Um die Organisation eines Unternehmens anschaulich zu beschreiben, bedient man sich in der Literatur gerne der Metapher eines Eisbergs.1 Der Teil des Eisbergs, der sich oberhalb der Wasseroberfläche befindet und frei sichtbar ist, kann mit der gezielt geschaffenen Organisation des Unternehmens verglichen werden. Alles unterhalb der Wasseroberfläche ist beim Eisberg auf Anhieb nicht zu sehen. Und auch in einem Unternehmen gibt es eine versteckte Ebene, deren Bedeutung erst einmal nicht durchblickt werden kann. Die im Unternehmen tätigen Menschen füllen sowohl die gezielt geschaffene, formale Organisation, als auch die versteckte, informale Ebene mit Leben. Die Mitarbeiter vereinen in sich beide Bereiche, so dass hier keine klare Trennung, wie bei einem im Wasser schwimmenden Eisberg möglich ist. So werden zwar den Mitarbeitern seitens der Unternehmensführung Aufgaben und Stellen zugewiesen. Es können Verhaltensweisen beschrieben werden, die erwünscht sind und solche, welche nicht erwünscht sind. Womit sich die Menschen aber tatsächlich in das Unternehmen einbringen, ist um einiges vielfältiger. Sie haben Wünsche, Vorlieben und Abneigungen, welche sie nicht einfach an der Eingangspforte zum Unternehmen zurücklassen. Die Mitarbeiter mit ihren Werten, Einstellungen, Bedürfnissen nach persönlichen Beziehungen und vielem mehr prägen maßgeblich die informale Ebene und sind so Gestalter der informalen Organisation. Bei einem Eisberg kann der Teil, der unter Wasser schwimmt bis zu 7/8 seiner Gesamtgröße ausmachen. Die informale Ebene eines Unternehmens darf bezüglich ihres Einflusses auf das Unternehmen und seinen Erfolg ebenfalls nicht unterschätzt werden. Sie bewirkt im Unternehmen sowohl positive als auch negative Erscheinungen. So können beispielsweise durch ihre Mithilfe neue Aufgabenstellungen selbst unter großem Zeitdruck von den Mitarbeitern bewältigt werden, obwohl noch keine ausreichend definierte formale Organisation dafür vorhanden ist. Es können aber auch durch ihr Wirken einfachste Aufgaben zu einem außerordentlich großen Kraftakt für die Beteiligten werden und sogar trotz entsprechend vorbildlich gestalteter Organisation Gefahr laufen, zu misslingen. Die Verfasserin konnte in den rund sechs Jahren, die sie nun in der XY GmbH beschäftigt ist, zahlreiche Situationen erleben, in denen ihr die informale Organisation im Unternehmen bewusst geworden ist. Diese Erfahrungen sind der Anlass dafür, sich im Rahmen dieses Projektberichts mit dem zu beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Motivation für das Thema
1.2 Ziel der Arbeit
1.3 Aufbau und Methodik
2 Formale und Informale Organisation
2.1 Begriff der Organisation
2.2 Hawthorne-Studien als historischer Einstieg
2.3 Abgrenzung von formaler und informaler Organisation
2.4 Wechselwirkungen zwischen formaler und informaler Organisation
3 Erscheinungsformen informaler Elemente
3.1 Informale Kommunikation
3.1.1 Begriff und Funktion
3.1.2 Abgrenzung von formaler und informaler Kommunikation
3.2 Informale Führung
3.2.1 Begriff und Funktion
3.2.2 Abgrenzung von formaler und informaler Führung
3.3 Informale Normen
3.3.1 Begriff und Funktion
3.3.2 Abgrenzung von formalen und informalen Normen
3.4 Informale Rollen
3.4.1 Begriff und Funktion
3.4.2 Abgrenzung von formalen und informalen Rollen
3.5 Informale Gruppen
3.5.1 Begriff und Funktion
3.5.2 Abgrenzung von formalen und informalen Gruppen
3.6 Zusammenwirken informaler Elemente zu informalen Beziehungen
4 Bedeutung informaler Beziehungen aus verschiedenen Blickwinkeln
4.1 Bedeutung informaler Beziehungen für die Mitarbeiter
4.2 Bedeutung informaler Beziehungen für die Unternehmensführung
4.3 Bedeutung informaler Beziehungen für die Unternehmenskultur
4.4 Bedeutung informaler Beziehungen für die Organisationsentwicklung
5 Vorstellung des Unternehmens XY GmbH
5.1 Allgemeine Situation des Unternehmens
5.2 Formale Organisation in der XY GmbH
6 Befragung von Mitarbeitern bezüglich ihrer Wahrnehmungen informaler Beziehungen im Unternehmen
6.1 Konzeption und Durchführung
6.2 Auswertung und Interpretation der Ergebnisse
6.2.1 Themenschwerpunkt: Formale Organisation
6.2.2 Themenschwerpunkt: Kommunikation
6.2.3 Themenschwerpunkt: Führung
6.2.4 Themenschwerpunkt: Normen und Werte
6.2.5 Themenschwerpunkt: Rollen
6.2.6 Themenschwerpunkt: Gruppen
6.2.7 Themenschwerpunkt: Motivation, Wissen, Änderungen
7 Handlungsempfehlungen für das Unternehmen
7.1 Überarbeitung der formalen Organisation
7.2 Klarere Gestaltung der Kommunikation
7.3 Verstärkte Nutzung der Mitarbeiterkompetenzen
8 Zusammenfassung und Ergebnis der Arbeit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Arbeit ist es, ein tieferes Verständnis für die Existenz und Wirkungsweise der informalen Organisation innerhalb eines Unternehmens zu schaffen und aufzuzeigen, inwieweit diese die formale Organisation ergänzt oder beeinflusst.
- Abgrenzung und Wechselwirkung zwischen formaler und informaler Organisation
- Analyse informaler Elemente wie Kommunikation, Führung, Normen, Rollen und Gruppen
- Untersuchung der Bedeutung informaler Beziehungen für Mitarbeiter, Führung und Unternehmenskultur
- Empirische Untersuchung der informalen Aspekte am Beispiel der XY GmbH
- Entwicklung von Handlungsempfehlungen zur positiven Beeinflussung informaler Strukturen
Auszug aus dem Buch
1.1 Problemstellung und Motivation für das Thema
Um die Organisation eines Unternehmens anschaulich zu beschreiben, bedient man sich in der Literatur gerne der Metapher eines Eisbergs. Der Teil des Eisbergs, der sich oberhalb der Wasseroberfläche befindet und frei sichtbar ist, kann mit der gezielt geschaffenen Organisation des Unternehmens verglichen werden. Alles unterhalb der Wasseroberfläche ist beim Eisberg auf Anhieb nicht zu sehen. Und auch in einem Unternehmen gibt es eine versteckte Ebene, deren Bedeutung erst einmal nicht durchblickt werden kann.
Die im Unternehmen tätigen Menschen füllen sowohl die gezielt geschaffene, formale Organisation, als auch die versteckte, informale Ebene mit Leben. Die Mitarbeiter vereinen in sich beide Bereiche, so dass hier keine klare Trennung, wie bei einem im Wasser schwimmenden Eisberg möglich ist. So werden zwar den Mitarbeitern seitens der Unternehmensführung Aufgaben und Stellen zugewiesen. Es können Verhaltensweisen beschrieben werden, die erwünscht sind und solche, welche nicht erwünscht sind. Womit sich die Menschen aber tatsächlich in das Unternehmen einbringen, ist um einiges vielfältiger. Sie haben Wünsche, Vorlieben und Abneigungen, welche sie nicht einfach an der Eingangspforte zum Unternehmen zurücklassen.
Die Mitarbeiter mit ihren Werten, Einstellungen, Bedürfnissen nach persönlichen Beziehungen und vielem mehr prägen maßgeblich die informale Ebene und sind so Gestalter der informalen Organisation. Bei einem Eisberg kann der Teil, der unter Wasser schwimmt bis zu 7/8 seiner Gesamtgröße ausmachen. Die informale Ebene eines Unternehmens darf bezüglich ihres Einflusses auf das Unternehmen und seinen Erfolg ebenfalls nicht unterschätzt werden. Sie bewirkt im Unternehmen sowohl positive als auch negative Erscheinungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problematik informaler Organisationsstrukturen anhand der Eisberg-Metapher und Darlegung des Ziels sowie der methodischen Vorgehensweise.
2 Formale und Informale Organisation: Theoretische Abgrenzung der Begriffe sowie Erläuterung der Wechselwirkungen zwischen formaler Struktur und informalen Prozessen.
3 Erscheinungsformen informaler Elemente: Detaillierte Analyse der fünf zentralen informalen Elemente: Kommunikation, Führung, Normen, Rollen und Gruppen sowie deren Zusammenwirken.
4 Bedeutung informaler Beziehungen aus verschiedenen Blickwinkeln: Untersuchung des Einflusses informaler Aspekte auf Mitarbeiterbedürfnisse, Unternehmensführung, Unternehmenskultur und Organisationsentwicklung.
5 Vorstellung des Unternehmens XY GmbH: Kurze Beschreibung der Branchenzugehörigkeit, der Situation und der formalen Organisationsstruktur der untersuchten XY GmbH.
6 Befragung von Mitarbeitern bezüglich ihrer Wahrnehmungen informaler Beziehungen im Unternehmen: Durchführung und Analyse einer Mitarbeiterbefragung zur Identifikation informaler Prozesse in der XY GmbH.
7 Handlungsempfehlungen für das Unternehmen: Ableitung konkreter Maßnahmen zur Überarbeitung der formalen Organisation und zur verbesserten Nutzung informaler Potenziale.
8 Zusammenfassung und Ergebnis der Arbeit: Synthese der gewonnenen Erkenntnisse und Fazit zur Steuerbarkeit informaler Beziehungen.
Schlüsselwörter
Informale Organisation, Formale Organisation, Unternehmensführung, Unternehmenskultur, Mitarbeiterbedürfnisse, Kommunikation, Informale Führung, Informale Gruppen, Organisationsentwicklung, soziale Beziehungen, Hawthorne-Studien, Befragung, XY GmbH, Arbeitsabläufe, Verhaltensweisen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen der informalen Organisation in Unternehmen, also jene sozialen Prozesse und Beziehungen, die nicht offiziell geplant sind, aber maßgeblich das betriebliche Geschehen prägen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Abgrenzung zur formalen Organisation, die Analyse informaler Elemente wie Kommunikation, Führung, Normen, Rollen und Gruppen sowie deren praktische Auswirkungen auf das Unternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die Existenz informaler Strukturen zu wecken und auf Basis einer empirischen Befragung Handlungsempfehlungen zur positiven Beeinflussung dieser Strukturen zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Verfasserin wählte eine schriftliche, anonyme Befragung von Mitarbeitern der XY GmbH, um qualitative Daten zu deren Wahrnehmung der informalen Ebene zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Definition informaler Elemente und einen praktischen Teil, in dem die Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung der XY GmbH ausgewertet und interpretiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind informale Organisation, Unternehmenskultur, Mitarbeiterbedürfnisse, Kommunikation und Organisationsentwicklung.
Warum wurde gerade die XY GmbH für die Untersuchung gewählt?
Die Wahl fiel auf die XY GmbH, da die Verfasserin dort selbst seit mehreren Jahren tätig ist und zahlreiche Situationen erlebt hat, in denen die Wirksamkeit informaler Organisation deutlich wurde.
Welche Bedeutung haben informale Rollen laut der Arbeit?
Informale Rollen werden als Bereicherung für das Unternehmen eingestuft, da sie Verhaltensweisen und Kompetenzen der Mitarbeiter einbringen, die über die rein arbeitsvertraglichen Pflichten hinausgehen.
- Quote paper
- Tanja Christina Huber (Author), 2009, Untersuchung informaler Beziehungen innerhalb der Organisation der XY-GmbH, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313457