Rassismus ist keinesfalls ein bloßes Phänomen des 20. Jh. und 21.Jh. Aus diesem Grund lohnt es sich einen Blick auf die Entstehung des Rassismus zu werfen, dies könnte einen Einblick in Entstehungshintergründe und Argumentations-muster geben, die helfen könnten, um auf aktuelle Entwicklungen adäquat zu reagieren. Interessant ist es festzustellen inwieweit die beiden Formen des Rassismus sich ähneln oder unterscheiden, ob eine Form die Entwicklung der anderen Form gefördert oder beeinflusst hat. Die Ursprünge des Rassismus finden sich im Kolonialrassismus und dem rassistischen Antisemitismus (vgl. Fredrickson 2004, S. 21ff.).
In der folgenden Seminararbeit wird zunächst eine Definition des Rassismusbegriffes vorgenommen und diese von anderen Begrifflichkeiten, wie beispielsweise Xenophobie und Diskriminierung, abgegrenzt. Anschließend werden der Kolonialrassismus und der rassistische Antisemitismus bzgl. ihrer historischen Entwicklung bzw. ihrem Entstehungshintergrund hin betrachtet und auf ihre Argumentationsstruktur und ihren Kernannahmen hin untersucht. Im Anschluss wird ein Fazit gezogen um die oben aufgeworfenen Fragen, zum Verhältnis der beiden Rassismusformen, soweit möglich, zu beantworten. Zum Schluss folgt ein kurzer Ausblick auf weitere Forschungsthemen.
Aktuelle Begebenheiten machen die Auseinandersetzung mit Rassismus erforderlicher denn je. Spätestens seit den NSU-Morden und dem nun darauffolgenden NSU-Prozess, der Entstehung der Pegida-Bewegung, welche versucht Fremdenfeind-lichkeit wieder salonfähig zu machen und die zunehmende Islam-und Ausländer-feindlichkeit, welche vor allem die zunehmende Anzahl von Asylsuchenden zu spüren bekommen, ist ein erneuter intensiver Diskurs über Rassismus und seine Formen notwendig.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Rassismusbegriff
3. Der Kolonialrassismus
3.1 Die historische Entwicklung des Kolonialrassismus
3.2 Die Argumentationsstruktur des Kolonialrassismus
4. Der rassistische Antisemitismus
4.1 Die historische Entwicklung des rassistischen Antisemitismus
4.2 Die Argumentationsstruktur des rassistischen Antisemitismus
5. Fazit
6. Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit den historischen Ursprüngen und den Argumentationsstrukturen des Kolonialrassismus sowie des rassistischen Antisemitismus auseinander, um deren gegenseitige Beeinflussung und Unterschiede zu beleuchten.
- Definition des Rassismusbegriffs und Abgrenzung zu verwandten Konzepten wie Diskriminierung und Xenophobie.
- Historische Untersuchung des Kolonialrassismus unter Berücksichtigung imperialer Expansionsinteressen.
- Analyse der Entstehung und des Wandels des rassistischen Antisemitismus vom Antijudaismus zur rassistischen Ideologie.
- Vergleichende Gegenüberstellung der Argumentationsmuster und Opfergruppen beider Rassismusformen.
- Reflexion über die Bedeutung von Rassentheorien und deren Auswirkungen auf gesellschaftliche Strukturen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die historische Entwicklung des Kolonialrassismus
Die im 15. Jh. entstehenden europäischen Nationalstaaten suchten ihre politischen und wirtschaftlichen Grenzen bzw. Einflussgebiete zu erweitern. Dies führte zu den Entdeckungsfahrten und der Kolonisierung (vgl. Miles 2014, S. 30). Die Europäer traten somit erstmalig mit nicht-islamischen Menschen in Kontakt. Geprägt war dieser jedoch äußerst rasch durch Konkurrenzkämpfe um Territorien, der Einführung des Rechts auf Privatbesitz, dem Missionierungsbedürfnis und der großen Nachfrage nach günstigen Arbeitskräften seitens der europäischen Kolonisatoren (vgl. Miles 2014, S. 30).
Zu Beginn wurde der Kolonialrassismus genutzt um die imperiale Expansion zu rechtfertigen, diese Aufgabe wandelte sich jedoch und der Kolonialrassismus wurde herangezogen um die aufkommenden Rassentheorien und der damit folgenden Annahme des Überlebenskampfes jeder Rasse, sowie die Überlegenheit der Koloniemächte zu begründen (vgl. Geulen 2014, S. 85). Kriege um Kolonien wurden somit zu biopolitischen Existenzkämpfen (vgl. Geulen 2014, S.85). Ab dem 16. Jh. prägten Reiseberichte die Wahrnehmung der Europäer von Menschen in den Kolonien. Entdecker, Kaufleute und Missionare reisten meist mit einem vorgeprägten Bild bzgl. der Charaktereigenschaften der Völker, welche sie zu begegnen erwarteten (vgl. Miles 2014, S. 21). Diese Vorstellungen fanden meist ihren Ursprung in Darstellungen von fremdländischen Menschen aus dem Mittelalter, vor allem das Bild der Afrikaner war dadurch stark geprägt (vgl. Miles 2014, S. 21). Allerdings beschrieben“ die Berichte oftmals genau jene Aspekte afrikanischen Lebens (…), die im Westen als äußerst abstoßend gelten mussten (…)“ (Cutin 1965, S. 23). Die Betrachtung der Nicht-Europäer war jedoch keinesfalls homogen in Europa. In Russland wurde beispielsweise kaum eine Beschreibung der physischen Erscheinung vorgenommen (vgl. Miles 2014, S. 32).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema im akademischen Kontext und begründet die Notwendigkeit einer historischen Auseinandersetzung mit Rassismus angesichts aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen.
2. Der Rassismusbegriff: Dieses Kapitel erörtert die Definitionsvielfalt des Begriffs Rassismus, grenzt ihn von Diskriminierung und Xenophobie ab und stellt die drei wissenschaftlichen Hauptausprägungen vor.
3. Der Kolonialrassismus: Es wird die historische Genese des Kolonialrassismus von den ersten Entdeckungsfahrten bis ins 20. Jahrhundert und dessen strukturelle Argumentation zur Legitimation von Ausbeutung untersucht.
4. Der rassistische Antisemitismus: Dieses Kapitel analysiert die Transformation von religiös motiviertem Antijudaismus hin zum rassistisch begründeten Antisemitismus im 19. und 20. Jahrhundert.
5. Fazit: Das Fazit stellt die wesentlichen Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Rassismusformen gegenüber und reflektiert deren Rolle bei der Konstruktion gesellschaftlicher Ordnung.
6. Ausblick: Der Ausblick identifiziert weitere Forschungsfelder, wie den Einfluss der Aufklärung auf Rassentheorien oder den Vergleich mit Antiziganismus und Islamfeindlichkeit.
Schlüsselwörter
Rassismus, Kolonialrassismus, Antisemitismus, Rassenkonstruktion, Diskriminierung, Xenophobie, Ideologie, Überlebenskampf, Ausgrenzung, Historische Entwicklung, Kolonialismus, Europäische Nationalstaaten, Antijudaismus, Rassentheorien, Biopolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historischen Wurzeln und ideologischen Strukturen zweier spezifischer Rassismusformen: den Kolonialrassismus und den rassistischen Antisemitismus.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Entstehung von Rassenkonstruktionen, die Rechtfertigung von Machtansprüchen durch den Rassismusbegriff sowie die historische Entwicklung beider Formen im Kontext europäischer Geschichte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel besteht darin, durch eine historische Betrachtung Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Argumentationsweise beider Rassismusformen aufzuzeigen und deren gegenseitige Beeinflussung zu klären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und dem Vergleich historischer Prozesse basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Begriffs Rassismus, eine detaillierte Analyse der historischen Entwicklung und Argumentationsstruktur des Kolonialrassismus sowie eine entsprechende Untersuchung des rassistischen Antisemitismus.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rassenkonstruktion, Kolonialismus, Antisemitismus, Ideologie und historische Diskriminierung charakterisiert.
Worin liegt der Hauptunterschied in der Argumentation gegenüber jüdischen Menschen im Vergleich zu afrikanischen Völkern?
Während jüdischen Menschen bis ins 19. Jahrhundert primär religiöse Feindseligkeit (Erbsünde) entgegengebracht wurde, war das Bild der afrikanischen Bevölkerung von kolonialen Machtinteressen, Zwangsarbeit und dem Konstrukt des "edlen Wilden" geprägt.
Inwiefern hat der Kolonialrassismus den rassistischen Antisemitismus beeinflusst?
Die im Kontext der Kolonialisierung entstandenen Rassentheorien lieferten ein ideologisches Gerüst, das im Antisemitismus dazu führte, das Judentum nicht mehr als Religion, sondern als biologisch begründete "Gegenrasse" zu definieren.
- Citation du texte
- Gero Hellmann (Auteur), 2015, Kolonialrassismus und rassistischer Antisemitismus. Historische Entstehung und Argumentationsstrukturen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313305