Der Ansatz dieser Arbeit ist es herauszufinden, welche Bedeutung das Videoportal Youtube für die Lebenswelt von 13- bis 14-jährigen Jugendlichen besitzt.
Die Internetseite Youtube wurde 2005 gegründet, seitdem können Benutzer auf diesem Videoportal Videos schauen und hochladen. Heutzutage werden pro Minute ca. 100 Stunden Videomaterial veröffentlicht und 64% der unter-15jährigen deutschen Jugendlichen konsumieren Youtube-Videos täglich.
Während die Nutzer, welche eigene Kanäle erstellten um ihre Videos zu veröffentlichen, anfangs Youtube als Hobbyprojekt verstanden, professionalisierten sie sich in den letzten Jahren indem sie Fernsehstudios und fachgemäße Videoausrüstung nutzten. Die Medienindustrie erkannte das Potenzial des Marktes hinsichtlich junger Zuschauer und es wurden zielgruppenorientierte Kanäle erstellt.
Youtube hat zum einen den Vorteil gegenüber dem klassischen Fernsehen, dass man einerseits jederzeit überall das schauen kann was man möchte. So ist das Smartphone das übliche Mediengerät der Wahl zum Konsumieren von jeglichen Videos. Zum andern ist eine Interaktion und Kommunikation mit dem Ersteller des Videos (genannt Youtuber bzw. Youtuberin) und anderen Zuschauern möglich.
Viele Youtuber sind zu Vorbildern für Jugendliche geworden. Sie bieten ein hohes Maß an Identifikationsmöglichkeiten, da sie selbst oft noch relativ jung sind, authentisch und bodenständig erscheinen sowie über Themen und Probleme der Jugendlichen diskutieren. Erfolgreiche Youtuber mit hohen Zuschauerzahlen, wurden zu neuen Medienstars. Auf Konzerten und Events werden sie wie musikalische Popstars von Fans gefeiert und bejubelt. So waren 15.000 Jugendliche auf den Videodays in Köln, auf welcher viele Youtuber auf einer Bühne auftraten.
Die hohe Bedeutung der Youtubekanäle zeigt sich auch darin, dass Youtube in den Schulen zum täglichen Gesprächsthema unter Jugendlichen geworden ist. Moderne Trends wie das Longboard fahren wurden durch Youtube und seine Kanäle initiiert. Auch Produktinformationen werden durch Youtuber an Jugendliche weitergegeben, sodass Formen neuer Werbung entstanden sind.
Die Jugendlichen können sich durch eigene Videos auf Youtube auch selbst medial ausleben. Das Videoportal bietet ihnen die Möglichkeit, Videos zu produzieren, hochzuladen und somit zu veröffentlichen. Dafür eignen sie sich Kameraführung und Videobearbeitung selbst an.
Jedoch erzeugt Youtube auch neue Süchte und Ängste.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Youtube und seine Stars
2.1 Entstehung von Youtube und Nutzerstatistiken
2.2 Professionalisierung von Youtubern
2.3 Youtubestars als Vorbilder von Jugendlichen
3 Methode: Das Gruppeninterview und das Auswertungsverfahren
3.1 Das Gruppeninterview
3.2 Das Auswertungsverfahren
4 Analyse der Gruppeninterviews
4.1 Youtube in der Lebenswelt der Jugendlichen
4.1.1 Longboard
4.1.2 Let’s Plays und Minecraft
4.1.3 Hauls
4.1.4 Täglicher Youtube-Konsum
4.2 Chance: Sich durch eigene Videos und Kanäle selbst medial ausleben
4.3 Youtubestar: Vorbild, Popstar oder Werbefigur?
4.3.1 Vorbildfunktion von Youtubern
4.3.2 Der Youtuber als Popstar
4.3.3 Authentizität und Product Placement
4.4 Risiken von Youtube und wie Eltern und Schule auf sie reagieren sollen
4.4.1 Sucht
4.4.2 Eltern und Schule
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung des Videoportals Youtube für die Lebenswelt von Jugendlichen im Alter von 13 bis 14 Jahren. Im Fokus steht dabei die Analyse von Gruppendiskussionen, um zu verstehen, wie Youtuber als Identifikationsfiguren wirken, welche Rolle das Medium in der Peer-Group spielt und welche Chancen sowie Risiken, wie etwa Suchtpotenziale oder versteckte Werbebotschaften, mit dem täglichen Konsum verbunden sind.
- Bedeutung von Youtube als tägliches Medium für 13- bis 14-Jährige
- Rolle von Youtubern als neue Vorbilder und Identifikationsfiguren
- Auswirkung von Trends (z. B. Longboard-Hype) durch Youtube-Kanäle
- Umgang mit Risiken wie Suchtverhalten und versteckter Produktwerbung
- Selbstwirksamkeit der Jugendlichen durch eigene Videoproduktion
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Let’s Plays und Minecraft
Die zwei Jungen zählen auch Videospiele zu ihren Hobbys, im weiteren Interviewverlauf erfährt man, dass sie sich auch gerne Let’s Plays bei Youtube anschauen.
Interviewer: Kommt es häufig vor, dass ihr euch über Youtuber so unterhaltet. Ist das so ein Thema oder nicht so?
Jumali (schüchtern): Bei Philipp und mir kommt das vor.
Interviewer: Über was unterhaltet ihr euch dann so typischerweise?
Jumali: Wir zocken ja selber auch gerne. Wir gucken uns Let’s Plays an und reden darüber. (schüchtern)
Interviewer: Ihr müsst nicht peinlich berührt sein, also kannst ruhig erzählen, über was für Spiele unterhaltet ihr euch?
Philipp: Hauptsächlich Minecraft.
Maria: Dann kenn ich noch jemanden, der mit euch spielen kann.
Interviewer: Und dann unterhaltet ihr euch darüber, welches Video gut war oder wie meinst du das?
Jumali: „Was für ein Video hast du so als letztes geguckt?“ Und dann redet man darüber. Und man sagt so die eigene Meinung darüber. Oder über Modpacks.
Let’s Plays (engl. „Lasst uns spielen“) sind Youtube-Formate in denen ein meist männlicher Youtuber oft Bild-in-Bild ein Videospiel spielt. Dabei wird großformatig das Videospiel dargestellt und in einem kleinen Kasten der Youtuber, wie er dieses spielt. Es werden auch beide Tonspuren, die des Spiels und die des Youtubers, aufgenommen. Somit kann der Youtuber direkt das Geschehene kommentieren und seine Mimik und Gestik ist für den Zuschauer erkennbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz von Youtube für Jugendliche ein und erläutert den Fokus der vorliegenden Forschungsarbeit.
2 Youtube und seine Stars: Das Kapitel beleuchtet die Geschichte des Portals, die Professionalisierung der Content-Ersteller und die Rolle der Youtuber als Vorbilder.
3 Methode: Das Gruppeninterview und das Auswertungsverfahren: Hier werden das Forschungsdesign, die Auswahl der Zielgruppe sowie die methodischen Schritte der Transkription und Auswertung dargelegt.
4 Analyse der Gruppeninterviews: Dieser Hauptteil analysiert die Rolle von Youtube in der Lebenswelt der Jugendlichen, von Trends über eigene Kanäle bis hin zu Chancen, Vorbildern und Risiken.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Mediennutzung, die Bedeutung von Youtubern und die Notwendigkeit von Medienerziehung zusammen.
Schlüsselwörter
Youtube, Jugendliche, Youtuber, Let's Plays, Minecraft, Gruppeninterview, Vorbildfunktion, Identifikation, Medienkonsum, Sucht, Produktplatzierung, Authentizität, Medienerziehung, Longboard, Internetphänomen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Relevanz des Videoportals Youtube im Alltag von 13- bis 14-jährigen Jugendlichen und beleuchtet dabei deren verändertes Mediennutzungsverhalten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Vorbildfunktion von Youtubern, dem Einfluss des Mediums auf Trends, der aktiven Rolle der Jugendlichen als Produzenten sowie den Risiken von Sucht und versteckter Werbung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch die Methode des Gruppeninterviews ein tieferes Verständnis dafür zu gewinnen, welche Bedeutung Youtube für die Lebenswelt der untersuchten Altersgruppe hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Datenerhebung verwendet?
Es wurde eine Gruppenerhebung durchgeführt, da diese den Vorteil bietet, natürliche Gruppendynamiken und den Meinungsaustausch unter den Jugendlichen sichtbar zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert spezifische Formate wie Let’s Plays und Hauls, diskutiert die Authentizität der Youtuber im Kontext von Produktplatzierungen und beleuchtet die Sorgen von Eltern und Lehrern.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Identifikation, Medienstars, Produktplatzierung, soziale Interaktion, on-demand-Konsum und der Bedarf an informierter Medienerziehung.
Wie unterscheidet sich Youtube laut den befragten Jugendlichen vom Fernsehen?
Die Jugendlichen schätzen an Youtube die zeitliche und räumliche Flexibilität ("on-demand") sowie die Interaktionsmöglichkeit durch Kommentare, die einen direkten Rückkanal zum Ersteller ermöglichen.
Warum fordern die Jugendlichen eine stärkere Auseinandersetzung mit Youtube in der Schule?
Sie sehen Bedarf, um über Ängste und Probleme zu sprechen, Medienerziehung zu erhalten und gemeinsam zu reflektieren, insbesondere im Hinblick auf werbliche Inhalte und den bewussten Umgang mit dem Konsum.
- Citation du texte
- Constantin Becker (Auteur), 2015, Analyse von Gruppeninterviews zur Lebenswelt von 13- bis 14-jährigen Jugendlichen. Vorbilder, Chancen und Risiken des Videoportals Youtube, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315099