Neue Medien spielen sowohl in unserem beruflichen als auch privaten Alltag eine immer größere Rolle. In diesem Zuge spricht man von einem Wandel der Industriegesellschaft hin zur Wissensgesellschaft, der sich schon seit Ende der 1960er Jahre vollzieht. Statt Wissensgesellschaft werden auch oft die Begriffe Netzwerkgesellschaft oder Informationsgesellschaft verwendet, die ebenso den Gedanken einer weitestgehend digitalisierten und vernetzten Welt in sich tragen.
Diese Veränderungen betreffen unsere gesamte Lebenswirklichkeit. Menschen verbringen immer mehr Zeit in der virtuellen Realität. Durch das Internet und mobile Endgeräte ist es möglich, jederzeit mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren.
Auch das Lernen hat sich verändert. Durch die Digitalisierung ist Wissen nicht nur anders darstellbar, sondern auch jederzeit an jedem Ort verfügbar und vor allem nicht an einen personalen Produzenten oder Vermittler gebunden. Die digital learners sollen nicht mehr aufbereitetes Wissen „konsumieren“, sondern müssen in der Lage sein, zur Verfügung stehende Informationen und Kenntnisse zu nutzen, sinnvoll zu filtern und damit effiziente Lernresultate zu erreichen. So wird Medienkompetenz zur Schlüsselqualifikation, um an der Wissensgesellschaft partizipieren zu können.
Im Zuge des lebenslangen Lernens und dem damit einhergehenden zunehmenden Zwang zur Flexibilisierung des Lernens können Podcasts ein effizientes Medium darstellen, um eine neue Kultur des Lehrens und Lernens zu verwirklichen, da Inhalte zeit- und ortsabhängig verbreitet und verfügbar gemacht werden können, was ein individuelles, selbstorganisiertes Lernen ermöglicht.
In dieser Arbeit steht die Verwendung von Podcasts in der Bildung und Lehre im Fokus der Betrachtung, wobei mit dem Begriff Podcast immer alle Unterformen, die im folgenden Kapitel beschrieben werden, gemeint sind. Nachdem zunächst Grundlegendes zum Medium Podcast und dessen Funktionen und Motiven geklärt wird, wird im Anschluss am Beispiel eines eigenen Projektes die Konzeption und Entwicklung eines Podcasts dargestellt und im Anschluss reflektiert. Danach wird ein mögliches Studiendesign zur Evaluation von Podcasts anhand einer selbst durchgeführten Umfrage dargestellt. Hierbei wird der Prozess der Kriterienbildung, der Fragebogengestaltung und der Datenerhebung genauer beschrieben sowie die Ergebnisse erläutert, mit dem Konzept in Bezug gesetzt und das Vorgehen reflektiert.
Inhaltsübersicht
1. Einleitung
2. Podcasts in der Bildungswissenschaft
2.1 Begriffsklärung Podcasting – Podcast
2.2 Funktionen und Motive von Podcasts in der Bildungswissenschaft
3. Planung und Umsetzung eines eigenen Podcasts
3.1 Thematische Einordnung und bildungswissenschaftlicher Bezug
3.2 Funktion und Motive des eigenen Podcasts
3.3 Praktische Umsetzung des Podcasts
3.3.1 Analyse
3.3.2 Design (Planung/ Konzeption)
3.3.3 Development (Entwicklung)
3.3.4 Implementation (Einsatz)
3.3.5 Evaluation
3.4 Reflexion des Podcastkonzepts
4. Studiendesign zur Evaluation des Podcasts
4.1 Einordnung und Form der Evaluation
4.2 Entwicklung und Auswahl der Evaluationskriterien
4.3 Fragebogengestaltung (vgl. Anhang) und Datenerhebung
4.4 Reflexion der Podcastumsetzung anhand der Evaluationsergebnisse
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Potenziale und die praktische Anwendung von Podcasts im bildungswissenschaftlichen Kontext. Ziel ist es, durch die eigenständige Konzeption, Produktion und anschließende Evaluation eines Educasts Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie Podcasts als effizientes Instrument zur Wissensvermittlung und Lernmotivation gestaltet und eingesetzt werden können.
- Grundlagen und theoretische Einordnung von Podcasts in der Bildung
- Konzeption und Entwicklung eines eigenen Educasts zum ARCS-Modell
- Methodik der Evaluation von digitalen Lernmedien mittels LORI
- Analyse von Nutzerfeedback und Reflexion über die mediendidaktische Gestaltung
Auszug aus dem Buch
3.3.3 Development (Entwicklung)
Wie bereits weiter oben erwähnt gibt es neben den reinen Audiopodcasts auch so genannte enhanced podcasts, die das Gehörte durch die zusätzliche visuelle Informationen (z.B. zusammenfassende Folien) unterstützen sollen und Video-Podcasts (Vodcasts). Jede dieser Formen hat ihre eigenen Vor- und Nachteile, die es an dieser Stelle abzuwägen gilt.
Zwar ist bekannt, dass die Informationsaufnahme über mehrere Sinneskanäle lernfördernd sein kann, wie es Sweller (2003) mit dem Modality Effect oder Mayer (2002, S. 94) durch das Multimedia Prinnzip („Deeper learning results from animation and narration than from narration alone“) beschreiben, wonach ein enhanced podcast als für diesen Zweck adäquates Medium erscheint. Allerdings würde damit der Vorteil einer reinen Audiodatei verloren gehen, der in der großen Flexibilität liegt. Eine visuelle Unterstützung verlangt neben einem geeigneten Abspielgerät nach ruhigem Betrachten (Sitzen) und lässt das Konsumieren in der Bewegung, beim Arbeiten, Autofahren oder Ähnlichem nicht zu. Da diese Möglichkeit aber gegeben sein soll, wird bewusst auf visuelle Information verzichtet, auch im Sinne der Cognitive Load Theory nach Sweller (2003), die die Gefahr eines split-attention-effects und general overload sieht (Schneider, 2013, S. 31f). Nach Reinmann (2012, S. 42) eigenen sich verbale Vorträge grundsätzlich erst einmal schlechter für die Vermittlung von Informationen als geschriebener Text. Wenn es aber darum geht, ein ersten Einblick, Verständnis oder Orientierung zu vermitteln, können Vorträge allerdings das Lernen erleichtern.
Aus diesen Gründen wird ein reiner Audio-Podcast entwickelt. Hierzu wird die freie Software „Audacity“ verwendet, mit der die Sprachsequenzen aufgenommen und geschnitten, Störgeräusche eliminiert sowie Lautstärke angepasst und musikalische Jingles bzw. akustische Signale eingefügt werden können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beschreibt den Wandel zur Wissensgesellschaft und die damit einhergehende Bedeutung von Medienkompetenz und neuen Lernformen wie Podcasts im Kontext des lebenslangen Lernens.
2. Podcasts in der Bildungswissenschaft: Dieses Kapitel definiert den Begriff Podcast und erläutert dessen Funktionen, Motive sowie Kategorisierungsformen im Bildungsbereich.
3. Planung und Umsetzung eines eigenen Podcasts: Hier wird der Prozess der Erstellung eines Podcasts, von der thematischen Einordnung über die Konzeption bis hin zur technischen Umsetzung und ersten Reflexion, detailliert dargestellt.
4. Studiendesign zur Evaluation des Podcasts: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen bei der Evaluation des produzierten Podcasts mithilfe eines Online-Fragebogens basierend auf LORI-Kriterien.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Der Autor reflektiert die Projekterfahrungen, diskutiert die Ergebnisse der Evaluation kritisch und zieht Schlussfolgerungen über den Mehrwert von Podcasts im Lernprozess.
Schlüsselwörter
Podcast, Educast, Bildungswissenschaft, ARCS-Modell, Motivation, Medienkompetenz, Evaluation, LORI, E-Learning, Mediendidaktik, instructional design, Lernmotivation, Wissensvermittlung, Audio-Podcast, Nutzerfeedback
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Bedeutung von Podcasts im Bildungsbereich. Sie dokumentiert den Prozess von der theoretischen Auseinandersetzung über die praktische Produktion eines Podcasts zum ARCS-Modell bis hin zur Evaluation dieses Mediums.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zu den zentralen Themen gehören das Instructional Design, die Rolle von Motivation im E-Learning (insbesondere das ARCS-Modell von Keller), sowie die methodische Vorgehensweise bei der Erstellung und Bewertung von digitalen Lernmedien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es, ein praktisches Verständnis für die Konzeption und den Einsatz von Podcasts zu entwickeln und zu untersuchen, wie diese die Wissensvermittlung und die Lernmotivation der Zielgruppe in einem akademischen Kontext beeinflussen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf das ADDIE-Modell für die Gestaltung des Lernangebots. Zur Evaluation des Podcasts wurde eine summative Online-Befragung durchgeführt, bei der die Kriterien des „Learning Object Review Instrument“ (LORI) angewendet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung, die detaillierte Beschreibung der Produktionsschritte (Analyse, Design, Entwicklung, Implementierung) und die Auswertung der Nutzerumfrage zur Qualität und Akzeptanz des Podcasts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Educast, Mediendidaktik, LORI, ARCS-Modell, Medienkompetenz und Evaluation charakterisieren.
Warum wurde das ARCS-Modell als Inhalt für den Podcast gewählt?
Das Modell wurde gewählt, weil es konkrete Handlungshilfen bietet, um Motivation beim Lernen zu verbessern, was für die Zielgruppe (Studierende im Bereich Bildung und Medien) besonders praxisrelevant ist.
Wie wurde die Akzeptanz des Podcasts durch die Nutzer bewertet?
Die Evaluation ergab, dass die Zielgruppe die inhaltliche Qualität und die Verständlichkeit als sehr positiv bewertete. Während der reine Audio-Podcast weitgehend akzeptiert wurde, zeigten einige Nutzer Präferenzen für zusätzliche visuelle Elemente.
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- Udo Kroack (Autor), 2014, Mit Podcasts und Vodcasts neue Wege in der Bildungswissenschaft beschreiten, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/315764