Systematische und historische Berufspädagogik. Eine Zusammenfassung von Sozialutopien über den kategorischen Imperativ bis zu Georg Kerschensteiner


Vorlesungsmitschrift, 2014

41 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Systematische & historische Berufspädagogik

1. Vorlesung 09.04.2014

Klausur: Logik der geschichtlichen Entwicklung durchschauen

- 17. Jh. eingeleitet durch Luther = Beginn einer neuen Zeit ➔ MA endgültig zu Ende
- Zeitalter des aufgeklärten Menschen beginnt (Wer war Aufklärer? Was versteht man unter Aufklärung?)
- Comenius (Philosoph, Didaktiker, Theologe): „Alle sollen alles lernen.“ ➔ schwierig in ländlicher, dörf- licher Gegend ➔ Bauernstand stand Bildung am entferntesten gegenüber ➔ Aufklärung kommt hier evtl. später an
- Lehrer ist mehr oder weniger gezwungen mit System konform zu gehen ➔ deswegen gingen Revolutio- nen selten von Lehrern aus ➔ in Kleinstädten waren Lehrer recht arm
- Man muss zwischen Aufklärern differenzieren ➔ Wer waren die Aufklärer unter den Aufklärern?
- Aufklärung hat unter Akademikern begonnen
- Besonders jüdische Intellektuelle (auch Frauen) streben nach Bildung und Emanzipation

Die Sozialutopien - Funktionen und verschiedene Formen (Folie)

- Utopien = literaturgeschichtliche Form der Zeitkritik in einer besonderen Art und Weise ➔ von einer utopischen Vision
- Utopie = Konzept, Vision, Wunschvorstellung, versucht Antwort zu geben auf die alten Träume der Menschen, z.B. Theorie der gerechten Aufteilung von Gütern
- Den Menschen wird ein Spiegel vor Augen gehalten
- Utopie = meckert nicht nur, sondern stellt sich auch etwas besseres vor ➔ macht konstruktive Vorschlä- ge
- Utopien sind alle gescheitert, außer der Kapitalismus
- Frage: Warum sind Utopien gescheitert? War z.B. DDR eine falsche Konstruktion oder gute Idee, die falsch umgesetzt wurde? - Ist Utopie von vorn herein falsch vs. gute Idee, die schlecht realisiert wurde? Bibel

1) Offenbarung (= einzige Utopie des Christentums): Neues Testament: Beginn eines 1000-jährigen Rei- ches: endgültiger Sieg Gottes über den Satan (➔ nach Sieg beginnt 1000-jähriges Reich ➔ Was ist mit Satan gemeint? ➔ S. Freud: „Der Teufel ist in jedem von uns“ ➔ Satan: = falsche, unmenschliche Strukturen in der Gesellschaft; Antichrist ➔ nach Sieg muss man sich vor Satan schützen ➔ im neuen Testament stellt man sich vor, dass 1000-jähriges Reich nur hinter einer Mauer existieren kann ➔ Mauer ist unbezwingbar ➔ Höhe ist berechnet im neuen Testament: 70 m ➔ Geld = Ursache des Übels ➔ Auf welche Ursachen ist Leid der Menschen zurückzuführen? ➔ Diese Frage ist richtig ➔ Das jedoch Geld die Ursache ist ➔ Dieser Gedanke ist falsch ➔ Utopien sind eingeschlafen ➔ Unter welchen Umstän- den entstehen Utopien? ➔ Entstehen aus Mangel ➔ aber gegenwärtig Überschussgesellschaft)

2) Hl. Augustinus: Der Gottesstaat (4. Jh.)
-keine Ausbeutung, kein Krieg, Gütergemeinschaft (Differenzierung, welche Güter unter gemeinschaft- liche Aufsicht gestellt werden sollten und welche nicht ➔ Das was wir haben ist begrenzt, wie wir es verteilen, ist Frage der Klugheit ➔ 2 Strategien: 1. Gesellschaftliches System von heute auf morgen än- dern 2. (= systemtheoretisch klügere Lösung, da sie Korrekturen offen lässt) Kleine Schritte machen

3) Thomas Morus (1478-1535): Die Insel „Utopia“ = ein Nicht-Ort

-Ethos der Arbeit
-Landwirtschaft als erster Beruf für alle
-ein Handwerk als zweiter Beruf für jeden
-ein zweites Handwerk für einige, die so besonders bewundert werden
-Sozialethik: Geburtenkontrolle, Selektion der Ehepartner

(auf Utopia gibt es große moralische Würde der Menschen: Jeder muss arbeiten ➔ Inhalt der Arbeit: Je- der muss gewisse Zeit in Landwirtschaft gearbeitet haben ➔ Während Sommer verlassen alle Stadtbür- ger Städte und wohnen und arbeiten auf dem Land ➔ pädagogische Bedeutung: ich muss auch als Kind landwirtschaftliche Fähigkeiten erwerben ➔ handwerklicher Beruf (2 Stück) ➔ Sozialethik: nur gesun- de Partner zusammen, um Erbkrankheiten auszuschließen ➔ Kombination verschiedener Tätigkeiten fördert vielseitige Fähigkeiten ➔ Luther sagt, Missgunst unter Berufen resultiert aus Unkenntnis)

4) Tomaso Campanella (geb. 1568): Der Sonnenstaat

- Herrschaft der Wissenschaften und Künste (=Minister)
- Die Mauern der Stadt = monumentale Bilder als Unterrichtsmittel an den Wänden ➔ man geht durch Stadt und wird konfrontiert mit Dingen aus Wissenschaft und jemand ist dabei, der es erklärt
- Privatbesitz existiert nicht
- jeder hat zum Wohl des Staates beizutragen
- geistiger Fortschritt und Erfolg der Gemeinschaft = höchstes Gut
- Vision eines allen Bürgern gleichermaßen dienenden Gemeinwesens (Sonnenstaat = neben Utopia große klassische Utopie)

5) Francis Bacon (geb. 1561): Neu-Atlantis

- Neu-Atlantis = Insel
- Eine Utopie der technischen Entdeckungen und Erfindungen

(= Begründer der induktiven Methode in Naturwissenschaften ➔ Nur Methode der Induktion betritt das Unbekannte; Bacon sagte, 1000 Jahre nach Platon sitzen Menschen immer noch in der Höhle)

2. Vorlesung 16.04.2014

- Idylle = positives Gefühl inne
- Problem liegt im politischen System
- Patriarchalischer Gedanke ➔ in Anspruch-Nehmen von Privilegien ➔ Eigenwilligkeit? ➔ Sozialismus typisch
- Personenkult teilweise inszeniert (Bsp. Stalin) ➔ Verehrung der Weisheit ➔ Vertrauen, Vater ➔ Dres- den wollte Helmut Kohl ein Denkmal setzen, weil er wichtige Rede hielt 1989 (DMark) ➔ War Kanzler der Einheit ➔ wollte kein Denkmal
- Jedes Land verdient den Führer, den es verdient
- Gegenwart = Pluralismus, Meinungsvielfalt, parlamentarische Demokratie ➔ Genau das, was Sozialis- mus immer suggeriert hat ➔ Geschichte hat gradlinigen Verlauf, es geht allen immer besser
- Was ist mehr wert? Leben eines einzelnen Menschen oder Glück der Gesellschaft? ➔ Frage ist falsch gestellt ➔ Glück der Gemeinschaft = Glück jedes einzelnen Menschen
- Wie ist es möglich, dass Menschen sich selbst schaden (z.B. Terroristen) ➔ durch Erziehung ➔ Men- schen so erziehen, dass sie die Dinge glauben
- Unter Hitler vertrauten alle blind, weil sie hofften, es geht ihnen später besser
- Heute Gefühl der Orientierungslosigkeit, weil sich durch Masse der Infos und Wertungen keine Konse- quenz ableiten lässt
- Es gibt heimliche Sehnsucht nach scheinbar stabiler Zeit (die es scheinbar in DDR gab)
- Sowohl in Sozialdemokratie, als auch in Kommunismus
- Klemperer kritisierte die Teilung Dtl.
- Überlegung, wie Utopie aussehen könnte (Künstler, Philosophen) ➔ oppositionelles Nachdenken über Utopien
- Utopien des Altertums = leicht verständlich, da elementare Vorstellungen ➔ heute ist es nicht mehr so leicht Utopien zu entwickeln
- Grottis Utopie: Dtl. tritt aus Nato aus und erklärt militärische Neutralität ➔ fraglich ist jedoch, wie man aus Verträgen rauskommen kann ➔ hier eigentliches Ende der Utopie
- Utopie im Bildungswesen ➔ moderne Schule der Zukunft ➔ Grundstipendium für alle, unabhängig vom Gehalt der Eltern ➔ absolute Gerechtigkeit ist nicht herstellbar
- Feudalismus (Vorstufe des Kapitalismus) ➔ es ist genug für alle da, aber Güter müssen verteilt werden
- Wer entscheidet, wer wie viel bekommt? ➔ setzt Loyalität voraus ➔ Verteilungsgerechtigkeit ist dann leicht, wenn man konkrete Strukturen hat ➔ Bsp. Hartz 4 Satz wurde nach der Notwendigkeit nach Schuhen berechnet ➔ Sozialismus: alles reguliert sich selbst, wer fleißig ist, hat viel, jeder hat Glück selbst in der Hand
- Glück besteht nicht aus materiellem Reichtum ➔ Glück muss man woanders suchen
- Religion: In allen Utopien sieht es so aus, als würde Religion zurücktreten ➔ christliche Werte bleiben aber ➔ 4 Kardinaltugenden (Gerechtigkeit, Weisheit, Tapferkeit, Mäßigkeit) der Antike lebendig machen ➔ sind nie in Praxis realisiert worden
- Utopie muss auch im Alltag gestaltet und organisiert sein
- Grundidee der Utopien = Wertschätzung der Arbeit ➔ kommt durch eigene Erfahrung ➔ deswegen ist es nicht schlecht, wenn Menschen vor Studium Erfahrung in verschiedenen Berufen gemacht haben
- In Sozialutopien Phänomen, dass akademische Ämter besonders geschätzt sind ➔ in heutiger Zeit misst sich Maßstab der Wertschätzung an Gehältern
- Leben fordert 4 Kardinaltugenden der Antike kombiniert mit drei christlichen Tugenden (Liebe, Glaube, Hoffnung)
- Beruf = Ausdruck von Nächstenliebe nach Luther
- Utopien sind noch nicht zu Ende, da neue Probleme herangereift sind

3. Vorlesung 23.04.2014

Die Sozialutopien - Funktionen und verschiedene Formen (Folie)

- Utopie = Produkt der Unsicherheit, erwächst aus Alltag

- Was kann Politik/Wirtschaft für Utopie tun? ➔ Utopie muss auf festem Grund entstehen ➔ Bündnis von Geist & Wirtschaft/Geld muss existieren ➔ Ökonomisches immer an Utopie gebunden ➔ Es ist schwer Wirtschaft von Utopie zu überzeugen, aber noch schwerer ist es, Politik von Utopie zu überzeugen

- 18. Jh. =Siegeszug der Naturwissenschaften

a) Sozialkritik auf indirektem Weg (= Form des Spiegels)

(Utopie immer verdächtig, dass sie Kritik am Staatswesen übt ➔ Kritik muss also indirekt verpackt werden ➔ z.B. nicht Darstellung in meinem Land sondern Utopie auf einer Insel spielen lassen)

b) Aufklärung (= Vermittlung von Wissen)

(Aufklärung = Behaftet mit Unsicherheiten ➔ Stätten der Aufklärung = Universitäten)

c) Vision (= praktische Entwürfe)

(Bsp. Utopia )

d) Phantasie (= geistige Konzepte)

(Bsp.: Geschichte vom süßen Brei ➔ Hunger als Antriebskraft der Phantasie)

= Utopisten haben richtige Fragen gestellt, aber zum Teil falsche Antworten & radikale Lösungen gegeben = alles ist möglich, aber Bedingungen müssen geschaffen werden Theorien (Folie)

- Francis Bacon (geb. 1561): Neu-Atlantis

- Eine Utopie der technischen Entdeckungen und Erfindungen
-Eine Utopie der Wissenschaften (Akademie)

- Johann Valentin Andreae (1586-1654): Der Christenstaat

- Religiös-pietistische Utopie, große Ähnlichkeit mit Comenius
- Comenius (Aufklärer, Didaktiker, Bildungsreformatiker, Entdecker der Realpädagogik): Didak- tik von Comenius war zu seinen Zeiten eine Utopie ➔ am detailliertesten ausgestaltete Bil- dungsutopie ➔ bedeutendstes Kapitel = 30. Kapitel ➔ Comenius = Entdecker der Realpädago- gik ➔ von NaWi wurde noch nicht viel gesprochen, erst durch Comenius ➔ 1. Mutterschule, 2. Lateinschule (Grammatik, Dialektik/Logik, Rhetorik, Arithmetik, Geometrie, Astronomie, Geo- graphie, Musik, Naturwissenschaften, Chronologen, Historiker, Ethik, Theologie) ➔ NaWi wur- de unterrichtet, aber auf Latein ➔ führt zu Universitäten: von hier kommt Geist ➔ Lehrer: Stu- dium der reinen NaWi und dann Lateinschule ➔ neue Methodik wächst heran: experimenteller Unterricht ➔ zu Beginn von Lehrer allein durchgeführt

4. Vorlesung 30.04.2014

Realismus

- Zeitweise Abwendung von Religion im Schulsystem ➔ möglicherweise Spaltung bei Lehrern ➔ Grie- chisch + Latein + Hebräisch (Philologen) vs. Mathematik ➔ arbeitet sich in Bezug Lehrer hinauf ➔ Modell des Mathelehrers unterscheidet sich von Ansichten anderer Lehrer

- Schwächstes Glied der Utopien ist wirtschaftliches Modell (Abschaffung des Geldes kann nicht funktio- nieren) ➔ Menschen müssen Umgang mit Geld erlernen, Geld moralisch angemessen zu nutzen (Problem besteht bis heute)

- Ökonomisches Denken hält im 17./18. Jh. Einzug (bei Luther gab es auch ökonomisches Denken ➔ wollte, dass keiner zu großen Gewinn macht; Gewinn muss der Arbeit entsprechen)

- Woran kann der Wert beruflicher Bildung gemessen werden? ➔ je länger man gelernt hat, desto angese- hener ist man in der Gesellschaft ➔ keine Aussage über Qualität

- Wie kann Bildung den wirtschaftlichen Gewinn steigern? ➔ Qualität & Quantität ➔ Regulierung durch Zünfte

- ➔ heute kann durch Qualifizierung besserer & höherer Gewinn erzielt werden

- Lehrer brauchen ein Gefühl für Sprache ➔ Kulturgut

- Höhere Bildung

- Kompromisse zwischen Disziplinen

- Was ist studierbar/lernbar/machbar?

- Was-Wovon-Wie viel?

- Quantitative Reduzierung bei bleibender Qualität (12/13 Jahre Abi)

- Im 19. Jh. Streit zwischen Sprache & Naturwissenschaften geht auf Comenius zurück (%-Methoden- Kapitel)

Pädagogischer Realismus

- nicht nur auf Fächer reduzieren, sondern auch Methoden mit einbeziehen

- realistisch ist weltanschauliches Problem

- realistisch entspricht den realen Gegebenheiten

- Pfarrer war auf dem Dorf meist auch Lehrer

- Wie erzieht man jemanden zum Realitätssinn? (Pestalozzi: Kopf-Herz-Hand)

- Comenius:

- Lateinschule
- Der kluge Mensch bedient sich der Naturwissenschaft ➔ kluger Christ, der sich Schöpfung er- klären kann
- Sprache und Naturwissenschaft in einem großen System ➔ Naturwissenschaft (war zunächst Gegner) vs. Theologie
- Schüler erweist sich als offen ➔ durch Erfindungen in der Renaissance entstehen Fragen
- Kritische Aufklärung = Aufgabe der Schule ➔ Comenius: „Man kann nicht nur glauben.“
- Experimente werden im Unterricht eingeführt ➔ Schüler muss Aussagen nicht mehr einfach nur hinnehmen ➔ Experiment: neue Didaktik, neue Methoden

- Comenius im 18. Jh.: (Strömungen, 3 Ismen: Monetarismus; Physiokratismus; Merkantilismus)

- Merkantilistische Pädagogik
- Pietistische Pädagogik
- Philanthropistische Pädagogik

- Merkantilistische Pädagogik:

- Merkantilismus = ein nachträglich geprägter Begriff für ein Spektrum verschiedener wirtschafts- politischer Konzepte, welche sowohl geldpolitische als auch handels- und zahlungsbilanztheoretische, aber auch finanzwirtschaftliche Ansätze verbinden; war in Europa die vorherrschende wirtschaftliche Lehrmeinung der Frühmoderne (vom 16. bis zum 18. Jahrhundert)

- Kraft der Wirtschaft/Produktion

- Reichtum ➔ Summe & Wertigkeit ➔ Wettbewerb entsteht

- Suche nach Stellschraube nur Reichtum zu erhöhen ➔ Wissen darum hat mit Bildung zu tun o Beginn des Zeitalters ökonomischer Improvisation

- Werte von Gegenständen, Geld & Gold schwanken und muss angepasst werden

- Ökonomisches Denken gründet auf Mathematik ➔ glorifiziert Bankwesen

- Monetarismus (hat Anschein erweckt, dass diese Theorie Sicherheit vermittelt) ➔ Weltwirt- schaftskrise ➔ Theorie nicht falsch, sie muss nur richtig gehandhabt werden ➔ bei Privatperson funktioniert Theorie meist, in Gesellschaft manchmal, aber schon schwieriger o Durchdringung der Wirtschaftskreisläufe

- Sphäre zum rationalen Denken?
- Antrieb zum Gewinn
- Gewinnerhöhung ➔ Triebkraft ➔ Zweckrationalität

- Das ökonomische Moment (3 Ismen) im berufspädagogischen Denken, Verdrängung des religiö- sen Moments ➔ Das ökonomische Moment spielt große Rolle ➔ = geeignetes rationales Instru- ment, um Investition & Einnahmen, Ausgaben und Gewinn in Verhältnis zu setzen, berechenbar zu machen

- Zusammenhang zwischen Ökonomie & Religion: Wie groß ist das Reich des Glaubens, wie groß das des Realismus?

- Was sind die Quellen des Reichtums der Nation: Welche Faktoren wirken? Disziplin, Genauig-

keit

- Welchen Einfluss hat Nationalität, Kultur, Religion?

- 19. Jh.: protest. Länder haben mehr Kapital

- Monetarismus: Reichtum = Geld und Edelmetalle; auf den amerikanischen Volkswirtschaftler

Milton Friedman (*1912, †2006) zurückgehende volkswirtschaftliche Lehrauffassung, nach der die Geldmenge der wichtigste Faktor zur Steuerung des Wirtschaftsablaufs ist. Theoretische Grundlage des Monetarismus ist die Quantitätstheorie. Danach soll die Geldmenge durch die

Zentralbanken so gesteuert werden, dass sie möglichst ohne Schwankungen mit dem Wachstum der volkswirtschaftlichen Produktion (reales Sozialprodukt) ausgeweitet wird. Ausschläge der Konjunktur sollen damit verhindert und eine stetige Wirtschaftsentwicklung gesichert werden. o Physiokratismus: = Fruchtbarkeit des Bodens (Landwirtschaft); Der Physiokratismus (= Herr- schaft der Natur) war eine Entwicklung in Frankreich die sich gegen den Merkantilismus richte- te; Gründer: der französische Naturrechtphilosoph Francois Quesnay (1694-1774). Nur Ackerbau produktiv: Aufhebung von Frondienst, Flurzwang, Getreidezöllen (Freihandel); Physiokratismus könnte man als landwirtschaftlichen Liberalismus bezeichnen. Der Feudalismus wird erstmals aus wirtschaftlichen Motiven angezweifelt. ➔ Reichtum ist nichts statisches ➔ Bauern = pro- duktiver Stand vs. nicht-produktive Klassen ➔ Winterabendschulen 18. Jh.: Nützliches vermit- teln (Nov., Dez., Jan., Febr.); Naturwissenschaften setzen sich auf dem Land und bei den Bauern durch

- Merkantilismus: aktive Handelsbilanz und Ausbildung (!); Der Merkantilismus das vorherr-

schende wirtschaftspolitische System im Zeitalter des Absolutismus. Der Begriff Merkantilismus stammt von Adam Smith. Er bezeichnete damit eine wirtschaftspolitische Ideenrichtung, die von

Fürsten und leitenden Staatsbeamten vertreten wurde und vom 16. bis Endes des 18. Jahrhunderts wirksam war. Unter Merkantilismus wird kein geschlossenes theoretisches System verstanden, sondern ein Bündel von wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Dabei entwickelten die einzelnen europäischen Länder sehr unterschiedliche Spielarten des Merkantilismus, z.B. in Deutschland den Kameralismus.

- Historische Hintergründe: Ungeheure Ausweitung des Welthandels in dieser Zeit (Entde- ckung Amerikas, Seeweg nach Indien): große Mengen Gold und Silber strömen nach Eu- ropa; Kampf der europäischen Staaten untereinander um Kolonien; Staaten brauchen Geld für Streitkräfte; Zeit der Herausbildung der ersten Nationalstaaten Frankreich und England.
- Hauptlehren: Geld steht im Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik und nur der Staat ist mächtig, der über Gold und Geld verfügen kann; Ziel des staatlichen Handelns: aktive Handelsbilanz, die einerseits über die Hebung der Bodenschätze im eigenen Land, ande- rerseits über die Einfuhr von Edelmetallen aus den Kolonien erreicht werden kann. § Hauptziele: Bevorzugung inländischer Unternehmer; Minimierung der Einfuhr von Fer- tigwaren; Förderung der Einfuhr von Rohstoffen; Minimierung der Ausfuhr von Rohstof- fen; Förderung der Ausfuhr von Fertigwaren
- Vertreter des Merkantilismus Thomas von Aquin (13 Jh.) hat die wirtschaftliche Autarkie des Staates vertreten; Jean Bodin war für die Bedeutung des Geldes für die Wirtschaft ei- nes Staates bekannt; Ludwig XIV. verbesserte die Finanzkraft Frankreichs indem er zwei Ziele anstrebte: ein wirksameres Steuersystem und eine bessere Entwicklung der Wirt- schaft

- ➔ jede der Strömungen deckt bestimmten Berufsstand ab

- Buchführung, Kalkulation, Währung: ➔ Schreib-, Lese-, Rechenschule ➔ Üben, Lernen, Kon trolle, Prüfung ➔ es entsteht neue Wissenschaft ➔ Kompromisse

- Von Leseschulen zu Handelsschulen, Fakultäten für BWL, VWL

- Pädagogische Quintessenz:

- Reichtum eines Volkes: Bildung und Kultur des Menschen, irdische Güter unbeständig
- Wissen/Erfahrung kann niemand wegnehmen
- Frei machen von Abhängigkeit ➔ Beruf lernen
- Ethos der beruflichen Bildung
- Das höchste Kapital: Wissen, Bildung, Erfahrung o

Johann Joachim Becker(1635-1682)

- Werck-Haus in Wien = Mustermanufaktur, in der die besten Meister, Lehrlinge etc. aus- gebildet wurden
- Ausbildung der Besten ➔ unmöglich homogene Gruppe auszubilden ➔ sozialutopisch
- Idee: gute Ausbildung beginnt mit guten Lehrern/Ausbildern

- Paul Jakob Marperger (1656-1730)

- Dreifach güldenes Kleeblatt

5. Vorlesung 07.05.2014

- Das ökonomische Moment im berufspädagogischen Denken
- Ökonomisches Moment = Verdrängung des religiösen Moments d.h. der Glaube (Kohlberg Stufe
4) verliert an Kraft (➔ Stufe 2 (gewünscht sind Menschen auf Stufe 2))
- Was sind die Quellen des Reichtums der Nation:
- Monetarismus: Reichtum = Geld und Edelmetalle
- Physiokratismus: Fruchtbarkeit des Bodens (Landwirtschaft)
-Merkantilismus: aktive Handelsbilanz & Ausbildung (!)

- Im 18. Jh. wird Ökonomie durch Pädagogik entdeckt ➔ mit Zurückgehen der Religion nimmt Ökonomie zu

- Ökonomische Strömungen priviligieren bestimmten Berufsstand (z.B. Physiokratismus: Bauern)

- 1. Großer Merkantilist:

- Johann Joachim Becher (1635-1682): gründete Werck-Haus in Wien ➔ soll Niveau der berufli- chen Ausbildung voranbringen ➔ Ausbildung wurde aus Hoheit der Zünfte entlassen ➔ Zünfte hatten Monopol über berufliche Ausbildung ➔ Kampf gegen die Zünfte entwickelte sich ➔ Kampf zwischen Merkantilisten & Zünften ➔ Sozialutopische Idee: Wenn man an Ort beste Meister konzentrieren kann, hat man irgendwann die besten Handwerker ➔ Wenn man idealen Lehrer hat und ideale Ausbildung, hat man irgendwann nur noch kluge Köpfe ➔ Projekt Werck- Haus scheitert ➔ Werck-Haus geht als Utopie krachen ➔ Becher gehört wie Leibniz zu Univer- salgenies (beschäftigte sich mit allem Möglichen) ➔ 18. Jh.: Glaube, dass mit Konzentration der Wissenschaften an Akademien etwas gegen soziale Missstände getan werden kann ➔ Becher be- schäftigte sich auch mit Pädagogik ➔ Schulkonzept: Volksschule, Mechanische Schule = Neue Schule ➔ am Mythos des Universalgenies ist Knackpunkt der Diletantismus

- 2. Merkantilist

- Paul Jakob Marperger (1656-1730): Studium der Handelsgewohnheiten anderer Länder (schrieb

z.B. über schlesischen Kaufmann, russischen Kaufmann etc.) ➔ heiratete reiche Tochter ➔ schrieb in Sachsen Buch: Trifolium mercantile aureum (1723) = Dreifach güldenes Kleeblatt ➔ hatte Fachschule der Freiwilligkeit für besonders Begabte und Freiwillige im Sinn ➔ für jeden Berufsstand Fachschule ➔ schrieb über Fachschulen ➔ breite Grundbildung und dann zuneh- mende Spezialisierung (Dreistufenmodell) ➔ Marperger stellte sich vor: berufliche Grundlagen einer Vorbereitung vermitteln (Mathematik etc.) und dann Spezialisierung ➔ Kritik Marpergers war radikal: Den dt. Handwerkern fehlt es an logischem Denken ➔ Rationalität wurde mit Preis praktischer Misserfolge bezahlt ➔ Gefahr des Schlendrians in allen Bereichen ➔ Erziehung zu exakter Arbeit, Qualität, Verlässlichkeit und Bildung zu Fähigkeiten des logischen Denkvermö- gens ➔ Welche Fächer sind geeignet zur Vermittlung des logischen Denkvermögens?: Jede Wis- senschaft hat innere Sachlogik ➔ jedes Fach im Schulunterricht leistet Beitrag zur Bildung der Logik ➔ Dreifach güldenes Kleeblatt stellt er sich so vor: Gott hat Kleeblatt stets im Flor ➔ Dreieinigkeit symbolisiert sich in 3blättrigem Kleeblatt ➔ jedes Blatt symbolisiert Bereich ➔ wichtigster Bereich für Merkantilismus = 1. Kleeblatt Handel ➔ 2. Kleeblatt = Wirtschaft (Pro- duktion) ➔ 3. Kleeblatt = Politik, kann durch Steuern/Verordnungen behindern oder beschleuni- gen ➔ 4. Blatt fehlt: Bildung & Erziehung ➔ (alle Blätter stehen in Verbindung) ➔ Grenze Marpergers ➔ so weit war sein Bewusstsein noch nicht ausgeprägt ➔ Kleeblatt ist nichts Stati- sches ➔ sondern Organismus, wo Zahnräder ineinandergreifen ➔ Modell des Kleeblatts = Idee der Gewaltenteilung bzw.

[...]

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Details

Titel
Systematische und historische Berufspädagogik. Eine Zusammenfassung von Sozialutopien über den kategorischen Imperativ bis zu Georg Kerschensteiner
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Berufspädagogik und Berufliche Didaktiken)
Veranstaltung
Systematische und historische Berufspädagogik
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
41
Katalognummer
V315215
ISBN (eBook)
9783668157125
ISBN (Buch)
9783668157132
Dateigröße
5056 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte Berufspädagogik, Merkantilismus, Pietismus, Philanthropismus, Sozialutopien, Realismus, Aufklärung
Arbeit zitieren
Henriette Bartusch (Autor), 2014, Systematische und historische Berufspädagogik. Eine Zusammenfassung von Sozialutopien über den kategorischen Imperativ bis zu Georg Kerschensteiner, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315215

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