Mit Podcasts und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten

Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Podcasts


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

35 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Podcasts in der Bildungswissenschaft
2.1 Begriffsklärung Podcasting – Podcast
2.2 Funktionen und Motive von Podcasts in der Bildungswissenschaft

3. Planung und Umsetzung eines eigenen Podcasts
3.1 Thematische Einordnung und bildungswissenschaftlicher Bezug
3.2 Funktion und Motive des eigenen Podcasts
3.3 Praktische Umsetzung des Podcasts
3.3.1 Analyse
3.3.2 Design (Planung/ Konzeption)
3.3.3 Development (Entwicklung)
3.3.4 Implementation (Einsatz)
3.3.5 Evaluation
3.4 Reflexion des Podcastkonzepts

4. Studiendesign zur Evaluation des Podcasts
4.1 Einordnung und Form der Evaluation
4.2 Entwicklung und Auswahl der Evaluationskriterien
4.3 Fragebogengestaltung (vgl. Anhang) und Datenerhebung
4.4 Reflexion der Podcastumsetzung anhand der Evaluationsergebnisse

5. Zusammenfassung und Ausblick

Literatur

Anhang

Hinweis:

Zur besseren Lesbarkeit wurde auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Formen bei Nomen verzichtet. Oft werden neutrale Bezeichnungen verwendet (z.B. der Lehrende u.a.); wo dies nicht erfolgt ist und die männliche Form gebraucht wurde, sind selbstverständlich immer auch die weiblichen Vertreterinnen gemeint.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Struktur des Podcasts

1. Einleitung

Neue Medien – allen voran der Computer – spielen sowohl in unserem beruflichen als auch privaten Alltag eine immer größere Rolle. In diesem Zuge spricht man von einem Wandel der Industriegesellschaft hin zur Wissensgesellschaft, der sich schon seit Ende der 1960er Jahre vollzieht. Statt Wissensgesellschaft werden auch oft die Begriffe Netzwerkgesellschaft oder Informationsgesellschaft verwendet, die ebenso den Gedanken einer weitestgehend digitalisierten und vernetzten Welt in sich tragen (Bastiaens, Schrader & Deimann, 2012, S. 11).

Diese Veränderungen betreffen unsere gesamte Lebenswirklichkeit. Menschen verbringen immer mehr Zeit vor Bildschirmen und in der virtuellen Realität. Durch das Internet und mobile Endgeräte ist es möglich, jederzeit mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren, sowohl mit uns bekannten als auch unbekannten Menschen. Für die junge Generation der so genannten „digital natives“ ist die ständige Kommunikations- und Informationsmöglichkeit selbstverständlich und die Nutzung von SMS, E-Mails, Instant-Messengers oder sozialen Netzwerken wie z.B. facebook nicht mehr weg zu denken und im normalen Leben fest verankert.

Auch das Lernen hat sich verändert. Durch die Digitalisierung ist Wissen nicht nur anders darstellbar, sondern auch jederzeit an jedem Ort verfügbar und vor allem nicht an einen personalen Produzenten oder Vermittler gebunden. Die digital learners sollen nicht mehr aufbereitetes Wissen „konsumieren“, sondern müssen in der Lage sein, „zur Verfügung stehende Informationen und Kenntnisse zu nutzen, diese sinnvoll zu filtern und damit effiziente Lernresultate zu erreichen“ (Veen & Jacobs, 2005, zitiert nach Bastiaens et al., 2012, S. 13f.). So wird Medienkompetenz zur Schlüsselqualifikation, um an der Wissensgesellschaft partizipieren zu können.

Im Zuge des lebenslangen Lernens und dem damit einhergehenden zunehmenden Zwang zur Flexibilisierung des Lernens können Podcasts als eine Form des E-Learnings ein effizientes Medium darstellen, um eine neue Kultur des Lehrens und Lernens zu verwirklichen, da Inhalte zeit- und ortsabhängig verbreitet und für den Rezipienten verfügbar gemacht werden können, was ein individuelles, selbstorganisiertes Lernen ermöglicht.

In der vorliegenden Hausarbeit steht die Verwendung von Podcasts in der Bildung und Lehre im Fokus der Betrachtung, wobei mit dem Begriff Podcast immer alle Unterformen, die im folgenden Kapitel beschrieben werden, gemeint sind. Nachdem zunächst Grundlegendes zum Medium Podcast und dessen Funktionen und Motiven im Bereich der Bildungswissenschaft geklärt wird, wird im Anschluss am Beispiel eines eigenen Projektes die Konzeption und Entwicklung eines Podcasts dargestellt und im Anschluss reflektiert. Im vierten Kapitel wird ein mögliches Studiendesign zur Evaluation von Podcasts anhand einer selbst durchgeführten Umfrage dargestellt. Hierbei wird der Prozess der Kriterienbildung, der Fragebogengestaltung und der Datenerhebung genauer beschrieben sowie die gewonnenen Ergebnisse erläutert, mit dem Konzept in Bezug gesetzt und das Vorgehen reflektiert. Abgeschlossen wird die Arbeit durch ein Fazit.

2. Podcasts in der Bildungswissenschaft

2.1 Begriffsklärung Podcasting – Podcast

Podcasting stellt seit Anfang der 2000er Jahre eine mediale Möglichkeit dar, Audio- und Videodateien über das Internet zu verbreiten. Mit dem Begriff Podcasting ist das Produzieren und Anbieten von Podcasts gemeint. Podcasting setzt sich zusammen aus einer Kombination des englischen Wortes Broadcasting (Sendung, Übertragung) und dem Namen des MP3-Players iPod von Apple (Süss, Lampert & Wijnen et al., 2008). Obwohl die Firma Apple den Podcast nicht erfunden hat, auch, wenn dies der Name nahelegt, verhalf das Unternehmen durch die Software iTunes dem Medium zu einer schnellen und umfangreichen Verbreitung und dadurch zu seinem enormen Erfolg (Alby, 2008, S. 74).

Der Begriff „Podcast“ im engeren Sinn bezeichnet zunächst eine Audiodatei, die im Internet meist kostenlos zur Verfügung gestellt wird und mit einem digitalen Endgerät abgespielt werden kann, so dass der Rezipient die Datei zeit- und ortsunabhängig nutzen kann. Podcasts zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie wie News oder Blogbeiträge über RSS Feeds abonniert werden können (Blok & Godsk, 2009, S. 117f.; Alby, 2008, S. 73f), wobei das ursprünglich konstituierende Merkmal des RSS-Feeds häufig nicht gegeben ist, aber trotzdem selbst in der Fachliteratur von Podcast gesprochen wird. Podcasts bestehen oft aus einer Reihe thematisch verwandter Beiträge.

Inzwischen sind neben rein text- und bildbasierten Inhalten auch Podcasts ein Medium für den Transport von Wissen geworden, was die Stanford University als eine der ersten Universitäten mit downloadbaren Vorlesungen betrieb (Bastiaens, 2013, S. 93). Neben der Produktion und Rezeption zum Zweck der Unterhaltung werden Podcasts zunehmend auch in der Lehre eingesetzt, wobei man in diesem Fall oft von Educasts spricht (Zorn, Auwärter, Krüger & Seehagen-Marx, 2011, S. 1): „Sie dienen als Informationsquelle, Ausdrucksmittel individuellen Lernens sowie als Lerngegenstand.“ (Zorn et al., 2011, S. 2)

Liu und McCombs (2007) kategorisieren Podcasts nach ihrem Datei-Format:

- Audio-Only-Podcast: die einfachste Art in der Erstellung von Podcasts, bestehend aus ausschließlich Audio-Elementen, d.h. geringe Anforderungen an Speicherkapazitäten (meist im komprimierten MP3-Format), Entlastung der visuellen Reize
- Enhanced-Podcast – Podcasts with Slides: Audiodateien oder Videodateien können außerdem mit Folienpräsentationen oder Bildschirmaufzeichnungen zu ‚Slidecasts’ oder ‚Screencasts’ kombiniert werden, durch die ein gesprochener Text parallel visualisiert wird (Arnold, Kilian, Thillosen & Zimmer, 2011, S. 192).
- Video-Podcast/ Vodcast: Video-Podcasts oder kurz Vodcasts enthalten anstelle der Audiodatei eine Videodatei oder geben stattdessen eine Streamingquelle an, um ggf. langwieriges Herunterladen zu vermeiden (Arnold et al., 2011, S. 192). „The Vodcast is the most recent addition to the podcast formats, the one that might just represent the most promise in the delivery of academic content because it is the closest to lifelike lecture playback that can be accomplished with the portable device“ (Liu & Mc-Combs, 2007).

2.2 Funktionen und Motive von Podcasts in der Bildungswissenschaft

Hinsichtlich der Funktionen von Podcasts kann, ebenso wie bei anderen Medien bzw. Technologien des Web 2.0, grob zwischen einer persönlichen und einer nicht-persönlichen Funktion unterschieden werden. Während es bei der persönlichen Funktion vor allem um die Selbstdarstellung, die Pflege sozialer Kontakte oder eine Art Tagebuchführen geht, ist die nicht-persönliche Funktion eher dem beruflichen Bereich vorbehalten. Hier werden Medien und Technologien vor allem als Kommunikations-und Koordinationsmedium oder ergänzendes Diskursmedium genutzt (vgl. Bastiaens, Schrader & Deimann, 2012, S. 48). Im Bereich der Bildungswissenschaft können Medien ebenfalls eine persönliche oder nicht-persönliche Funktion aufweisen, abhängig davon, ob und wie sie in Lernszenarien eingebettet sind. Generell muss hier danach unterschieden werden, wer jeweils Produzent und Rezipient eines Podcasts ist. Ist der Lehrende Produzent eines Podcasts für Lernende als Rezipienten, fungiert der Podcast im Sinne des instruierenden Lernens als Wissensvermittler (Zorn et al., 2011, S. 3) und erfüllt in diesem Sinn eine Distributionsfunktion (Reinmann, 2012, S. 49f).

Ist der Lernende selbst Produzent, folgt dies eher dem konstruktivistischen Lehr-/ Lernverständnis. Die Aufgabe, selbst einen Podcast zu produzieren, verlangt vom Lernenden, sein selbst angeeignetes Wissen zu strukturieren, um es wiedergeben zu können. Es wird nicht vorgegeben und gelernt, sondern selbst erschlossen, verarbeitet, strukturiert und transferiert. Deshalb wird der Einsatz in konstruktivistischen Lernszenarien auch als Learning-by-Designing bezeichnet (vgl. Zorn et al., S. 3). Hier werden Podcasts bewusst als Teil eines Lernszenarios in ihrer Funktion als Lernmittel eingesetzt, der Podcast an sich und die Produktion kann jedoch für den Lernenden auch eine persönliche Funktion der Darstellung eigener Ideen und des eigenen Wissens erfüllen.

Neben der Unterteilung in nicht-persönliche und persönliche Funktion eines Medieneinsatzes, bei der es im eigentlichen Sinn vor allem um die Motive des Produzenten geht, können unterschiedliche Funktionen im Rahmen eines didaktischen Konzepts festgestellt werden. Schmidt, Ketterl und Morisse (2007) unterscheiden in diesem Zusammenhang drei didaktische Konzeptionen zum Einsatz von instruierenden Podcasts in der Lehre: Anreicherung, Integration und Virtualisierung. Während Podcasts im Rahmen des Anreicherungskonzepts lediglich Ergänzungen zum eigentlichen Lehrangebot darstellen, die nicht genutzt werden müssen, werden Podcasts im Rahmen des Integrationskonzeptes als verbindlich zu nutzende, einzelne Elemente im Lernszenario eingesetzt, z.B. als vorbereitende Hausaufgabe oder verbindliche Online-Vorlesung als Ersatz für eine Präsenz-Vorlesung. O’Bannon, Lubke, Beard, & Britt (2011) führen an, dass durch das Auslagern der Informationsübertragung in Form von Podcasts Kapazitäten im Präsenzlernen frei würden für andere Aktivitäten:

„The current study suggests that podcasts can replace lecture with no detrimental effects on achievement in a technology core course taken by preservice teachers. A major benefit of using the podcasts to replace classroom lecture is the additional time gained for in-class demonstration, guided practice, and hands-on development of lesson activities and projects.“ (O’Bannon et al., 2011, pp. 2621)

Das Virtualisierungskonzept geht darüber hinaus und verschiebt ein gesamtes Lernszenario in den Online-Bereich. Hier ersetzen Podcasts z.B. klassische Vorlesungen, Begleitaktivitäten finden auch online statt (vgl. Ketterl et al., 2006, S. 8f). Hier wird deutlich, dass der Einsatz von Podcasts nicht nur unterschiedlichen Motiven folgt, sondern auch aufgrund unterschiedlicher didaktischer Konzeptionen stark variieren kann.

Beim Einsatz von Podcasts in den Bildungswissenschaften wird besonders häufig das Publizieren von Vorlesungen oder die Nutzung als Prüfungsvorbereitung genannt. Dabei kann auf Inhalte einfach zugegriffen und diese unabhängig von Zeit und Raum rezipiert werden (McLaughlin & Lee, 2007; Schmidt et al., 2007). Lerninhalte können somit später durch Wiederholung vertieft werden oder Studierende können versäumte Vorlesungen auf diese Art und Weise nachholen. Davon können auch besonders Lernende mit einer fremden Muttersprache profitieren. Den verschiedenen Bedürfnissen der Lernenden kann so eher entsprochen und das selbstgesteuerte Lernen unterstützt werden, was letztendlich Auswirkungen auf das Erreichen der akademischen Ziele hat (Cruz & Carvalho, 2007).

Podcasts, wie auch andere Tools des Web 2.0, eröffnen vielfältige Möglichkeiten für das Lernen und Lehren. Es geht darum heraus zu finden, wie die Technologie Lernprozessen bereichern, beleben und vielfältiger machen kann. Das Reproduzieren von Vorlesungen reicht dazu nicht aus (Blok & Godsk, 2009). Als Produzenten von Inhalten und Konstrukteure von Wissen können Lerner ihre Werke einfach anderen zur Verfügung stellen, miteinander und voneinander lernen. Podcasts können als Tool genutzt werden, Lernende zu aktivieren. Dabei entwickeln sie neue Fähigkeiten und erweitern ihre Medienkompetenz, was sie zu kritischeren Konsumenten und bewussteren Produzenten macht (Cruz & Carvalho, 2007). Welche der hier aufgeführten Funktionen und Motive im eigenen Podcast zum Einsatz kommen, wird im folgenden Kapitel beschrieben.

3. Planung und Umsetzung eines eigenen Podcasts

3.1 Thematische Einordnung und bildungswissenschaftlicher Bezug

Das Thema des zu gestaltenden Podcasts sollte laut Konzept „Motivation und Emotion im Bildungskontext“ sein, wobei auf das ARCS-Modell von Keller (1983) und das FEASP-Modell von Astleitner (2000) näher eingegangen werden sollte, da diese für die Gestaltung von E-Learning-Umgebungen von besonderer Bedeutung sind (Reinmann, 2012, S. 134ff). Während der Produktionsphase wurde von diesem Konzept abgewichen und inhaltlich eine Reduktion auf das ARCS-Modell von Keller als erste Podcastepisode sowie eine angedachte Produktion einer zweiten Episode über das FEASP-Modell von Astleitner bevorzugt. Näheres zur Begründung dieser Vorgehensweise folgt an späterer Stelle.

Kellers ARCS-Modell macht konkrete Vorschläge, wie im Instructional Design die Motivation beim Lernen verbessert werden kann. Er fordert vier Elemente als Basis für die Entwicklung von Lernumgebungen, deren Anfangsbuchstaben seinem Modell den Namen gegeben haben:

- A ttention = Aufmerksamkeit des Lernenden erregen

- R elevance = Relevanz der Lerninhalte

- C onfidence = Erfolgszuversicht unterstützen

- S atisfaction = Zufriedenheit ermöglichen (Reinmann, 2012, S. 134).

Im Gegensatz zum Präsenzunterricht eröffnet der Einsatz neuer Lernmedien die Möglichkeit, den Lernprozess weitgehend selbstständig zu organisieren. Die Lernenden können selbst bestimmen, wann, wie lange, wo und mit wem sie lernen. Diese Freiheit stellt jedoch auch hohe Anforderungen an die Einzelnen. Sie müssen sich selbst motivieren, mit dem Lernen zu beginnen, sich Zeit dafür nehmen sowie Ziele setzen und diese verfolgen. Da es hohe Abbrecherquoten im E-Learning gibt, ist die Bedeutung der Motivation in virtuellen Lernumgebungen besonders hoch. Während sich die Motivationspsychologie mit der Erklärung von Verhalten beschäftigt, sind Praktiker eher an der Erzeugung und Herstellung von motiviertem Lernverhalten interessiert. Demnach wird ein Modell benötigt, das Aussagen darüber macht, wie motiviertes Verhalten gefördert werden kann. Ein solches Modell ist das „ARCS-Modell“ (Keller, 1983), welches im Podcast vorgestellt wird. Keller beschreibt in seinem Modell die Merkmale, die eine motivierende Lernumgebung erfüllen sollte. Im Bereich des E-Learning und der Pädagogik der Neuen Medien dient es deshalb häufig als Grundlage für die Gestaltung von multimedialen Lernangeboten.

Die Zielgruppe des Podcasts sind in erster Linie Mitstudierende des MA Bildung und Medien, da das ARCS-Modell wie bereits beschrieben sehr hilfreich bei der Gestaltung und Entwicklung von neuen Medien sein kann. Mit seinem präskriptiven Charakter gibt es konkrete Handlungshilfen in diesem Kontext und ist somit sehr praxisorientiert. Weiter gefasst kann es für alle (zukünftig) Lehrenden von Interesse sein, die Informationen zum Thema Motivation für die Gestaltung von Lehr-/ Lernumgebungen (auch außerhalb des Bereichs E-Learning) suchen.

3.2 Funktion und Motive des eigenen Podcasts

Weiter oben wurden bereits die Funktionen und Motive von Podcasts im Allgemeinen beschrieben, weshalb an dieser Stelle nur diejenigen kurz angeführt werden sollen, die für den selbst produzierten Podcast genannt werden können.

Als extrinsische Motivation kann natürlich ganz pragmatisch die Erreichung des Modulziels sowie des gesamten Studienabschlusses genannt werden („seek reward and avoid punishment“ (Schneider, 2013, S. 35). Dazu gehört die Konzipierung eines Podcasts und dessen praktische Umsetzung sowie Reflexion und Evaluation.

Zudem existiert natürlich eine intrinsische Motivation („desire to do something for personal, internal reasons“ (Schneider, 2013, S. 35) zum einen aus dem subjektiven Interesse am Thema und zum anderen aus dem persönlichen Ziel, wichtige, aktuelle und für die Hörer hilfreiche Inhalte zu präsentieren. Dieser Podcast ist ein effizientes Medium, um den für die Zielgruppe relevanten Inhalt mit wenig Aufwand zu transportieren, was ein zeit- und ortsunabhängiges Rezipieren und selbstgesteuertes Lernen ermöglicht. Hinzu kommt die mit der Nutzung einhergehende Schulung der Medienkompetenz des Lernenden. Generell können zusätzlich als Unterstützung des Gelernten angeleitete Übungen und beigefügte Aufgaben in den Podcast eingebunden werden, um die kognitive Verarbeitung des Gelernten zu unterstützen (Zorn et al., 2011, S. 3), was auch als eine Funktion integriert werden soll. Außerdem kann der Podcast unterstützend zum Studienmaterial auf mobilen Abspielgeräten unterwegs gehört werden. Somit ist der Podcast als Ergänzung bzw. Erweiterung zum Modul bzw. Studienbrief konzipiert, die aber nicht notwendigerweise in Anspruch genommen werden muss (Schmidt et al., 2007; Cruz & Carvalho, 2007).

Es soll bei der Produktion des Podcasts aber auch die eigene Medienkompetenz (des Produzenten) geschult werden, was ja auch ein Teilziel des Moduls innerhalb dieses Studiengangs ist. Hiermit ist einerseits die technische Seite gemeint, was den fachgerechten Umgang mit der zur Produktion nötigen Hard- und Software meint und andererseits auch die mediendidaktische Kompetenz, die im nächsten Kapitel noch näher beleuchtet wird. Weitere Funktionen und Motive werden im nächsten Punkt „Praktische Umsetzung“ angeführt, da sie bedeutend für das didaktische Konzept und das Design des Podcasts sind.

3.3 Praktische Umsetzung des Podcasts

Bei der praktischen Umsetzung der eigenen Podcastidee zum Thema „ARCS-Modell von John M. Keller“ orientiert sich der Autor an den Verfahrensschritten des Instructional Design, da es mit seiner systematischen Vorgehensweise und seinen konkreten Empfehlungen dem Lehrenden eine Anleitung liefert, was in welcher Reihenfolge zu einem bestimmten Zweck zu tun ist, ohne die folgenden Entscheidungen zu stark einzugrenzen (Reinmann, 2012, S. 39).

Als eine grobe Orientierung bei der Darstellung der praktischen Umsetzung soll das ADDIE-Modell dienen. ADDIE steht als Akronym der fünf Phasen (A nalyse, D esign, D evelopment, I mplementation, E valuation) des Modells (Niegemann et al., 2004, S. 47). Dabei können nicht alle Punkte detailliert beschrieben werden, um den in dieser Hausarbeit gebotenen Rahmen nicht zu sprengen.

3.3.1 Analyse

Wie in der Begründung der Themenwahl beschrieben, ist das ARCS-Modell von Keller mit dem Thema Motivation äußerst relevant für Lehrende. Dies gilt sowohl für das Lernen in virtuellen als auch in „konventionellen“ Kontexten, so dass eine große Zielgruppe angesprochen wird. In diesem speziellen Fall wurde als Zielgruppe die Studierenden des Masterstudiengangs Bildung und Medien anvisiert, da für sie dieses Thema besonders aktuell ist, wobei als Rezipientenkreis durchaus auch bereits in der Lehre Tätige benannt werden könnten. Zu dieser Zielgruppe gehört auch der Autor dieser Arbeit selbst, der sowohl als Studierender ein persönliches Interesse an diesem Thema hat als auch als Lehrer an Mittelschulen ein berufsbedingtes Interesse aufweist. Dieser Podcast soll es ermöglichen, sich Wissen über das ARCS-Modell auf einem anderen, flexiblen Weg anzueignen. Weiterhin kann die Schulung der Medienkompetenz sowie das Sammeln von Erfahrungen (inklusive der Evaluation) mit dem Medium Podcast auf Rezipienten- sowie auch auf Produzentenseite genannt werden.

3.3.2 Design (Planung/ Konzeption)

Aus dem eben beschriebenen Bedarf resultieren logi­scher­weise auch die angestrebten Lehr- und Lernziele. Ein Lehrziel ist die Information über das Thema ARCS-Modell.

Um den Podcast für den Hörer attraktiv und motivierend zu gestalten, soll das ARCS-Modell von Keller, das ja Thema des Podcasts ist, auch beim Verfahrensschritt Design Beachtung finden.

- Die Aufmerksamkeit (Attention) soll durch eine Gliederung des Podcast in verschiedene Teile, die akustisch durch Musikeinspielungen unterbrochen werden, aufrechterhalten werden. Zu langes Zuhören ohne Unterbrechungen lässt die Konzentration absinken. Durch einen zweiten Sprecher wird die Darbietung abwechslungsreicher, die Abwechslung zwischen einer männlichen und einer weiblichen Stimmen sollen dies verstärken. Der Podcast soll eine Länge von 10-15 Minuten nicht überschreiten, um den auditiven Sinneskanal nicht zu überlasten (vgl. Cognitive Load Theory von Sweller, 2003). Da sich bei der Produktion herausstellte, dass diese Länge nicht eingehalten werden kann, ohne den zu transportierenden Inhalt zu oberflächlich zu gestalten, wurde das Thema in zwei Podcasts unterteilt. Hierzu mehr in der Reflexion des Konzepts (Punkt 3.4).

- Die Relevanz wird durch den Lerninhalt vorgegeben. Dass das Thema Motivation und Emotion beim Lernen eine übergeordnete Rolle spielt, ist allen Hörern bewusst. Jeder Rezipient hat zu diesem Thema eigene Erfahrungen gemacht und kann auch aus der Sicht des Lernenden die Bedeutung des Lerngegenstands einschätzen.

- Die Erfolgszuversicht (Confidence) soll zum einen durch die geringe Länge des Podcasts hergestellt werden, die das Thema leicht „konsumierbar“ macht. Zum anderen soll in der Einführung ein kurzer Ausblick in Form einer Gliederung gegeben werden, der den Lerngegenstand übersichtlich und „machbar“ erscheinen lässt. Zudem soll an gleicher Stelle bereits vorweg genommen werden, dass in regelmäßigen Abständen eine Kurzzusammenfassung erfolgt, um das Gelernte zu sichern. Eine optionale Lernzielkontrolle in Form von Fragen zu den jeweiligen Abschnitten wird am Ende des Podcasts angeboten, so dass dieser auch zur Wiederholung und Sicherung des Lernstoffs verwendet werden könnte. Durch die dem Medium immanente Gewissheit, dass der Podcast auch mehrere Male angehört werden kann, steigt die Erfolgszuversicht nochmals.

- Zufriedenheit (Satisfaction) wird erreicht, wenn die Hörer den Lerngegenstand verstanden haben und ihn als nützlich für ihr weiteres Lernen oder ihre Weiterbildung einschätzen. Dies soll durch eine gelungene inhaltliche Aufbereitung mit Praxisbezug und damit einhergehenden konkreten Beispielen gewährleistet werden.

3.3.3 Development (Entwicklung)

a) Wahl des Formats und des Symbolsytems

Wie bereits weiter oben erwähnt gibt es neben den reinen Audiopodcasts auch so genannte enhanced podcasts, die das Gehörte durch die zusätzliche visuelle Informationen (z.B. zusammenfassende Folien) unterstützen sollen und Video-Podcasts (Vodcasts). Jede dieser Formen hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, die es an dieser Stelle abzuwägen gilt.

Zwar ist bekannt, dass die Informationsaufnahme über mehrere Sinneskanäle lernfördernd sein kann, wie es Sweller (2003) mit dem Modality Effect oder Mayer (2002, S. 94) durch das Multimedia Prinnzip („Deeper learning results from animation and narration than from narration alone“) beschreiben, wonach ein enhanced podcast als für diesen Zweck adäquates Medium erscheint. Allerdings würde damit der Vorteil einer reinen Audiodatei verloren gehen, der in der großen Flexibilität liegt. Eine visuelle Unterstützung verlangt neben einem geeigneten Abspielgerät nach ruhigem Betrachten (Sitzen) und lässt das Konsumieren in der Bewegung, beim Arbeiten, Autofahren oder Ähnlichem nicht zu. Da diese Möglichkeit aber gegeben sein soll, wird bewusst auf visuelle Information verzichtet, auch im Sinne der Cognitive Load Theory nach Sweller (2003), die die Gefahr eines split-attention-effects und general overload sieht (Schneider, 2013, S. 31f). Nach Reinmann (2012, S. 42) eigenen sich verbale Vorträge grundsätzlich erst einmal schlechter für die Vermittlung von Informationen als geschriebener Text. Wenn es aber darum geht, ein ersten Einblick, Verständnis oder Orientierung zu vermitteln, können Vorträge allerdings das Lernen erleichtern.

Aus diesen Gründen wird ein reiner Audio-Podcast entwickelt. Hierzu wird die freie Software „Audacity“ verwendet, mit der die Sprachsequenzen aufgenommen und geschnitten, Störgeräusche eliminiert sowie Lautstärke angepasst und musikalische Jingles bzw. akustische Signale eingefügt werden können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Mit Podcasts und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten
Untertitel
Beschreibung, Umsetzung und Reflexion eines eigenen Podcasts
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Modul 3: Gestaltung und Entwicklung von neuen Medien
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
35
Katalognummer
V315764
ISBN (eBook)
9783668153127
ISBN (Buch)
9783668153134
Dateigröße
641 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
neue Medien, Podcast, Entwicklung, Bildungswissenschaft, Evaluation
Arbeit zitieren
Udo Kroack (Autor), 2014, Mit Podcasts und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315764

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