Ziel dieser Arbeit ist es, die Möglichkeiten ausgewählter Business Intelligence Instrumente zur Unterstützung innerhalb der Aufgabenbereiche der Strategischen Beschaffung zu eruieren. Beschaffungsabteilungen weisen je nach Unternehmensgröße und Branche in der Praxis einen unterschiedlichen Professionalisierungsgrad auf. Mitunter
sind die in dieser Arbeit identifizierten Aufgabengebiete der Strategischen Beschaffung nicht alle vollumfänglich ausgestaltet oder noch im Aufbau. Folglich ist eine Implementierung von BI-Instrumenten eventuell verfrüht. Es soll geprüft werden, inwieweit der Reifegrad einer strategischen Beschaffung im Hinblick auf die definierten Aufgabengebiete
abbildbar ist. Im Ergebnis soll ein selbst entwickeltes Reifegradmodell Aussagen darüber machen, welche BI-Instrumente eingeführt und auf welche beim derzeitigen
Reifegrad verzichtet werden sollte, beziehungsweise, ob für die Erreichung eines bestimmten Reifegrades die Implementierung eines BI Instrumentes Grundvoraussetzung ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Relevanz der Thematik
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit
2 Wertorientierte Strategische Beschaffung
2.1 Begriffsdefinition: Beschaffung
2.2 Strategische Dimension der Beschaffung
2.3 Strategie- und Zielbildung in der Beschaffung
2.4 Wertorientierte Unternehmensführung als Ausgestaltungskriterium der Strategischen Beschaffung
2.5 Handlungsfelder
2.5.1 Kostenmanagement
2.5.1.1 Beschaffungsmarktanalyse
2.5.1.2 Preisstrukturanalyse
2.5.1.3 Gesamtkostenbetrachtung mit dem TCO-Konzept
2.5.1.4 IT-Anforderungen des Kostenmanagements
2.5.2 Lieferanten- und Innovationsmanagement
2.5.3 Beschaffungscontrolling
3 Business Intelligence
3.1 Definition der Begrifflichkeiten und Einordnung
3.2 Auswahl von geeigneten analyseorientierten BI-Instrumente zur Unterstützung der Strategischen Beschaffung
3.3 Ausgewählte analyseorientierte BI-Instrumente in der Strategischen Beschaffung
3.3.1 Ad-Hoc-Analysen für das Kostenmanagement mit OLAP
3.3.2 Modellbasierte Analyseinstrumente: Data Mining in der Strategischen Beschaffung
3.3.3 Berichtssysteme und Dashboards für das Lieferantenmanagement und das Beschaffungscontrolling
3.4 Informationsdistribution
3.5 Informationszugriff im BI über Portale
4 Entwicklung eines Reifegradmodells für die wertorientierte Strategische Beschaffung
4.1 Begriffsdefinition Reifegradmodelle
4.2 Analyse der vorhandenen Reifegradmodelle
4.3 Vorgehensmodelle zur Entwicklung von Reifegradmodellen
4.4 Entwicklung eines eigenen Reifegradmodells
4.5 Vorgehensweise zur Reifegradmessung
5 Validierung des entwickelten Reifegradmodells an einem Fallbeispiel aus der Praxis
5.1 Vorstellung des zu evaluierenden Unternehmens und Status Quo
5.2 Ergebnisse der Reifegradmessung
5.3 Ableitung von potentiellen Handlungsempfehlungen für den Zentralen Einkauf des Universitätsklinikums Bonn
5.4 Validierung des entwickelten Reifegradmodells
6 Schlussbetrachtung der Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Business Intelligence (BI) Instrumenten bei der Unterstützung der strategischen Beschaffung. Ziel ist es, ein Reifegradmodell zu entwickeln, das den Einsatzstatus von BI-Systemen in Beschaffungsabteilungen messbar macht und auf Basis der Ergebnisse Handlungsempfehlungen ableitet, um Beschaffungsprozesse wertorientiert zu gestalten.
- Analyse der Handlungsfelder: Kostenmanagement, Lieferantenmanagement und Beschaffungscontrolling.
- Integration von Business Intelligence-Instrumenten in strategische Beschaffungsprozesse.
- Entwicklung eines methodischen Reifegradmodells zur Bewertung der IT-gestützten Beschaffungsreife.
- Praktische Validierung des Modells durch eine Fallstudie im Zentralen Einkauf des Universitätsklinikums Bonn.
Auszug aus dem Buch
1.1 Relevanz der Thematik
Um dem Wettbewerbsdruck am Markt standzuhalten, gehen Unternehmen vermehrt zu einer Fokussierung auf einen bestimmten Bereich der Wertschöpfungskette über und bauen unternehmensspezifische Kernkompetenzen auf. Diese Spezialisierung impliziert den steigenden Bezug von externen Dienstleistungen, Gütern und Rohstoffen.
Eine in 2010 herausgegebene Studie des Bundesverbandes für Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik unterstreicht diese Entwicklung deutlich. Der durchschnittliche Anteil von zugekauften Gütern, Waren und Dienstleistungen am Umsatz machte bei den 1.653 befragten Unternehmen 42 % aus. In der Automobilindustrie wird der Anteil des Beschaffungsvolumens auf bis zu 53 % des Umsatzes beziffert. Für diese Statistik wurden 60 % Unternehmen aus investitionsintensiven Branchen, wie dem Maschinenbau und der Metallerzeugung, und 26 % Firmen aus dem Dienstleistungsgewerbe befragt.
Im Zuge dieser Reduzierung der Wertschöpfungstiefe und dem damit verbundenen Zukauf von Waren und Dienstleistungen konnte die betriebswirtschaftliche Disziplin der Beschaffung in den letzten zehn Jahren Bedeutung und Einfluss gewinnen. So zeigen die Umfrageergebnisse der Purchasing Excellence Study der Unternehmensberatung Roland Berger eine steigende, positive Bedeutung der Beschaffung bzgl. der Akzeptanz und des Einflusses auf die Unternehmensgestaltung. In ca. 54 % der befragten Unternehmen nimmt die Beschaffung den gleichen Stellenwert wie bspw. die Unternehmensbereiche Marketing, Verkauf und Finanzen ein. Im Jahr 2003 lag dieser Umfragewert noch bei 35 %. Weiterhin werden in 77 % der befragten Unternehmen die Beschaffungsvorgänge mit der Unterstützung des Top-Managements durchgeführt. Im Vergleich zum Jahr 2003 steigerte sich dieser Umfragewert um 26 Prozentpunkte und ist gerade im Hinblick auf die vermehrte Nutzung von unternehmensübergreifenden Optimierungsprojekten, in denen Beschaffung eine wesentliche Rolle spielt, ein wichtiger Entwicklungstrend. Stellten in der Vergangenheit das Global Sourcing und stark preisorientierte Lieferantenverhandlungen die wesentlichen Herausforderungen für die Beschaffung dar, so halten, durch die vermehrten Insolvenzen im Bereich der amerikanischen Automobilindustrie und durch steigende Logistikkosten, bei der Umsetzung von Global Sourcing Konzepten vermehrt wertbasierte Einkaufsstrategien Einzug in die Unternehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Bedeutung der Beschaffung durch reduzierte Fertigungstiefe und definiert die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen.
2 Wertorientierte Strategische Beschaffung: Hier werden theoretische Grundlagen zur strategischen Beschaffung und deren Handlungsfelder wie Kosten- und Lieferantenmanagement dargelegt.
3 Business Intelligence: Das Kapitel definiert BI-Systeme und identifiziert geeignete Analyseinstrumente, die zur datenbasierten Unterstützung strategischer Beschaffungsaufgaben dienen können.
4 Entwicklung eines Reifegradmodells für die wertorientierte Strategische Beschaffung: Es wird ein eigenes Modell entwickelt, um den Reifegrad von IT-Unterstützung und Prozessstruktur in der Beschaffung messbar zu machen.
5 Validierung des entwickelten Reifegradmodells an einem Fallbeispiel aus der Praxis: Das entwickelte Modell wird anhand einer Fallstudie am Universitätsklinikum Bonn in der Praxis angewendet und evaluiert.
6 Schlussbetrachtung der Diskussion: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die Grenzen des Modells und gibt einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen im Bereich Big Data.
Schlüsselwörter
Business Intelligence, Strategische Beschaffung, Reifegradmodell, Kostenmanagement, Lieferantenmanagement, Beschaffungscontrolling, IT-Unterstützung, Wertorientierte Unternehmensführung, Prozessautomatisierung, Datenanalyse, OLAP, Data Mining, Balanced Scorecard, Beschaffungsmarktanalyse, TCO-Konzept.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master-Thesis grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie moderne Business Intelligence Instrumente eingesetzt werden können, um die strategische Beschaffung in Unternehmen effizienter und wertorientierter zu gestalten.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Die Schwerpunkte liegen auf dem strategischen Kostenmanagement, der Lieferantensteuerung, dem Innovationsmanagement sowie dem Beschaffungscontrolling.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Entwicklung eines Reifegradmodells, mit dem Unternehmen bewerten können, wie gut ihre strategischen Beschaffungsprozesse durch IT-Systeme und BI-Instrumente bereits unterstützt werden.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Es wurde ein deduktiv-analytischer Ansatz gewählt. Nach der Literaturanalyse zur Theoriebildung wurde ein Reifegradmodell entwickelt und dieses im Rahmen einer qualitativen Fallstudie (inklusive Experteninterviews) in der Praxis validiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit konkret behandelt?
Neben der theoretischen Herleitung der Handlungsfelder werden spezifische BI-Techniken wie OLAP, Data Mining und Reporting-Dashboards in ihren Anwendungsmöglichkeiten für den Einkauf detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselbegriffe sind für das Verständnis der Arbeit essentiell?
Zentrale Begriffe sind Business Intelligence, Wertorientierung, Reifegradmessung, IT-Unterstützung im Einkauf und das TCO-Konzept (Total Cost of Ownership).
Welche Erkenntnisse lieferte die Fallstudie am Universitätsklinikum Bonn?
Die Studie zeigte, dass IT-Unterstützung in Teilbereichen vorhanden ist, aber ein ganzheitliches, integriertes BI-System zur datengestützten Entscheidungsfindung bei der strategischen Beschaffung noch ausbaufähig ist.
Warum ist eine wertorientierte Ausrichtung in der Beschaffung laut Autor notwendig?
Aufgrund des hohen Wettbewerbsdrucks und der steigenden Wertschöpfungsanteile externer Lieferanten fungiert der Einkauf nicht mehr als reiner Kostenverwalter, sondern als aktiver Gestalter des Unternehmenswerts.
- Citation du texte
- Master of Arts Lennart Eltzholtz (Auteur), 2014, Business Intelligence Instrumente zur Unterstützung einer wertorientierten Strategischen Beschaffung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314346