Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit dem Thema, inwieweit das problemzentrierte Interview als Methode zum Erkenntnisgewinn bezüglich der Problematik der Schulverweigerung herangezogen werden kann. Schulverweigerung stellt den Überbegriff für Verhaltensmuster dar, in dem Schüler/innen sich während der Unterrichtszeit nicht in der Schule aufhalten, sondern alternative Räume bevorzugen. In den vergangenen Jahren zieht das Phänomen der Schulverweigerung Aufmerksamkeit im Bereich der pädagogischen, psychologischen, medizinischen und soziologischen Forschung auf sich, da die Zahl der Schulverweigerer/innen dramatisch steigt.
Da die Teilnahme am schulischen Unterricht die Voraussetzung für ein integriertes Leben in der Gesellschaft darstellt, begeben sich Schulverweigerer pädagogisch gesehenen in negative Entwicklungskreisläufe. Sie laufen Gefahr den gesellschaftlichen Ansprüchen bezüglich sozialer Anpassung und beruflichem Leistungsverhalten nicht entsprechen zu können und auch nach der Schulzeit von Ausgrenzungsprozessen betroffen zu sein. Schulverweigerung stellt somit kein rein schulisches Problem dar, da die Verweigerung der Schule mit hoher Wahrscheinlichkeit die berufliche und die damit verbundene soziale Desintegration miteinbezieht.
Diese Ausarbeitung setzt sich mit der Studie „Abgeschrieben? Ergebnisse einer empirischen Untersuchung über Schulverweigerung“ auseinander, die u.a. mit der Methode des problemzentrierten Interviews arbeitet und die Problematik der Schulverweigerung aus verschieden Perspektiven betrachtet, um so zu einem differenzierten Ergebnis über Ursachen und Präventionsmöglichkeiten zu gelangen. Im Vorfeld wird sich zu der empirischen Sozialforschung, den zentralen Prinzipien der qualitativen Forschung, der Methode des problemzentrierten Interviews sowie dessen Erkenntnisgewinn betreffend der Schulverweigerung geäußert. Im Fazit wird sich mit den Ergebnissen näher auseinandergesetzt, die ausschlaggebend für die Gründe von Schulveweigerung sind.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Empirische Sozialforschung
1.1. Zentrale Prinzipien der qualitativen Forschung
1.2. Das problemzentrierte Interview
1.3. Methodische Vorgehensweise des problemzentrierten Interviews
2. Empirischen Untersuchung über Schulverweigerer
2.1. Methode
2.2. Untersuchungsergebnisse
2.3. Erkenntnisse
3. Erkenntnisgewinn betreffend Schulverweigerung durch problemzentrierte Interviews
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Potenzial des problemzentrierten Interviews als wissenschaftliche Methode, um tiefere Einblicke in die Ursachen und Hintergründe von Schulverweigerung bei Jugendlichen zu gewinnen und darauf aufbauend pädagogische Handlungsoptionen zu identifizieren.
- Grundlagen der qualitativen Sozialforschung
- Methodik des problemzentrierten Interviews
- Analyse der Studie "Abgeschrieben?" zu Schulverweigerung
- Einfluss von Schule und Lehrkräften auf Schulverweigerung
- Bedeutung der Schulsozialarbeit bei Absentismus
Auszug aus dem Buch
1.2.Das problemzentrierte Interview
Das problemzentrierte Interview, welches seinen Ursprung 1985 durch Witzel hatte, findet vor allem in der Psychologie Anwendung. Biographische Daten im Hinblick auf ein bestimmtes Problem werden im problemzentrierten Interview anhand eines Leitfadens, der aus Fragen und Erzählanreizen besteht, thematisiert (vgl. Flick 2010, S. 210). Das problemzentrierte Interview wird in vielfältigen Anwendungsgebieten durchgeführt und ist auf keine besondere Fragestellung festgelegt. Allerdings findet es häufig Anwendung in der Arbeitslosigkeitsforschung, in Forschungen zur Folgen der Individualisierung sowie in der Erforschung von Prozessen der Selbstsozialisation von Jugendlichen.
Der Vorteil von problemzentrierten Interviews besteht darin, dass sie einen klar eingegrenzten Themenbereich behandeln: Die Gedanken der Befragten werden so auf einige wenige Aspekte gelenkt, sodass es den Befragten leichter fällt, ihre diesbezüglichen Erfahrungen und Einstellungen zu aktivieren (vgl. Reinders 2012, S. 106). Dies bedeutet aber auch, dass ein möglichst fundiertes Wissen in Form von Dimension, Aspekten, Teilfragen und Unterpunkten über den im Vorfeld eingegrenzten Themenbereich vorhanden sein muss, um zu einem Leitfadenentwurf zu gelangen (vgl. ebd., S. 107).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in das Phänomen Schulverweigerung und Zielsetzung der Arbeit unter Bezugnahme auf die Studie „Abgeschrieben?“.
1. Empirische Sozialforschung: Darstellung der Grundlagen qualitativer Forschung und der methodischen Spezifika sowie Phasen des problemzentrierten Interviews.
2. Empirischen Untersuchung über Schulverweigerer: Vorstellung der Studie, ihrer methodischen Anlage sowie die Analyse der Untersuchungsergebnisse und Erkenntnisse zur Schulverweigerung.
3. Erkenntnisgewinn betreffend Schulverweigerung durch problemzentrierte Interviews: Erörterung der Eignung des Interviews zur Exploration individueller Ursachen bei schulverweigernden Jugendlichen.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Rolle von Schule und Lehrkräften sowie die Notwendigkeit von Unterstützung durch Schulsozialarbeit bei der Bewältigung von Schulverweigerung.
Schlüsselwörter
Schulverweigerung, Schulabsentismus, problemzentriertes Interview, qualitative Sozialforschung, Jugendsozialarbeit, Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft, Schülerbiographien, Schulerfolg, Präventionsarbeit, Lernmotivation, Schulsanierung, Sozialintegration, Lehrverhalten, Schulpsychologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das problemzentrierte Interview als qualitative Forschungsmethode genutzt werden kann, um die komplexen Ursachen für das Fernbleiben von Schülern vom Unterricht zu verstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die qualitative Sozialforschung, die spezifische Methode des problemzentrierten Interviews sowie das Phänomen der Schulverweigerung im Kontext pädagogischer Interventionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu analysieren, ob und wie durch problemzentrierte Interviews tiefgreifende Erkenntnisse über die Motive von Schulverweigerern gewonnen werden können, um so zu differenzierteren Präventionsmöglichkeiten zu gelangen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auseinandersetzung mit der empirischen Studie "Abgeschrieben?", die das problemzentrierte Interview zur Datenerhebung einsetzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen der qualitativen Forschung die Ergebnisse der untersuchten Studie hinsichtlich der Entwicklung und Ausprägungsformen der Schulverweigerung detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Schulverweigerung, qualitative Methodik, problemzentriertes Interview und die Rolle der pädagogischen Institutionen.
Warum wird das problemzentrierte Interview als besonders geeignet angesehen?
Da Schulverweigerung individuell bedingt ist, erlaubt diese Methode den Jugendlichen, ihre Sichtweise subjektiv und ohne Bewertung durch Forscher in ihrer eigenen Sprache darzulegen.
Welche Rolle spielen Lehrkräfte bei der Schulverweigerung?
Lehrkräfte haben einen massiven Einfluss auf den Verlauf: Während ausgrenzende Reaktionen oder drakonische Strafen die Verweigerung oft verfestigen, können wertschätzende Gespräche den Prozess positiv beeinflussen.
- Citation du texte
- Tonia Lehmann (Auteur), 2015, Schulverweigerung. Erkenntnisgewinn durch problemzentrierte Interviews?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313169