Ein zentrales Problem der Unterrichtsgestaltung geht aus pädagogischer wie auch effizienzorientierter Sichtweise von Störungen des Unterrichts aus. Nachdem einleitend der Begriff der Unterrichtsstörungen begrifflich gefasst und anhand
einzelner Kriterien abgegrenzt wird, werden zahlreiche Ursachen von Unterrichtsstörungen genauer thematisiert. Dabei wird speziell auf Entwicklungsverletzungen, die Pubertät, neurobiologische Ursachen, familiäre Erziehungsfehler und gesellschaftliche Einflüsse eingegangen. Daneben spielen die lehrer-, schüler-und unterrichtsbezogenen Ursachen für die Störungen des Unterrichts eine gewichtige Rolle bei der vorliegenden Arbeit. Nachdem kurz auf die Folgen derartiger Störungen eingegangen wird, folgt die Auseinandersetzung mit den Präventionsmöglichkeiten zur Vermeidung von Unterrichtsstörungen. Diese setzen bei den Lehrkräften an, jedoch auch beim Klassenrat, durch klare Regeln, Schülerfeedback und weitere Ansätze. Auf der Organisationsebene werden Präventionstechniken wie der soziale Trainingsraum, kollegiale Beratung und räumliche Gestaltungsmöglichkeiten näher untersucht. Abschließend werden die Schulsysteme von Finnland und Schweden sowie ausgewählte deutsche Schulprofile, namentlich die Reformschule Kassel und die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden vorgestellt. Abschließend wird der Vergleich zum rumänischen Bildungssystem gezogen, indem das dortige Schulsystem ausführlich dargestellt wird und um die persönlichen Erfahrungen einer Lehrerin während des kommunistischen Regimes erweitert wird.
Das Ziel der Arbeit liegt insbesondere in der Vermittlung von Ansatzpunkten, die eine Unterrichtsstörung gar nicht erst aufkommen lassen. Dabei können jedoch immer nur allgemeingültige und wissenschaftlich fundierte Ansätze konzeptionell betrachtet werden, was jedoch nicht heißt, dass individuelle Vorgehensweisen nicht in Einzelfällen ebenso erfolgversprechend sein könnten. Darauf kann jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht genauer eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Unterrichtsstörung als Normabweichung
2.1 Unterrichtsstörung- Definition
2.2 Klassifizierung von Unterrichtsstörungen
2.2.1 Formen von Unterrichtsstörungen
2.2.2 Ursachen für Unterrichtsstörungen
2.2.2.1 Entwicklungsverletzungen
2.2.2.2 Pubertät
2.2.2.3 Neurobiologische Störungen
2.2.2.4 Familiäre Erziehungsfehler
2.2.2.5 Gesellschaftliche Einflüsse
2.2.2.6 Lehrerbezogene Ursachen für Unterrichtsstörungen
2.2.2.7 Schülerbezogene Ursachen für Unterrichtsstörungen
2.2.2.8 Unterrichtsbezogene Ursachen für Unterrichtsstörungen
2.2.2.9 Unterrichtsstörungen, die durch äußere Ereignisse entstehen
2.3 Folgen von Unterrichtsstörungen
3 Prävention von Unterrichtsstörungen
3.1 Strategien für die alltägliche Klassenführung
3.1.1 Prävention durch die Lehrkraft
3.1.2 Prävention durch den Klassenrat
3.1.3 Prävention durch klare Regeln
3.1.4 Prävention durch Schülerfeedback
3.1.5 Prävention durch Humor
3.1.6 Störungsprävention nach Kounin
3.1.7 Das Kommunikationstheoretische Modell nach Gordon
3.1.7.1 Das aktive Zuhören
3.1.7.2 Ich-Botschaften
3.2 Störungsprävention auf der Organisationsebene
3.2.1 Der soziale Trainingsraum
3.2.2 Kollegiale Beratung
3.2.3 Räumliche Gestaltungsmöglichkeiten
3.3 Untersuchung spezifischer Schulsysteme unter Präventionsgesichtspunkten
3.3.1 Das Schulsystem in Finnland
3.3.1.1 Bibliotheken
3.3.1.2 Die Geschichte des finnischen Schulwesens
3.3.1.3 Chancengleichheit in der Bildung
3.3.1.4 Finnische Lehrkräfte
3.3.1.5 Finnische Kompetenz im internationalen Vergleich
3.3.1.6 Mittelaufwand für das Lernen
3.3.2 Das Schulsystem in Schweden
3.3.2.1 Die Struktur des schwedischen Bildungswesens
3.3.2.2 Die Grundschule (Gesamtschule)
3.3.2.3 Gymnasialschule
3.3.2.4 Die Integration behinderter Kinder
3.3.2.5 Notengebung
3.3.2.6 Lehrkräfte
3.3.2.7 Schulpersonal
3.3.2.8 Schulgesundheitspflege
3.3.3 Helene-Lange-Schule Wiesbaden
3.3.3.1 Schulprofil
3.3.3.2 Das Zentrum des neuen Schulkonzepts
3.3.3.3 Raum der Stille
3.3.3.4 Der Klassenrat
3.3.3.5 Die Arbeit der Lehrer im Team
3.3.3.6 Benotung und Bewertung von Schulleistungen
3.3.3.7 Rituale in der Schule
3.3.3.8 Raumgestaltung
3.3.4 Reformschule Kassel
3.3.4.1 Schulprofil
3.3.4.2 Die Strukturierung der Helene-Lange-Schule
3.3.4.3 Das Projektlernen als methodischer Kern der Schule
3.3.4.4 Die kooperative Arbeitsweise im Kollegium
3.3.4.5 Schulbibliothek
3.3.4.6 Rituale in der Schule
3.3.4.7 Untersuchungsergebnisse der Reformschule Kassel aus TIMSS
3.3.4.8 Fazit
4 Grenzen der Prävention von Unterrichtsstörungen
5 Die Entwicklung in Rumänien
5.1 Darstellung des rumänischen Schulsystems in der Gegenwart
5.1.1 Entwicklung des Bildungswesens
5.1.2 Allgemein bildende Schulen
5.1.2.1 Vorschulerziehung
5.1.2.2 Schulpflicht
5.1.2.3 Sekundarstufe II
5.1.3 Tertiärer Bereich
5.1.4 Lehrkräfte
5.1.5 Curriculum
5.1.6 Lehrbücher und Lehrmaterial
5.1.7 Aktuelle Diskussionen und Entwicklungsperspektiven
5.2 Umgang mit Unterrichtsstörungen in Rumänien zu Zeiten des kommunistischen Systems
5.3 Umgang mit Unterrichtsstörungen in Rumänien in der Gegenwart
5.3.1 Praktische Erfahrung zum rumänischen Schulsystem
5.3.1.1 Schulprofil
5.3.1.2 Lehrkräfte
5.3.1.3 Umgang mit Unterrichtsstörungen
5.3.1.4 Punktesystem
5.3.1.5 Pausenaufsicht
5.3.1.6 Schuluniformen
5.3.1.7 Besondere Schülerdienste
5.3.1.8 Klassengemeinschaft
5.3.1.9 Ausstattung der Räume und Klassenzimmer
6 Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Herausforderung von Unterrichtsstörungen, analysiert deren vielfältige Ursachen und beleuchtet präventive Ansätze sowie Lösungsstrategien im schulischen Alltag. Ein besonderes Ziel liegt in der Untersuchung verschiedener Schulsysteme (Finnland, Schweden, Deutschland, Rumänien), um gelungene Praxisbeispiele und Erkenntnisse für eine störungsfreie Unterrichtsgestaltung abzuleiten.
- Begriffliche Eingrenzung und Klassifizierung von Unterrichtsstörungen
- Analyse psychologischer, neurobiologischer und soziologischer Ursachenfaktoren
- Strategien zur professionellen Klassenführung und Prävention
- Vergleichende Darstellung internationaler und nationaler Schulkonzepte
Auszug aus dem Buch
2.1 Unterrichtsstörung- Definition
Einleitend stellt sich die Frage, was mit diesem Begriff der Unterrichtsstörung grundsätzlich gemeint ist. Dieser Begriff beinhaltet zahlreiche Fragestellungen, denen sich die Wissenschaft bislang in verschiedenen Formen und mit unterschiedlichen Definitionen genähert hat. Zum einen ist zu klären, wann ein Verhalten generell als Störung anzusehen ist. Andererseits muss untersucht werden, wer eigentlich den Unterricht stört- Lehrer oder Schüler oder gar beide?
Gert Lohmann definiert den Begriff „Unterrichtsstörungen“ wie folgt:
„Unterrichtsstörungen sind Ereignisse, die den Lehr-Lern- Prozess beeinträchtigen, unterbrechen oder unmöglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oder ganz außer Kraft setzen.“
Dabei stützt sich seine Definition auf die Unterscheidung von „Unterrichtsstörung“ und „Unterrichtsvoraussetzung“, zum Teil verbunden mit dem Begriff „Disziplinkonflikt“. Der Begriff Disziplinkonflikt ist laut Lohmann normabhängig. Genauer bedeutet dies die „Verletzung- von Schülerseite- von impliziten oder expliziten Normen und Regeln, die -meist von Lehrerseite- für den reibungslosen Ablauf von Unterricht und Schulalltag vorausgesetzt werden.“
Barbara Jürgens definiert den Begriff „Disziplinkonflikt“ folgendermaßen:
„...steht die Verletzung der Verhaltensregeln im Mittelpunkt des Interesses, von denen man annimmt, dass sie für vernünftigen Unterricht unverzichtbar seien und die man häufig für normal und selbstverständlich gegeben hält.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik von Unterrichtsstörungen ein, erläutert die Zielsetzung der Arbeit und gibt einen Überblick über die behandelten Präventionsansätze sowie Schulsysteme.
2 Unterrichtsstörung als Normabweichung: Das Kapitel definiert den Begriff der Unterrichtsstörung und klassifiziert verschiedene Erscheinungsformen sowie Ursachen für Störungen im Unterricht.
3 Prävention von Unterrichtsstörungen: Hier werden diverse Strategien zur alltäglichen Klassenführung, präventive Maßnahmen auf Organisationsebene sowie internationale Schulbeispiele analysiert.
4 Grenzen der Prävention von Unterrichtsstörungen: Dieser Abschnitt thematisiert kritisch, dass nicht immer nur die Schüler als Störungsquelle betrachtet werden dürfen und weist auf Fehlinterpretationen durch Lehrkräfte hin.
5 Die Entwicklung in Rumänien: Das Kapitel beleuchtet das rumänische Bildungssystem, sowohl in der historischen Entwicklung während des Kommunismus als auch in der aktuellen Schulpraxis.
6 Schlussteil: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse mit einem Ausblick auf weiteren Forschungsbedarf in der pädagogischen Auseinandersetzung mit Unterrichtsstörungen.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörungen, Klassenführung, Prävention, Disziplinkonflikt, Schulklima, Lernumwelt, Lehr-Lern-Prozess, Schulentwicklung, Projektlernen, Internationale Schulvergleiche, Erziehungswissenschaft, Schulreform, Kommunikation, Lehrer-Schüler-Beziehung, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der pädagogischen Analyse von Unterrichtsstörungen und untersucht Wege, diese durch präventive Strategien und eine gestaltete Lernumwelt zu verringern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Definition und Ursachenforschung von Störungen, Methoden der Klassenführung, Schulkonzepte zur Prävention sowie den Vergleich verschiedener internationaler Bildungssysteme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Ansätze zu vermitteln, die eine Entstehung von Unterrichtsstörungen minimieren, und dabei sowohl wissenschaftliche Grundlagen als auch praktische Beispiele aus verschiedenen Schulmodellen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Literaturanalyse, der Darstellung von pädagogischen Modellen und der Untersuchung spezifischer Fallbeispiele von Schulen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine fundierte Ursachenanalyse von Unterrichtsstörungen, eine detaillierte Erörterung präventiver Maßnahmen (wie Klassenrat, Kounin, Gordon) und eine Analyse erfolgreicher Schulkonzepte in Finnland, Schweden und Deutschland.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Unterrichtsstörung, Prävention, Klassenführung, soziale Kompetenzen, Schulklima und Chancengleichheit.
Warum spielt die räumliche Gestaltung für Prävention eine Rolle?
Eine bewusste Gestaltung der Lernumgebung, wie etwa Reizreduktion oder Bereicherung durch Materialien, kann ablenkendes Verhalten mindern und somit die Lernatmosphäre nachhaltig verbessern.
Was ist die Kernbotschaft der Untersuchung zum rumänischen Schulsystem?
Die Untersuchung verdeutlicht den Wandel vom autoritären Drill in der kommunistischen Zeit hin zu modernen pädagogischen Ansätzen der Gegenwart, unterstreicht jedoch die anhaltende Relevanz einer respektvollen Lehrer-Schüler-Beziehung.
- Quote paper
- Else Gallert (Author), 2009, Von den Möglichkeiten und Grenzen der Prävention von Unterrichtsstörungen unter Berücksichtigung von Erfahrungen in Rumänien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313503