Die Märkte befinden sich im Wandel. Verkäufermärkte haben sich zu Käufermärkten
entwickelt, auf denen die Abnehmer eine große Macht besitzen und die Nachfrage
heterogen ist. Die Unternehmen sehen sich nun der Herausforderung gegenüber,
diese individualisierte Nachfrage mit entsprechenden Produkten zu befriedigen
[PILL00, S. 79]. Damit eine solche Individualisierung und die damit einhergehende
Variantenvielfalt nicht die Komplexitäts- und Koordinationskosten in die Höhe
treibt, müssen die Unternehmen neue Konzepte entwickeln, die dieser
Kostenexplosion entgegenwirken [WEBE98, S. 191]. Bei der Entwicklung und
Umsetzung solcher Konzepte kommt dem Order Penetration Point eine
entscheidende Bedeutung zu.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Order Penetration Point
2.1 Übergang von der auftragsneutralen zur auftragbezogenen Fertigung
2.2 Positionierung des Order Penetration Point
2.2.1 Alternative Positionierungen
2.2.2 Strategie des Postponement
2.2.3 Mass Customization
2.3 Auswirkung der Positionierung auf die Teilebevorratung
3 Order Penetration Point in der Praxis
3.1 Praxisbeispiel Hewlett Packard
3.2 Praxisbeispiel Benetton
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die strategische Bedeutung des Order Penetration Point (OPP) als entscheidendes Instrument zur Bewältigung individualisierter Kundenanforderungen in einem dynamischen Marktumfeld. Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine gezielte Positionierung dieses Punktes entlang der Wertschöpfungskette Komplexitätskosten gesenkt, Lagerbestände optimiert und die Reaktionsfähigkeit auf Nachfrageschwankungen durch Konzepte wie Postponement und Mass Customization gesteigert werden können.
- Grundlagen des Order Penetration Point und der Push-Pull-Grenze
- Strategische Positionierungsmöglichkeiten in der Wertschöpfungskette
- Methoden der kundenindividuellen Massenproduktion (Mass Customization)
- Einfluss der OPP-Positionierung auf Bestandsmanagement und Kapitalbindung
- Praxisnahe Analyse der Strategieimplementierung bei Hewlett Packard und Benetton
Auszug aus dem Buch
2.1 Übergang von der auftragsneutralen zur auftragbezogenen Fertigung
Wie man in Abbildung 1 sehen kann, erfolgt am Order Penetration Point eine Aufteilung der Wertschöpfungskette in einen prognosegesteuerten (Push) und in einen auftragsgesteuerten (Pull) Bereich. Folglich spricht man in diesem Zusammenhang auch von der Push-Pull-Grenze [PFOH94, S. 146]. Bei dem Push-Konzept werden die produzierten Bestände über das Netzwerk hinweg in Richtung Kunde gedrückt, während beim Pull-Konzept nur dann produziert wird, wenn auch tatsächlich eine Nachfrage besteht: die Endkunden „ziehen“ ihren Bedarf aus dem Logistik-Netzwerk [KUHN02, S. 3f.].
Bewegt man sich innerhalb der Wertschöpfungskette warenflussabwärts, befindet man sich im prognosegesteuerten Bereich. Hier erfolgt eine Fertigung von Einzelteilen und Baugruppen für den anonymen Markt, die also keinen Bezug zu Kundenaufträgen hat. Bis zum Order Penetration Point werden die Erzeugnisse neutral gehalten und auf Lager produziert [DARR92, S. 284; VAHR94, S. 77f.].
Auf der anderen Seite der Wertschöpfungskette, warenflussaufwärts, befindet sich der auftragsgesteuerte Teil der Logistikkette. Die Fertigung erfolgt also aufgrund bereits vorliegender Kundenaufträge. Hierzu werden die generischen Teile aus dem Lager entnommen und dann gemäß der Aufträge spezifiziert [VAHR94, S. 77f.]. Ab dem Order Penetration Point entstehen also die kundenspezifischen Varianten, so dass man in diesem Zusammenhang auch vom Variantenbestimmungspunkt spricht [PFOH94, S. 143; BLOE97, S.1126f.].
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert den Wandel von Verkäufer- zu Käufermärkten und den daraus resultierenden Zwang für Unternehmen, individualisierte Nachfragen effizient zu bedienen.
2 Order Penetration Point: Hier werden die theoretischen Grundlagen des OPP als Trennpunkt zwischen prognose- und auftragsgesteuerter Produktion sowie dessen strategische Auswirkungen auf Logistik und Produktion definiert.
3 Order Penetration Point in der Praxis: Anhand der Unternehmen Hewlett Packard und Benetton wird verdeutlicht, wie durch späte Variantenbildung und Postponement-Strategien Wettbewerbsvorteile erzielt werden.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Dieses Kapitel fasst die Bedeutung des OPP für moderne Logistikkonzepte zusammen und erörtert, warum diese Methoden zur Bewältigung zukünftiger Marktkomplexität unerlässlich bleiben.
Schlüsselwörter
Order Penetration Point, Push-Pull-Grenze, Postponement, Mass Customization, Wertschöpfungskette, Logistikmanagement, Variantenbildung, Bestandsmanagement, Kapitalbindung, Kundenorientierung, Supply Chain Management, Produktionsplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit behandelt die strategische Relevanz des Order Penetration Point als zentrales Bindeglied zwischen einer effizienten, prognosebasierten Produktion und einer kundenorientierten, auftragsspezifischen Fertigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die logistische Aufteilung der Wertschöpfungskette, Strategien wie Postponement und Mass Customization sowie deren Auswirkungen auf Bestandsführung und Lieferservice.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Einfluss der Positionierung des OPP auf die Kosteneffizienz und die Reaktionsfähigkeit eines Unternehmens in einem heterogenen Marktumfeld zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie der Fallstudienbasierten Untersuchung erfolgreicher praktischer Anwendungsbeispiele in der Industrie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Positionierungsvarianten, den Einfluss auf die Bevorratung sowie konkrete Umsetzungen bei führenden Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Order Penetration Point, Postponement, Mass Customization, Push-Pull-Grenze, Variantenbildung und Logistikmanagement.
Wie wirkt sich die OPP-Positionierung auf das Risiko der Veralterung von Produkten aus?
Eine späte Positionierung des OPP stellt sicher, dass Produkte erst nach konkretem Auftragseingang spezifiziert werden, was das Risiko von Bestandsveralterungen und die Notwendigkeit hoher Sicherheitsbestände minimiert.
Warum wählt Benetton eine Modularisierung der Prozesse?
Benetton verlagert den Prozess der Farbgebung an eine spätere Stelle der Wertschöpfungskette, um flexibel auf saisonale Farbtrends reagieren zu können und Lagerbestände unverkaufter Trendartikel zu vermeiden.
- Citar trabajo
- Stefan Müller (Autor), 2004, Order Penetration Point - Übergang von der auftragsneutralen zur auftragsbezogenen Fertigung, seine Positionierung und Auswirkung auf die Teilebevorratung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31295