Die Standortentscheidung hat im stationären Einzelhandel eine enorme Bedeutung für den späteren Erfolg oder Misserfolg des Unternehmens. Zusätzlich ist zu beachten, dass die gefällte Standortentscheidung, mit dem nachfolgenden Bau oder Kauf einer Immobilie, eine langfristige Entscheidung ist, die nur begrenzt durch Folgemaßnahmen revidiert werden kann. Aus dieser Tatsache heraus wird die Standortwahl, insbesondere bei risikobewussten Handelsunternehmen, nicht dem Zufall überlassen, sondern unterliegt einem fortlaufenden Abwägen von Chancen und Risiken. Ein breites Spektrum von Faktoren in eine systematische Ordnung zu bringen, um den bestmöglichen Standort zu gewährleisten, obliegt der Standortplanung.
Der Analyse von relevanten Standortfaktoren im Verlauf der Zeit, wird in der vorliegenden Arbeit ein besonderes Augenmerk beigelegt. Standortfaktoren sind räumliche Eigenschaften, die sich unmittelbar oder mittelbar auf die Erfolgssituation eines Unternehmensstandortes auswirken. Anhand der Standortfaktoren las-sen sich standortbezogene Kosten – und Leistungsquellen ermitteln und dem Unternehmenszweck zuordnen (vgl. Bienert, 1996: S. 48). Die relevanten Faktoren, die maßgeblich zur Bewertung eines Standortes beitragen, verändern sich – u.a. bedingt durch kulturelle, demografische oder ökonomische Einflüsse – laufend (vgl. Stepper, 2015: S. 135; Preißner & Knob, 2006: S. 110 - 112). Die Untersuchung dieser Entwicklungen soll über Ursachen und zukünftige Perspektiven Aufschluss geben.
Während solcher Standortanalysen werden in der Praxis unterschiedliche Methoden angewendet, um den geografischen Raum entsprechend seiner Standortfaktoren und dem zugrundeliegenden unternehmerischen Plan analysieren und bewerten zu können. Den Praktikern steht dabei seit über 60 Jahren eine große Auswahl an hilfreichen Analysemethoden zur Verfügung. Jedoch wurde die Standortwahl eine lange Zeit lediglich instinktiv getroffen oder provokant ausgedrückt, bei sehr wichtigen Entscheidungen, mittels „angelecktem Finger in die Luft halten“, geschätzt (vgl. Hernández & Bennison, 2000: S. 357). Auch hier setzt diese Arbeit ihren Schwerpunkt und soll aufzeigen, wie sich die Nutzung von Methoden zur Standortanalyse von stationären Einzelhandelsunternehmen in der Praxis über die Zeit entwickelt hat und was die Gründe dafür sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Methodik
2. Stationärer Einzelhandel
2.1. Definition
2.2. Betriebstypen
2.2.1. Einkaufszentrum / Shopping-Center (Mall)
2.2.2. Historie
2.2.3. Agglomerationseffekte
2.2.3.1. Im Vergleich zur Innenstadt
2.2.3.2. Im Vergleich zum E-Commerce
3. Standortpolitik
3.1. Der Standort als folgenreiche Investition
3.2. Instrumente und Ziele der Standortpolitik
3.2.1. Revitalisierung von Standorten
3.2.2. Nutzungs - und Branchen - Mix
4. Standortfaktorenanalyse
4.1. Standortpräferenzen im Laufe der Zeit
4.2. Standortpräferenzen vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels
4.3 Standortfaktoren
4.3.1. Erste Kategorisierungsansätze
4.3.2. Aktuelle Einschätzung relevanter Standortfaktoren
4.3.3. Quantitative und qualitative Standortfaktoren
4.4. Perspektive
5. Methoden der Standortwahl
5.1. Herangehensweise bei der Standortwahl
5.2. Die Makroanalyse
5.3 Die Mikroanalyse
5.3.1 Standortbewertungsmethoden
5.3.2 Erste Implementierungsversuche von der Forschung in die Praxis
5.3.3. Aktuelle Studien zur Nutzung von Bewertungsmethoden
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der Standortwahl für stationäre Einzelhandelsunternehmen sowie die historische Entwicklung und praktische Anwendung von Methoden zur Standortanalyse. Dabei wird insbesondere analysiert, wie sich Anforderungen an Standorte über die Zeit gewandelt haben und welche Rolle moderne computergestützte Analyseverfahren spielen.
- Stationärer Einzelhandel und Betriebstypen
- Standortpolitik und Revitalisierungsstrategien
- Analyse von Standortfaktoren (quantitativ vs. qualitativ)
- Methoden der Standortwahl (Makro- und Mikroanalyse)
- Implementierung und Nutzung von Standortbewertungsverfahren in der Praxis
Auszug aus dem Buch
2.2.3.1. Im Vergleich zur Innenstadt
Das gewachsene Einkaufszentrum z. B. in Form von Einkaufsstraßen in innerstädtischen Lagen, weist in der Regel konzeptionelle und strukturelle Nachteile im Vergleich zum geplanten Einkaufszentrum auf. Diese spiegeln sich u. a. in: schlechter Erreichbarkeit mit dem Individualverkehr, Über – oder Unterversorgung von bestimmten Gütern, fehlender Informationen über Standorte der einzelnen Händler und variierender Ladenöffnungszeiten zwischen den Geschäften. Diese Mängel resultieren vor allem aus nicht vorhandener zentraler Organisation und werden darüber hinaus von externen Stakeholdern (z. B. Anwohnern) negativ beeinflusst (vgl. Teller, 2008: S. 4 - 9). Das zentralisierte Management von synergetischen Effekten über alle Händler hinweg, wird als wichtigstes Erfolgskriterium der Shopping – Center gesehen. Durch die fehlende Kooperation und der einhergehenden Verluste von Synergie - Effekten von Händlern in gewachsenen Einkaufsstraßen, verlieren diese Formate immer mehr Marktanteile (vgl. Teller & Schnedlitz, 2012: S. 1043 - 1044). Bei einer aktuellen Umfrage eines Markt – und Forschungsinstitutes in Österreich, wurde die Bevorzugung der Shopping – Center gegenüber Einkaufsstraßen seitens der Konsumenten deutlich (vgl. Prokasky, 2015).
Vor allem europäische Städte sind von dieser Entwicklung betroffen, da dort die traditionellen Einkaufsstraßen stark ausgeprägt sind. Um dem gegenüber zu treten, entschließen sich zunehmend mehr Händler in gewachsenen Einkaufszentren zur Zusammenarbeit nach zentralisiertem Vorbild. So werden einzelne Elemente des zentralisierten Managements der Shopping – Center von Einkaufsstraßen nachgeahmt (vgl. Teller, 2008: S. 5).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die ökonomische Relevanz des Einzelhandels und die kritische Bedeutung der Standortwahl als langfristige unternehmerische Entscheidung.
2. Stationärer Einzelhandel: Definition des stationären Einzelhandels und Analyse verschiedener Betriebstypen, insbesondere der Einkaufszentren und deren Agglomerationsvorteile.
3. Standortpolitik: Darstellung der Standortpolitik als strategisches Instrument, inklusive der Strategien für Standortwahl, Revitalisierung und der Gestaltung des Nutzungs- und Branchen-Mixes.
4. Standortfaktorenanalyse: Detaillierte Untersuchung räumlicher Eigenschaften, die den Erfolg bestimmen, unterteilt in quantitative und qualitative Faktoren sowie deren zukünftige Entwicklung.
5. Methoden der Standortwahl: Vorstellung und Bewertung verschiedener methodischer Ansätze zur Standortanalyse, von der Makro- über die Mikroanalyse bis hin zur praktischen Implementierung computergestützter Verfahren.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Trends im stationären Einzelhandel und der zukünftigen Notwendigkeit einer methodisch fundierten, aber subjektiv ergänzten Standortplanung.
Schlüsselwörter
Standortwahl, Stationärer Einzelhandel, Standortplanung, Einkaufszentrum, Agglomerationseffekte, Standortfaktoren, Standortbewertung, Mikroanalyse, Makroanalyse, Standortmanagement, Einzelhandelsimmobilien, Revitalisierung, Standortfaktorenanalyse, Geografische Informationssysteme, GIS
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung der Standortwahl für den Erfolg von stationären Einzelhandelsunternehmen und beleuchtet die Entwicklung sowie Anwendung von Standortanalysen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der stationäre Einzelhandel, die Standortpolitik, die Differenzierung von Standortfaktoren sowie die verschiedenen Methoden zur Standortbewertung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Standortfaktoren über die Zeit verändert haben und wie sich der Einsatz von Methoden zur Standortanalyse in der Praxis entwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Fundierung sowie die Auswertung zahlreicher empirischer Untersuchungen und Fachstudien zum Standortmanagement im Einzelhandel.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen der Standortpolitik, die Kategorisierung von Standortfaktoren und die Analyse spezifischer Methoden wie GIS, Checklisten und Regressionsmodelle.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Standortwahl, Einzelhandelsimmobilien, Agglomerationseffekte, Standortfaktorenanalyse und die Nutzung moderner computergestützter Analyseverfahren.
Warum spielt die Revitalisierung von Standorten eine so wichtige Rolle?
Da Standorte langfristige Investitionen darstellen und oft nicht leicht revidierbar sind, ist die Revitalisierung entscheidend, um den Markterfolg bei steigendem Wettbewerb zu sichern.
Wie unterscheidet sich die Makro- von der Mikroanalyse?
Die Makroanalyse dient der Grobauswahl von Regionen und Marktgebieten, während die Mikroanalyse die differenzierte Bewertung einzelner potenzieller Standorte beinhaltet.
Welche Bedeutung haben qualitative Standortfaktoren heute?
Ihre Bedeutung wächst stetig, da sie aufgrund des gesellschaftlichen Wertewandels und des Strebens nach Individualität vermehrt als entscheidendes „Zünglein an der Waage“ dienen.
Welchen Einfluss haben computergestützte Programme wie GIS auf die Standortwahl?
GIS ermöglichen eine effiziente Visualisierung und Analyse komplexer geodemografischer Daten, was die Standortwahl objektiver und für Anwender zugänglicher gemacht hat.
- Citar trabajo
- Waldemar Sitter (Autor), 2015, Standortentscheidung im stationären Einzelhandel. Die Implementierung standortanalytischer Methoden in der Praxis und der Wandel relevanter Faktoren, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313323