Natur und Megalithgrab. Gefährung des Megalithenbestandes durch direkte und indirekte florale Einflüsse am Denkmal sowie der unmittelbaren Umgebung

Probleme und Lösungsansätze


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014
23 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Megalithgrab und Natur: Beispiele
II.1. Die Fundplatzgruppe "Lüdelsen"
II.1.a. Der Fundplatz "Lüdelsen 1"
II.1.b. Der Fundplatz "Lüdelsen 3"
II.1.c. Der Fundplatz "Lüdelsen 6"
II.2. Der Fundplatz "Munkwolstrup" - Arnkiel-Park
II.3. Der Fundplatz "Kleinenkneten" - Wildeshauser Geest
II.4. Der Fundplatz "Oldendorfer Totenstatt" - Lüneburger Heide

III. Das Bodendenkmal in der Natur - Probleme und die Folgen

IV. Natur und Denkmal - Zusammenwirken

V. Fazit

VI. Literatur

VII. Quellen

VIII. Abbildungen/Abbildungsverzeichnis

I. Einleitung

Etwa 5000 v. Chr. tritt an den Küsten der iberischen Halbinsel und an der französischen Westküste punktuell ein Phänomen auf, welches sich in den nächsten 3000 Jahren über ganz Nordeuropa und den Mittelmeerraum ausbreiten sollte. Überall in den genannten Regionen treten Anlagen aus großen Steinen auf, die heute als Megalithanlagen (Großsteinanlagen) bezeichnet werden.

Die Menschen dieser Zeit lassen sich allerdings nicht über Raum und Zeit in ein Kulturkonzept pressen; die lokalen Ausformungen bleiben im Fundmaterial und dem rekonstruierbaren kulturellen Leben unvereinbar. Die Megalithbauten in Nordeuropa stehen im chronologischen und geographischen Bezug zu den sog. Trichterbechergruppen. Sie decken damit im Kern den Zeitraum von 3600 v. Chr. - 3100 v. Chr. ab. Vermutlich errichteten die verschiedenen Regionalgruppen dabei mehrere zehntausend Megalithanlagen, von denen heute nur mehr ein Bruchteil erhalten sind.

Die großen megalithischen Kammeranlagen dienten dabei nachgewiesen als Grabstätten. In vielen Fällen wurden diese wohl kollektiv genutzt und auch angelegt, wobei in vielen Anlagen 200 und mehr Bestattungen nachgewiesen werden konnten, die wohl nicht zeitgleich erfolgten. Speisereste sowie Unmengen zerschlagener Keramik deuten auf kultische Handlungen hin; denkbar sind Speiserituale in direkter Nähe zu den Ahnen, vielleicht im Kontext von Nachbestattungen in der Grabkammer. Somit gehören die hier vorgestellten Beispiele zu den archäologischen Bodendenkmalen; spezifisch handelt es sich um Grabstätten.

Der heutige Bestand ist äußerst gefährdet. Hat die direkte Bedrohung durch den Menschen eher abgenommen, sind diese Denkmale oftmals durch ihre Lage, dem sie umgebenden mittelbaren und unmittelbaren Naturraum, in ihrer Erhaltung bedroht.

Anhand einiger Beispiele sollen die spezifischen Probleme anhand einiger geeigneter Beispiele aufgezeigt und Lösungsansätze vorgestellt werden; die Reihenfolge der Vorstellung sowie der jeweilige Umfang in der Beschreibung ist der Gewichtung in der Argumentation geschuldet.

II. Megalithgrab und Natur: Beispiele

II.1. Die Fundplatzgruppe "Lüdelsen"

Die Großsteingrabgruppe Lüdelsen besteht aus insgesamt sechs Megalithgräbern (Fundplätze 1 bis 6). Die ersten fünf Anlagen orientieren sich in ihrer Lage in Ost-Westrichtung; parallel zu dem nach Süden hin abfallenden Hang und dem 200 m entfernten Flüsschen Hartau liegen sie nördlich der zwischen Lüdelsen und Stöckheim verlaufenden Kreisstraße 1118 am Rande eines Forstgebietes. Bei diesen Gräbern handelt es sich um vier Großdolmen, z. T. mit erhaltener und sichtbarer Steinumfassung, und um einen Polygonaldolmen mit zwei Wandsteinpaaren, der vermutlich nie eine Steinumfassung besaß[1].

Etwa 800 m westlich vom Fundplatz 3 befindet sich der isoliert liegende Fundplatz 6. Die im Volksmund „Königsgrab“ genannte Anlage unterscheidet sich von den fünf anderen Großsteingräbern; sowohl die Grabkammer als auch die Grabumfassung aus Findlingen hebt sich durch die Ausmaße von den übrigen Gräbern ab[2]. Im Rahmen dieser Arbeit sollen die Fundplätze 1, 3 und 6 näher betrachtet werden.

II.1.a. Der Fundplatz "Lüdelsen 1"

Das gut erhaltene Großsteingrab liegt etwa 40 m nördlich der Kreisstraße nach Stöckheim in Feldlage, unweit des westlich beginnenden Forstgebietes. Die Wandsteine der Kammer sind heute noch zum größten Teil durch die Hügelschüttung bedeckt. Bei dieser Grabanlage handelt es sich um einen sogenannten Polygonaldolmen. Bei dieser Form des Großsteingrabes, die in Sachsen-Anhalt zu den seltenen Formen gehört, erscheint die Grabkammer durch die Anordnung der Orthostaten[3] polygonal und wird von einem einzigen, zumeist riesigen Deckstein noch oben horizontal verschlossen[4].

Der Hügel erscheint in seiner rezenten Form spitzoval. Die Ursache für diese Form ist sicherlich in der modernen Ackerbewirtschaftung zu suchen. Diese Form ist typisch für angepflügte Rundhügel. Im Bereich der heutigen Hügelkrone befinden sich zwei unterschiedlich große Laubbäume. Diese sind um 1890 noch nicht vorhanden gewesen. Ferner herrscht ein flacher, deckender Bewuchs vor[5].

II.1.b. Der Fundplatz "Lüdelsen 3"

Das sehr gut erhaltene Megalithgrab befindet sich nördlich der zwischen Lüdelsen und Stockheim verlaufenden Kreisstraße. Rund 30 m von der Straße entfernt gelangt man auf einem Waldweg, der Schäferbahn, zur Fundstelle. Der Weg fuhrt direkt östlich an den Decksteinen des Grabes vorbei. Im Jahr 2006 war der Grabhügel nur vage im Wald und vom Wegesrand aus zu erkennen. Sichtbar waren lediglich zwei Decksteine sowie ein bis dahin nicht näher in seiner Funktion erkennbarer L-formiger Stein, der unter dem kleineren Deckstein herausragte[6].

Im Jahr 2004 wurde das Megalithgrab im Rahmen einer Begehung untersucht und u.a. photographisch dokumentiert. Auf einer Photographie ist ein Bewuchs des fast vollständig die Kammer bedeckenden Hügels durch mindestens einen Baum zu erkennen. Ferner ist eine Störung der Anlage im Bereich des Waldweges zu beobachten[7].

Im Rahmen des DFG-Projektes "1400"[8] wurde das Megalithgrab von Juli bis Oktober 2007 vollständig ausgegraben. Im Vorfeld mussten einige Bäume gefällt werden, von denen sich fünf in unmittelbarer Nähe des Megalithgrabes befanden. In diesen Bereichen musste mit erheblichen Störungen durch Baumwurzeln gerechnet werden. Diese zeigten sich dann auch im weiteren Verlauf der Grabung. Die Wurzeln der größeren Bäume führten zu erheblichen Zerstörungen in dem die Grabkammer konzentrisch umlaufenden Trockenmauersystem, welches wohl zum Schutz vor Erosion angelegt wurde[9]. Weitere Störungen konnten im Bereich des Waldweges beobachtet werden. Diese ließen sich auf Erd-, Räum- sowie Sprengmaßnahmen aus dem Jahre 1952 zurückführen und stehen im Zusammenhang mit der Anlage der "Schäferbahn"[10].

Im Vorfeld der Ausgrabungen machten sich Raubgräber oder Steindiebe an dem Megalithgrab zu schaffen. Dabei wurde der Waldboden westlich des großen Decksteins auf einer Breite von etwa 40 cm durchwühlt[11].

Eingriffe dieser Art kommen leider immer wieder vor und werden oft mit großer Dreistigkeit durchgeführt. So versuchte z.B. ein niedersächsischer Steinmetzbetrieb Ende der 1990er Jahre, den Deckstein eines Megalithgrabes abzubauen[12].

Im Jahr 2008 wurde das Megalithgrab anhand der Grabungsbefunde aus der ersten Bauphase rekonstruiert (3550 v. Chr.). Mittlerweile ist die Anlage dicht und flach bewachsen, wobei Bäume im unmittelbaren Bereich der Rekonstruktion fehlen[13]. Die Pflege wurde u.a. vom Verein "Junge Archäologen in der Altmark e.V.[14] " übernommen. Dieser half ebenfalls bei den Ausgrabungen und Einrichtung des Wanderweges sowie der Pflege der Denkmale[15].

II.1.c. Der Fundplatz "Lüdelsen 6"

Das im Volksmund als "Königsgrab" bezeichnete Megalithgrab zählt zu den größten und besterhaltenen Großsteingräbern der Altmark. Die sehr gut erhaltene Anlage liegt zwischen Wölbäckern, die das Grab jedoch nicht tangieren sowie auch nicht die Grabumfassung gestört haben[16].

Die Megalithgrabanlage ist wesentlich jünger als die anderen fünf Fundplätze. Diese und weitere Erkenntnisse wurde im Rahmen mehrerer Grabungskampagnen ab 2009 gewonnen[17].

Die gesamte Anlage ist von einem flächigen, niedrigen Bewuchs bedeckt, wobei die Orthostaten sowie die Decksteine frei liegen und allenfalls bemoost erscheinen. Diese wurden im Rahmen der Untersuchungen im Jahr 2009 von Flechten und Moosen sowie Gestrüpp befreit[18]. Auf dem Bodendenkmal bzw. im unmittelbar tangierenden Bereich lässt sich ein rezenter Baumbestand nicht beobachten; es finden sich allerdings Baumstümpfe jüngeren Datums von gefällten Laubbäumen[19].

II.2. Der Fundplatz "Munkwolstrup" - Arnkiel-Park

In der Gemeinde Sankelmark, Kreis Schleswig – Flensburg, östlich der Landesstraße L317, befindet sich ein etwa 2 ha großes jungsteinzeitliches Gräberfeld, bestehend aus sieben Megalithbauten. Trotz Steinraub zum Haus- und Straßenbau in den letzten Jahrhunderten zeigen sich die Megalithbauten in einem sehr guten Zustand. Das ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Gelände in den letzten Jahrzehnten nicht gepflügt wurde, sondern nur als Weide genutzt wurde. Das ganze Areal wurde schon 1920 unter Denkmalschutz gestellt, die eigentlichen Gräber gingen 1974 in den Besitz des Kreises über.

Im Juli 2000 begannen die großflächigen Ausgrabungen. Nach dreijähriger Grabungszeit wurde dann im Mai 2004 mit der Rekonstruktion eines Langbettes begonnen. Dabei stützte sich das Team um Dr. Zich sowohl auf die Grabungsbefunde als auch auf die Überlieferungen des Probstes Arnkiel aus dem Jahre 1690. Ab dem Jahre 2003 wurde parallel dazu die Einrichtung eines archäologischen Landschaftsparks voran getrieben. Im Rahmen seiner Diplomarbeit entwarf der Student der Landschaftsarchitektur Lars Becherer ein Gesamtkonzept, welches dann auch in reduzierter Form umgesetzt werden konnte[20].

Das rekonstruierte Langbett zeigt einen gepflegten Grasbewuchs. Die übrigen sechs Megalithgräber sind, teilweise sehr dicht, mit Bäumen bewachsen (überwiegend alte Rot- und Weißdornbäume)[21]. Ende Oktober zog Orkan "Christian" über Norddeutschland hinweg und sorgte für große Zerstörungen[22]. Dabei kam es ebenfalls zu gravierenden Zerstörungen an mehreren Megalithanlagen im Arnkiel-Park, bedingt durch massive Baumwürfe[23].

II.3. Der Fundplatz "Kleinenkneten" - Wildeshauser Geest

Die hier behandelten Megalithanlagen liegen an der "Strasse der Megalithkultur"[24] im Naturpark Wildeshauser Geest. Dieser ist mit 1500 Quadratkilometern Fläche einer der größten Naturparks in Deutschland[25].

Die beiden Megalithgräber "Kleinenkneten I und II" liegen beide südlich von Wildeshausen in einem kleinen Waldstück. Beide Fundplätze wurden in den Jahren 1934 bis 1939 ausgegraben. Intention dieser Untersuchungen war die Annahme der zu dieser Zeit nationalsozialistisch geprägten Archäologie, bei den Steinen handele es sich um Fundamente eines germanischen Heiligtums[26]. In der Folge wurde das Megalithgrab "Kleinenkneten I[27] " rekonstruiert. Dabei wurden erstmals Berechnungen zur Arbeitsleistung angestellt[28]. Die Anlage befindet sich in einem guten und gepflegten Zustand und ist frei von Baumbewuchs. Es ist lediglich ein Gras- und Sträucherbewuchs zu beobachten. Die benachbarte Anlage "Kleinenkneten II[29] " wurde nicht rekonstruiert. Sie wirkt ebenfalls sehr gepflegt und ist frei von Baumbewuchs[30].

[...]


[1] Demnick et al. 2008a, 2; Demnick et al. 2008b, 231f.; Fritsch et al. 2012.

[2] Demnick et al. 2008a, 3.

[3] Als Orthostaten werden in der Archäologie die aufrecht stehenden Wandsteine in der Megalithgrabarchitektur bezeichnet.

[4] Bock/Fritsch/Mittag 2006, 114.

[5] Die Einschätzung beruht auf den Angaben bei Bock/Fritsch/Mittag 2006 sowie einer persönlichen Begehung im Dezember 2012; Abb. I.

[6] Demnick et al. 2008a, 2; Demnick et al. 2008b, 232f.

[7] Bock/Fritsch/Mittag 2006, 117.

[8] Projekttitel: Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung. Vgl. http://www.monument.ufg.uni-kiel.de/

[9] Demnick et al. 2008a, 8.

[10] Demnick et al. 2008, 5.

[11] Demnick et al. 2008, 4f.

[12] Fritsch/Mittag 2006, 21. Vgl. dazu Altmarkkreis Salzwedel: Trägersteine eines Großsteingrabes gestohlen: http://www.altmarkkreis-salzwedel.de/desktopdefault.aspx/tabid-72/116_read-697/

[13] persönliche Begehung im Dezember 2012; Abb. II.

[14] Kontakt: Herr Bock, http://www.juebar.eu/ortsteile/j%C3%BCbar/junge-arch%C3%A4ologen/

[15] Fritsch et al. 2011.

[16] Bock/Fritsch/Mittag 2006, 120f.

[17] Vgl. z.B. Versteckte Monumente: http://www.uni-kiel.de/unizeit/index.php?bid=580202; Fritsch et al. 2011.

[18] Diese Informationen entstammen einem Praktikums-/Grabungsbericht eines Grabungsteilnehmers. Ich danke Christiane Krenz an dieser Stelle für die Vermittlung und die Möglichkeit der Einsichtnahme.

[19] persönliche Begehung im Februar 2012; Abb. III.

[20] Petersen 2004, 1f.

[21] persönliche Begehung im August 2008; Abb. IV.

[22] Vgl. http://www.dwd.de/bvbw/generator/DWDWWW/Content/Presse/Hintergrundberichte/2013/ Orkantief__Christian__PDF,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Orkantief_Christian_PDF.pdf

[23] http://www.arnkiel-park.de/de/aktuelles.html - hier: Orkan "Christian" sucht Gräberfelder heim, mit mehreren Photographien der Schäden.

[24] Vgl. http://www.strassedermegalithkultur.de/

[25] Vgl. http://www.wildegeest.de/; http://www.wildegeest.de/kultur-erleben/strasse-der-megalithkultur/

[26] Michaelsen 1987, 215ff.; Steffens 1975, 102.; Gerdsen 1987.

[27] Sprockhoff 1975, 957, lfD 600; Fansa 1992, 128; Nr. 48; Brockmann/Schillmöller 1999, 17.

[28] Müller 1990, 210ff.

[29] Sprockhoff 1975, 958, lfD 601; Fansa 1992, 130, Nr. 49.

[30] persönliche Begehung im September 2008 (Kleinenkneten I und II); Abb. V, VI.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Natur und Megalithgrab. Gefährung des Megalithenbestandes durch direkte und indirekte florale Einflüsse am Denkmal sowie der unmittelbaren Umgebung
Untertitel
Probleme und Lösungsansätze
Hochschule
Hochschule Anhalt - Standort Dessau  (Architektur/Denkmalpflege)
Veranstaltung
Denkmal und Natur - Methodologie der Denkmalpflege I
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V317146
ISBN (eBook)
9783668172531
ISBN (Buch)
9783668172548
Dateigröße
2154 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
natur, megalithgrab, gefährung, megalithenbestandes, einflüsse, denkmal, umgebung, probleme, lösungsansätze
Arbeit zitieren
Marco Chiriaco (Autor), 2014, Natur und Megalithgrab. Gefährung des Megalithenbestandes durch direkte und indirekte florale Einflüsse am Denkmal sowie der unmittelbaren Umgebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317146

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