Varieties of Capitalism. Nachkriegs-Deutschland und der Versuch einer Einordnung

Industrial Relations, Corporate Governance und Wandel zwischen Nachkriegszeit und Globalisierung


Hausarbeit, 2015
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung ... 2

Varieties of Capitalism ... 3

Die Rolle von Akteuren ... 3
Die Rolle von Institutionen ... 4
Corporate Governance ... 4
Industrial Relations ... 5
Koordinierte Marktwirtschaften ... 6
Liberale Marktwirtschaften ... 8

Integrität und Zerfall der „Deutschland AG“ ... 9

Corporate Governance ... 9
Industrial Relations ... 11
Zusammenfassung ... 12
Einschränkung ... 13

Fazit ... 15

Abbildungen ... 17

Quellenverzeichnis ... 20

Einleitung

Die Bundesrepublik Deutschland wird im Rahmen der „Varieties of Capitalism“ Forschung häufig als ein Wirtschaftssystem beschreiben, das dem Idealtypus der Koordinierten Marktwirtschaft besonders nahe steht und als das „Deutsche Modell“ oder der „Rheinland Kapitalismus“ bezeichnet wird. Dabei steht im Idealbild ein institutioneller Rahmen im Vordergrund, der Arbeitnehmer und Arbeitgeberinteressen eine verbindliche Verhandlungsplattform bietet, den Aufbau von dichten Netzwerken zwischen Industrie und Kapitalgebern fördert, „geduldiges Kapital“ bereitstellt und durch einen ausgeprägten Arbeitsschutz und Sozialstandart gekennzeichnet ist. Das ermöglicht eine von kurzfristigen Marktschwankungen und der Möglichkeit feindlicher Übernahmen unabhängige Unternehmensplanung, eine hoch spezialisierte Qualitätsproduktion, die auf Export orientiert ist und kurzfristigen Marktschwankungen überlegen ist sowie verbindliche und flächendeckende Lohntarife, dessen Rahmenbedingungen durch ein tiefes Verständnis der wirtschaftlichen Situation seitens der Arbeitnehmermitbestimmung gekennzeichnet sind.

In der Realität ist das „Deutsche Modell“ in seiner Idealform jedoch seit Anbeginn seiner Deklaration als solches permanenten Veränderungen unterworfen, die einem Trend folgen, der dem Idealbild bestimmter Interaktionsdimensionen entgegensteht und eine Einordnung in die Varieties of Capitalism Typologie zunehmend erschwert.

Diese Arbeit hat die Beschreibung der Veränderungen entlang wichtiger Dimensionen institutionell bedingter Interaktion im Wirtschaftsraum zum Ziel um die Frage nach der Verortung der BRD in der Varieties of Capitalism Typologie zu beantworten. Dabei wird zunächst die Theorie mit Fokus auf die beiden Interaktionsdimensionen der Corporate Governance und Industrial Relations vorgestellt, wobei die Rolle von Akteuren und Institutionen im Vordergrund steht und die beiden Idealtypen der koordinierten und liberalen Marktwirtschaften kurz skizziert werden. Im Anschluss werden die Veränderungen in der deutschen Empirie vorgestellt, wobei der Fokus dem Theorieteil entsprechend auf Corporate Governance und Industrial Relations liegt. Dabei werden signifikante Veränderungen der Koordinations-Strukturen aufgezeigt, zusammengefasst und eingegrenzt. Zum Schluss werden die Ergebnisse zu einem Fazit gezogen.

Varieties of Capitalism

Die Varieties of Capitalism Theorie setzt sich mit institutionellen Faktoren und strategischen Interaktionsmustern des Handelns von wirtschaftlichen Akteuren auseinander. Die Theorie ist in der politischen Ökonomie und der Politikfeldanalyse der Politikwissenschaft dem „Akteurszentrierten Institutionalismus“ zuzuordnen, da die Perspektive auf den Einfluss institutioneller Faktoren auf Handlungsmuster von Akteuren und die Regelhaftigkeit von dessen Dynamik gerichtet ist. Dabei stehen vor allem Unternehmen als zentrale Akteure im Vordergrund (Hall & Soskice, 2001, S4), da institutionelle Rahmenbedingungen direkte Auswirkungen auf Kosten/Nutzen Einschätzungen der Unternehmen im spieltheoretischen Modell der strategischen Interaktion (Hall & Soskice 2001, S5) haben und Unternehmen als zentrale Akteure bei der Gestaltung der Ausprägung verschiedener Dimensionen, wie der Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen, der Spezialisierung der Produktionsmodi und der Gestaltung der internen Organisation von Unternehmen einer Volkswirtschaft auftreten und diese daher maßgeblich konstituieren. Neben den Unternehmen stehen Kapitalgeber und Arbeitnehmer im Vordergrund, da dessen Organisation und Handlungsorientierungen entscheidenden Einfluss auf die Nutzenkalkulationen von Unternehmen ausüben. Es werden Zusammenhänge auf Basis von Annahmen über Unternehmerverhalten und der Prämisse rationaler Akteure auf Mikro- und Mesoebene auf die Makroebene der Volkswirtschaft übertragen. In diesem Sinne werden institutionelle Rahmenbedingungen nicht einfach als direkte Ursachen für bestimmte Ausprägungen von Ökonomien entlang der Typologie verstanden, sondern als Rahmenbedingungen für die Ausrichtung unternehmerischen Handelns in einem Feld komplexer Interdependenzen und Interaktionen zwischen unterschiedlichen Akteuren (Hall & Soskice, 2001, S6), wobei Unternehmen ins Zentrum der Analyse gestellt werden. Im Rahmen dieser Perspektive wurde eine Typologie erarbeitet, die kapitalistische Volkswirtschaften als Interaktionsbereiche wirtschaftlicher Akteure unter dem Einfluss bestimmter Institutionen entlang zweier Pole verortet: koordinierte und liberale Marktwirtschaften.

Die Rolle von Akteuren

Die Prämissen, die von institutionellen Arrangements ausgehen konstituieren die Handlungsorientierungen von Akteuren im Wirtschaftsraum. Ausgehend von einem rationalistischen Menschenbild sind Akteure wie Unternehmen, Arbeitnehmer, und Kapitalgeber im Allgemeinen an Nutzenmaximierung interessiert. Institutionelle Rahmenbedingungen verändern Nutzenkalkulationen der Akteure, jedoch erschließt sich der Zusammenhang bei der Entstehung bestimmter Merkmale von Volkswirtschaften erst durch die Logik der strategischen Interaktion von Akteuren innerhalb des institutionell determinierten Handlungsrahmens. Die Interaktion zwischen rationalen Akteuren ist aus perspektive der Logik kollektiver Entscheidungen, und der Organisationsökonomie grundsätzlich problematisch, da Interaktion Transaktionskosten und Defektionsrisiken birgt und externe wie interne Akteure Eigeninteressen verfolgen (Hall & Soskice, 2001, S6). Insofern ist die Organisation und Vernetzung von Akteuren mit konkurrierenden Interessen oder das Fehlen dieser Vernetzung von institutionellen Arrangements abhängig, die die Voraussetzungen für die Überwindung von Misstrauen im Interaktionsspiel auf einem grundsätzlich kompetitiven Markt zwischen rational-nutzenmaximierenden Akteuren bieten. Wichtigste Voraussetzung ist in diesem Zusammenhang die Verfügbarkeit von Information über die Situation der Akteure und die Möglichkeit zu gegenseitigen Überwachung. Im Falle des Vorhandenseins entsprechender institutioneller Arrangements, die entweder direkt Sanktionsmöglichkeiten eröffnen, oder Anreize zur Selbstorganisation in entsprechender Weise bieten, verändern sich die Nutzenkalkulationen innerhalb der strategischen Erwartungshaltungen der Akteure, sodass umfassende Vernetzungen unterschiedlichster Art, mit dem Ziel kollektiver Nutzengewinnung, möglich werden. Sind diese wiederum nicht vorhanden, bleibt Kooperation unter der Prämisse rational-nutzenmaximierender Akteure mit konkurrierenden Interessen unwahrscheinlich (Hall & Soskice, 2001, S6).

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Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Varieties of Capitalism. Nachkriegs-Deutschland und der Versuch einer Einordnung
Untertitel
Industrial Relations, Corporate Governance und Wandel zwischen Nachkriegszeit und Globalisierung
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Veranstaltung
Theorien der Politikfeldanalyse in der empirischen Anwendung
Note
1,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V317531
ISBN (eBook)
9783668168442
ISBN (Buch)
9783668168459
Dateigröße
985 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Politikfeldanalyse, Politikwissenschaft, Rheinland-Kapitalismus, Deutschland AG, Varieties of Capitalism, Koordinierte Marktwirtschaft, Liberale Marktwirtschaft, Politische Ökonomie, Empirische Sozialwissenschaft, Empirie, Ökonomie, Shareholder Value, Globalisierung, Finanzkapitalismus, Neo Liberalismus, Neo-Liberal, Neoliberal, Gewerkschaft, Keynianismus, Keynesianismus, Arbeitnehmerinteressen, Hausbank, Deutsche Bank, Cross Shareholding, Arbeitgeberinteressen, Korporatismus, Neo Korporatismus, Pluralismus, Industrial Relations, Corporate Governance, Hausarbeit
Arbeit zitieren
Andrej Mihailik (Autor), 2015, Varieties of Capitalism. Nachkriegs-Deutschland und der Versuch einer Einordnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317531

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