Obwohl die Türkei bereits vor fast 60 Jahren Mitglied der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft werden wollte, hat sie es nie über "Teil-Mitgliedschaften" hinaus geschafft. Doch woran liegt das? Weshalb dauern die Verhandlungen so lange, werden aber auch nicht beendet? Ist es vernünftig, an dieser Erweiterung festzuhalten? Die bisherigen Reformen der Türkei haben schließlich noch nicht gereicht.
Nach wie vor ist die Europäische Union wirtschaftlich und politisch für europäische Staaten interessant und die Anträge auf zukünftige Mitgliedschaft bleiben nicht aus. Aktuell sind Albanien, Mazedonien, Montenegro, Serbien und die Türkei offizielle Beitrittskandidaten der EU. Wenn sie alle Bedingungen und Kriterien der EU erfüllen, können sie zu vollwertigen Mitgliedern werden.
Bei manchen Bewerbern ging der Weg vom potentiellen Beitrittskandidaten zum Beitrittskandidaten und schließlich zum Mitgliedsstaat schnell und bei anderen dauerte es länger, bis alles umgesetzt war. Doch keine Integration dauert so lange wie die der Türkei.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beitrittskandidat Türkei
2.1. Das politische System
2.2. Die wirtschaftliche Situation
2.3. Verhältnis zwischen Laizismus und Islam
3. Die Beziehung zwischen der Türkei und der Europäischen Union
4. Beitrittsvoraussetzungen
4.1. Grundsätzliche und rechtliche Voraussetzungen
4.2. Kopenhagener Kriterium I: politisches Kriterium
4.3. Kopenhagener Kriterium II: wirtschaftliches Kriterium
4.4. Kopenhagener Kriterium III: Acquis - Kriterium
4.5. Aufnahmefähigkeit der Europäischen Union
5. Pro- und Kontra-Argumente eines Beitritts
5.1. Kontra-Argumente
5.2. Pro-Argumente
6. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den komplexen Prozess der türkischen Beitrittsbemühungen zur Europäischen Union. Dabei wird untersucht, inwieweit die Türkei die erforderlichen Kriterien erfüllt, welche historischen und politischen Hürden bestehen und welche Argumente die aktuelle Debatte über einen möglichen Beitritt bestimmen.
- Historische Entwicklung der Beziehungen zwischen der Türkei und der EU
- Analyse des politischen Systems und der wirtschaftlichen Lage der Türkei
- Prüfung der Erfüllung der Kopenhagener Kriterien
- Diskussion von Pro- und Kontra-Argumenten hinsichtlich einer Vollmitgliedschaft
- Rolle des Laizismus im Kontext der türkischen Identität und EU-Werte
Auszug aus dem Buch
2.3. Verhältnis zwischen Laizismus und Islam
Seit der Gründung der Republik durch Kemal Atatürk kommt es zu Spannungen zwischen dem gewünschten Laizismus und dem Islam. Eine Trennung von Staat und Religion und den weltlich orientierten Kräften, die den Staat leiten sollen, stehen dem theokratischen Staat, in dem die Religion alles bestimmt, gegenüber. Diese Standpunkte sind nicht vereinbar, da sie sich beide in ihrer Existenz bedrohen. Die Laizisten sind der Meinung, dass nur die Minimierung des Einflusses der Religion eine Entwicklung und Modernisierung ermöglicht. Das wiederum ist nötig, um die Demokratie zu schützen und gemeinsam zivilisiert zu leben.
Diese sich fast selbsterklärenden und offensichtlichen Standpunkte lenken allerdings vom eigentlich Problem der Türkei ab. Die in der Verfassung festgeschriebenen und offiziell vorhandenen Werte wie Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, kultureller und religiöser Pluralismus werden durch den Laizismus geschwächt. Er beinhaltet nämlich das in Religion und Kultur einheitliche Volk. Vor allem die Religionsfreiheit ist durch die Mehrheitskonfession Sunnismus beschränkt. Andere Glaubensrichtungen sind Minderheiten und somit nicht gewünscht. Der Unterschied liegt also nicht in der Trennung Staat und Religion, sondern zwischen einer autoritären Bürokratenherrschaft mit einer gleichen Nationalreligion oder „dem Ideal von individueller und kollektiver Religionsfreiheit“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Entwicklung der Europäischen Union sowie den langjährigen, bisher erfolglosen Prozess der türkischen Annäherung an die EU.
2. Beitrittskandidat Türkei: Dieses Kapitel behandelt die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der Türkei sowie die spannungsreiche Koexistenz von Laizismus und Islam.
3. Die Beziehung zwischen der Türkei und der Europäischen Union: Der Text beleuchtet die historische Entwicklung der komplexen diplomatischen und institutionellen Bindungen zwischen beiden Akteuren seit der Nachkriegszeit.
4. Beitrittsvoraussetzungen: Hier werden die spezifischen Kopenhagener Kriterien sowie die formellen Anforderungen und die Aufnahmefähigkeit der Union detailliert erläutert.
5. Pro- und Kontra-Argumente eines Beitritts: Dieses Kapitel stellt die gegensätzlichen Positionen gegenüber, die sowohl die notwendigen Reformdefizite als auch strategische Vorteile eines Beitritts abwägen.
6. Ausblick: Der Ausblick reflektiert den aktuellen Stand der Verhandlungen und die Skepsis gegenüber einer Vollmitgliedschaft unter der gegenwärtigen politischen Lage.
Schlüsselwörter
Türkei, Europäische Union, Beitrittsverhandlungen, Kopenhagener Kriterien, Laizismus, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Wirtschaft, Zollunion, Menschenrechte, Minderheiten, Geostrategie, Beitrittskandidat, Reformen, EU-Erweiterung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der langjährigen und schwierigen Annäherung der Türkei an die Europäische Union und den damit verbundenen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zu den Schwerpunkten gehören das türkische politische System, die Rolle des Laizismus, die Einhaltung der Kopenhagener Kriterien und eine Diskussion der Vor- und Nachteile eines EU-Beitritts.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu erörtern, warum der Beitrittsprozess trotz jahrzehntelanger Bemühungen stagniert und ob die bisherigen Reformen ausreichen, um die Türkei als vollwertiges Mitglied in die EU zu integrieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Dokumentenanalyse, die Berichte der Europäischen Kommission, vertragliche Grundlagen sowie politikwissenschaftliche Publikationen auswertet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der aktuellen Lage in der Türkei, die historische Entwicklung der EU-Türkei-Beziehungen, die Analyse der Beitrittskriterien sowie eine Gegenüberstellung von Argumenten für und gegen eine Mitgliedschaft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind EU-Erweiterung, Beitrittskandidat, Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte, Geostrategie und der Transformationsprozess der Türkei.
Welche Rolle spielt die aktuelle Regierung der Türkei für den Beitrittsprozess?
Laut Autorin hat die Regierung unter Erdoğan zu einer neuen Identitätsbildung beigetragen, die sich zunehmend von den europäischen Werten entfernt, was die Beitrittsverhandlungen verlangsamt und erschwert.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Laizismus?
Das Verhältnis zwischen Laizismus und Islam wird als spannungsgeladen beschrieben, wobei die staatliche Auslegung den religiösen Pluralismus einschränkt und damit im Konflikt mit demokratischen Werten der EU steht.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2016, Zur Erweiterung der Europäischen Union. Die Beitrittsperspektive der Türkei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317723