamt ambivalenten Haltung zum Judentum stehen. Dieser große Themenkomplex soll nur soweit angerissen werden, wie er zum Verständnis notwendig ist, da eine umfassende Beschäftigung mit dem Thema eine eigenständige Arbeit erfordern würde. Im abschließenden Kapitel sollen die Ergebnisse noch einmal zusammengetragen und ein kurzer Ausblick gegeben werden.

1.3 Quellenlage und Forschungsstand

Als Grundlage dienten in erster Linie Fontanes Theaterkritiken in der Edition der Nymphenburger Ausgabe (Fontane 1964; Fontane 1964a; Fontane 1967), in der als einzige alle Theaterkritiken ohne Kürzungen abgedruckt sind. Durch den thematischen Schwerpunkt sind vor allem die Texte zu Aufführungen von Lessing-Stücken wichtig. Außerdem wurden weitere Kritiken, seine Briefe, vornehmlich in der Hanser Briefausgabe (Fontane 1976; Fontane 1979; Fontane 1980; Fontane 1982; Fontane 1988), seine Tagebucheinträge (Fontane 1995; Fontane 1995a), gedruckt in der Großen Brandenburger Ausgabe, sowie seine autobiographischen Texte (Fontane 1973) herangezogen.

Um Fontanes Ansichten in Bezug auf Lessings Ringparabel zu erläutern, wurden außerdem zwei bisher unveröffentlichte Briefe[14] analysiert, die sich im Bestand des Theodor-Fontane-Archivs Potsdam befinden. Sie geben Aufschluss darüber, dass der Schriftsteller sich in seinen Korrespondenzen häufiger als bisher angenommen zu Lessing geäußert hat.

Obwohl Fontane die meiste Zeit seines Lebens als Journalist gearbeitet hat und davon immerhin zwanzig Jahre als Theaterkritiker, findet sich in der Forschung verhältnismäßig wenig Literatur zu diesem Forschungskomplex. Monographien zu Fontanes Kritikerzeit sind vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erschienen (KNUDSEN 1942; TREBEIN 1916; ASCHAFFENBURG 1930), unter denen vor allem Rüdiger Knudsens Der Theaterkritiker Fontane und Bertha Trebeins Theodor Fontane as a critic of the drama hervorzuheben sind. Beide Werke geben nicht nur einen zeitlichen Abriss seiner Tätigkeit bei der Vossischen Zeitung, sondern setzen sich, gestützt auf eine umfassende Analyse der Texte, mit dem Aufbau sowie dem Stil seiner Kritiken auseinander. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben sich im größeren Umfang lediglich Grevel 1984 und Krings 2008 mit Fontane als Theaterkritiker auseinandergesetzt, wobei Liselotte Grevels Fontane e la critica teatrale zumindest für den deutschsprachigen Raum keine neuen Erkenntnisse bringt. Dorothee Krings hingegen widmet sich dem Thema in Theodor Fontane als Journalist. Selbstverständnis und Werk aus der Perspektive einer Journalistin. Sie arbeitet heraus, was der moderne Journalismus von Fontanes Arbeiten lernen kann. Als analytische Grundlage verwendet sie seine Theaterkritiken und untersucht sie vor allem auf Aspekte, aus denen sein Selbstverständnis als Kritiker hervorgeht. Darüber hinaus sind mehrere Aufsätze erschienen, von denen sich die meisten mit der bloßen Kritikertätigkeit Fontanes auseinandersetzen (z.B. Schirmer 1998; Thunecke 1994; Lützen 1981). Andere beschäftigen sich mit seinem Stil, wobei vor allem Fontanes „Plauderton“ hervorgehoben wird (z.B. Stuessel 2007; Freydank 2001; Grawe 1997). Die in dieser Arbeit herausgearbeitete Konzentration auf die Schauspieler hat vor allem Zitzelsberger 1998 angedeutet. Mit Fontanes Kritiken zu Lessing-Aufführungen haben sich bisher nur Bohn 1981 und Goldammer 1993 beschäftigt, wobei Rainer Bohns Aufsatz Theodor Fontane als Theaterkritiker vor allem die ähnlichen ästhetischen Vorstellungen von Theater in Lessings und Fontanes Werk herausstellt. Peter Goldammer setzt sich in seinem Aufsatz Nietzsche-Kult, Antisemitismus und eine späte Rezension des Romans „Vor dem Sturm“. Zu Fontanes Briefen an Friedrich Paulsen unter anderem mit Fontanes Ansichten über Lessings Ringparabel auseinander. Er stellt nur eine teilweise Analyse der Lessing-Kritiken dar, da er sich lediglich auf die Kritiken zu Nathan -Vorstellungen bezieht. Bisher beschränkt sich die gesamte Forschung in Bezug auf Fontanes Lessing-Rezeption nur auf seine Ansichten über die Ringparabel (u.a. Fleischer 1998; Mayer 1981).

2 Die Kulturszene im Berlin des 19. Jahrhundert

2.1 Fontane und die Presselandschaft

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich das Medium Zeitung zu einem wichtigen Bestandteil der menschlichen Lebenswelt.[15] In keinem europäischen Land gab es eine größere Anzahl von Zeitungen als im deutschen Kaiserreich.[16] Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vollzog sich eine regelrechte Expansion des deutschen Pressewesens[17], die unter anderem in einer Entwicklung der Technik (Druckertechnik, Erfindung des Telegrafen, Transport durch Nacht-Schnellzüge) begründet lag, aber auch im engen Zusammenhang mit der steigenden Lese- und Schreibfähigkeit sowie dem ansteigenden Lebensstandard der Bevölkerung stand.[18] Es entwickelte sich ein völlig neues Leseverhalten, das nach Information und Kommunikation verlangte.[19] Während die Anzahl der Zeitungen in der ersten Jahrhunderthälfte bei etwa 1.000 lag, etablierten sich vor allem in den sechziger und siebziger Jahren viele neue Blätter, sodass die Zahl bis 1862 auf etwa 1300 anstieg. Danach ging es stetig bergauf, 1881 gab es bereits 2.437 Zeitungen und bis zum Jahr 1897 steigerte sich die Zahl auf 3.405.[20] Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen mehr als sechstausend kleine und mittlere sowie rund einhundert Massenblätter und bekannte Tageszeitungen, wie beispielsweise die Vossische Zeitung oder das Berliner Tageblatt in hohen Auflagen.[21] Während die Gesamtauflage der deutschen Tagespresse im ausgehenden 18. Jahrhundert noch bei 300.000 Exemplaren lag, wurde die Gesamtauflage im Jahr 1897 auf 12, 2 Millionen geschätzt.[22] Im Berlin des 19. Jahrhundert zählten unter anderem die Vossische Zeitung und das Berliner Tageblatt sowie die Berliner Zeitung, die Berliner Morgenzeitung, die Berliner Morgenpost, die Neue Preussische (Kreuz-) Zeitung, Der Tag, Die Post und die Berliner Neuesten Nachrichten zu den bedeutendsten Blättern.[23] Neben sechs Börsen-, Wirtschafts- und Anzeigenblättern standen der Berliner Bevölkerung zehn politische Tageszeitungen zur Auswahl, die im Jahr 1871 eine Gesamtauflage von 187.400 Exemplaren erreichten.[24] Wer seine Zeitung nicht für den dreifachen Preis im Buchhandel kaufen wollte, musste sie abonnieren. Für die Volkszeitung, die auflagenstärkste Zeitung in Berlin, betrugen die Kosten rund 4 Taler pro Ausgabe, wobei jeweils noch ein Taler für den Botenlohn, sowie eine Art Informationssteuer in Höhe von bis zu 10 Talern dazu kam.[25]

Für Fontane war die Presselandschaft Berlins nicht nur für seine journalistische Tätigkeit von großer Bedeutung, er war auch selbst passionierter Zeitungsleser.[26] Zeitschriften und Zeitungen waren für Fontane eine der wichtigsten Informationsquellen[27] und „gehörten zu Fontanes Leben wie die Luft zum Atmen.“[28] In einem Brief an Paul Heyse vom 5. Dezember 1891 schreibt er:

Ich lese die Zeitung mit Andacht eines Philisters, aber mit einer Gesinnung, die das Gegenteil von Philisterium ist. Es vergeht kein Tag, wo nicht aus diesem elenden Löschpapier etwas Hochpoetisches zu mir spräche: der Kaiser und Bismarck, die stille und dann auch wieder laute Kriegsführung zwischen beiden, die Hofpredigerpartei, Kögel, Stoecker, Dryander, Bazillus-Koch, Goßler, 2.000 fremde Ärzte, Große-Kurfürsten-Feier, Wißmann und Dampfschiffe auf dem Victoriasee – das alles macht mir das Herz höher schlagen […].[29]

Zeitungen und Zeitschriften waren für Fontane auch als Autor von Romanen, Erzählungen sowie Reiseliteratur von großer Bedeutung, da fast alle seine Werke dort veröffentlicht wurden. So wurde beispielsweise in Daheim sein Erstlingsroman Vor dem Sturm von Januar bis September 1878 in 65 fortlaufenden Kapiteln veröffentlicht.[30] In der Deutschen Rundschau, die bis 1914 von Julius Rodenberg herausgegeben wurde, erschienen unter anderem die Vorabdrucke von Frau Jenny Treibel und Effi Briest, sowie Kapitel aus den Lebenserinnerungen Von Zwanzig bis Dreißig.[31] Dabei spielte die materielle Frage eine nicht unerhebliche Rolle. Sowohl Zeitungen als auch Zeitschriften zahlten meist pünktlich und wesentlich mehr als jeder Verlag für ein Buch zahlen konnte oder wollte.[32] Wichtig für Fontane waren auch die Rezensionen und Artikel, die über ihn selbst oder sein Werk erschienen sind und die das öffentliche Bild des Autors mit geformt hat.[33]

Auch wenn er sich kritisch über die Berliner Presse äußerte, er wusste sie doch zu schätzen und war sich ihrer Wirkung über die Grenzen Berlins hinaus bewusst.[34] In einem Brief an Moritz Necker vom 9. April 1894 resümiert er: „Im Kern ist unsere Berliner Presse nicht schlecht, vielleicht besser als irgendeine andre, weil sie noch ein Stück Selbständigkeit hat […].“[35]

Fontane hat im Laufe seiner journalistischen Tätigkeit für viele Zeitungen und Zeitschriften auch außerhalb Berlins geschrieben. An dieser Stelle seien beispielhaft die Dresdner Zeitung, Cottas Morgenblatt oder das Leipziger Tageblatt sowie die Leipziger Eisenbahn, das Literarische Centralblatt für Deutschland oder die Gartenlaube [36] genannt. Im Zentrum seiner Zeitungsbeziehungen stand jedoch die Berliner Presse, allen voran die Kreuzzeitung und die Vossische Zeitung, die für ihn Orte des konzentrierten literarischen Lebens waren.[37] In einem Brief an den Verleger Wilhelm Friedrich vom 23. November 1882 schreibt er dazu:

[B]eide muss ich cajolieren, denn beide (wiewohl politisch ganz entgegengesetzt) umfassen mein allereigentliches Publikum, die Kreuzzeitungsleute halten wegen meiner Kriegsbücher, märkischen Wanderungen etc. grosse Stücke von mir, die Leser der Vossin wegen meiner Theater-Berichterstattung und sonstiger mannigfacher geübter Kritik.[38]

Darüber hinaus schrieb er unter anderem für den Berliner Figaro, die Preußische (Adler)-Zeitung: Organ für Politik, Wissenschaft, Kunst, Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, das Berliner Tageblatt sowie Die Post. [39]

2.1.1 Die Vossische Zeitung

Das Redaktionslokal der Vossischen Zeitung war damals eins der traurigsten und dürftigsten, und entsprach wenig der Bedeutung des, die öffentliche Meinung der Berliner Bürgerschaft beherrschenden und lenkenden Journals. An dem dunklen Hofe des Grundstückes Breite Straße 8 im ersten Geschoß lag das düstre, schlecht beleuchtete, kahle Stübchen, in welchem an einem hohen Doppelpult zunächst dem Fenster, teils stehend, teils auf Drehschemeln sitzend, diesseits Dr. Lindner, jenseits Dr. Kletke arbeiteten.[40]

So beschrieb der Maler, Schriftsteller und Feuilletonist Ludwig Pietsch Mitte des 19. Jahrhunderts die Redaktionsbedingungen der Vossischen Zeitung, für die er ab 1864 Feuilletonartikel verfasste. Sie hatte einen großen Einfluss auf ihre täglich etwa 30.000 Personen umfassende Leserschaft.[41] Am 25. Februar 1721 von Johann Michael Rüdiger als Berlinische Privilegierte Zeitung gegründet, ist sie eine der ersten und ältesten Zeitungen Berlins, die über zwei Jahrhunderte bis in die 1930er Jahre bestehen blieb.[42] Angeblich soll sie sogar aus einer, im Jahr 1617 das erste Mal erschienenen titellosen Postzeitung hervorgegangen sein.[43] Sie erschien anfangs dreimal wöchentlich dienstags, donnerstags sowie sonntags im Oktavformat mit je vier Blatt. Ab 1749 stellte sie sich auf Quartformat um.[44] Die Zeitung erschien ab dem ersten Januar 1824 täglich, außer sonntags, was sich 1848 wieder änderte: Jetzt gab es eine Sonntagsausgabe, dafür aber keine Montagsausgabe mehr.[45] Schließlich erschien sie ab dem ersten Januar 1879 zweimal täglich in einer Morgen- und einer Abendausgabe im Großfolioformat.[46] Dabei war sie mit vier Seiten und zum Teil bis zu 10 Beilagen die umfangreichste Zeitung in Berlin.[47]

Politisch blieb sie unabhängig. Die Herausgeber der Zeitung sicherten sich durch Umsicht und Taktieren einen Spielraum, der vor Vereinnahmung durch die Parteien schützte.[48]

Man verknüpfte wirtschaftliche und politische Freiheit programmatisch, wobei die Abgrenzung zur sozialdemokratischen Bewegung ebenso entschieden war wie die zu konservativen Parteiungen. Als Ziel strebte man „den Ausbau des Rechts- und Kulturstaats und den politischen, geistigen und wirtschaftlichen Fortschritt der Gesamtheit“[49] an. Aufmerksam bewegte sich die Zeitung im Feld der kirchenpolitischen Diskussionen, wobei das Blatt klar Stellung gegen die Orthodoxie bezog.[50]

Dem Feuilleton, das nicht gesondert gedruckt, sondern in den Gesamttext integriert wurde, kam eine besondere Bedeutung zu. Mit seiner Sparte Kunst, Wissenschaft und Literatur, die in der Bezeichnung auch wechselte, war es so breit, dass dort neben Buch- und Theaterkritiken auch Vorabdrucke von Reise- und Erzählliteratur Platz fanden.[51]

Platz erhielten ebenfalls Nachrichten über das sich in den unterschiedlichen Zweigen des Lebens und der Berufswelt ausdifferenzierte Vereinswesen, in dem sich die entfaltete bürgerliche Lebenskultur spiegelte und das für ihren Erhalt von eminentem Wert war.[52]

Im Laufe ihres Bestehens wurde die Vossische Zeitung mehrmals umbenannt. Vom 18. März 1751 bis Ende 1753 nannte sie sich Berlinische privilegirte Staats- und Gelehrte-Zeitung. Danach nahm sie für fünf Jahre ihren ursprünglichen Namen als Berlinische Privilegirte Zeitung wieder an, um im Jahr 1779 den Titel Königlich privilegirte berlinische Staats- und Gelehrten- Zeitung zu tragen.[53] Ab 1785 hieß sie Königlich privilegirte berlinische Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. Dieser Name blieb bis ins 20. Jahrhundert bestehen, rutschte aber 1911 als Untertitel in die zweite Zeile, wobei im November 1918 die Worte Königlich privilegierte gänzlich aus dem Untertitel verschwanden.[54] Nun trug sie offiziell den Titel Vossische Zeitung, eine Bezeichnung, die allerdings schon seit 1856, abgeleitet von dem Namen ihres zweiten Herausgebers, Christian Friedrich Voß, dem Schwiegersohn Johann Michael Rüdigers, gebräuchlich war.[55]

Auf Voß ging die Zeitung 1751 nach dem Tod von Rüdiger über, der zu Lebzeiten unter anderem Gotthold Ephraim Lessing als Redakteur gewinnen konnte.[56] Lessing kam 1748 nach Berlin und ordnete zunächst die Privatbibliothek von Rüdiger.[57] Lessings Neffe Mylius, der seit dem gleichen Jahr die Vossische Zeitung redigierte[58], hatte die beiden bekannt gemacht und war schließlich auch dafür verantwortlich, dass der Dichter als Redakteur bei der Vossischen eine feste Stellung finden konnte.[59] Lessing schrieb den Gelehrten Artikel und verfasste außerdem von April bis Dezember 1751 die Artikel zur Monatsbeilage Das Neueste aus dem Reiche des Witzes. Nur 1752 durch einen Aufenthalt in Wittenberg unterbrochen, schrieb Lessing bis 1755 regelmäßig für die Vossische Zeitung.[60]

Im Jahr 1791 übernahm schließlich der Sohn von Christian Friedrich Voß, Christian Friedrich Voß der Jüngere die Leitung, allerdings nur für vier Jahre. Schon 1795 starb er zeitgleich mit seinem Vater, was zu einem langwierigen Prozess um den Besitz des Verlages und des Zeitungsprivilegs führte, da es keine Söhne gab, welche die Nachfolge hätten antreten können.[61] Schließlich erwarb Karl Gotthelf Lessing, der jüngste Bruder Gotthold Ephraim Lessings, welcher Marie Friederike Voß, die Tochter von Christian Friedrich Voß dem Älteren geheiratet hatte, im Jahr 1801 in Vertretung für seine Frau „mit geliehenen 59.000 Talern die Hauptanteile für das Privileg und damit die Zeitung“.[62] Nach Karl Gotthelf Lessings Tod und dem Tod des anderen Teilhabers, über den nichts weiter bekannt ist, ging die gesamte Zeitung in den Besitz Marie Friederikes über. Sie übertrug 1806 ihrem Sohn Christian Friedrich Lessing die Leitung des Blattes. Nach dem Tod seiner Mutter erwarb dieser zusammen mit seiner Schwester Ernestine Wilhelmine den gesamten Erbteil, sodass beide ab 1832 Eigentümer des Verlages und somit auch der Vossischen Zeitung waren.[63] Mehr als vier Jahrzehnte leitete Lessing die Vossische Zeitung, führte unter anderem den Leitartikel ein und gewann zahlreiche Gelehrte und Literaten zur Mitarbeit. So übernahm Friedrich Wilhelm Gubitz 1823 das Theaterreferat oder Ludwig Rellstab 1826 das Feuilleton.[64] Unter Lessings Leitung vermehrte sich die Auflage der Zeitung um das Sechsfache, wobei sie 1847 das erste Mal eine Auflage von 20.000 Exemplaren erreichte.[65] Nur ein Jahr später stieg die Auflage auf 24.000, was damals die höchste Auflage aller deutschen Zeitungen war.[66] Nach seinem Tod im Jahre 1850 sank die Zahl der gedruckten Exemplare auf 14.000 und erreichte erst 1898 wieder Höchstzahlen mit einer Auflage von 24.500.[67] Christian Friedrich Lessings Neffe, Carl Robert Lessing übernahm 1850 die Nachfolge der Leitung, wobei Otto Lindner die Chefredaktion inne hatte. Letzter wurde 1867 von Hermann Kletke abgelöst, der bereits seit 1838 Mitarbeiter war und seit 1849 den Deutschen Artikel betreute. Er war es, der 1870 Theodor Fontane für die Berichte der Theateraufführungen am Königlichen Schauspielhaus gewann.[68] Im Jahr 1864 wechselte auch Ludwig Pietsch von der Spenerschen zur Vossischen Zeitung[69]. Die Nachfolge von Hermann Kletke in der Chefredaktion übernahm 1880 Friedrich Stephany. Im Jahre 1914 wurde die Zeitung mit einer Auflage von 25.000 Exemplaren vom Ullstein Verlag übernommen.[70] In den 1920er Jahren erreichte sie mit 60.000 Exemplaren ihre höchste Auflage. Obwohl sie sich immer parteipolitisch unabhängig und liberal gegeben hatte, stand sie in dieser Zeit der Demokratischen Partei nahe, was wohl den Erfolg erklärte.[71] Ab 1933, nach der faschistischen Machtübernahme, mussten viele der jüdischen Mitarbeiter die Zeitung verlassen, sodass sie im Oktober 1933 nur noch einmal täglich erschien.[72] Am 31. März 1934 musste sie ihr Erscheinen mit einer Auflage von 41.500 Exemplaren schließlich einstellen.[73] Die letzte Ausgabe trug die Nummer 153.[74]

2.1.2 Fontane und die Vossische Zeitung

Theodor Fontanes Verbindung zur Vossischen Zeitung reichte bis in die 1850er Jahre zurück. Ludwig Metzel hatte im Frühjahr 1856 den Kontakt hergestellt und erreichte durch seine Bemühungen, dass Fontane, der sich zu dieser Zeit gerade als Korrespondent in London aufhielt,[75] außerordentlicher Mitarbeiter wurde.[76] Zwischen Mai und Juni 1856 lieferte Fontane neben acht Aufsätzen für das Feuilleton sowie sechs Briefen für den politischen Teil auch fünf Übersetzungen aus dem Globe.[77] Für seine Einsendungen, die keinerlei politischen Inhalte haben durften[78] erhielt er ein Honorar von 65 Talern.[79] Besonders zufrieden war die Redaktion jedoch nicht mit seinen Beiträgen, sie beklagte sich, „er lasse sich zu sehr gehen, schreibe zu rhapsodisch und werde zu gemütlich“.[80] Somit brach die Beziehung zunächst ab, was wohl auch Fontane nicht sehr bedauerte, wie sich in einem Brief an seinen Freund Friedrich Eggers vom 18. Juli 1856 zeigt. Dort schreibt er: „Die Vossin geb’ ich wieder auf. Es sind Schafsköpfe. Dixi.“[81]

Als er 1859 schließlich aus England zurückkehrte, gelang es ihm, ein paar Kapitel aus Jenseits des Tweed im Vorabdruck unter dem Titel Bilder und Briefe aus Schottland in der Vossischen Zeitung bei vollständiger Namensnennung unterzubringen.[82] Einer Publikation, der er gedenk seiner unsicheren finanziellen Lage ohne feste Anstellung, sicherlich dankbar gegenüber stand[83], für ihn jedoch nur ein Vermarktungsschritt vor der eigentlichen Buchveröffentlichung zu sein schien.[84] In einem Brief an Paul Heyse vom 13. Mai 1859 schreibt er dazu:

Ich arbeite jetzt mit ziemlichem Fleiß und ziemlicher Lust an der Beendigung meines Buches über Schottland. Die erste Hälfte der Briefe wird wahrscheinlich auf dem Löschpapier der Vossin vor’s Publikum treten.[85]

Obwohl er sich der Reichweite des Zeitungsmediums bewusst war, spielt er hier auf die Schnelllebigkeit der Tageszeitung an, deren Inhalte den einen Tag noch die Gemüter erhitzten, am nächsten aber schon durch neuen Diskussionsstoff abgelöst wurden. Durch die Veröffentlichung des Schottland-Textes in Buchform erhoffte er sich längerfristigen Erfolg.[86]

Sein Eintritt in die Kreuzzeitung im Jahr 1860 beendete – abgesehen von einigen Buchanzeigen – den Kontakt zur Vossischen Zeitung für mehr als zehn Jahre.[87] In dieser Zeit war er hauptsächlich für den englischen Artikel der Kreuzzeitung verantwortlich und verfasste sogenannte unechte Korrespondenzen. Das bedeutete nichts anderes, als dass er vorgab aus Großbritannien von aktuellen Ereignissen zu berichten, eigentlich aber in Berlin Artikel der Times übersetzte, umschrieb und die Ortsmarke London davorsetzte.[88] Dieses Verfahren war zu Fontanes Zeiten nicht ungewöhnlich, sodass er nichts Schlimmes daran fand, auch wenn der Leser nichts von der Schummelei erfuhr.[89]

[...]


[1] Fontane (1963a). S. 9

[2] Bohn (1981). S. 108

[3] vgl. ebd.

[4] vgl. Barner (1998). S. 191ff

[5] vgl. Habermas (1978). S. 193ff.

[6] vgl. Bohn (1981). S. 108

[7] vgl. ebd.

[8] vgl. Berbig (2010e). S. 3809

[9] vgl. Bohn (1981). S. 118

[10] Fontane (1967). S. 81

[11] vgl. auch Bohn (1981). S. 118

[12] Otto Brahm zitiert nach: Bab (1928). S. 54

[13] Fontane (1967). S. 558

[14] Fontane Archiv Potsdam, Da 467 und Fontane Archiv Potsdam, Varia III, 4 <24109>

[15] vgl. Theobald (2012). S. 63

[16] vgl. Sösemann (2011). S. 216

[17] vgl. Theobald (2012). S. 63

[18] vgl. Theobald (2012). S. 67f.

[19] vgl. ebd. S. 68

[20] vgl. ebd. S. 63

[21] vgl. Sösemann (2011). S. 216

[22] vgl. Theobald (2012). S. 63

[23] vgl. ebd. S. 217

[24] vgl. Richter (1987). S. 682f.

[25] vgl. ebd. S. 683

[26] vgl. ebd. S. 203

[27] vgl. ebd. S. 203

[28] Berbig (2000a). S. 1

[29] zitiert nach Berbig (2000a) S. 3

[30] vgl. Berbig (2000a). S. 204

[31] vgl. Berbig (2000a). S. 223

[32] vgl. ebd. S. 100

[33] vgl. ebd. S. 103

[34] vgl. Berbig (2000). S. 203

[35] Fontane (1982). S. 340f.

[36] vgl. Berbig (2000). S. 203 und 218

[37] vgl. ebd. S. 202

[38] zitiert nach Hellge (1973). S. 46

[39] vgl. Berbig (2000). S. 203 und 218

[40] Zitiert nach Drude (1998). S. 334

[41] Thunecke (2000a). S. 867

[42] vgl. Fetting (1987). S. 661

[43] vgl. Drude (1998). S. 333

[44] vgl. ebd. S. 661 - 662

[45] vgl. ebd.

[46] vgl. ebd.

[47] vgl. Berbig (2000a). S. 74

[48] vgl. ebd. S. 73

[49] Buchholtz (1904). S. 171 zitiert nach Berbig (2000a). S. 73f.

[50] Berbig (2000a). S. 73f.

[51] vgl. ebd. S. 74

[52] ebd. S. 74

[53] vgl. Fetting (1987) S. 661f.

[54] vgl. ebd.

[55] vgl. Drude (1998). S. S. 333

[56] vgl. ebd.

[57] vgl. Seidel (1981). S. 27

[58] vgl. Barner (1998). S. 139

[59] vgl. Seidel (1981). S. 27

[60] vgl. Barner (1998). S. 139

[61] vgl. Drude, Otto (1998). S. S. 333

[62] vgl. ebd. S. 334

[63] vgl. ebd.

[64] vgl. ebd.

[65] vgl. Berbig (2000a). S. 74

[66] vgl. Drude (1998). S. 334

[67] vgl. Berbig (2000a). S. 74

[68] vgl. Drude (1998). S. 334

[69] vgl. ebd.

[70] vgl. Drude (1998). S. 335

[71] vgl. Fetting (1987) S. 661-662

[72] vgl. ebd.

[73] vgl. Drude (1998). S. 335

[74] vgl. Fetting (1987) S. 662

[75] Vgl. Nürnberger (1997). S. 243

[76] vgl. Berbig (2000a). S. 72-73

[77] vgl. Berbig (2000a). S. 73

[78] vgl. Nürnberger (1997). S. 243

[79] vgl. Berbig (2000a). S. 73

[80] Berbig (2000a). S. 73

[81] Berbig (1997). S. 185

[82] vgl. Berbig (2000a). S. 74

[83] vgl. Nürnberger (1997). S. 243

[84] vgl. Krings (2008). S. 60

[85] Fontane (1976). S. 670

[86] vgl. Krings (2008). S. 60

[87] vgl. Berbig (2000a). S. 74

[88] vgl. Krings (2008). S. 65-66

[89] vgl. ebd. S. 66

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Theodor Fontane als Theaterkritiker. Analyse seiner Auseinandersetzung mit den Lessing-Aufführungen
Hochschule
Universität Potsdam  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Abschlussarbeit
Note
1,3
Autor
Jahr
2015
Seiten
76
Katalognummer
V312857
ISBN (eBook)
9783668118171
ISBN (Buch)
9783668118188
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theodor Fontane, Theaterkritik
Arbeit zitieren
Master of Arts Sarah Kugler (Autor), 2015, Theodor Fontane als Theaterkritiker. Analyse seiner Auseinandersetzung mit den Lessing-Aufführungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/312857

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