Oralität und Literalität. Die Bedeutung und Entwicklung des Wortes und der Schrift


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

14 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Oralität

3. Literalität
3.1 Entwicklung der Literalität
3.2 Literalität und Medien

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Oralität und Literalität als Möglichkeit der Kommunikation und der Weitergabe von Wissen und Informationen sind wichtige Fähigkeiten, heute genau wie damals. Doch was genau bedeutet eigentlich Oralität? Und was unterscheidet sie von der Literalität? Diese Fragen werde ich in dieser Arbeit klären. Des Weiteren werde ich darauf eingehen, welchen Stellenwert Literalität für Kulturen damals hatte und heute hat, wie sie sich entwickelt hat und wie sie möglicherweise sogar zur Entwicklung beigetragen hat. Auf einige wichtige Aspekte hat auch schon Eric A. Havelock Antworten gefunden und daher möchte ich seine Ausführungen als Grundlage für meine Arbeit verwenden.

Der Stellenwert der Schrift hat sich maßgeblich verändert und sie bringt sowohl viele Vorteile mit sich, als auch einige Nachteile, wenn man den Kritiken glauben mag. Ich werde mich unter anderem eben mit dieser Kritik beschäftigen, und versuchen, diese ein wenig zu entkräften. Die Sprache ist das wichtigste Medium, und die Schrift, als Instrument zur Erweiterung dieses Mediums, ist ebenso wichtig.

2. Oralität

Oralität bezeichnet die mündliche Überlieferung von Geschichte, Informationen und Wissen. Die Schrift ist nicht nötig, um Gedanken zu vermitteln und jegliche Kommunikation kann ausschließlich oral sein. Wie auch Havelock anmerkt, ist die Oralität grundlegend und natürlich für die Menschheit, wohingegen sich die Literalität als ein Zufall menschlicher Entwicklung zeigt.[1] Oralität ist mindestens so alt wie die Menschheit. Über die Jahre hinweg vermochte es der Mensch, Sprache zu erwerben und zu perfektionieren um zu kommunizieren.[2] Der Spracherwerb liegt sozusagen in seinen Genen und es bedarf nicht sehr viel Arbeit oder Intelligenz, diese zu erwerben. Jeder Mensch, insofern er keine Behinderung hat, kann und wird Sprache erlernen und diese nutzen, um zu kommunizieren.

Literalität und Oralität unterscheiden sich maßgeblich darin, Gedanken und Wissen zu organisieren und weiterzugeben.[3]

Sauer beschreibt die Unterschiede zwischen oralem Denken und literalem Denken genauer. Aufgrund der Flüchtigkeit der Gedanken, ist es sehr wichtig, Gedanken so zu strukturieren, damit möglichst viele Inforationen erhalten bleiben. Viele Gedanken sollen dem menschlichen Gedächtnis erhalten bleiben, was durch die Menge der Gedanken natürlich schwierig ist, also muss das Gehirn gewisse Prozesse entwickeln um dies möglich zu machen. Sauer beschreibt das Denken in der Oralität mit fünf Adjektiven.[4] Zum einen sei Orales denken additiv. Einzelne Informationen werden aneinandergereiht und sind somit leichter zur merken. Außerdem sei orales Denken aggregativ, d.h. bekannte Informationen werden zusammengehalten. Durch diesen Prozess entstehen Sprichwörter, denn bestimmte Inhalte werden oft auch mit dem gleichen Wortlaut wiedergegeben. Weiter sei orales Denken konservativ und traditionalistisch, d.h. es wird wiederholt und immer wieder auf bekannte Informationen zurückgegriffen und diese seien somit vor Verlust geschützt. Außerdem sei orales Denken homöostatisch, was bedeutet, dass unwichtig gewordene Informationen herausgeschnitten werden um gewissermaßen Platz zu machen für neue Informationen, die relevant sind. Und zuletzt sei es situativ und lebensnah. Das bedeutet, Ereignisse können nicht von den Personen losgelöst werden und beziehen sich somit auf konkrete Geschehen.[5] Wir stellen also fest, dass sich orales Denken auf gewissen Operationsweisen und Prozesse und Eigenschaften stützt, die neben dem Spracherwerb genauso natürlich entstehen. Es liegt nicht bei uns, zu entscheiden, welche Informationen wir vergessen und welche wir behalten, es handelt sich hier um eine Eigendynamik unseres Gedächtnis’, das uns hilft, die Fülle der Informationen zu verarbeiten und nach Relevanz zu ordnen.

3. Literalität

Wie steht es nun aber mit dem Denken in der Literalität? Im Gegensatz zur Oralität beschreibt die Literalität die Lese- und Schreibfähigkeit, fälschlicherweise oft verknüpft mit den Begriffen Bildung und Intelligenz.

Der Begriff Literalität ( von lateinisch littera – „Buchstabe“) ist verwandt mit dem englischen

Literacy (übersetzt als „Lese- und Schreibfähigkeit“ oder „Bildung“), und wird als Fremdwort auch in der deutschen Sprache mit dieser Bedeutung verwendet. Das Gegenstück, die illiteracy, wird aus dem englischen entweder mit „Analphabetismus“ oder „ohne Bildung“ übersetzt.[6]

Welche Zusammenhänge es tatsächlich zwischen Literalität und Bildung gibt, sehen wir später. Zunächst schauen wir uns an, wie Sauer nun das Denken in der Literalität im Vergleich zum Denken in der Oralität beschreibt.

Das Denken in der Literalität ist vereinfacht, weil es, wie Sauer beschreibt, nicht weiter vom individuellen Gedächtnis abhängig ist. Literalität ist eine Möglichkeit, Informationen und Erlebtes nun außerhalb des Gedächtnis’ festzuhalten, zu dokumentieren und weiterzugeben. Man ist durch die Entwicklung der Literalität also nicht länger auf die Oralität, bzw. orales Denken beschränkt. Wir haben die Möglichkeit gezielt auf Informationen außerhalb unseres Gedächtnis’ zuzugreifen. Außerdem haben wir die Möglichkeit, Gedanken durch die Schrift zu fixieren, zu ordnen und zu kontrollieren. Durch die Entstehung der Literalität sind Informationen nicht weiter beschränkt, d.h. es ist nicht homöostatisch. Es müssen keine irrelevanten Informationen gelöscht werden, um neue aufnehmen zu können, ganz im Gegenteil. Der Vorteil der Literalität ist, dass sie Wissen konservieren und anhäufen kann, was zu einer gewaltigen Vermehrung des Wissens führt.[7]

Durch die Konservierung von Wissen durch die Schrift stellt sich nun natürlich die Frage nach der Wahrheit. Während gesprochenes grundsätzlich aktuell ist und ständig aktualisiert wird, besteht die Möglichkeit der Veraltung des Wortes. Es findet kein selektives Vergessen statt und dies zeugt von der „Authentizität der Geschichte“.[8]

Die Schrift ist konstant und widerspenstig, weshalb früher zu sehr konsequenten Maßnahmen, wie z.B. Bücherverbrennung, gegriffen wurde, um das Wort aus den Gedanken der Menschen zu verbannen. Geschriebenes kann nicht einfach gelöscht werden, es ist eine dauerhafte Information, und hier besteht vielleicht wirklich ein Nachteil. Denn falsche Informationen, noch so schön formuliert, sind falsch. Es ist also wichtig, eine Möglichkeit der Aktualisierung der Schrift zu haben, weshalb Bücher heutzutage viele Auflagen haben. Bei genauer „Wartung“ ist es also gar nicht notwendig, Bücher komplett zu verbannen, sie müssen jedoch auf den neusten Stand gebracht werden.

[...]


[1] Eric A. Havelock, „Gesprochener Laut und geschriebenes Zeichen“, in: Claus Pias/Joseph Vogl/ Lorenz Engell/Oliver Fahle/Britta Neitzel (Hrsg.), Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard. München 1999, S. 81-94, hier S. 81.

[2] Ebd., S. 87.

[3] Silke Sauer, „Oralität und Literalität. Ihre Bedeutung für Kommunikation und Bibelübersetzung“ in: Klaus Fiedler/Klaus W. Müller/Eberhard Troeger/Cristof Sauer/Christine Schirrmacher/Thomas Schirrmacher/Friedhilde Stricker (Hrsg.), Mission Scripts, Bd. 4, Bonn 1995, S. 17.

[4] Ebd., S.18.

[5] Vgl. Sauer, Oralität, S.18-19.

[6] http://de.wikipedia.org/wiki/Literalit%C3%A4t

[7] Vgl. Sauer, Oralität, S.20-22.

[8] Ebd., S.21.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Oralität und Literalität. Die Bedeutung und Entwicklung des Wortes und der Schrift
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Modelle des Medienwandels
Note
2,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V317011
ISBN (eBook)
9783668162426
ISBN (Buch)
9783668162433
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Walter Ong, Oralität, Literalität, Schrift, Medien, Medienwandel, Havelock
Arbeit zitieren
Stephanie Steimel (Autor), 2014, Oralität und Literalität. Die Bedeutung und Entwicklung des Wortes und der Schrift, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317011

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