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Implizite und explizite kognitive Einstellungen von Lehrkräften am Berufskolleg in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund

Eine empirische Untersuchung

Titel: Implizite und explizite kognitive Einstellungen von Lehrkräften am Berufskolleg in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund

Masterarbeit , 2015 , 70 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Verena Born (Autor:in)

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Deutschland hat sich seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts von einem ehemaligen Gastarbeiterland über ein Zuwanderungsland wider Willen bis heute zu einem der wichtigsten Migrationsländer der modernen Welt entwickelt (Geißler & Weber-Menges, 2008). Migranten in Deutschland sind doppelt so häufig erwerbslos, häufiger langzeitarbeitslos, vermehrt in atypischen Beschäftigungssituationen und im Niedriglohnsektor wiederzufinden als ihre deutschen Kollegen (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2011). In Anbetracht der aktuellen und brisanten Flüchtlingskrise werden in den kommenden Monaten laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, 2015) ca. 800.000 Zuwanderungen nach Deutschland prognostiziert, eine Zahl, die viermal so hoch ist wie die im Jahr 2013 (ebd.). Eine Vielzahl derer wird eine Aufenthaltsgenehmigung beantragen und damit auch in Zukunft die Gesellschaftsstruktur Deutschlands nachhaltig beeinflussen.

Der Wandel in eine zunehmend heterogen geprägte Gesellschaft spiegelt sich konkret in multikulturellen Klassen mit Schülern aus unterschiedlichen ethnischen Minderheiten (Geißler & Weber-Menges, 2008). Bereits im Jahr 2000 zeigte sich, dass Migranten in der Schule verheerend schlechtere Leistungen aufwiesen (Butterwegge, 2007). Der Aspekt einer möglichen Bildungsbenachteiligung rückt dabei zunehmend in das Zentrum bildungspolitischer Diskussionen und gesellschaftspolitischer Verantwortung (Auernheimer, 2013). Studien wiesen nach, dass eine Bildungsbenachteiligung auch durch ihre verantwortlichen Akteure entsteht (Glock, Kneer, Kovacs, 2013; Kirsten & Granato, 2007).

Dabei spielen die vorurteilsbehafteten Einstellungen von Lehrern in der schulischen Benachteiligung von Kindern aus ethnischen Minderheiten eine essentielle Rolle für den schulischen und später beruflichen Leistungs(miss)erfolg (Vgl. van den Bergh, Denessen, Hornstra, Voeten & Holland 2010).

Ziel dieses Forschungsvorhabens ist es, zu überprüfen, welche impliziten und expliziten Einstellungen von Lehrern am Berufskolleg gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund existieren und wie sie sich im Vergleich zu denen gegenüber Schülern ohne Migrationshintergrund unterscheiden. Diesem Kontext wird im Rahmen einer eigenen empirischen Studie an mehreren Berufskollegs in Deutschland nachgegangen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. MIGRATION IN DEUTSCHLAND

3. MIGRANTEN IM BERUFSKOLLEG

3.1 INSTITUTIONELLE BENACHTEILIGUNG

3.2 SCHULISCHE UND BERUFSVORBEREITENDE QUALIFIKATIONEN

3.3 SPRACHKOMPETENZEN

3.4 TEILNAHME UND INTERESSE AM DUALEN BERUFSAUSBILDUNGSSYSTEM

3.5 RELIGION UND SCHULISCHE TEILHABE

4. EINSTELLUNGEN

4.1 EINSTELLUNGEN – IHRE ENTSTEHUNG

4.2 FUNKTIONEN VON EINSTELLUNGEN

4.3 INHALTLICHE KOMPONENTEN VON EINSTELLUNGEN

4.5 KOGNITIVE PROZESSE IN DER EINSTELLUNGSBILDUNG

4.6 EINSTELLUNG-VERHALTENS-BEZIEHUNG – MODE-MODELL

4.7 MESSMÖGLICHKEITEN VON KOGNITIVEN EINSTELLUNGEN

5. FORSCHUNGSBEFUNDE ZU EINSTELLUNGEN VON LEHRERN GEGENÜBER SCHÜLERN AUS ETHNISCHEN MINDERHEITEN

6. ABLEITUNG DER HYPOTHESEN

7. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG

7.1 STICHPROBE

7.2 ERHEBUNGSINSTRUMENTE UND STIMULUSMATERIAL

7.3 PLANUNG UND ABLAUF DER UNTERSUCHUNG

7.4 AUSWERTUNG

8. ERGEBNISDARSTELLUNG

9. DISKUSSION UND AUSBLICK

10. FAZIT

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, welche impliziten und expliziten Einstellungen Lehrkräfte an Berufskollegs gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund im Vergleich zu Schülern ohne Migrationshintergrund aufweisen. Die Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Diskrepanz zwischen bewussten und unbewussten Beurteilungen sowie deren mögliche Auswirkungen auf die schulische Benachteiligung.

  • Analyse der Einstellungen von Lehrkräften gegenüber Migranten im Bildungskontext
  • Untersuchung kognitiver Prozesse der Einstellungsbildung und deren Messbarkeit
  • Empirische Erhebung mittels Fragebogen (explizit) und Single Target IAT (implizit)
  • Kritische Reflexion von Ursachenzuschreibungen für geringen schulischen Erfolg

Auszug aus dem Buch

4.5 Kognitive Prozesse in der Einstellungsbildung

Um zu erkennen, weshalb sich eine bestimmte Einstellung bei einer Person ausprägt und bei einer anderen Person nicht, ist es wichtig zu erfahren, welche zugrunde liegenden kognitiven Prozesse sich hinter einer Einstellungsbildung verbergen. Es geht dabei um die gedankliche Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen innerhalb einer Wissensstruktur (Hofbauer, Körner, Nikolaus & Poost, 2009; Greenwald & Banaji, 1995) und der damit verbundenen sozialen Wahrnehmung, mit deren Hilfe der Mensch sich und seine Umwelt wahrnimmt (Pendry, 2014; Wänke & Bohner, 2006).

Mit Hilfe des Modells der Assoziativen Netzwerke (Smith, 1998) – einem aus der sozialen Kognitionsforschung bekanntem Modell der Repräsentation von Wissensstrukturen – sollen kognitive Prozesse, die im Zusammenhang mit der Entwicklung von Einstellungen relevant sind, im Detail erklärt werden. Das Modell beruht auf der Vorstellung von Konzepten und Assoziationen, die in einer Netzwerkstruktur miteinander verbunden sind (Strohner, 2013). Konzepte bestehen dabei aus bereits gespeicherten oder neuen Informationen von Eigenschaften oder Merkmalen über ein Einstellungsobjekt, die im Modell als Knoten dargestellt werden (Smith, 1998). Assoziationen dienen dabei der Verlinkung zwischen zwei oder mehreren Konzeptknoten (ebd.). Ein Link entsteht, wenn unterschiedliche Konzepte (zum Beispiel Türken und Kopftuch) gemeinsam aktiviert und mental verarbeitet werden (Smith, 1998). Je öfter sie aktiviert werden, desto mehr verstärken sich die Links. (ebd.). Je mehr Verknüpfungen ein Knoten besitzt, umso stärker prägt sich dieser aus im Gesamtbild gegenüber einem Einstellungsobjekt aus (ebd.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Migrationsproblematik im deutschen Schulsystem und die Relevanz der Lehrereinstellungen für den Bildungserfolg.

2. MIGRATION IN DEUTSCHLAND: Begriffsdefinition von Migration und Darstellung der aktuellen Situation von Migranten im deutschen Schulsystem.

3. MIGRANTEN IM BERUFSKOLLEG: Beleuchtung der komplexen Situation von Migranten am Berufskolleg unter Berücksichtigung institutioneller Benachteiligung und Qualifikationshürden.

4. EINSTELLUNGEN: Theoretische Grundlagen zu Entstehung, Funktionen, Komponenten und kognitiven Prozessen bei der Einstellungsbildung.

5. FORSCHUNGSBEFUNDE ZU EINSTELLUNGEN VON LEHRERN GEGENÜBER SCHÜLERN AUS ETHNISCHEN MINDERHEITEN: Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu Lehrereinstellungen und deren Limitationen.

6. ABLEITUNG DER HYPOTHESEN: Herleitung der untersuchungsleitenden Annahmen basierend auf der Literatur und dem MODE-Modell.

7. EMPIRISCHE UNTERSUCHUNG: Darstellung des methodischen Vorgehens, der Stichprobe und der eingesetzten Erhebungsinstrumente (IAT und Fragebogen).

8. ERGEBNISDARSTELLUNG: Präsentation der erhobenen statistischen Daten zur expliziten und impliziten Einstellungsbewertung.

9. DISKUSSION UND AUSBLICK: Interpretation der Ergebnisse im Kontext der aufgestellten Hypothesen sowie Reflexion der methodischen Vorgehensweise.

10. FAZIT: Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse und Implikationen für die bildungspolitische Praxis.

Schlüsselwörter

Einstellungen, Migrationshintergrund, Berufskolleg, Lehrereinstellungen, IAT, implizite Messung, explizite Messung, Bildungsbenachteiligung, MODE-Modell, kognitive Prozesse, soziale Wahrnehmung, Integration, Schulerfolg, Stereotype, Assoziative Netzwerke.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht die kognitiven Einstellungen von Lehrkräften an Berufskollegs gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund, um festzustellen, ob vorurteilsbehaftete Haltungen existieren, die den Bildungserfolg beeinflussen könnten.

Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?

Zentrale Themen sind die Migrationssituation in Deutschland, die Herausforderungen für Migranten am Berufskolleg, psychologische Einstellungsmodelle sowie die empirische Erforschung von Lehrereinstellungen.

Was ist das primäre Forschungsziel?

Das Ziel ist die Überprüfung, ob sich implizite und explizite Einstellungen der Lehrkräfte in Bezug auf Schüler mit und ohne Migrationshintergrund unterscheiden und ob Lehrkräfte diese Unterschiede auf das Schulsystem oder die Schüler selbst zurückführen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wird ein Methodenmix verwendet: Ein fragebogenbasierter Ansatz zur Messung expliziter Einstellungen und ein Single Target Implicit Association Test (ST-IAT) zur Erfassung impliziter Assoziationen.

Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Einstellungsforschung und einen empirischen Teil, der die Untersuchung an drei Berufskollegs sowie die Analyse und Diskussion der gewonnenen Daten darstellt.

Welche Keywords charakterisieren diese Publikation?

Die Arbeit lässt sich vor allem durch Begriffe wie Einstellungen, Berufskolleg, Migrationshintergrund, IAT (impliziter Assoziationstest), Bildungsbenachteiligung und MODE-Modell charakterisieren.

Konnte die Hypothese eines negativen impliziten Einstellungsbias bestätigt werden?

Nein, die Daten zeigten keine signifikant negativen oder positiven impliziten Einstellungen gegenüber Schülern mit Migrationshintergrund, was die ursprüngliche Hypothese nicht bestätigte.

Welche Faktoren sehen Lehrkräfte als Hauptursache für mangelnden schulischen Erfolg von Migranten?

Die befragten Lehrkräfte führen den Erfolg bzw. Misserfolg primär auf institutionelle Rahmenbedingungen des Schulsystems und Sprachbarrieren zurück, weniger auf ein mangelndes Interesse der Schüler.

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Details

Titel
Implizite und explizite kognitive Einstellungen von Lehrkräften am Berufskolleg in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund
Untertitel
Eine empirische Untersuchung
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Autor
Verena Born (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2015
Seiten
70
Katalognummer
V315694
ISBN (eBook)
9783668145108
ISBN (Buch)
9783668145115
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einstellungen Vorurteile Berufskolleg Migranten Single Target - IAT Benachteiligung Berufsausbildung assoziatives Netzwerk Ursachenzuschreibung Übergangssystem implizit explizit Kognitionen MODE - Modell Implicit Association Test Lehrer und Einstellungen am Berufskolleg Diskriminierung ethnische Minderheiten racial minority students
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Verena Born (Autor:in), 2015, Implizite und explizite kognitive Einstellungen von Lehrkräften am Berufskolleg in Bezug auf Schüler mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315694
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Leseprobe aus  70  Seiten
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