Rollenklischees begegnen einem überall. Selbst in Schulbüchern lassen sich Beispiele finden. Als Berufsvorschläge werden hier zum Beispiel für die Jungen Polizist, Kfz-Mechaniker und Pilot vorgestellt, auf der Mädchenseite Friseurin, Verkäuferin und Restaurantfachfrau. Hier zeigt sich ein festes Rollenverständnis der Geschlechter. Daraus ergibt sich die Frage, inwieweit Geschlecht in der Schule sozial konstruiert wird und welche Rolle dieses sowohl für Schülerinnen und Schülern (im Folgenden SuS) als auch für Lehrer im Schulalltag spielt.
Dazu soll in dieser Arbeit das Konzept des doing gender anhand zweier Studien näher betrachtet werden. Zuvor wird eine kurze historische Rekonstruktion von Gleichstellung in der Bildung als Überblick dargestellt. Zusätzlich wird auf die Themen geschlechtertypische Schulleistungen und geschlechterbezogene Interaktionen in der Schule sowie den Einfluss des Geschlechts der Lehrperson auf den Schulerfolg eingegangen. Am Ende der Arbeit sollen dann Möglichkeiten für die Schaffung von Geschlechtergerechtigkeit aufgezeigt werden. Im anschließenden Fazit werden die Erkenntnisse dieser Arbeit kurz zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Betrachtung von Gleichstellung in der Schule
3. Doing gender in der Schule
3.1 Geschlechteralltag in der Schulklasse (Breidenstein/Kelle)
3.1.1 Die Studie und ihre Rahmenbedingungen
3.1.2 Inhalt der Studie
3.2 Geschlechtergerechtigkeit in der Schule (Budde/Scholand/ Faulstich-Wieland)
3.2.1 Vorstellung der Studie
3.2.2 Inhalt der Studie
3.3 Vergleich der Studien
3.4 Geschlechtertypische Schulleistungen
3.5 Geschlechterbezogene Interaktionen in der Schule
3.6 Einfluss des Geschlechts der Lehrperson auf den Schulerfolg
3.7 Zusammenfassung
4. Möglichkeiten für die Schaffung von mehr Geschlechtergerechtigkeit
4.1 Herausforderungen für die Lehrkräfte
4.2 Verbesserungsmöglichkeiten
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht, inwieweit Geschlechterrollen in der Schule sozial konstruiert werden und welche Auswirkungen das Konzept des "doing gender" auf den Schulalltag sowie auf Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte hat.
- Analyse des "doing gender"-Konzepts im schulischen Kontext
- Historischer Überblick zur Gleichstellung in der Bildung
- Untersuchung geschlechtertypischer Schulleistungen und Interaktionen
- Einfluss des Geschlechts der Lehrperson auf den Schulerfolg
- Strategien zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit in der Schule
Auszug aus dem Buch
3. Doing gender in der Schule
An dieser Stelle soll zuerst das Konzept des doing gender erklärt werden, bevor der Bezug mit der Schule hergestellt wird.
Candace West und Don Zimmermann führten in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts den Begriff des doing gender ein, der besagt, dass Geschlechteridentitäten und –differenzen nicht als natürlich gegeben anzusehen sind, sondern erst in einer sozialen Interaktion hergestellt werden. Wichtig für das Verständnis ist an dieser Stelle die Definition von gender und die Abgrenzung vom Begriff sex. Im Gegensatz zum biologischen Geschlecht sex, das von Natur aus gegeben ist, wird das soziale Geschlecht gender im Laufe des Lebens erworben. Dies kann dazu führen, dass sex und gender nicht übereinstimmen, wie es beispielsweise bei Transsexuellen der Fall ist.
Besonders während der Jugend spielt die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlecht eine große Rolle. Die Herausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale führt zu einer gründlichen Auseinandersetzung mit der eigenen Geschlechtlichkeit. Dabei hat auch die Schule einen großen Einfluss auf die Geschlechtersozialisation. Sie muss die SuS für das Wirtschaftssystem qualifizieren und vor allem selektieren und die Kinder für das politische System und das Rechtssystem sozialisieren. Die Schule muss somit gesellschaftliche Einflüsse gewähren, ihre Wertvorstellungen und Grundmuster übernehmen und sie dadurch reproduzieren. Überraschend ist, dass es wenige empirische Untersuchungen zur sozialen Interaktion und somit zum doing gender im Schulalltag gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der sozialen Konstruktion von Geschlecht in der Schule ein und skizziert den Aufbau sowie die Fragestellung der Arbeit.
2. Historische Betrachtung von Gleichstellung in der Schule: Das Kapitel bietet einen historischen Rückblick auf die Entwicklung von Geschlechterrollen und Bildungschancen, von der Frage nach der Bildungsfähigkeit von Frauen bis zur modernen Situation.
3. Doing gender in der Schule: Dieses Kapitel erläutert theoretisch das Konzept des "doing gender" und analysiert anhand empirischer Studien, wie sich geschlechterdifferenzierende Praktiken und Interaktionen im Schulalltag manifestieren.
4. Möglichkeiten für die Schaffung von mehr Geschlechtergerechtigkeit: Hier werden Herausforderungen für Lehrkräfte thematisiert und konkrete Ansätze zur Förderung einer geschlechtersensiblen Schulkultur entwickelt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Geschlechterkonstruktion in der Schule ein komplexes gesellschaftliches Problem darstellt, für das Sensibilisierung und gezielte Maßnahmen notwendig sind.
Schlüsselwörter
Doing gender, Geschlechterrolle, Schule, Geschlechtergerechtigkeit, Sozialisation, Geschlechterunterschiede, Schulleistung, Lehrkraft, Interaktion, Geschlechterkonstruktion, Bildung, Geschlechterstereotypen, Gender-sensibel, Geschlechteralltag, Bildungsforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, inwieweit Geschlecht in der Schule sozial konstruiert wird und wie sich dieses Phänomen im Schulalltag bei Schülern und Lehrern äußert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind das Konzept des „doing gender“, historische Entwicklungen der schulischen Gleichstellung, geschlechtertypische Leistungen und Interaktionen sowie Ansätze für mehr Geschlechtergerechtigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, das Bewusstsein für die Mechanismen der Geschlechterkonstruktion in der Schule zu schärfen und Möglichkeiten zur Schaffung einer geschlechtersensiblen Lernumgebung aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich zweier zentraler ethnografischer Studien zur Geschlechterdifferenzierung in der Schule.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen, empirische Studien zum Geschlechteralltag, Leistungsbewertungen von Mädchen und Jungen sowie den Einfluss der Lehrkräfte auf diese Prozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören "doing gender", Geschlechtergerechtigkeit, Schulleistung, Sozialisation und Geschlechterstereotypen.
Welche Rolle spielen Lehrkräfte bei der Geschlechterkonstruktion?
Lehrkräfte tragen oft unbewusst dazu bei, indem sie Geschlecht im Unterricht dramatisieren oder stereotype Erwartungen an Jungen und Mädchen stellen, die deren schulische Leistungen beeinflussen können.
Warum wird im Sportunterricht oft eine Trennung vorgenommen?
Die Arbeit zeigt am Beispiel einer Studie auf, dass Schulen die Trennung oft mit einer vermeintlichen Rückzugsmöglichkeit für Mädchen oder unterschiedlichen Förderbedarfen begründen, was jedoch oft traditionelle Rollenbilder reproduziert.
Gibt es einen "Mädchenbonus" bei der Benotung?
Ja, einige untersuchte Studien deuten darauf hin, dass Mädchen aufgrund ihres als zuverlässiger wahrgenommenen Sozial- und Arbeitsverhaltens tendenziell besser benotet werden als Jungen.
Warum ist ein „gender-freier“ Unterricht schwierig?
Ein rein "gender-freier" Ansatz greift oft zu kurz, da er die tief verwurzelten gesellschaftlichen und individuellen Prägungen von Schülern und Lehrern ignoriert, anstatt diese aktiv zu reflektieren und abzubauen.
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- Christian Mangold (Author), 2015, Sozialisation in der Schule. Werden Geschlechterklischees sozial konstruiert?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315470