„La fleure magique“ und „PAVOH“ als Strategie beim Schreiben von Diktaten. Individuelle Förderung im Rechtschreibeunterricht


Praktikumsbericht / -arbeit, 2015
10 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Erste Schritte / Globale Evaluation

3. Evaluation bezüglich des Arbeitsverhaltens

4. Evaluation bezüglich der Fächer

5. PPI

6. Massnahmen und deren Hintergrund

7. Bewertung der Massnahme

8. Persönliche Reflexion

9. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Während des Praktikums 501 war ich in einer 5. / 6. Klasse. Dabei handelte es sich um 20 SchülerInnen. 13 SchülerInnen gingen in die 6. Klasse ( 9 Mädchen und 4 Knaben) und 7 Schüler in die 5. Klasse (2 Mädchen und 5 Knaben). Meine gemischte Klasse war sehr heterogen, nicht nur im Bereich der Stufeneinteilung, sondern auch in Hinsicht auf die Niveaus und das Arbeitstempo. Es gab einige wirklich gute Schüler, viele im mittlernen Bereich und einige, welche vermehrt Probleme hatten. Besonders ein Schüler ist mir aufgefallen, da er in praktisch allen Fächern Schwierigkeiten aufwies. Nach Absprache mit meiner Praktikumslehrperson und der Mapi habe ich mich für diesen Schüler entschieden, um das in der Lehrveranstaltung 5.3 verlangte PPI (Projet pédagogique individuel) durchzuführen. Um dem Datenschutz gerecht zu werden, gebe ich dem Schüler einen erfundenen Namen: Leo.

Das Schulzentrum verfügt über zwei angestellte Mapis. Die verteilt auf die Woche an verschiedenen Tagen ihre Arbeit leisten. Diese Mapis betreuen, nach Absprache mit der jeweiligen Klassenlehrperson die Kinder während des Unterrichts individuell in einem anderen, separaten Zimmer. Je nachdem gehen die SchülerInnen ein- bis dreimal pro Woche zur Mapi. Zum Zeitpunkt, als ich mein Praktikum absolvierte, gingen drei SchülerInnen je einmal pro Woche zur Mapi. Da diese drei SchülerInnen allesamt Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung (bzw. Diktaten) aufweisen, gehen sie fast immer zusammen zur Mapi. Da Leo schon während einem längeren Zeitraum zur Mapi geht und keine Fortschritte festzuhalten sind, entschied ich, die Praktikumslehrperson und die Mapi uns dazu, dass ich für Leo ein Hilfsprogramm zusammenstellen werde.

Die folgende Arbeit beinhaltet die Abfolge des PPIs - mit der Untersuchung und Evaluation von Leo, den gefundenen Problemen, sowie den ergriffenen Massnahmen. Anschliessend folgt eine Analyse. Zum Schluss teile ich meine persönliche Reflexion mit.

2. Erste Schritte / Globale Evaluation

Wie bereits erwähnt, besuchte Leo den Stützunterricht bereits, als ich das Praktikum antrat. Mein erstes Gespräch über Leo hatte ich mit meiner Praktikumslehrperson in der ersten Woche. Dabei erzählte er mir, dass Leo Schwierigkeiten aufweist, die Konzentration und Aufmerksamkeit zu halten. Leo sei ein aktiver und fröhlicher Schüler, welche mit allen SchülerInnen gut auskommt und somit seinen Mitmenschen mir Respekt und Anstand begegnet. Seine Noten seien jedoch in fast allen Fächern unter der genügenden Note. Obwohl der Vater von Leo aus Kroatien kommt, teilte mir die Praktikumslehrperson mit, fühlt sich Leo wie ein „ganzer“ Schweizer und zeigt keine Probleme mit der französischen Sprache auf oder mit der Integration. Er wurde nur auf Französisch erzogen. Ausserdem teilte mir die Praktikumslehrperson mit, dass seine Schwester die zweite Klasse besuche und ein kleines „Energiebündel“ sei. Wie auch ihr Bruder hat auch sie nicht gerade gute Noten. Am Ende der ersten Woche fanden die Elterngespräche statt. Die Eltern, Leo und meine Praktikumslehrperson waren damit einverstanden, dass ich an diesem Gespräch teilnehmen kann. Dort teilten uns die Eltern von Leo mit, dass er sehr unorganisiert sei, und seine Agenda immer in der Schule vergisst. Dann müssen sie immer auf der Klassenwebseite im Internet nachschauen gehen, was die Hausaufgaben sind. Die Arbeitsblätter welche er zu erledigen hat, vergisst er auch häufig, teilten die Eltern mit. Sie sagten auch, dass er sehr unkonzentriert seine Hausaufgaben erledigt und sie immer hinter ihm stehen müssen, damit er sie auch bis zum Schluss erfüllt. Daraufhin fragte die Praktikumslehrperson, ob Leo schon auf ADS oder ADHS getestet worden ist. Die Eltern antworteten, dass er vor zwei Jahren getestet worden ist, und das Ergebnis negativ ausgegangen ist. Sie sagten, dass sie nicht mehr weiter wüssten, da Leo schon seit der ersten Klasse Schwierigkeiten hat sich zu konzentrieren und aufmerksam zu sein. Trotzdem behaupten die Eltern, im Privaten höre er gut zu und hat keine Aufmerksamkeitsschwierigkeiten. Ausserdem erzählten sie uns, dass Leo kein dummes Kind ist, sie meinen er sei ein intelligentes Kind, nur sehe er den Sinn und Zweck nicht, warum er lernen muss. Aus diesem Grund sprechen sie immer wieder auf Leo ein, dass die Schule wichtig sei für seine spätere Berufslaufbahn. Abschliessend empfahl meine Praktikumslehrperson den Eltern eine Psychologin ins Klassengeschehen einzuladen, damit sie ihn während des Unterrichts beobachten kann und dann vielleicht feststellen kann, das Leos Aufmerksamkeit- und Konzentrationsfähigkeiten in einem Umfeld, wo andere um ihn herum sind, geschwächt sind. Die Eltern waren mit dem Vorschlag seitens der Praktikumslehrperson einverstanden. In diesem Elterngespräch habe ich schon sehr viel über Leo erfahren und ich konnte mir bereits ein globales Bild über Leo machen.

3. Evaluation bezüglich des Arbeitsverhaltens

Um das Arbeitsverhalten von Leo genauer einschätzen zu können, entschied ich mich ihn während dem Unterricht zu beobachten. Dabei ist mir aufgefallen, dass er häufig nicht zuhörte sondern irgendwo in die Ferne schaute. Er war sehr unkonzentriert und hatte Mühe die Aufmerksamkeit zu halten. Wenn man ihn etwas fragte, so konnte er nicht einmal die Frage repetieren, geschweige denn die Antwort geben. Beim Ausfüllen von Aufträgen, erledigte er nur die Hälfte und diese war auch mit sehr vielen Fehlern bespickt. Jedes Geräusch, jede Bewegung seiner Mitschüler wurde für ihn zu einer Ablenkung. Bei Gruppenarbeiten lässt er die anderen arbeiten und beteiligt sich passiv. Die anderen Gruppenmitglieder störte dies jedoch nicht, da sie als Ziel hatten, die Aufgabe so schnell und so korrekt wie möglich zu erfüllen. Das Finden der Arbeitsblätter oder Unterlagen bereitete Leo eine grosse Herausforderung, da er nichts sortiert hatte. Alle Blätter waren vermischt und hatten keine Ordnung. Es kam häufig vor, dass er die Blätter gar nicht mehr fand. Unter seinem Pult machte er nie Ordnung. Alle erhaltenen Blätter steckte er einfach unter die Pultmappe.

In einem zweiten Schritt beobachtete ich Leos Verhalten während dem Nachhilfeunterricht bei der Mapi. Teilweise arbeitete sie mit zwei SchülerInnen zur gleichen Zeit. Dort war Leo aktiv am Geschehen beteiligt. Kaum beschäftigte sich jedoch die Mapi mit dem anderen Schüler bzw. der anderen Schülerin, während Leo individuell arbeiten sollte, liess er sich wieder schnell ablenken und beobachtete die zwei, anstatt selbst zu arbeiten.

In einem dritten Schritt habe ich mit Leo individuell gearbeitet. Dabei ist mir aufgefallen, dass wenn ich ihn betreue, er sich auf mich einlässt und die Aufgaben korrekt löst. Wenn ich ihm jedoch bei den Aufgaben nicht helfe, so erledigt er diese so schnell wie möglich ohne einmal den Arbeitsauftrag richtig durchzulesen. Dies war auch ein Grund, weswegen er viele Fehler machte. Mir ist auch aufgefallen, dass er seine Lösungen nie ein zweites Mal durchliest und kontrolliert. Ich musste ihn jedes Mal darauf hinweisen, noch einmal alles durchzulesen.

4. Evaluation bezüglich der Fächer

Durch meine Beobachtungen und seine Noten habe ich gemerkt, dass Leo am meisten Mühe in Französisch und Mathematik hat. Nun lag es an mir herauszufinden, an was es liegen könnte. Dazu habe ich mit der Mapi geredet und sie teilte mir mit, dass Leo Mühe damit hatte, sich gut auf Prüfungen vorzubereiten. Vor Allem Diktate bereiteten ihm grosse Sorgen. Um zu sehen, wieso er Schwierigkeiten im Fach Mathematik hatte, führte ich mit ihm ein Diagnostisches Gespräch. Dabei sollte er mir erklären, wie er auf die Antworten kommt. Ich nahm keine Stellung und blieb neutral. Bei mathematischen Gesprächen beobachtet und begleitet eine Lehrperson ein Kind beim Lösen mathematischer Aufgaben. Die Lehrperson will das Vorgehen des Kindes erkunden und regt durch Fragen und Impulse das Kind zur Begründung der eigenen Gedankengänge an, was in der Fachsprache als „Metakognition“ bezeichnet wird (vgl. Schuler, 2004, S. 162f.). Die Lehrperson will in einem solchen Gespräch nicht primär das Kind belehren, sondern sie möchte dessen Denken verstehen. In solchen Gesprächen verstehen sich sowohl das Kind wie die Lehrperson als Lernende, die etwas Neues erkunden. Zum Zeitpunkt des Praktikums nahm ich das Thema „Multiples et Diviseurs“ im Fach Mathematik durch. Dabei habe ich im diagnostischen Gespräch festgestellt, dass Leo bereits Mühe mit dem Einmaleins hatte. Das heisst, er beherrschte das Einmaleins nicht gut und so war die Basis um mit Multiples et Diviseurs zu arbeiten bereits beschädigt. Er muss seine Einmaleins-Kenntnisse zuerst festigen, bevor er sich auf diese Weiterführung mit diesem neuem Thema überhaupt einlassen kann.

5. PPI

Da die Mapi, für die Defizite in Diktaten, bereits ein PPI erstellt hatte, liess ich dies in meinem PPI weg. Trotzdem arbeitete ich zusammen mit der Mapi daran, Leo im Bereich des Diktates zu helfen. Auch die Tatsache, dass er das Einmaleins nicht gut beherrschte, liess ich weg, da ich mich entschied ihm dies einmal als „leçon“ zu geben. Auch meine Praktikumslehrperson riet mir dazu an, da er sonst nicht grosse Schwierigkeiten im Fach Mathematik zeigt, und dies eine Ausnahme sei. Zusammenfassend kann man sagen, dass ich mich auf das Organisations- und Aufmerksamkeitsdefizit von Leo spezialisiert habe.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

-L’élève suit le programme habituel de l’année en cours

- L’élève bénéficie d’un programme adapté en : mathématiques[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] français [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] généralisé

Le projet pédagogique portera sur les domaines suivants :

(Relevé synthétique de ce que sur quoi on va agir et résultant d’une évaluation globale de la situation).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Répartition des tâches

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

6. Massnahmen und deren Hintergrund

Ob weitere Massnahmen, wie beispielsweise ein reduziertes Programm oder gar das Wiederholen eines Schuljahres für Leo von Nöten sind, wird sich erst nach der Beobachtung der Psychologin zeigen. Fürs Erste, haben meine Praktikumslehrperson, die Mapi und ich entschieden, pädagogische Massnahmen zu ergreifen, die in unserer Möglichkeit liegen.

Um seine Französischnoten insbesondere Diktatnoten zu verbessern, hat die Mapi ihm zwei Mittel zur Verfügung gestellt, damit er eine erfolgreiche Diktatvorbereitung durchführen kann: „La fleure magique“ und „PAVOH“. Diese zwei Vorbereitungsmittel nutzte ich nun um Leo während den Lektionen zu helfen. Ich klebte mit ihm das Wort „PAVOH“ auf seine Pultmappe, damit er nie vergisst, diese Strategie zu nutzen. Am Schluss wenn er sein Diktat verbessert und kontrolliert, kann er immer auf diese Strategie zurückgreifen. Ich bin nach dem Diktat, während der Korrekturphase, immer zu Leo gegangen und habe ihn darauf aufmerksam gemacht, dass er die „PAVOH“-Methode nicht vergisst zu erledigen. Die Mapi entschied sich mit den Eltern Kontakt aufzunehmen, um ihnen „La fleure magique“ zu erklären und sie zu bitten, dieses Hilfsmittel als Diktatvorbereitung zu nutzen.

Um seine Mathematiknoten zu verbessern, sollte Leo, für dieses Thema, welches wir zu dem Zeitpunkt erarbeitet haben, das Einmaleins „korrekt“ erlernen, damit die Basis geschaffen werden kann um mit Multiples et Diviseurs zu arbeiten. Das Aufarbeiten des Grundwissens, beziehungsweise Vorwissens in den einzelnen Fächern und Themen, ist nach Piaget unumgänglich (vgl. Gruber, 2012). Betrachtet man seine auf dem Konstruktivismus basierende Theorie des möglichen erlernbaren Wissen, ist es zwingend notwendig, gewisse Vorkenntnisse zu besitzen, um weiteres Wissen darauf anzuknüpfen. Die gezeigten Fortschritte während den individuellen Stützkursen haben gezeigt, dass Leo durchaus das Verständnis für diese Aufgaben hatte und nur das Vorwissen fehlte. Was uns wieder zur Aufmerksamkeits- und Konzentrationsfähigkeit bringt. Ich entschied mich Leo zweimal als „Leçon“ das Einmaleins lernen zu lassen. Damit er es erlernen konnte, gab ich ihm ein Arbeitsblatt mit, welches er erledigen durfte, um sich das Einmaleins einzuprägen. Durch spielerische Art kontrollierte ich am Tag darauf, ob er das Einmaleins gelernt hatte. Ich merkte, dass er das Einmaleins schon besser konnte, jedoch sehr viel Zeit daran verbrachte.

Nun möchte ich aber auf das Organisations- und Aufmerksamkeitsdefizit von Leo eingehen. Damit ich seine Organisatorischen Kompetenzen fördern kann, habe ich mich entschieden einen Sticker auf sein Pult zu kleben. Dabei entschied ich mich für einen Sticker, auf welchen ein Rucksack abgebildet war. Dies sollte ihn daran erinnern, jeden Nachmittag, bevor er nach Hause geht, zu kontrollieren, ob er alles gepackt hat. Dies kann ihm dabei helfen, die Hausaufgaben und „leçons“ nicht mehr zu vergessen. Damit er aber in seiner Agenda nachschauen kann, was er alles mitnehmen muss, damit er seine Hausaufgaben und „leçons“ nicht vergisst, muss der Eintrag in der Agenda niedergeschrieben sein. Deshalb muss verifiziert werden, ob Leo die Hausaufgaben und „leçons“ auch in seine Agenda kopiert. Um zu verhindern, dass Leo abschweift mit seinen Gedanken, sollte man ein Auge auf Leo während den Stunden werfen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
„La fleure magique“ und „PAVOH“ als Strategie beim Schreiben von Diktaten. Individuelle Förderung im Rechtschreibeunterricht
Autor
Jahr
2015
Seiten
10
Katalognummer
V316363
ISBN (eBook)
9783668280533
ISBN (Buch)
9783668280540
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
pavoh, strategie, schreiben, diktaten, individuelle, förderung, rechtschreibeunterricht
Arbeit zitieren
Marina Grgic (Autor), 2015, „La fleure magique“ und „PAVOH“ als Strategie beim Schreiben von Diktaten. Individuelle Förderung im Rechtschreibeunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/316363

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