Der Begriff der didaktischen Reduktion kann für jede Fachdisziplin Anwendung finden. Im Religionsunterricht findet natürlich auch eine Form der didaktischen Reduktion ihren Platz: das so genannte Elementarisierungsmodell.
In meiner Arbeit soll eben dieses Elementarisierungsmodell als Grundlage dienen. Im Folgenden werde ich kurz auf den eigentlichen Begriff der Elementarisierung eingehen und die Entstehung des Elementarisierungsmodells nach Karl Ernst Nipkow und Friedrich Schweitzer darstellen. Eine genaue Aufteilung des Modells in fünf Dimensionen soll dessen Tiefe verdeutlichen. In Kapitel 4, soll das Elementarisierungsmodell als Prinzip der Unterrichtsvorbereitung genauer betrachtet und eine Überlegung angestellt werden, wie Religionslehrer und -lehrerinnen dieses für Ihren Unterricht fruchtbar machen können. Gegen Ende meiner Arbeit möchte ich versuchen, drei der fünf Dimensionen am Beispiel des Gleichnisses vom verlorenen Sohn (LK 15, 11-32) möglichst praxisnah zu verdeutlichen.
Zum täglichen Brot eines jeden Lehrers gehört auch die Vorbereitung von Unterricht und damit auch die Überlegung, wie man Schülern einen (komplexeren) Sachverhalt näher bringt. Nun gibt es viele Ansätze, welche die Weitergabe von Lernstoff beschreiben und vereinfachen sollen. Der wohl am häufigsten verwendete Ansatz ist die so genannte didaktische Reduktion. „Man versteht darunter alle Maßnahmen, komplexe, umfangreiche oder schwierige Unterrichtsstoffe so zu verfeinern (...), dass sie von Schüler/innen eines bestimmten Lern- und Entwicklungsalters, aufgenommen und verstanden werden können“.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung und Entstehung
2.1 Begriffserklärung
2.2 Entstehung nach Nipkow und Schweitzer
3. Die fünf Dimensionen des Elementarisierungsmodells
3.1 Elementare Struktur
3.2 Elementare Erfahrungen
3.3 Elementare Zugänge
3.4 Elementare Wahrheiten
3.5 Elementare Lernwege
4. Elementarisierung als Unterrichtsvorbereitung
5. Elementarisierung am Beispiel des verlorenen Sohns
5.1 Elementare Struktur am Beispiel Lk 15, 11-32
5.2 Elementare Erfahrungen am Beispiel Lk 15, 11-32
5.3 Elementare Zugänge am Beispiel Lk 15, 11-32
6. Fazit / Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Tübinger Elementarisierungsmodell als didaktisches Konzept zur Vorbereitung und Gestaltung von Religionsunterricht. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie komplexe religiöse Inhalte durch die fünf Dimensionen des Modells für Schüler zugänglich gemacht werden können, indem individuelle Lebenswelten und Erfahrungshorizonte in den Lernprozess integriert werden.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte des Elementarisierungsmodells nach Nipkow und Schweitzer.
- Detaillierte Analyse der fünf Dimensionen: Struktur, Erfahrung, Zugänge, Wahrheiten und Lernwege.
- Anwendung des Modells auf die Unterrichtsvorbereitung im Fach Katholische Religionslehre.
- Praxisnahe Veranschaulichung des Modells am Gleichnis vom verlorenen Sohn (Lk 15, 11-32).
Auszug aus dem Buch
3.1 Elementare Struktur
Friedrich Schweitzer umschreibt die Dimension der elementaren Struktur sehr trefflich mit: „Der Sache Kern“ 10. Dieser „Kern“ beschreibt den ersten Schritt von Unterricht, das Problem der Auswahl. Natürlich gibt es heutzutage einen Kernlehrplan in jedem Unterrichtsfach. Darin ist genau vorgegeben, welche Themenblöcke behandelt und welche Kompetenzbereiche durch Unterricht gefördert und abgedeckt werden sollen. Doch trotzdem steht jeder Lehrer und jede Lehrerin vor der Frage, wie diese Ziele erfolgreich umgesetzt werden können.
Wie strukturiere ich meinen Unterricht? Welches Beispiel nutze ich zur Erarbeitung des vorgeschriebenen Themas? Welche Art von Medien möchte ich nutzen um Schülerinnen und Schülern guten Unterricht zu ermöglichen? Und vor Allem, wie reduziere den zu lernenden Stoff auf das Wesentliche, ohne dabei die Aussagekraft und den „roten Faden“ zu verlieren? „In gewisser Weise markiert dieser Schritt der Auswahl überhaupt den Unterschied zwischen dem Leben und einer speziell für Zwecke von Erziehung und Bildung eingerichteten Institution wie den Unterricht.“ 11 Betrachtet man den Religionsunterricht in seiner ganzen Komplexität, so stellt man schnell fest, dass gerade die Notwendigkeit einer gezielten Auswahl inklusive einer sinnigen didaktischen Reduktion der Inhalte bestehen muss.
Alleine die Bibel, als maßgebliche Quelle des Christentums, bedarf einer angemessenen Auswahl für den Unterricht relevanter Themen und Texte. Ebenso spielen aber auch die geschichtliche Entwicklung des Christentums und dessen Bedeutung und Verständnis in der Gegenwart, gesellschaftliche und globale Ereignisse sowie andere Glaubensrichtungen und Religionen eine bedeutende Rolle im modernen Religionsunterricht und sollten deshalb auch auf wesentliche und besonders auf lebensnahe Aspekte reduziert werden. Auch hier gilt der Grundsatz, den relevanten Stoff zu vermitteln ohne den Sinngehalt zu verlieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Ziel der Arbeit definiert, das Elementarisierungsmodell als didaktische Grundlage für einen verständlichen Religionsunterricht zu etablieren.
2. Begriffserklärung und Entstehung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der Elementarisierung und zeichnet die Entwicklung des Tübinger Modells durch Nipkow und Schweitzer nach.
3. Die fünf Dimensionen des Elementarisierungsmodells: Die theoretischen Kernbereiche des Modells (Struktur, Erfahrung, Zugänge, Wahrheiten, Lernwege) werden einzeln detailliert beschrieben.
4. Elementarisierung als Unterrichtsvorbereitung: Es wird analysiert, wie Lehrkräfte das Modell nutzen können, um Unterrichtseinheiten zielgerichtet und schülerorientiert zu planen.
5. Elementarisierung am Beispiel des verlorenen Sohns: Das biblische Gleichnis wird als konkretes Fallbeispiel zur Anwendung der ersten drei Dimensionen des Modells herangezogen.
6. Fazit / Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung des Modells als wirksames Instrument für multiperspektivischen Religionsunterricht.
Schlüsselwörter
Elementarisierung, Religionspädagogik, Religionsunterricht, Elementarisierungsmodell, Karl Ernst Nipkow, Friedrich Schweitzer, Didaktik, Unterrichtsvorbereitung, Didaktische Reduktion, Erfahrungsorientierung, Bibeldidaktik, Korrelationsmodell, Lernwege, Schülerorientierung, Vermittlung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Elementarisierungsmodell in der Religionspädagogik als methodischem Ansatz für eine gelungene Unterrichtsvorbereitung und -gestaltung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die didaktische Reduktion von Stoff, die Einbindung der Lebenswelt von Schülern sowie die Verschränkung von biblischen Inhalten mit individuellen Erfahrungshorizonten.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Tübinger Modell Religionslehrern dabei hilft, Unterricht so zu gestalten, dass er für Kinder und Jugendliche authentisch und bedeutsam wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Fachliteratur zur Religionsdidaktik und eine exemplarische Anwendung des Modells auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die fünf Dimensionen des Modells theoretisch fundiert und anschließend auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn angewendet, um die Praxisrelevanz zu unterstreichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Elementarisierung, Religionspädagogik, Didaktik, Schülerorientierung und Erfahrungshorizont charakterisiert.
Warum ist das "Sitz im Leben" für das Beispiel des verlorenen Sohns wichtig?
Das Konzept des "Sitz im Leben" hilft Schülern, eine Brücke zwischen den zwischenmenschlichen Beziehungen in der biblischen Parabel und ihren eigenen Erfahrungen mit familiären Strukturen zu schlagen.
Inwiefern spielt der "Mehrfarbigkeit"-Aspekt eine Rolle im Unterricht?
Mehrfarbigkeit bedeutet im Kontext des Modells, dass verschiedene Interpretationen und Zugänge zu einem Thema zugelassen werden müssen, um der Individualität der Schüler gerecht zu werden.
- Quote paper
- Max Jung (Author), 2015, Elementarisierung im Religionsunterricht. Die fünf Dimensionen des Elementarisierungsmodelles nach Nipkow und Schweitzer als Prinzip der Unterrichtsvorbereitung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317086