Die Pflege im Krankenhaus bewegt sich in einem zunehmenden Spannungsfeld. Auf der einen Seite bestimmen eine wachsende Arbeitsverdichtung und seit Einführung des DRG-Systems auch zunehmende Ökonomisierung den Arbeitsalltag. Auf der anderen Seite strebt die Pflegeprofession, im Kontext der Bemühungen um Professionalisierung der Pflege, die Etablierung von Pflegeinterventionen an, die auf wissenschaftlichen Beweisen basieren.
Für Pflegemanager im Krankenhaus stellt sich daher die Frage, wie die Weiterentwicklung der Pflege unter ökonomischen Zwängen und Ressourcenmangel effektiv und effizient gewährleistet werden kann. Eine systematische Literaturübersicht bietet insbesondere für die Managementperspektive eine fundierte Wissens- und Entscheidungsbasis unter Berücksichtigung der theoretischen und methodologischen Präzision sowie praktischen Relevanz.
Ziel dieser Arbeit ist es Pflegemanagern eine Übersicht über die relevante Literatur und somit eine Entscheidungshilfe bei der Implementation von EBN im Krankenhaus zur Verfügung zu stellen. Der Fokus liegt insbesondere auf den Einstellungen und Überzeugungen der Pflegekräfte zu EBN, als Teilaspekt der Organisationskultur. Daher orientiert sich die vorliegende systematische Übersichtsarbeit an folgender Forschungsfrage:
Welche Konzepte fördern die Implementation von EBN im Krankenhaus, unter Berücksichtigung der Einstellungen und Überzeugungen der Pflegekräfte zu EBN?
Um einen Einblick in die Thematik zu erhalten, werden als theoretischer Hintergrund die Konzepte EBN und Organisationskultur beschrieben (Kapitel 2.1 und 2.2). Anschließend wird das methodische Vorgehen der systematischen Literaturrecherche detailliert und reproduzierbar dargestellt (Kapitel 3). Danach werden die Ergebnisse der Literaturrecherche tabellarisch dargestellt und in der Folge ausführlich beschrieben, analysiert (Kapitel 4) und diskutiert (Kapitel 5). Abschließend wird ein Fazit aus dem Literaturbericht gezogen und ein Ausblick auf die zukünftige Perspektive von EBN in deutschen Krankenhäusern gegeben (Kapitel 6).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Evidence-based Nursing
2.1.1 Definitionen
2.1.2 Das Konzept EBN
2.1.2.1 Die Ziele von EBN
2.1.2.2 Die sechs Schritte der EBN-Methode
2.1.2.3 Pflegerische Entscheidungen unter EBN
2.1.3 Die Bedeutung von EBN auf unterschiedlichen Ebenen
2.1.4 Kritik an EBN
2.1.5 Theorie-Praxis-Konflikt
2.1.6 Die Rolle des Pflegemanagements
2.1.7 Barrieren in der Umsetzung von EBN
2.2 Organisationskultur
2.2.1 Definition von Kultur
2.2.2 Perspektiven und Definitionen von Organisationskultur
2.2.3 Modell nach Schein
2.2.4 Wirkung starker Organisationskulturen
2.2.5 Die Bedeutung der Führungsebene für Organisationskulturen
2.2.6 Subkulturen in Organisationen
2.2.7 Die Pflege als Subkultur im Krankenhaus
3 Methodik
3.1 Ein- und Ausschlusskriterien
3.2 Literaturquellen
3.3 Suchbegriffe
3.4 Bewertung der Studienqualität
4 Ergebnisse
4.1 Ausgeschlossene Studien
4.2 Eingeschlossene Studien
5 Diskussion
5.1 Studiendesigns
5.2 Auswahl der Studienteilnehmer
5.3 Eingesetzte Assessmentinstrumente
5.4 Interventionen und Ergebnisse
5.5 Limitationen des Reviews
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, Pflegemanagern eine Übersicht über relevante Literatur zu bieten, um sie bei der Implementierung von Evidence-based Nursing (EBN) im Krankenhaus zu unterstützen. Im Zentrum steht dabei die Untersuchung, welche Konzepte und Strategien die Umsetzung von EBN fördern, insbesondere unter Berücksichtigung der Einstellungen und Überzeugungen der Pflegekräfte als Teilaspekt der Organisationskultur.
- Grundlagen von Evidence-based Nursing (EBN)
- Konzepte und Modelle der Organisationskultur
- Systematische Literaturanalyse von Implementationsstrategien
- Einfluss von Führung und Subkulturen auf die Pflegepraxis
- Diskussion von Barrieren und Erfolgsfaktoren bei der Implementierung
Auszug aus dem Buch
2.2.3 Modell nach Schein
Schein (vgl. 1995, S. 29-34) beschreibt auf der obersten Ebene, den Artefakten, alle leicht beobachtbaren und mit den Sinnen erfassbaren Phänomene wie z. B. Architektur, Sprache, Kleidung oder Unternehmensrituale. Aus den Artefakten alleine lässt sich jedoch noch keine Bedeutung erschließen. Hierzu bedarf es der Untersuchung der bekundeten Werte, der zweiten Ebene des Kulturmodells. Auf dieser Ebene ordnet er die verinnerlichten Werte und Normen ein, die sich z. B. in der Unternehmensphilosophie widerspiegeln und den Mitarbeitern Identität vermitteln. Mit dem Übergang von den Artefakten zu den bekundeten Werten, nimmt sowohl der Grad der Sichtbarkeit für den Beobachter, als auch der Grad des sich bewusst seins für die Unternehmensmitglieder, ab. Die alleinige Beobachtung der bekundeten Werte lässt ebenfalls wieder keine vollständige Erfassung der Organisationskultur zu.
Die dritte und tiefste Ebene in Scheins Kulturmodell sind die Grundprämissen. Sie bilden die selbstverständliche kulturelle Basis einer Gruppe, von der eine Abweichung praktisch unmöglich ist. Diese zugrunde liegenden Annahmen beziehen sich z. B. auf die Weltanschauung, den Menschen oder soziale Interaktionen. Die Grundprämissen sind in den Mitgliedern tief verwurzelt, liegen im Bereich des Unbewussten und sind von außen nicht beobachtbar. Um eine spezifische Organisationskultur zu verstehen bedarf es folglich der Auseinandersetzung mit der unbewussten und unsichtbaren Ebene der Grundprämissen, über die bekundeten Werte, hin zur bewussten und sichtbaren Ebene der Artefakte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung thematisiert den zunehmenden Druck im Krankenhauswesen und die Notwendigkeit von Evidence-based Nursing, um den Theorie-Praxis-Transfer zu optimieren und Barrieren zu überwinden.
2 Theoretischer Hintergrund: Hier werden die Konzepte EBN und Organisationskultur detailliert erläutert, wobei besonderes Augenmerk auf deren Definitionen, Wirkmechanismen und die Bedeutung für die Pflege als Subkultur gelegt wird.
3 Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das systematische Vorgehen zur Literaturrecherche, einschließlich der Ein- und Ausschlusskriterien, der verwendeten Datenbanken und der Qualitätsbewertung der Studien.
4 Ergebnisse: Die Ergebnisse der Literaturrecherche werden präsentiert, wobei die identifizierten Studien analysiert und die Gründe für Ein- und Ausschluss dargelegt werden.
5 Diskussion: In der Diskussion werden die Studiendesigns, die Teilnehmerauswahl und die eingesetzten Assessmentinstrumente der eingeschlossenen Studien kritisch hinterfragt und die Heterogenität der Ergebnisse beleuchtet.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die Forschungsfrage aufgrund der dünnen Studienlage nicht eindeutig beantwortet werden kann und fordert für die Zukunft eine stärkere Akademisierung und strukturierte Forschung im deutschsprachigen Raum.
Schlüsselwörter
Evidence-based Nursing, EBN, Organisationskultur, Pflegemanagement, Krankenhaus, Theorie-Praxis-Transfer, Implementierung, Pflegepraxis, Pflegeforschung, Subkultur, Veränderungsmanagement, systematisches Review, Pflegeinterventionen, berufliche Identität, Akademisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Implementierung von Evidence-based Nursing (EBN) in Krankenhäusern und analysiert, welche Rolle die Organisationskultur sowie die Einstellungen der Pflegekräfte dabei spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen die Konzepte von EBN, die theoretischen Modelle zur Organisationskultur nach Schein, Strategien zur Überwindung von Barrieren sowie die systematische Analyse internationaler Studien zur Implementierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Pflegemanagern eine fundierte Übersicht über relevante Literatur zu bieten, um Entscheidungshilfen für die erfolgreiche Implementierung von EBN unter Berücksichtigung kultureller Gegebenheiten im Krankenhaus zu liefern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine systematische Übersichtsarbeit (Systematic Review) durch, um den aktuellen Forschungsstand zur Implementierung von EBN methodisch transparent zusammenzufassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (EBN und Organisationskultur) dargelegt, gefolgt von einer detaillierten methodischen Literaturrecherche und der Analyse sowie Diskussion der Ergebnisse aus drei identifizierten, relevanten Studien.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Evidence-based Nursing, Organisationskultur, Implementationsbarrieren, Pflegemanagement und systematisches Review beschreiben.
Warum spielt die Organisationskultur eine so wichtige Rolle bei der Einführung von EBN?
Die Organisationskultur bestimmt das gelebte Handeln im Krankenhaus. Barrieren innerhalb der Kultur, wie Widerstände gegen Veränderungen oder fehlende Wertschätzung für Forschung, behindern die Etablierung neuer, evidenzbasierter Pflegekonzepte.
Welche Herausforderungen bei der Implementierung von EBN werden genannt?
Zu den Herausforderungen gehören strategische Barrieren (Zeitmangel, Ressourcen), kulturelle Aspekte (Widerstände gegen Veränderungen), technische Hürden (fehlende Kompetenzen) und strukturelle Probleme (mangelnde Informationskonzentration).
Inwiefern beeinflusst das Modell von Schein die Argumentation des Autors?
Das Modell von Schein dient als theoretisches Gerüst, um die unbewussten Grundprämissen innerhalb der Krankenhausorganisation zu verstehen, die letztlich das Verhalten und die Akzeptanz gegenüber EBN-Veränderungen steuern.
Was schlussfolgert der Autor bezüglich der Situation in Deutschland?
Der Autor stellt fest, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei der Implementierung von EBN-Strategien hinterherhinkt, was primär auf fehlende Strukturen, mangelnde Akademisierung und einen Mangel an spezifischen deutschen Evaluationsstudien zurückzuführen ist.
- Citation du texte
- Mario Schneider (Auteur), 2013, Organisationskultur im Krankenhaus. Die Implementation von Evidence-based Nursing, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315754