Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Begrifflichkeiten im Zusammenhang mit Studienabbruch und stellt Methoden zur Berechnung einer Studienabbruchquote vor. Darüber hinaus werden empirische Befunde und Theorien der Studienabbruchforschung dargestellt. Es wird deutlich, dass sich Theorie und Empirie derzeit noch deutlich unterscheiden und dass die amerikanische Tradition des Forschungsfeldes länger und ausgeprägter ist.
Es sollen folgende Fragen geklärt werden: Wie ist eine Bestimmung der Abbruchquote möglich? Welche Faktoren beeinflussen das Abbruchverhalten von Studierenden? Wie sehen die Konsequenzen des Studienabbruchs aus und wie ist dieser zu bewerten? Wo können Maßnahmen zur Reduzierung des Studienabbruchs ansetzen? Wie kann eine zukünftige Forschung zum Studienabbruch aussehen?
Studienabbruch ist ein Phänomen, das jede Hochschule in geringerem oder größerem Ausmaß betrifft. So beendet durchschnittlich jeder vierte Studienanfänger sein Studium vorzeitig und ohne Abschluss. Ein Abbruch der Hochschulausbildung muss nicht notwendig ein berufliches Scheitern nach sich ziehen - sieht man einige prominente Studienabbrecher wie Günter Jauch oder Jörg Pilawa doch täglich im Fernsehen. Doch dürften die Berufsmöglichkeiten davon stark eingeschränkt werden - ganz abgesehen von den persönlichen Enttäuschungen, die damit in der Regel verbunden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Studienabbruch
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Berechnung von Studienabbruchquoten
2.2.1 Berechnung von HIS seit 2002
2.2.2 Berechnung der OECD
2.2.3 Heterogenität der Studienabbruchforschung
3. Statistische Befunde der Studienabbruchforschung
3.1 Eigenschaften des Studienabbrechers
3.1.1 Geschlecht
3.1.2 Hochschulform
3.1.3 Studienfach
3.1.4 Abbruchzeitpunkt
3.2 Gründe für den Studienabbruch
3.2.1 Leistungsanforderungen
3.2.2 Finanzielle Probleme
3.2.3 Prüfungsversagen
3.2.4 Studienmotivation
3.2.5 Studienbedingungen
3.2.6 Berufliche Neuorientierung
3.2.7 Familiäre Gründe
3.2.8 Krankheit
3.3 Folgen des Studienabbruchs
4. Theoretische Konzepte der Studienabbruchforschung
4.1 Studienabbruchforschung in den USA
4.1.1 Das soziologische Erklärungsmodell von Spady
4.1.2 Das konzeptionelle Schema von Tinto
4.1.3 Das „student attrition model“ von Bean
4.1.4 Das Abbruchmodell von Bean und Metzner
4.2 Grundlegende Studien in Deutschland
4.2.1 Das konflikttheoretische Modell von Ströhlein
4.2.2 Das Bedingungsmodell subjektiven Studienerfolgs von Gold
5. Diskussion und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit gibt einen umfassenden Überblick über die Problematik des Studienabbruchs. Ziel ist es, Definitionen zu klären, statistische Hintergründe zu beleuchten und theoretische Erklärungsmodelle aus den USA und Deutschland kritisch zu diskutieren, um das komplexe Phänomen Studienabbruch besser zu verstehen.
- Methoden zur Berechnung der Studienabbruchquote
- Statistische Merkmale und Eigenschaften von Studienabbrechern
- Zentrale Gründe und Motive für den Abbruch eines Studiums
- Theoretische Erklärungsansätze (z.B. Tinto, Spady, Bean, Ströhlein, Gold)
- Konsequenzen des Studienabbruchs für Individuum und Institution
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
„Studienabbruch ist der härteste Hinweis auf Misserfolg im Studium“ (Klieme 2008: 131). Es ist ein Phänomen, das jede Hochschule in geringerem oder größerem Ausmaße betrifft. Durchschnittlich jeder vierte Studienanfänger beendet das Studium vorzeitig und ohne Abschluss. Einige erfolgreiche Studienabbrecher sieht man tagtäglich im Fernsehen: Günter Jauch, Jörg Pilawa, Kai Pflaume – alle haben ihr Studium nicht bis zum Abschluss weitergeführt. Sogar einer der reichsten Männer der Welt, Bill Gates, hat sein Studium abgebrochen. Aber auch wenn – wie die genannten Beispiele zeigen – ein Abbruch der Hochschulausbildung nicht notwendig ein berufliches Scheitern nach sich zieht, dürften die Berufsmöglichkeiten davon stark eingeschränkt werden – ganz abgesehen von den persönlichen Enttäuschungen, die damit in der Regel verbunden sind.
Verschiedene Fachrichtungen haben sich mit der Thematik des Studienabbruchs befasst. Eine einheitliche Theorie zum Studienabbruch gibt es jedoch bisher nicht (vgl. Schröder-Gronostay 1999: 217). Vielmehr ist das ganze Forschungsfeld geprägt von uneinheitlichen und in der Reichweite begrenzten Ergebnissen, was die Entwicklung von komplexeren Theorien erschwert. Es gibt viele Einzelstudien, deren Ergebnisse sich z.T. auf nur einzelne Hochschulen beziehen. Aufgrund der unterschiedlichen Datengrundlage und methodischen Vorgehensweisen sind diese Studien jedoch oft nicht miteinander vergleichbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen Studienabbruch ein, erläutert die Relevanz des Themas und umreißt den Aufbau sowie die Forschungsfragen der Arbeit.
2. Definition von Studienabbruch: Dieses Kapitel definiert den Begriff Studienabbruch und stellt verschiedene Methoden zur Berechnung der Abbruchquote vor, inklusive der HIS- und OECD-Verfahren.
3. Statistische Befunde der Studienabbruchforschung: Hier werden empirische Daten zu Eigenschaften von Studienabbrechern, Gründen für den Abbruch und den Folgen des Studienabbruchs präsentiert.
4. Theoretische Konzepte der Studienabbruchforschung: Dieses Kapitel stellt prominente soziologische und organisationstheoretische Kausalmodelle aus den USA vor und diskutiert grundlegende deutsche Forschungsansätze.
5. Diskussion und Ausblick: Das abschließende Kapitel reflektiert die Problematik der Studienabbruchforschung, bewertet die vorgestellten Modelle kritisch und identifiziert Anforderungen an zukünftige Forschungsarbeiten.
Schlüsselwörter
Studienabbruch, Studienabbruchquote, Schwundquote, HIS, OECD, Studienanfänger, Dropout, Student Attrition Model, soziale Integration, akademische Integration, Abbruchgründe, Leistungsprobleme, finanzielle Probleme, Studienbedingungen, Bildungsforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Phänomen des Studienabbruchs an deutschen Hochschulen, beleuchtet dessen statistische Erfassung und analysiert verschiedene theoretische Erklärungsansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen Begriffsbestimmungen, Berechnungsmethoden für Abbruchquoten, statistische Befunde zu Abbrechergruppen sowie theoretische Modelle, die Ursachen und den Prozess des Studienabbruchs erklären.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, einen Überblick über die Studienabbruch-Problematik zu geben, zu klären, wie Abbruchquoten bestimmt werden, welche Faktoren das Abbruchverhalten beeinflussen und wie diese Forschung künftig ausgerichtet sein sollte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine Auswertung existierender Studien und Daten, insbesondere des Hochschul-Informations-Systems (HIS), sowie eine Literaturanalyse amerikanischer und deutscher theoretischer Modelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Darstellung statistischer Befunde zu Studienabbrechern (z.B. Geschlecht, Studienfach, Abbruchgründe wie Leistung oder Finanzen) und die Vorstellung theoretischer Konzepte (z.B. von Tinto, Bean, Spady).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Studienabbruch, Studienabbruchquote, Dropout, Student Attrition Model sowie Konzepte der sozialen und akademischen Integration charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die amerikanische Studienabbruchforschung von der deutschen?
Die amerikanische Forschung blickt auf eine längere Tradition zurück, nutzt häufiger Längsschnittdaten und multivariate Verfahren und ist stärker theoretisch fundiert, während deutsche Ansätze oft deskriptiver Natur sind.
Welchen Einfluss haben Bachelor-Studiengänge auf den Abbruch?
Die Arbeit weist darauf hin, dass Bachelor-Studiengänge häufig durch eine höhere und frühere Abbruchrate gekennzeichnet sind, was u.a. auf hohe Leistungsanforderungen zu Studienbeginn und eine fehlende Orientierungsphase zurückgeführt wird.
- Citation du texte
- David A. Peters (Auteur), 2010, Studienabbruch in Deutschland und den USA. Theoretische Konzepte und empirische Befunde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314548