Vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über die Presseberichterstattung der Zeitungen „BILD“, „FAZ“, „HAZ“, „NOZ“, „Spiegel“, „SZ“ und „ZEIT“ in Bezug auf die „Wulff-Affäre". Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf mögliche Rücktrittsforderungen und auf eine positive oder negative Darstellung Christian Wulffs gelegt.
Im Vorfeld dieser Analyse wird der erste Teil dieser Arbeit die unterschiedlichen Funktionen der Medien darlegen und Unterschiede zwischen der Berichterstattung von Qualitäts- und Boulevardmedien erläutern. Anschließend befasst sich der Autor mit dem Verhältnis zwischen Medien und Politik, um näher auf die Thematik der Medienanalyse einzugehen.
„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“. Diese Anmerkung des Systemtheoretikers Niklas Luhmann fasst zusammen, mit was wir täglich konfrontiert werden. Um informiert zu sein und uns eine Meinung darüber zu bilden, was in der Welt geschieht, sind wir heutzutage mehr denn je auf die Medien angewiesen. Die Menschen haben keine Möglichkeit, alles durch eigene Erfahrungen zu erfassen.
Deshalb tragen die (Massen-)Medien eine große Verantwortung. Journalisten müssen aber auch jeden Tag entscheiden, welche Informationen relevant und berichtenswert sind. Medien konkurrieren jedoch auch untereinander und kämpfen um Aufmerksamkeit. Aufgrund dessen stehen sie in einem ständigen Wettkampf um Aktualität. Dies bleibt aber häufig nicht ohne Folgen, sodass die Zeit für eine intensive Recherche fehlt und diese Arbeitsweise zu einer mangelhaften und oft überdimensionalen Berichterstattung führt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Funktionen der Medien und des Journalismus
1.1. Informationsfunktion
1.2. Soziale Funktionen
1.3. Politische Funktionen
1.4. Ökonomische Funktionen
2. „Boulevardzeitung“ vs. „Qualitätszeitung“
2.1. Boulevardjournalismus
2.2. Qualitätsjournalismus
2.3. Gemeinsamkeiten und Unterschiede
3. Das Verhältnis zwischen Politik und Medien
4. Erläuterung der Analysemethodik
5. Die „Wulff-Affäre“
5.1. Privatkredit zum Kauf eines Hauses
5.2. Veröffentlichung der Mailboxnachricht und TV-Interview
5.3. Der Rücktritt Christian Wulffs
5.4. Wandel der Berichterstattung
5.5. Prozessbeginn im Fall „Wulff“
5.6. Das Urteil
6. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen Überblick über die Presseberichterstattung zur sogenannten „Wulff-Affäre“ in verschiedenen regionalen und überregionalen Zeitungen und Magazinen zu gewinnen. Dabei wird untersucht, wie die Medien über den Skandal berichteten, ob sich Tendenzen zu positiven oder negativen Darstellungen Christian Wulffs zeigten und inwieweit Rücktrittsforderungen das mediale Bild prägten.
- Funktionen und politische Rolle von Medien in der Demokratie
- Abgrenzung von Boulevard- und Qualitätsjournalismus
- Wechselwirkungen und Abhängigkeiten im Verhältnis von Politik und Medien
- Detaillierte Analyse der Berichterstattung zur „Wulff-Affäre“
- Entwicklung der Darstellung vom Beginn des Skandals bis zum Freispruch
Auszug aus dem Buch
Die „Wulff-Affäre“ – Privatkredit zum Kauf eines Hauses
Die Medienberichterstattung zur „Wulff-Affäre“ begann Mitte Dezember 2011. Am 12. Dezember sprach Christian Wulff auf die Mailbox des „BILD“-Chefredakteurs Kai Dieckmann. Einen Tag später berichteten bereits viele Medien über den Privatkredit. Die „BILD“ stellte bereits am 12. Dezember um 22.02 Uhr den Artikel „Wirbel um Privat-Kredit über 500.000 Euro – Hat Wulff das Parlament getäuscht?“ auf ihre Homepage. Derselbe Artikel erschien einen Tag später auch in der Printausgabe. Für „BILD“-Verhältnisse fiel dieser jedoch klein aus. Allein auf der Titelseite erschien das Thema nur am rechten Bildrand und verwies nur mit einem einzigen Satz auf die zweite Seite.
Die „BILD“ informierte damit über etwas Neues, berichtete allerdings mit Distanz und untypisch emotionslos. Der Akteur „BILD“ versteckte geradezu, dass er den Skandal weitestgehend aufgedeckt hat. So wurde dies auf Seite 1 überhaupt nicht erwähnt und auf Seite 2 nur beiläufig. Die Boulevardzeitung berichtete distanziert über den Privatkredit, einen Urlaub in Florida, für welchen nicht der volle Preis für Flugtickets gezahlt werden musste und über den Unternehmer Egon Geerkens. In den nachfolgenden Tagen blieb die „BILD“ diesem Stil treu und zitierte dazu andere Medien (Beispiel: 30.12.11: “Die Wulff-Debatte“: BILD dokumentiert wichtige Stimmen) und verwendete deren Schlagzeilen sogar als Bilder.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Funktionen der Medien und des Journalismus: Erläutert die grundlegenden Aufgaben der Medien in einer Demokratie, wie Informationsvermittlung sowie Kritik- und Kontrollfunktionen.
2. „Boulevardzeitung“ vs. „Qualitätszeitung“: Differenziert zwischen den Charakteristika, Arbeitsweisen und Zielen von Boulevard- und Qualitätsmedien.
3. Das Verhältnis zwischen Politik und Medien: Analysiert das Spannungsfeld und die gegenseitige Abhängigkeit zwischen politischen Akteuren und Medienvertretern.
4. Erläuterung der Analysemethodik: Definiert die Forschungsfrage und die Kriterien für die Auswahl der untersuchten Printmedien.
5. Die „Wulff-Affäre“: Dokumentiert chronologisch den Verlauf der Affäre von den ersten Vorwürfen bis zum Freispruch im Jahr 2014.
6. Fazit und Ausblick: Bewertet die Ergebnisse der Analyse hinsichtlich der ursprünglichen Thesen und reflektiert die Rolle der Medien bei der Skandalisierung.
Schlüsselwörter
Wulff-Affäre, Presseberichterstattung, Qualitätsjournalismus, Boulevardjournalismus, Medienanalyse, politische Kommunikation, Christian Wulff, Medienkampagne, Pressefreiheit, Vierte Gewalt, Skandalberichterstattung, Kontrollfunktion, Medienkritik, journalistische Sorgfalt, Interdependenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Presseberichterstattung verschiedener deutscher Zeitungen und Magazine während der sogenannten „Wulff-Affäre“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Rollen und Funktionen der Medien, die Unterschiede zwischen Boulevard- und Qualitätsjournalismus sowie das komplexe Verhältnis zwischen Politik und Medien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, einen Überblick über die Berichterstattung zu gewinnen und zu prüfen, ob die Medien ihre Informations- und Kontrollpflicht objektiv wahrgenommen haben oder eine einseitige Stimmungsmache gegen Christian Wulff betrieben haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Medienanalyse durchgeführt, die Artikel von überregionalen Qualitätszeitungen, Boulevardmedien sowie regionalen Blättern in den Kontext ihrer Berichterstattung zum Skandal um Wulff setzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Medienfunktionen und -typen sowie eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der „Wulff-Affäre“ bis hin zum Gerichtsurteil.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Medienanalyse, Boulevardjournalismus, Pressefreiheit, Skandalberichterstattung und politische Kommunikation.
Wie unterscheidet sich die Berichterstattung der BILD von anderen Zeitungen?
Obwohl die BILD als Aufdecker des Skandals gilt, zeigt die Analyse, dass sie sich zu Beginn überraschend zurückhielt und distanziert berichtete, wohl aufgrund ihres vormals guten Verhältnisses zum damaligen Bundespräsidenten.
Wie reagierten die Medien auf den Freispruch von Christian Wulff?
Der Freispruch führte zu einer kritischen Selbstreflexion bei einigen Medien, die nun die Verhältnismäßigkeit der zuvor betriebenen Berichterstattung und die Arbeit der Staatsanwaltschaft hinterfragten.
- Citar trabajo
- Stefanie Hoffmann (Autor), 2015, Die Presseberichterstattung in der „Wulff-Affäre“. Eine gezielte Medienkampagne?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315608