Die Frau im Augsburg des 18. Jahrhunderts. Zwischen Familie und Handwerksberuf


Hausarbeit, 2012
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Augsburg im 18. Jahrhundert – ein kurzer Einblick

3. Die Frau als Ehefrau
3.1. Die Bedeutung der Ehe
3.2. Beispiel eines Tagesablaufs einer Ehefrau
3.3. Die Vormundschaft

4. Die Berufstätigkeit der Frau
4.1. Frauen als Arbeitskräfte in Werkstätten

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Begriffe Frau und Arbeit werden in der Geschichte immer mit Komplikationen in Verbindung gebracht. Dabei werden insbesondere die traditionelle Rolle der Frau als Hausfrau und die Frau im berufstätigen Leben konfrontiert. Fälschlicherweise wird der Begriff der traditionellen Hausfrau sehr häufig für das Mittelalter und die Frühe Neuzeit gebraucht, obwohl die Vorstellung einer traditionellen Ehefrau, die nur ihren häuslichen Pflichten nachkommt und der Ehemann als Alleinverdiener vorausgesetzt wird, aus dem 20. Jahrhundert stammt. In dieser Arbeit soll insbesondere die Rolle der Ehefrau dargestellt werden. Wie sah ihr Alltag aus? Welche Arbeiten konnten sie ausführen? Welche Rollen mussten sie übernehmen?

Dabei wird der Fokus auf die Berufstätigkeit der Frau gelegt. Inwieweit konnte sie einen Beruf ausüben und war es ihr möglich auch männerspezifische handwerkliche Berufe auszuführen?

All diese Fragen werde ich versuchen in dieser Arbeit zu beantworten.

Dabei wird der Fokus auf die Stadt Augsburg im 18. Jahrhundert gelegt.

2. Augsburg im 18. Jahrhundert – ein kurzer Einblick

Die Reichsstadt Augsburg zählte im 18. Jahrhundert zu einer der Großstädte seiner Zeit. Das Gebiet dieser Stadt erstreckte sich dabei über die Stadtmauern hinaus. Ackergebiete, Fabrikgelände etc. außerhalb der Stadtmauern gehörten ebenfalls zur Stadt Augsburg.[1] Obwohl das Territorium überschaubar war, war die Zahl der Einwohner nicht eindeutig erfassbar. Da im 18. Jahrhundert keine Volkszählungen durchgeführt wurden, kann die Bevölkerungszahl nach Schätzungen auf ca. 30.000 aufgefasst werden.[2] Gegen Ende des 18. Jahrhunderts war eine Steigerung dieser Zahl erkennbar, da aufgrund des Beginns der Industrialisierung große Städte wie Augsburg an Zuwanderungen gewannen.[3] Insbesondere die Handwerker wie die Weber bekamen durch Zuwanderer aus anderen Städten Zuwachs.

Trotz einer zu der damaligen Zeit relativ hohen Einwohnerzahl, waren lediglich nur ca. 6000 Bewohner Bürger der Stadt Augsburg.[4] Diese Eigenschaft ermöglichte ihnen die Ausübung eines Berufs, die Beteiligung am Stadtregiment die Erwerbung einer Bildung und Güter.[5]Das Bürgerrecht wurde entweder ererbt, erheurathet oder erkauft, auch bey besonders vorwaltenden Umständen unentgeltlich ertheilet.“ [6] Auch waren alle Bürger zur Steuerabgabe verpflichtet. Der Verlust des Bürgerstatus‘ konnte durch auswärtige Heirat ohne Bewilligung oder begangene Verbrechen erfolgen.[7]

Doch wer durfte sich nun Bürger nennen? Um diese Frage beantworten zu können, müssen die Stände der Stadt untersucht werden. Die Bürger wurden aufgeteilt in vier Stände: die Geschlechter bzw. das Patriziat, die Mehrer der Geschlechter, die Kaufleute und die Gemeinde.[8] Das Patriziat bildete den ersten Stand. Etwa 27-28 Familien gehörten in der erwähnten Zeitspanne diesem Stand an.[9] Durch ihren Bürgerstatus hatten sie auch die Möglichkeit von der Stadt gegeben, kaufmännische Tätigkeiten ausüben und führen zu können.[10] Zu den Mehrern der Gesellschaft zählten die angeheirateten Bürger des Patriziats. Voraussetzung einer solchen Heirat war eine gute Abstammung, wie z.B. das Ansehen und Vermögen der eigenen Familie.[11] Heiratete man jedoch nach dem Tod des zum Patriziat gehörenden Ehegattens, erlosch die Zugehörigkeit zu den Mehrern der Gesellschaft.[12] Der Großteil der Mehrer gehörte den kaufmännischen Familien an bzw. waren selber Kaufleute, sodass man sagen kann, dass der Stand der Mehrer der Geschlechter eine Verbindung zwischen den Ständen des Patriziats und der Kaufleute herstellte.[13] Die Kaufleute bildeten den dritten Stand, wobei sie trotz ihrer kleinen Zahl ca. 80% des vorhandenen Gesamtkapitals der Stadt Augsburg besaßen.[14] Zu den Kaufleuten zählten beispielsweise Silberhändler, Juweliere, Seiden- und Gewürzhändler etc.[15] Sie alle hatten großen Einfluss auf die Reichsstadt Augsburg, da ihr Vermögen den prozentual höchsten Anteil des Kapitals der Stadt ausmachte. Durch zahlreiche Heiraten zwischen Kaufleuten und den Geschlechtern war die Trennungslinie zwischen diesen Ständen von Zeit zu Zeit immer schwieriger zu ziehen.[16] Der letzte und somit unterste Stand der Gesellschaft war die Gemeinde. Hierzu zählten nicht nur sehr arme Bürger wie Tagelöhner, sondern auch wohlhabendere Bürger wie Handwerker, aber auch Künstler.[17] Die Spannweite der Zugehörigkeit zur Gemeinde war erheblich größer als in den anderen Ständen. Sie reichte von Mitgliedern kleiner Gewerbe wie Apotheker, Goldschmiede, Buchbinder, die ein kleines aber für sie ausreichendes Vermögen besaßen, bis hin zu den Arbeitslosen und Tagelöhnern, die aufgrund ihres Geldmangels die Unterstützung der Stadt in Form von Almosen benötigten.[18] Diese Almosen wurden in Form von Geldunterstützung anstelle von Naturalunterstützung gesammelt.[19] Die Gefahr dabei war, dass viele Bürger sich Almosen erschlichen, trotz ihrer mentalen und körperlichen Fähigkeit einer Arbeit nachzugehen. Hinzu kommt das Problem, dass viele Handwerker trotz ihrer Berufsbildung und –erfahrung Gefahr liefen, in die Arbeitslosigkeit zu fallen, da durch die vielen Zuwanderungen auswärtiger Menschen die Arbeitsmöglichkeiten sanken.[20] Durch diese neue Konkurrenz brauchten immer mehr Bürger Almosen, sodass die Gefahr einer Verarmung mit der Zeit realer wurde. Sowohl die im Ende des 18. Jahrhunderts begonnene Industrialisierung als auch der Dreißigjährige Krieg waren Auslöser für die wirtschaftliche Krise und der Verarmung der Stadt Augsburg, wobei diese Themen in diesem Zusammenhang im weiteren Verlauf der Arbeit nicht näher erläutert werden.

3. Die Frau als Ehefrau

3.1. Die Bedeutung der Ehe

„Ein Mann ohne Frau ist wie ein Herd ohne Feuer“.[21] Dieses schwäbische Sprichwort verdeutlicht die eheliche Beziehung zwischen Mann und Frau in der Frühen Neuzeit.[22] Der Mann wird dabei mit dem Herd und die Frau mit dem Feuer assoziiert.[23] Demnach kann das eine nicht ohne das Andere existieren. Ein Herd nützt einem Haushalt überhaupt nicht, wenn es kein Feuer gibt, das den Zweck des Herdes erfüllen kann.[24] Diese wechselseitige Abhängigkeit trifft auch auf Ehepaare in der Frühen Neuzeit zu. Eheliche Beziehungen waren nicht geprägt von Passion und Leidenschaft, sondern beruhten vielmehr auf Beständigkeit, um ihr Dauerhaftigkeit zu verleihen.[25] Denn die Flammen der Leidenschaft konnten schnell erloschen und einer Ehe nicht Haltbarkeit geben.

Doch weshalb war die Beständigkeit der Ehe von Bedeutung?

Eine Ehe setzte ein eigens Haus und einen eigenen Haushalt voraus. Somit war die Eheschließung ein Fundament zum Erwerb der Selbstständigkeit und Verantwortlichkeit von Mann und Frau.[26] Obwohl die Institution Ehe sehr alt ist, wurde sie jedoch erst im 16. Jahrhundert für Männer und Frauen die vorherrschende Lebensform, da sie viele Vorteile innehatte.[27] In der Vergangenheit galt sie dagegen als eine Lebensform von vielen. Aufgrund von Heiratsbeschränkungen und wirtschaftlicher Abhängigkeit konnte die Ehe nicht viele Anhänger gewinnen.[28]

Die Ehe implizierte zwar die prinzipielle Gleichheit von Mann und Frau, jedoch war der Mann formal das Haupt der Familie.[29] Dieser Vorsitz zeigte sich insbesondere in der Bildung. Frauen war es nicht gestattet Bildungseinrichtungen wie Universitäten besuchen zu können, sodass der Ehemann die Verantwortung trug, seine Frau in ihren Studien zu fördern.[30] Obwohl Ehemann und –frau im Haushalt meist spezifische Bereiche hatten, arbeiteten sie nicht an unterschiedlichen Orten, sondern widmeten sich gemeinsam in der Bibliothek ihren Studien.[31] Jedoch war sie auf die Führung ihres Ehemannes nicht angewiesen, sodass sie auch selbstständig ihrer Bildung nachgehen konnte, indem sie fleißig Bücher verschiedenster Bereiche ließ.[32] Die Frau hatte jedoch auch Pflichten wie die Haushaltsführung zu erfüllen, jedoch war sie nicht nur darauf beschränkt.

3.2. Beispiel eines Tagesablaufs einer Ehefrau

Das folgende Beispiel beschreibt einen gewöhnlichen Tagesablauf der Schriftstellerin Sophie von La Roche (1731-1807):

Sie ging bereits morgens ihren häuslichen Pflichten nach. Sie bereitete das Frühstück vor und nach Beenden des gemeinsamen Frühstücks räumte sie den Esstisch und die Küche auf.[33] Zwischen dieser Zeit und Beginn des Mittagessens ging sie ihren anderen Arbeiten im Haus nach, wie z.B. die Anfertigung der Hausrechnung.[34] Außerdem schrieb sie in dieser Zeitspanne Briefe und an einer Zeitschrift, die sie veröffentlichte, ließ und nähte.[35] Nach dem gemeinsamen Mittagessen unterrichtete sie ihre Kinder in Fächern wie Geografie, Französisch und Geschichte.[36] Anschließend bereitete sie das Abendessen vor und allmählich neigte sich ihr Tag dem Ende zu.

Auf den ersten Blick erscheint dieser Tagesablauf eine ideale Verbindung von Arbeiten und Leben zu sein.[37] Sophies tägliche Handlungen waren das Lesen, Schreiben, Handarbeiten, Unterrichten und Kochen.[38] Sie konnte demnach problemlos mehrere Rollen miteinander verschmelzen lassen, die Rolle als Mutter, Haushälterin, Schriftstellerin, Lehrerin und Näherin, wobei sie alle Rollen in ihrem eigenen Haus ausüben konnte.[39] Sie hatte sogar Zeit für sich zum Lesen.[40] Neben den häuslichen Arbeiten arbeitete sie also als Näherin und Schriftstellerin, um nicht ihre freie Zeit sinnvoll zu gestalten, sondern ihren arbeitslosen Mann finanziell zu unterstützen.[41] Diese Tatsache war nicht häufig anzutreffen, dennoch existierte Arbeitslosigkeit bei vielen Männern, sodass die Frauen sich gezwungen sahen ihnen durch Arbeiten im eigenen Haus finanziell zu unterstützen, um das Studium der Söhne und den Lebensunterhalt zu finanzieren.[42]

Die bereits genannte „häusliche Bestimmung“ war dennoch präsent. Die Ehefrauen bemühten sich ihren häuslichen Pflichten nachzugehen, sie waren jedoch nicht nur auf diese in ihren Handlungsebenen beschränkt. Sie konnten durch zusätzliche Arbeiten ihren Ehemännern unter die Arme greifen und sie in wirtschaftlichen Krisen wie der Arbeitslosigkeit finanziell unterstützen und eine Zeit lang ihre Rolle als Versorger übernehmen.[43] Im Falle Sophie war es so, dass sie die „häusliche Bestimmung“ und literarische Berufung verschmelzen konnte.[44] Es erforderte jedoch ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Arbeitsmoral, die verschiedenen Rollen auszuüben. Anders waren die Ehemänner einem derartigen Druck nicht ausgesetzt, da sie in ihrer Rolle als Berufstätiger gesehen wurden und in ihren Geschäften nicht gestört werden durften.[45] Sie mussten nicht wie ihre Ehefrauen verschiedene Rollen annehmen und diese miteinander verschmelzen lassen, sondern hatten lediglich nur die Rolle als Berufsperson und in ihrer Position als Familienoberhaupt. Demnach hatten die Ehefrauen größere Verantwortung und waren wesentlich größerem Druck ausgesetzt.

[...]


[1] Vgl. Bátori, 1969, S. 14

[2] Vgl. Ebd.

[3] Vgl. Ebd. S. 15

[4] Vgl. Ebd.

[5] Vgl. Ebd.

[6] Ebd.

[7] Vgl. Ebd. S. 16

[8] Vgl. Ebd.

[9] Vgl. Ebd. S. 19

[10] Vgl. Ebd. S. 18

[11] Vgl. Ebd. S.21

[12] Vgl. Ebd.

[13] Vgl. Ebd.

[14] Vgl. Ebd. S. 22

[15] Vgl. Ebd.

[16] Vgl. Ebd. S. 23

[17] Vgl. Ebd. S. 25

[18] Vgl. Ebd.

[19] Vgl. Ebd. S. 27

[20] Vgl. Ebd.

[21] Wunder, 1992, S. 58

[22] Vgl. Ebd.

[23] Vgl. Ebd.

[24] Vgl. Ebd.

[25] Vgl. Ebd.

[26] Vgl. Ebd.

[27] Vgl. Ebd. S. 58

[28] Vgl. Ebd.

[29] Vgl. Ebd. S. 64

[30] Vgl. Ebd. S. 65

[31] Vgl. Ebd. S. 64

[32] Vgl. Ebd.

[33] Vgl. Ebd. S. 90

[34] Vgl. Ebd.

[35] Vgl. Ebd.

[36] Vgl. Ebd.

[37] Vgl. Ebd.

[38] Vgl. Ebd.

[39] Vgl. Ebd.

[40] Vgl. Ebd.

[41] Vgl. Ebd.

[42] Vgl. Ebd.

[43] Vgl. Ebd.

[44] Vgl. Ebd.

[45] Vgl. Ebd.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Frau im Augsburg des 18. Jahrhunderts. Zwischen Familie und Handwerksberuf
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Die Stadt der frühen Neuzeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
16
Katalognummer
V313542
ISBN (eBook)
9783668124486
ISBN (Buch)
9783668124493
Dateigröße
424 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
frau, augsburg, jahrhunderts, zwischen, familie, handwerksberuf
Arbeit zitieren
Sevgi Bozkurt (Autor), 2012, Die Frau im Augsburg des 18. Jahrhunderts. Zwischen Familie und Handwerksberuf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/313542

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Frau im Augsburg des 18. Jahrhunderts. Zwischen Familie und Handwerksberuf


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden