Schulverweigerung. Erkenntnisgewinn durch problemzentrierte Interviews?


Hausarbeit, 2015

14 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Empirische Sozialforschung
1.1. Zentrale Prinzipien der qualitativen Forschung
1.2. Das problemzentrierte Interview
1.3. Methodische Vorgehensweise des problemzentrierten Interviews

2. Empirischen Untersuchung über Schulverweigerer
2.1. Methode
2.2. Untersuchungsergebnisse
2.3. Erkenntnisse
3. Erkenntnisgewinn betreffend Schulverweigerung durch problemzentrierte Interviews

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

In der folgenden Ausarbeitung werde ich mich mit dem Thema befassen, inwieweit das problemzentrierte Interview als Methode zum Erkenntnisgewinn bezüglich der Problematik der Schulverweigerung herangezogen werden kann.

Schulverweigerung stellt den Überbegriff für Verhaltensmuster dar, in dem Schüler/innen sich während der Unterrichtszeit nicht in der Schule aufhalten, sondern alternative Räume bevorzugen. Schulverweigerung beschreibt somit die physische Abwesenheit aus dem Wirkungsbereich der Schule (vgl. Ricking 2011).

In den vergangenen Jahren zieht das Phänomen der Schulverweigerung Aufmerksamkeit im Bereich der pädagogischen, psychologischen, medizinischen und soziologischen Forschung auf sich, da die Zahl der Schulverweigerer/innen dramatisch steigt.

Da die Teilnahme am schulischen Unterricht die Voraussetzung für ein integriertes Leben in der Gesellschaft darstellt, begeben sich Schulverweigerer pädagogisch gesehenen in negative Entwicklungskreisläufe. Sie laufen Gefahr den gesellschaftlichen Ansprüchen bezüglich sozialer Anpassung und beruflichem Leistungsverhalten nicht entsprechen zu können und auch nach der Schulzeit von Ausgrenzungsprozessen betroffen zu sein. Schulverweigerung stellt somit kein rein schulisches Problem dar, da die Verweigerung der Schule mit hoher Wahrscheinlichkeit die berufliche und die damit verbundene soziale Desintegration miteinbezieht (vgl. Ricking 2006, S. 8-9).

Da für Schulverweigerung keine eindeutige Ursache oder ein vorhersehbarer Verlauf existiert, versuchen einigen Studien durch Interviews mit Schulverweiger/innen dem Phänomen auf den Grund zu kommen, Gründe zu erforschen, um alternative Angebote zu schaffen, die die Schüler befähigen sollen, wieder am Schulleben teilzunehmen und ihre Schullaufbahn eigenverantwortlich zu gestalten.

In dieser Ausarbeitung setze ich mich mit der Studie „Abgeschrieben? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung über Schulverweigerung“ auseinander, die u.a. mit der Methode des problemzentrierten Interviews arbeitet und die Problematik der Schulverweigerung aus verschieden Perspektiven betrachtet, um so zu einem differenzierten Ergebnis über Ursachen und Präventionsmöglichkeiten zu gelangen. Da die Studie sehr umfangreich ist und die zu betrachtenden Aspekte vielfältig dargestellt werden, werde ich in dieser Ausarbeitung nur auf Teilaspekte der Studie eingehen.

Im Vorfeld äußere ich mich zur empirischen Sozialforschung, den zentralen Prinzipien der qualitativen Forschung, der Methode des problemzentrierten Interviews sowie dessen Erkenntnisgewinn betreffend der Schulverweigerung.

Im Fazit werde ich mich mit den Ergebnissen näher auseinandersetzen, die meines Erachtens ausschlaggebend für die Gründe von Schulveweigerung sind.

1. Empirische Sozialforschung

Die empirische Sozialforschung befasst sich mit Themen, die der Beschreibung sowie der Erklärung und dem Verstehen sozialer Phänomene dienen. Sie überprüft Hypothesen der sozialen Wirklichkeit, um daraus neue Theorien zu formulieren. Ihre Wurzeln liegen im 19. Jahrhundert, seit dem 20. Jahrhundert ist sie in allen sozialwissenschaftlichen Disziplinen etabliert. Ein großer Teil der quantitativ orientierten Forschung in der Sozialwissenschaft ist die Deskription sozialer Tatsachen. Inhalt ist diesbezüglich die Messung, Quantifizierung und Erklärung von beobachtbaren Zusammenhängen sowie die Überprüfung von Hypothesen und Theorien. Aufgrund dessen haben sich verschiedenen Verfahrensweisen als nützlich erwiesen, mit denen man die Datenerhebung alltagsnah und soziales Handeln in seinen Bezügen und Entstehungsprozessen erfassen kann. Diese Verfahren wie beispielsweise die Gruppendiskussion, die teilnehmende Beobachtung sowie verschiedene Formen qualitativer Interviews bewirken die forschungsmethodische Nutzbarkeit von Aspekten des sozialen Handelns (vgl. Thole et al. 2015, S. 166 ff).

1.1.Zentrale Prinzipien qualitativer Forschung

Prinzipien der qualitativen Forschung beinhalten Offenheit, Prozesshaftigkeit und Kommunikation. Offenheit beschreibt die Vorgehensweise, dass sich der Forscher ohne das vorherige Formulieren von Theorien und Hypothesen dem Forschungsgegenstand nähert (vgl. Reinders 2012, S. 39). Die Offenheit gilt für den gesamten Verlauf der Untersuchung, sie ändert sich lediglich in der Art und Tiefe der Fragen (vgl. ebd., S. 35). Die Prozesshaftigkeit meint die fortlaufenden Konstruktionen der sozialen Realität, die durch die Akteure nachgezeichnet wird sowie die Tatsache, dass Forschung als Wechsel von Fragen und Informationen angesehen (vgl. ebd., S. 39) und der Forschungsprozess als eine Reihe von Schleifen verstanden wird, die um die Formulierung und Reformulierung von Fragen sowie den Sammeln von Informationen kreisen (vgl. ebd., S. 37). Kommunikation in der qualitativen Forschung bedeutet, dass das Interview dem alltäglichem Gespräch betreffend Form, Gesprächsregeln und Inhaltsverständigung möglichst nahe kommt (vgl. ebd., S. 39) und sich Forscher und Befragter über die Inhalte der Kommunikation einig sind (vgl. ebd., S. 38).

1.2.Das problemzentrierte Interview

Das problemzentrierte Interview, welches seinen Ursprung 1985 durch Witzel hatte, findet vor allem in der Psychologie Anwendung. Biographische Daten im Hinblick auf ein bestimmtes Problem werden im problemzentrierten Interview anhand eines Leitfadens, der aus Fragen und Erzählanreizen besteht, thematisiert (vgl. Flick 2010, S. 210). Das problemzentrierte Interview wird in vielfältigen Anwendungsgebieten durchgeführt und ist auf keine besondere Fragestellung festgelegt. Allerdings findet es häufig Anwendung in der Arbeitslosigkeitsforschung, in Forschungen zur Folgen der Individualisierung sowie in der Erforschung von Prozessen der Selbstsozialisation von Jugendlichen. Der Vorteil von problemzentrierten Interviews besteht darin, dass sie einen klar eingegrenzten Themenbereich behandeln: Die Gedanken der Befragten werden so auf einige wenige Aspekte gelenkt, sodass es den Befragten leichter fällt, ihre diesbezüglichen Erfahrungen und Einstellungen zu aktivieren (vgl. Reinders 2012, S. 106). Dies bedeutet aber auch, dass ein möglichst fundiertes Wissen in Form von Dimension, Aspekten, Teilfragen und Unterpunkten über den im Vorfeld eingegrenzten Themenbereich vorhanden sein muss, um zu einem Leitfadenentwurf zu gelangen (vgl. ebd., S. 107). Aufgrund der Notwendigkeit der Modifikation des Leitfadens, muss das problemzentrierte Interview teilweise zweimal ausgewertet werden. Einmal bezüglich der eben erwähnten Modifikation des Leitfadens und ein anderes Mal zur abschließenden Generierung der Ergebnisse, sodass man beispielsweise bei Abschlussarbeiten den Durchführungs- und Auswertungsaufwand durch maximal sechs bis acht Interviews in überschaubare Grenzen halten sollte (vgl. ebd., S. 108). Das problemzentrierte Interview wird durch die Kriterien Problemzentrierung, Gegenstandsorientierung und Prozessorientierung gekennzeichnet. Als Ausgangspunkt steht die „Orientierung an einer gesellschaftlich relevanten Problemstellung“ (ebd., S. 102), im Mittelpunkt eine eingegrenzte Fragestellung und die Betonung der Ausrichtung an der Beschaffenheit des Forschungsgegenstandes. Der Forschungsprozess wird flexibel und offen gehalten, die Fragen werden den Erzählungen des Befragten im Laufe des Interviews angepasst (vgl. ebd., S. 102). Beim problemzentrierten

Interview handelt es sich um eine Methodenkombination, die aus qualitativem Interview, biographischer Methode, Fallanalyse, Gruppendiskussion und Inhaltsanalyse besteht, mit dem Ziel, Problembereiche gesellschaftlicher Realität mit Hilfe verschiedener Techniken zu betrachten und zu analysieren (vgl. Flick 2010, S. 210).

1.3 Methodische Vorgehensweise

Das problemzentrierte Interview wird in folgende fünf Phasen unterteilt:

- Problemanalyse - Die bereits im Vorfeld erwähnte Identifikation mit einem Problembereich gesellschaftlicher Realität ist Voraussetzung für das Forschungsvorhaben.
- Leitfadenkonstruktion - Ein Leitfaden wird auf der Basis der Problemanalyse erstellt.  Pilotphase - Die Pilotphase beinhaltet, dass der erstellte Leitfaden an einer kleinen Zahl von Befragten erprobt wird.
- Interviewdurchführung - In diese Phase ist der Leitfaden soweit angepasst, dass keine substantiellen Änderungen vorgenommen werden müssen. Er wird lediglich in Bezug auf die erhaltenden Informationen verfeinert.
- Auswertung - Auswertung und Interviewphase sind eng miteinander verbunden, so dass zwei Varianten der Auswertung stattfinden. Eine erste Auswertung, die zur Modifikation des Leitfadens dient und zeitnah zu den Interviews stattfindet sowie eine zweite Auswertung nach Abschluss des Interviews, die das gesamte Interviewmaterial ausführlich und detailliert auswertet (vgl. Reinders 2012, S. 103 f).

Das Interview selbst wird nochmals in Kombination mit anderen Methoden in unterschiedliche Phasen eingeteilt (vgl. ebd., S. 104):

- Kurzfragebogen - Dem Befragten kann zu Beginn des Interviews ein Kurzfragebogen vorgelegt werden, der zur Aktivierung von Gedächtnisinhalten und zur ersten inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem anzusprechendem Probleminhalt dient. Er hat die Funktion, den Einstieg in das Gespräch zu erleichtern.
- Einstiegsfrage - Die Einstiegsfrage dient dazu, das Thema des Interviews festzulegen. Je nachdem, ob ein standardisierter Fragebogen im Vorfeld eingesetzt wurde, kann diese Phase auch übersprungen werden (vgl. Lamnek 2010, S. 333).

[...]

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Details

Titel
Schulverweigerung. Erkenntnisgewinn durch problemzentrierte Interviews?
Hochschule
Hochschule RheinMain  (Hochschule)
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V313169
ISBN (eBook)
9783668119116
ISBN (Buch)
9783668119123
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problemzentriertes Interview, Schulverweigerung, empirische Studie
Arbeit zitieren
Tonia Lehmann (Autor), 2015, Schulverweigerung. Erkenntnisgewinn durch problemzentrierte Interviews?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313169

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