Diese Untersuchung betrachtet die künstlerischen, kulturpolitischen und marktwirtschaftlichen Aspekte eines Dokumentarfilms. Sie arbeitet am Beispiel der öffentlichen Filmförderung in Österreich heraus, was Stärken oder Schwächen von Finanzierung, Marketing, Inhalt sowie Platzierung ausgewählter Dokumentarfilme waren. Eine Leitfragen ist dabei, ob öffentliche Filmförderung wirtschaftlich sein und zugleich den Kultur- und Bildungsauftrag bewahren kann. Zudem wird betrachtet, was einen Dokumentarfilm bezogen auf Wirtschaftlichkeit und Inhalt erfolgreich macht.
Der Fokus der Betrachtung liegt dabei im Vergleich der österreichischen Filmförderungssysteme, insbesondere für Dokumentarfilme, sowie der Analyse der Erfolgsparameter. „We feed the World“, einer der erfolgreichsten österreichischen Dokumentarfilme, wird dazu mit den ebenfalls erfolgreichen Dokumentarfilmen „Plastic Planet“ und „Am Anfang war das Licht“ verglichen. Zusätzlich werden zwei weniger erfolgreiche Beispiele („Cooking History“ und „Sickfuckpeople“) betrachtet, die jedoch mehrere Festivalpreise gewannen.Der Vergleich findet in Bezug auf inhaltlicher und wirtschaftlicher Relevanz statt und wird mit halbstandardisierten Interviews verglichen und ausgewertet. Die Interviewpartner (Peter Arthur Straubinger, Alexander Glehr und Péter Kerekes) sind selektierte Personen, welche Einblick in die Produktion und den Vertrieb der jeweiligen Beispiele haben.
Inhaltsverzeichnis
1 Dokumentarfilm
1.1 Einleitung
1.2 Vorgehensweise
1.3 Geschichtliche Zusammenfassung und Definition des Dokumentarfilms
1.4 Dokumentarfilm, authentisch, wahrhaftig und wirklich
1.4.1 Dokumentarfilmgattungen im ökonomischen Wandel
1.4.2 Fiktionalisierung, Serialisierung von dokumentarischen Formaten
1.4.3 Übersicht dokumentarischer Gattungen
1.5 Was passiert mit dem Dokumentarfilm?
1.6 Österreichischer Film
1.7 Filme und Erfolg
1.7.1 Publikumserfolg
1.7.2 Künstlerischer Erfolg
1.7.3 Wirtschaftlicher Erfolg
1.8 Film und Wirtschaftlichkeit
1.9 Die Wirtschaftlichkeit von dokumentarischen Formaten
1.10 Filmökonomie in Österreich
1.11 Quotenfreiheit für den Dokumentarfilm
1.12 Dokumentarfilm im Österreichischen Kino
2 Dokumentarfilm und Filmfinanzierung
2.1 Filmförderung in Österreich
2.1.1 Übersicht der Filmförderung
2.1.1.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.1.1.2 Film-/Fernseh- Abkommen
2.1.1.3 Filmförderung auf Landes und Bundesebene
2.1.2 Förderungsbereiche
2.1.2.1 Stoffentwicklung
2.1.2.2 Projektentwicklung
2.1.2.3 Produktion / Herstellung
2.1.2.4 Referenzfilmförderung
2.1.3 Filmförderung und die Filmwirtschaft
2.1.4 Europäische Filmförderung
2.1.4.1 Media
2.1.4.2 Eurimage
2.2 Filmfinanzierungsarten
2.3 Koproduktion und Pitching-Foren
2.4 Recoupment
2.5 Verwertungsfenster
2.6 Ancilary Rights
2.7 Weltvertrieb und Kinoverleih - Pre-sales und Verleihgarantie
2.7.1 Weitere Finanzierungsformen
2.8 Crowdfunding
2.8.1 Film Distribution
2.8.2 Märkte und Festivals
2.8.2.1 Austrian Film Comission
2.8.2.2 Free TV /DVD/Blue-Ray/VOD
3 Film als Kunst und Kulturgut
3.1 Was ist Kunst?
3.2 Kunst, Kultur und Gesellschaft
3.3 Gesellschaft und Dokumentarfilm
3.4 Dokumentarfilm und Schule
4 Filmanalyse
4.1 Selektion der Filmbeispiele
4.1.1 Filmbeispiel 1: We Feed The World
4.1.2 Filmbeispiel 2: Plastic Planet
4.1.3 Filmbeispiel 3: Am Anfang war das Licht
4.1.4 Filmbeispiel 4: Cooking History
4.1.5 Filmbeispiel 5: Sickfuckpeople
4.2 Analyse der Fallbeispiele
4.2.1 Development und Thema
4.2.2 Finanzierung
4.2.3 Kinopremiere und Publikumsreaktionen
4.2.4 Festivals und Preise
4.2.5 Distribution
5 Interviews
5.1 Interview mit Peter Arthur Straubinger
5.2 Interview mit Alexander Glehr
5.3 Interview mit Péter Kerekes
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Anspruch, kulturellem Bildungsauftrag und wirtschaftlicher Rentabilität innerhalb des österreichischen Dokumentarfilm-Fördersystems. Zentrale Forschungsfrage ist, ob ein öffentlich gefördertes Filmwesen diese unterschiedlichen Anforderungen in Einklang bringen kann und welche Faktoren über den inhaltlichen und kommerziellen Erfolg eines Dokumentarfilms entscheiden.
- Strukturanalyse der österreichischen Filmförderung und ihrer rechtlichen Rahmenbedingungen.
- Untersuchung von Erfolgsfaktoren (inhaltlich, künstlerisch und ökonomisch) anhand von fünf Fallbeispielen.
- Betrachtung des Einflusses von Fernsehausstrahlungen und Quotenmodellen auf die Dokumentarfilmproduktion.
- Evaluation alternativer Finanzierungsmethoden wie Crowdfunding im digitalen Zeitalter.
Auszug aus dem Buch
1.3 Geschichtliche Zusammenfassung und Definition des Dokumentarfilms
Der Dokumentarist John Grierson prägte 1926 die Bezeichnung Dokumentarfilm, als er den Film Moana des Filmemachers Flaherty sichtete. Er beschreibt, dass der Film Moana, welcher eine bildliche Darstellung des Alltags eines polynesischen Mannes und dessen Familie ist und dadurch dokumentarischen Wert besitzt. Flaherty erregte 1922 Aufsehen mit dem ersten dokumentarischen Frühwerk Nanook of the North, welcher ein szenischer Spielfilm über den Überlebenskampf eines Inuit und seiner Familie werden sollte. Während der Dreharbeiten zu dem Film entwickelte sich eine Freundschaft zwischen dem Filmemacher und der Inuit Familie. Diese Vertrautheit ließ die Familie Ihre Alltäglichkeiten so natürlich vor der Kamera spielen und wirken, dass dadurch das Werk eine dokumentarische Wahrhaftigkeit und Authentizität erlangte. Als Nanook of the North in die Kinos kam, wurde dieser zu einem weltweiten Publikumserfolg. Mit diesem produktionsästhetischen Prototyp wurde Flaherty Gründer eines neuen Filmgenres. John Grierson bezeichnete damals den Dokumentarfilm als: [...] „the creative treatment of actuality“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Dokumentarfilm: Einleitung in die Thematik des Dokumentarfilms, dessen historische Einordnung, Definition sowie der Analyse des Stellenwerts im österreichischen Kontext.
2 Dokumentarfilm und Filmfinanzierung: Detaillierte Darstellung der komplexen Förderstrukturen, Finanzierungsarten wie Koproduktionen oder Crowdfunding und der Verwertungsketten in der Filmwirtschaft.
3 Film als Kunst und Kulturgut: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Begriff der Kunst, deren gesellschaftlicher Bedeutung und der Rolle des Dokumentarfilms im Bildungsbereich.
4 Filmanalyse: Empirische Untersuchung von fünf konkreten Filmbeispielen hinsichtlich Entwicklung, Finanzierung, Publikumsreaktionen, Festivalerfolgen und Vertriebsstrategien.
5 Interviews: Expertengespräche mit Filmschaffenden (Regisseure und Produzenten) zur praktischen Umsetzung und den Herausforderungen in der Filmproduktion.
6 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Hypothesen und Reflexion über die Zukunft des Dokumentarfilms unter ökonomischen Gesichtspunkten.
Schlüsselwörter
Dokumentarfilm, Filmförderung, Österreich, Filmwirtschaft, Filmfinanzierung, Kinobesucher, Kulturgut, Bildungsauftrag, Festivalstrategie, Crowdfunding, Verwertungskette, Filmökonomie, Koproduktion, Erfolgsfaktoren
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich der Untersuchung der österreichischen Dokumentarfilmförderung und analysiert, wie diese Kunstgattung trotz eines hohen wirtschaftlichen Risikos gefördert und produziert werden kann.
Welche Themenfelder werden zentral behandelt?
Zentrale Themen sind die ökonomischen Aspekte der Filmförderung, die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung des Dokumentarfilms sowie neue Vertriebs- und Finanzierungswege im digitalen Wandel.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob das öffentliche Filmförderungssystem in Österreich wirtschaftlich sein kann, während es gleichzeitig den Kultur- und Bildungsauftrag erfüllt, und welche Faktoren einen Dokumentarfilm erfolgreich machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine vergleichende Analyse von Filmförderungssystemen und eine detaillierte Auswertung von fünf ausgewählten Fallbeispielen, ergänzt durch Experteninterviews mit Regisseuren und Produzenten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition des Dokumentarfilms, die detaillierte Darstellung von Finanzierungs- und Verwertungsstrukturen sowie die Analyse konkreter österreichischer Filmbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Dokumentarfilm, Filmförderung, Filmwirtschaft, Erfolgsfaktoren, Finanzierung und Kinokultur charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Finanzierung von Dokumentarfilmen von anderen Produktionen?
Da Dokumentarfilme oft ein geringeres kommerzielles Potenzial als Blockbuster haben, sind sie existenziell von öffentlichen Fördergeldern und Koproduktionen abhängig, um überhaupt realisiert werden zu können.
Welche Bedeutung haben Filmfestivals für Dokumentarfilme?
Festivals dienen als essenzielles Sprungbrett für künstlerisch wertvolle Dokumentarfilme, um Aufmerksamkeit zu generieren, internationale Verleihpartner zu finden und Referenzpunkte für weitere Förderungen zu sammeln.
- Citation du texte
- Jasmin Nagel (Auteur), 2014, Zwischen Kunst, Kultur und Wirtschaftlichkeit. Öffentliche Förderung von Dokumentarfilmen in Österreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314334