Zusammenhänge zwischen der Fotoplattform Instagram und der Identitätsarbeit bei Jugendlichen


Hausarbeit, 2015

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Identität

3 Die Plattform Instagram

4 Instagram und Identitätsarbeit
4.1 Instagram im Modell alltäglicher Identitätsarbeit
4.2 Beispiele für Identitätsarbeit auf Instagram

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

Die Medien sind in unserer modernen Gesellschaft allgegenwärtig und nehmen Einfluss auf unseren Alltag. Radio, Fernsehen, Zeitung und gerade das Internet sind essenzieller Bestandteil unseres Lebens geworden. Vor allem das Internet mit seinen scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten hat sich in den letzten zwanzig Jahren zu einem bedeutenden Medium entwickelt. Der Einfluss auf nahezu alle Lebensbereiche ist unumstritten. So spielen die Medien auch eine immer größere Rolle bei der Identitätsarbeit von Jugendlichen (vgl. Schorb 2014, 178). Bei der Suche nach der eigenen Identität und nach der Identität der Anderen suchen Jugendliche Antworten in der Welt der Medien (vgl. Schorb 2014, 178). Soziale Netzwerke bieten hier Orientierung und sind in den letzten Jahren zu bedeutenden Plattformen der Selbstdarstellung geworden (vgl. Schorb 2014, 175f.). Neben Facebook sind aber auch stark auf das Visuelle ausgerichtete Netzwerke wie die Fotoplattform Instagram populär geworden (vgl. BITKOM 2014, 28). Aufgrund dieser Popularität stellt sich die Frage, ob die Fotoplattform Instagram in Zusammenhang mit der Identitätsarbeit von Jugendlichen steht. Falls es Zusammenhänge geben sollte, stellt sich anschließend die Frage, wie diese in der Realität aussehen. Die Thematik ist unter anderem auch für den Jugendmedienschutz interessant. So veröffentlichte die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen 2015 einen Artikel zum Thema (vgl. Hajok; Zerbin 2015).

Ausgehend vom Begriff der Identität wird das Modell der alltäglichen Identitätsarbeit von Heiner Keupp u.a. beschrieben. Im Anschluss daran werden der Aufbau und die Funktionen der Plattform Instagram dargestellt. Es werden zentrale Merkmale der Plattform herausgestellt, um im Anschluss die Plattform mit ihren Funktionen in das Modell alltäglicher Identitätsarbeit einzuordnen. Die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen Instagram als Ort der Selbstdarstellung und der Identitätsarbeit von Jugendlichen gibt, wird mit realen Beispielen der Plattform und Übertragungen von anderen Plattformen auf die Plattform Instagram unterlegt werden, sodass eine Deutungsrichtung, welche sich in einer weiteren Arbeit empirisch erforschen ließe, zu erkennen ist. In einem Fazit werden die Ergebnisse der Arbeit in Bezug auf die Fragestellung, wie sich die Zusammenhänge zwischen der Identitätsarbeit Jugendlicher und der Plattform Instagram beschreiben lassen, zusammengefasst und ein Ausblick gegeben.

2 Identität

Um zu beurteilen, ob es Zusammenhänge zwischen der Fotoplattform Instagram und der Identitätsarbeit von Jugendlichen gibt, gilt es erst einmal zu klären, welche Bedeutung hinter dem Begriff Identität steht. Es gibt viele verschiedene Verständnisse von Identität, auch wenn meist die Fragen „Wer bin ich?“ und „Wer sind die Anderen?“ im Mittelpunkt stehen. Gerade deshalb ist es wichtig, eine bestimmte Identitätstheorie als Basis für diese Arbeit zu nutzen.

Identität zeichnet sich laut Brockhaus durch die „völlige Übereinstimmung einer Person oder Sache mit dem, was sie ist oder als was sie bezeichnet wird“ (Brockhaus 2006, 94) aus. In dieser Definition wird implizit auf die Ausbildung einer Persönlichkeit, die als vollendet oder abgeschlossen gilt, hingewiesen. Eine weitere Strömung ging von Erik Erikson aus. Erikson betont in seiner Theorie zwar die Eigenleistung des Individuums in der Identitätsbildung (vgl. Erikson 2013, 137), war aber andererseits der Ansicht, dass das adäquate Durchlaufen der Stufen in seinem populären Stufenmodell in der Kindheit und Jugend für eine gesicherte Basis der Identität in der Adoleszenz sorgt (vgl. Erikson 2013, 149). Heiner Keupp u.a. bauten ihre Forschung ebenfalls auf der Vorstellung einer hohen Aktivität der Subjekte bei der Identitätsbildung auf und arbeiteten mit dem Begriff der Identitätsarbeit (vgl. Keupp u.a. 2002, 215). So entwickelten sie ein modernes Identitätsmodell, das Identität als Prozess und nicht als Wesenheit eines Individuums versteht (vgl. Keupp 2009, 56). In diesem Modell wird im Gegensatz zu Eriksons Stufenmodell und der Definition der Enzyklopädie die Prozesshaftigkeit und Unabgeschlossenheit der Identitätsentwicklung betont (vgl. Keupp u.a. 2002, 215). Außerdem steht hier Identitätsarbeit für den Prozess der sinnhaften und individuellen Verknüpfungsarbeit von Erfahrungsfragmenten (vgl. Keupp 2009, 58). Da dieses Verständnis von Identität in der Kinder- und Jugendforschung häufig vertreten wird und das Modell der alltäglichen Identitätsarbeit von Keupp zudem den gesellschaftlichen Wandel einbezieht (vgl. Keupp 2009, 59), wird im Folgenden dieses Modell aufgegriffen.

In ihrem Forschungsprozess entwickelten Heiner Keupp u.a. ein neues Modell zur Identitätsbildung. Das Modell der alltäglichen Identitätsarbeit legt den Fokus auf die Aktivität und Kreativität der Individuen bei der Identitätsarbeit (vgl. Keupp u.a. 2002, 215). Es arbeitet mit der Annahme, dass Identität nicht gegeben ist, sondern in einem lebenslang andauernden Prozess alltäglicher und permanenter Arbeit entwickelt wird (vgl. Keupp u.a. 2002, 215).

Der Prozess der Identitätsarbeit lässt sich laut Keupp u.a. in zwei Prozesse einteilen: Zum einen in den retrospektiv-reflexiven und zum anderen in den prospektiv-reflexiven Teil. Der retrospektiv-reflexive Teil stellt den „eher reaktiven, Erfahrungen verarbeitenden und bewertenden Teil der Identitätsarbeit“ (Keupp u.a. 2002, 192) dar. Bei diesem Teil stehen die Selbsterfahrungen im Mittelpunkt und Identitätsarbeit wird diesbezüglich als eine Form der Ordnung eigener Erfahrungen gesehen. Bei dem prospektiv-reflexiven Prozess hingegen handelt es sich um den „eher aktiven und zukunftsorientierten, d.h. Erfahrung herstellenden, gestaltenden Teil“ (Keupp u.a. 2002, 192). Hier reflektiert das Subjekt zukunftsorientiert und entwickelt individuelle Identitätsentwürfe, die die Energie für zukünftige Identitätsprojekte liefern. Im Alltag ist die Teilung nicht realisierbar und kann nur unterschiedliche Perspektiven für einen Prozess liefern. (Vgl. Keupp u.a. 2002, 192-195)

Des Weiteren wird die Identitätsentwicklung von Keupp u.a. als Konfliktaushandlung verstanden, da zwischen den Erwartungen an das Selbst und den tatsächlichen Möglichkeiten Uneinigkeiten bestehen können. Diese Unstimmigkeiten bilden aber gleichzeitig grundlegende Quellen für neue Handlungen in der Identitätsarbeit und bieten somit bedeutende Spannungen für zukünftige Identitätsprozesse. (Vgl. Keupp u.a. 2002, 196-198)

Zudem sind noch zwei Perspektiven für das Modell der alltäglichen Identitätsarbeit von Bedeutung. Zum einen ist Identitätsarbeit von den gegebenen Ressourcen und wie diese vom Subjekt verwendet werden (können) abhängig. Dazu zählen individuelle, subjektive, materielle, soziale und kulturelle Ressourcen, die gleichzeitig „Energien und Orientierungen, […] Mittel und Ziele, Instrumente und Instruktionen“ (Keupp u.a. 2002, 269) der Identitätsarbeit darstellen. (Vgl. Keupp u.a. 2002, 198-207)

Zum anderen ist die Narration ein relevantes Element. Durch Selbstnarrationen versteht das Subjekt sich selbst, gibt anderen das individuelle Selbstbild wieder und gibt der eigenen Geschichte einen „narrativen Faden“ (Keupp u.a. 2002, 270). Diese Narrationen spielen mit fertigen Mustern, die darauf aufbauen den Vorstellungen bestimmter sozialer Gruppen zu folgen, und letztlich auf Anerkennung zielen. (Vgl. Keupp u.a. 2002, 207-215)

Bei den Konstruktionen der Identitätsarbeit sind Teilidentitäten, Identitätsgefühl, biografische Kernnarrationen und Handlungsfähigkeit von Bedeutung. Die Teilidentitäten beschreiben, dass sich in den verschiedenen lebensweltlichen Kontexten bestimmte Selbsterfahrungen zusammenfügen. So besteht die Möglichkeit, dass sich unterschiedliche Teilidentitäten (z.B. Berufsidentität), die teilweise eine Dominanz gegenüber den anderen Teilidentitäten bilden, entwickeln, wenn sie in dieser Teilidentität Sicherheit durch Anerkennung verspüren. (Vgl. Keupp u.a. 2002, 218-225)

Mit dem genannten Identitätsgefühl ist das Vertrauen in sich und die eigenen Handlungen und wie das Subjekt folglich wahrgenommen wird, gemeint (vgl. Keupp u.a. 2002, 225-228). Die biografischen Kernnarrationen entstammen dem Subjekt bewussten Teil des Identitätsgefühls und haben zur Aufgabe sich gegenüber Anderen und sich selbst darzustellen (vgl. Keupp u.a. 2002, 229-235). Alle drei Teile der Konstruktion münden in der Handlungsfähigkeit des Subjekts (vgl. Keupp u.a. 2002, 242), welche sich an der Kompetenz der Alltagsbewältigung misst (vgl. Keupp u.a. 2002, 235).

Keupp u.a. gehen von drei zentralen Modi alltäglicher Identitätsarbeit, die gleichzeitig als Indizien für gelungene Identitätsarbeit anzusehen sind (vgl. Keupp u.a. 2002, 267), aus. Der erste Modus besteht in der Kohärenzleistung zwischen innerer und äußerer Welt. Es soll also ein Gefühl von Einheit, Harmonie und Sinnhaftigkeit zwischen den beiden Welten ent- und bestehen. (Vgl. Keupp u.a. 2002, 243-251)

Zum Zweiten ist in der alltäglichen Identitätsarbeit die Suche nach Anerkennung ein wichtiger Bestandteil. Hier stellt sich für das Subjekt vor allem die Frage, wie es mit seinen Aktivitäten und seiner Selbstdarstellung zu Anerkennung bei den für ihn wichtigen Anderen (z.B. Peers) gelangt. Der Wunsch nach Anerkennung und Autonomie muss hier in Einklang gebracht werden. Das Gefühl von Anerkennung wird von drei wichtigen, miteinander verknüpften Elementen bestimmt. Dazu zählt die Aufmerksamkeit von Anderen, die positive Bewertung durch Andere und die Selbstanerkennung. (Vgl. Keupp u.a. 2002, 252-263)

Der dritte Modus alltäglicher Identitätsarbeit besteht in der Vergegenwärtigung von Authentizität. Hier steht das Koordinieren und aufeinander Abstimmen von Veränderungen und Unstimmigkeiten in der eigenen Identität, sodass es für das Subjekt stimmig erscheint, im Mittelpunkt. Die vielen Optionen in der heutigen Lebensgestaltung erfordern ein Ausbalancieren der Chancen und Risiken und folglich individuelle Authentizität. (Vgl. Keupp u.a. 2002, 263-266)

Alle drei Modi sind als zentrale Syntheseleistungen zu sehen (zwischen dem Subjekt und der Welt, zwischen Anerkennung und Autonomie sowie zwischen den Ambivalenzen in der eigenen Biographie) und beeinflussen die Handlungsfähigkeit des Subjekts (vgl. Keupp u.a. 2002, 266-271).

Folglich lassen sich retro- und prospektive Identitätsarbeit, Konfliktaushandlung, Ressourcen, Narration, Teilidentitäten, Identitätsgefühl, Kernnarrationen, Handlungsfähigkeit, Kohärenz, Anerkennung und Authentizität als wichtige Bestandteile des Modells alltäglicher Identitätsarbeit festlegen.

3 Die Plattform Instagram

Die Plattform Instagram ist in letzten Jahren populär geworden und gehört mittlerweile zu den fünf am häufigsten genutzten sozialen Netzwerken der Jugendlichen (vgl. BITKOM 2014, 28). Somit stellt sich auch die Frage, welche Rolle Instagram bei der Identitätsarbeit von Jugendlichen spielt. Um das zu beurteilen, geht es im folgenden Abschnitt um die Merkmale der Plattform.

Instagram (vgl. https://instagram.com/) ist eine kostenlose App, die für Android, iOS und Windows Phone zu Verfügung steht, aber auch über eine URL (für Benutzer) zu erreichen ist. Sie dient dem Teilen von Fotos und kurzen Videos (3-15 Sekunden), die mit individuellen Filtern und Bearbeitungsmodi versehen werden können.

Öffnet man die App, zeigt sich vorerst unter der Kategorie des Home-Buttons, der individuell erstellte Feed aus den abonnierten Profilen. Hier können Bilder mit der „Gefällt mir“- Angabe und Kommentaren versehen werden. Der danebenliegende Button führt zu der Suchfunktion (Suche nach Profilen, Hashtags und Orten). Der mittige Button mit dem Symbol der Kamera dient dem Teilen von Fotos und Videos. Hier zeigt sich die im Mittelpunkt stehende Funktion der App: Das gewünschte Foto kann direkt fotografiert oder aus der Galerie ausgewählt werden. Im Anschluss daran wird der Fotoausschnitt, der typischerweise quadratisch ist, gewählt. Daraufhin kann aus einer Vielzahl von Filtern ausgewählt werden. Zusätzlich können viele Bearbeitungsfunktionen (z.B. Helligkeit, Kontrast, Sättigung) angepasst werden. Nachfolgend kann eine Bildunterschrift, die durch spezifische Hashtags verfeinert werden kann, verfasst werden. Außerdem können auf dem Foto die Nutzer anderer Profile markiert werden. Zusätzlich lässt sich der Ort, an dem das Foto aufgenommen wurde, markieren. Auch das zusätzliche Teilen in anderen sozialen Netzwerken wie Facebook ist möglich. Zum Schluss besteht noch die Wahlmöglichkeit, zwischen dem Teilen mit allen Abonnenten und dem Teilen mit bestimmten Abonnenten, die dort nach Belieben ausgewählt werden können. Der Button neben dem Foto-Button zeigt die Aktivitäten an. Hier lässt sich verfolgen, wer die eigenen Inhalte aktuell mit der „Gefällt mir“-Angabe versehen hat, wer neue eigene Abonnenten sind und welche Aktivitäten die abonnierten Profile zeigen. Der letzte Button ist der Profil-Button, welcher das eigene Profil anzeigt. Hier besteht die Möglichkeit ein Profilbild einzustellen und einen Profiltext einzufügen. Darunter werden alle geteilten Fotos und Videos angezeigt. Zusätzlich lassen sich die Bilder, auf denen das eigene Profil markiert wurde, zeigen. Im oberen Bereich befinden sich die Angaben über die Anzahl der Beiträge, die Anzahl der Abonnenten und die Anzahl der abonnierten Profile. Diese Angaben sind für alle öffentlich sichtbar. Im Einstellungsbereich lässt sich auch die Privatsphäre-Einstellung, die dafür sorgt, dass Abonnenten erst nach einer persönlichen Bestätigung auf die geteilten Inhalte des Profils zugreifen können, nutzen.

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Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Zusammenhänge zwischen der Fotoplattform Instagram und der Identitätsarbeit bei Jugendlichen
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V317872
ISBN (eBook)
9783668205017
Dateigröße
3777 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zusammenhänge, fotoplattform, instagram, identitätsarbeit, jugendlichen
Arbeit zitieren
Marina Peitzmeier (Autor), 2015, Zusammenhänge zwischen der Fotoplattform Instagram und der Identitätsarbeit bei Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317872

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