Diese Hausarbeit untersucht den tatsächlichen Einfluss von Ratingagenturen auf die Schuldenfinanzierung von Staaten am Beispiel Griechenlands. Sie zeigt zunächst die Funktion und Vorgehensweise von Ratingagenturen mit Schwerpunkt auf die Bewertungsstufen und Verankerung im Finanzsystem auf und umreißt die griechische Krise, die seit 2010 das Land zu strengen Reformen zwingt. Daraufhin stellt sie die Auswirkungen der Krise und des Ratings griechischer Staatsanleihen heraus mit dem Ziel, den Zusammenhang zwischen der Krise Griechenlands, den Ratingagenturen und dem Kurs der Anleihen verständlich darzulegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung:
2 Ratingagenturen
2.1 Allgemeines über Ratingagenturen:
2.1.1 Die drei großen Agenturen
2.1.2 Geschichte der Agenturen:
2.1.3 Allgemeine Funktion der Agenturen
2.2 Die Bewertungsstufen
2.2.1 Notenstufen der Agenturen:
2.2.2 Bedeutung der Notenstufen für Emittenten
2.3 Das Rating eines Staates mit den 5 Scores
3 Schuldenstaat Griechenland
3.1 Griechenland und die Europäische Währungsunion
3.1.1 Der Beitritt Griechenlands
3.2 Die griechische Krise
4 Einfluss der Ratingagenturen
4.1 Griechische Staatsanleihen in der Krise
4.2 Das Rating Griechenlands
4.2.1 Teufelskreis schlechtes Rating
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den tatsächlichen Einfluss von internationalen Ratingagenturen auf die Schuldenfinanzierung von Staaten, wobei die griechische Staatsschuldenkrise als primäres Fallbeispiel dient. Ziel ist es, die Funktionsweise der Ratingmechanismen zu erläutern und den kausalen Zusammenhang zwischen den Bonitätsbewertungen, der Krise selbst und der Entwicklung der Zinssätze für Staatsanleihen darzulegen.
- Struktur und Funktionsweise internationaler Ratingagenturen
- Methodik der Bonitätsbewertung und ihre regulatorische Verankerung
- Ursachen und Verlauf der griechischen Schuldenkrise seit dem Euroeintritt
- Auswirkungen von Ratinganpassungen auf die Finanzierungskosten und Staatsanleihen
- Die Rolle von Ratingagenturen als Verstärker oder Verursacher von Finanzkrisen
Auszug aus dem Buch
4.1 Griechische Staatsanleihen in der Krise
Die direkte aus schlechter Bonitätsbewertung resultierende Konsequenz ist ein Anstieg der auf Kredite zu entrichtenden Zinsen. Ein Staat nimmt Kredite in Form von Staatsanleihe auf. Wird ein Staat mit einem schlechten Rating versehen, schwindet das Vertrauen in seine Anleihen und das Interesse seitens der Finanzmärkte erlischt. Um weiterhin Schulden durch Staatsanleihen finanzieren zu können, muss der Staat Investoren durch attraktive Zinssätze anlocken. In Abbildung 5 ist der Kursverlauf 2-jähriger griechischer Staatsanleihen dargestellt. Auffällig hierbei ist der nahezu exponentielle Anstieg ab dem Beginn der griechischen Krise – ein klarer Indikator für eine drohende Zahlungsunfähigkeit.
In Abbildung 5 erreicht die Rendite ein Rekordhoch von 33% (zum Vergleich: Deutsche Staatsanleihen lagen bis dato – im diesem Fall Ende 2011 - bei 2,27%). Bis 2012 zeigte sich ein Bild einer Anleihe, der niemand mehr vertraute. Dann der Umschwung. Die höchst spekulative griechische Staatsanleihe – nur noch von wenigen Investoren überhaupt zur Rate gezogen – stiegen in Folge von weniger Angst vor dem Euroaustritt Griechenlands und wurde entgegen vieler Erwartungen tatsächlich ausgezahlt. Jene Investoren, die damals alles in griechische Anleihen setzten, konnten mehr als 100% Rendite einfahren – und wurden über Nacht zum weltbesten Anleihenfonds. Die hohen Renditen sind die Belohnung für eine Wette entgegen jeden Ratings der „großen Drei“ mit Folgen für das Rating Griechenlands.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die globale Bedeutung von Staatsschulden ein und skizziert die Rolle von Ratingagenturen als vermeintliche „Herren“ der Finanzmärkte, die als Ausgangspunkt für die Untersuchung der griechischen Krise dient.
2 Ratingagenturen: Dieses Kapitel erläutert die oligopolistische Struktur der Ratingbranche, die Geschichte der „großen Drei“ sowie die methodischen Grundlagen des Ratingprozesses und die Bedeutung der Bonitätsnoten.
3 Schuldenstaat Griechenland: Das Kapitel analysiert den Beitritt Griechenlands zur Währungsunion, die problematische Wirtschaftsentwicklung sowie die anschließende Eskalation der Schuldenkrise und das Scheitern der Wachstumsstrategie.
4 Einfluss der Ratingagenturen: Hier wird der Zusammenhang zwischen Bonitätsherabstufungen, dem Anstieg der Renditen griechischer Staatsanleihen und der dadurch ausgelösten negativen Dynamik für den Staatshaushalt untersucht.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Ratingagenturen zwar Verstärker der Krise waren, jedoch keine alleinigen Verursacher, und betont die Macht der Agenturen durch ihre regulatorische Verankerung.
Schlüsselwörter
Ratingagenturen, Griechenland, Schuldenkrise, Staatsanleihen, Bonitätsbewertung, Eurokrise, Finanzmärkte, Zahlungsunfähigkeit, Rendite, Verschuldung, Investoren, Kapitalmarkt, Standard & Poor's, Moody's, Fitch Ratings
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss, den internationale Ratingagenturen auf die Refinanzierung von Staaten haben, mit einem Fokus auf die griechische Schuldenkrise.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Funktionsweise von Ratingagenturen, dem Bewertungssystem für Staaten sowie dem Zusammenhang zwischen Krisenverläufen und den Urteilen der Ratingbranche.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Welchen konkreten Effekt haben Ratingagenturen auf die Schuldenfinanzierung von Staaten, insbesondere in Krisenzeiten?
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine deskriptive Analyse und Auswertung von Wirtschaftsdaten, Kursverläufen von Staatsanleihen und Fachliteratur durchgeführt, um die Kausalitäten zwischen Rating und Marktverhalten zu illustrieren.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung des Ratingsystems, die Entwicklung der griechischen Schuldenproblematik nach dem Euroeintritt sowie die direkten Auswirkungen der Herabstufungen auf die Renditen griechischer Anleihen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Ratingagenturen, Staatsverschuldung, Griechenlandkrise, Bonität, Anleiherenditen und regulatorische Verankerung.
Warum spielt die SEC bei der Macht der Ratingagenturen eine Rolle?
Durch die Anerkennung als „NRSRO“ hat die US-Börsenaufsicht dafür gesorgt, dass Ratings regulatorisch bindend wurden, was den Agenturen erst ihre enorme Marktmacht verleiht.
Was ist mit dem „Teufelskreis des schlechten Ratings“ gemeint?
Es beschreibt den Mechanismus, bei dem ein schlechtes Rating die Zinsen für einen Staat erhöht, was zu mehr Schulden führt, was wiederum eine weitere Herabstufung nach sich zieht – eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
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- Florian Schneider (Author), 2014, Abgeratet und abgestürzt. Der Einfluss von Ratingagenturen auf die Schuldenfinanzierung von Staaten am Beispiel Griechenlands, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/314583