In dieser Wissenschaftlichen Seminararbeit befasst sich der Autor mit dem Grundgedanken der Gatekeeper-Theorie. Grundfragen dieser Problemstellung sind zum Beispiel, wie sich die Gatekeeper verändert haben. Braucht unsere Gesellschaft in Zeiten des Web 2.0 überhaupt noch Menschen, die Nachrichten für uns selektieren? Wie steht der Journalist als Gatekeeper zu Blogs, Online-Nachrichten und Co.? Wird er vom Gatekeeper zum Gatewatcher?
Nachdem zunächst die Grundlagen der Nachrichtenselektion durch Journalisten und die ersten Ansätze nach Lewin, White und Lippmann erklärt werden, steigt der Text tiefer in die Materie eines Journalisten und seiner gesellschaftlichen Rolle ein, und zeigt eine Zusammenfassung der wohl wichtigsten Auswahlkriterien der Gatekeeper nach Galtung und Ruge, Schulz, Stab, Pürer und weiteren bekannten Kommunikationsforschern auf.
Zu guter Letzt stellt der Autor Veränderungen im Wesen der Gatekeeper im Laufe der Forschung fest, ermittelt in welchem Bild sie sich gerade befinden und gibt einen Ausblick in die nahe Zukunft ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Gatekeeping-Funktion eines Journalisten
2.1 Grundgedanke der Gatekeeper-Theorie
2.2 Ansätze nach White und Lippmann
3. Die Rolle eines Journalisten
3.1 Verantwortung
3.2 Medienspezifische Eigenschaften der Journalisten-Rolle
3.2.1 Printmedien
3.2.2 Radio
3.2.3 Fernsehen
3.2.4 Internet
4. Kriterien in Entscheidungsprozessen der Gatekeeper
4.1 Eingrenzung der vorhandenen Kriterienauswahl
4.2 Die wichtigsten Merkmale der Nachrichtenselektion durch Gatekeeper
5. Gatekeeping heutzutage
5.1 Online-Journalismus und Veränderung des Gatekeepings Web 2.0
6. Zukunftsausblick – der Gatekeeper in der Zukunft
7. Exkurs: Abgrenzung von Wissenschaftlichen Arbeiten
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Rolle des Journalisten als Gatekeeper, untersucht die historischen Grundlagen sowie die Nachrichtenselektionskriterien und analysiert, wie sich diese Funktion durch die Digitalisierung und das Web 2.0 verändert hat.
- Historische Entwicklung der Gatekeeper-Theorie nach Lewin, White und Lippmann
- Verantwortung und Rolle des Journalisten in verschiedenen Medien
- Wissenschaftliche Analyse von Kriterien für Nachrichtenselektion
- Einfluss des Internets und von Social Media auf journalistische Arbeitsprozesse
- Das Konzept des "Gatewatchers" im modernen digitalen Journalismus
Auszug aus dem Buch
4.2 Die wichtigsten Merkmale der Nachrichtenselektion durch Gatekeeper
„Auswählen zu müssen ist das Schicksal jedes Journalisten, wo er auch arbeitet, was er auch tut. Wer recherchiert, muss auswählen; wer formuliert, muss auswählen; wer redigiert, muss auswählen.“
Eine Nachricht hat im Laufe der Zeit viele Definitionen bekommen. Über die Tatsache, dass eine Nachricht meistes jedoch eine Neuigkeit ist, also etwas, dass erst vor kurzem entdeckt wurde, darüber ist man sich größtenteils einig. Warum sollte eine Zeitung oder ein Fernsehsender auch über etwas berichten, dass ihr Publikum schon lange weiß oder kennt? Gleichzeitig sollen Nachrichten neben einem Unterhaltungswert auch ein bestimmtes Interesse verkörpern, also interessant oder sogar relevant sein.
Überraschungs-Effekt: Von jeder der vier genannten Ausführungen aufgegriffen, ist die Überraschung einer Nachricht eines der wichtigsten Merkmale dafür, dass sie veröffentlicht wird. Galtung und Ruge sprechen von „Unvorhersehbarem“ und „Seltenem“, Pürer beschreibt es so: „Je außergewöhnlicher die Tatsache, he ungewöhnlicher das Ereignis ist, […] desto mehr wird sie viele Menschen interessieren.“
Prominenz: Je bekannter die Person, auf die sich eine Nachricht bezieht, desto mehr Menschen möchten die Information ebenfalls bekommen. Pürer meint, die Nachricht werde je nach Bekanntheitsgrad der Person „interessanter werden“. Sowohl Schulz, Staab und Galtung/Ruge führen diese Eigenschaft ebenfalls auf, letztere sprechen vom „Bezug auf Elite-Personen“ Das gleiche gilt für Institutionen, Unternehmen oder auch Nationen („Bezug auf Elite-Nationen“).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Der Autor erläutert seine Motivation und die grundlegende Fragestellung bezüglich der Gatekeeper-Funktion sowie die wissenschaftliche Relevanz der Arbeit.
2. Die Gatekeeping-Funktion eines Journalisten: In diesem Kapitel werden die theoretischen Wurzeln der Gatekeeper-Theorie durch Lewin, White und Lippmann dargelegt.
3. Die Rolle eines Journalisten: Es wird die gesellschaftliche Verantwortung des Journalismus sowie die spezifische Arbeitsweise in Print, Radio, Fernsehen und Internet beleuchtet.
4. Kriterien in Entscheidungsprozessen der Gatekeeper: Hier werden die maßgeblichen Selektionsmerkmale wie Prominenz, Negativismus und Überraschungseffekt detailliert analysiert.
5. Gatekeeping heutzutage: Das Kapitel untersucht den Einfluss des Online-Journalismus und Web 2.0 auf die traditionelle Nachrichtenfilterung.
6. Zukunftsausblick – der Gatekeeper in der Zukunft: Es erfolgt eine Einschätzung, wie sich die Gatekeeper-Rolle hin zum „Gatewatcher“ in einer digitalisierten Medienlandschaft wandelt.
7. Exkurs: Abgrenzung von Wissenschaftlichen Arbeiten: Das Kapitel definiert die Merkmale einer wissenschaftlichen Arbeit und grenzt diese von nichtwissenschaftlichen Textformen ab.
Schlüsselwörter
Gatekeeper, Gatekeeper-Theorie, Nachrichtenselektion, Journalismus, Online-Journalismus, Medienforschung, Gatewatcher, Gatekeeping-Funktion, Informationsfilterung, Digitale Transformation, Medienethik, Nachrichtenwerte, Qualitätsjournalismus, Web 2.0, Pressefreiheit.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Funktion des Journalisten als „Gatekeeper“, der Informationen aus einer unüberschaubaren Fülle auswählt, aufbereitet und so die öffentliche Meinungsbildung maßgeblich beeinflusst.
Welche wissenschaftlichen Ansätze bilden das Fundament?
Die Analyse stützt sich auf klassische Theorien wie die von Kurt Lewin, David Manning White und Walter Lippmann, die den Grundstein für die moderne Gatekeeper-Forschung legten.
Was ist das primäre Ziel dieser Untersuchung?
Ziel ist es zu hinterfragen, ob die klassische Rolle des Gatekeepers im digitalen Zeitalter noch Bestand hat oder ob sie durch interaktive Formate im Web 2.0 fundamental transformiert wurde.
Welche journalistischen Medien werden verglichen?
Die Arbeit analysiert die spezifischen Anforderungen und Arbeitsweisen in Printmedien, Radio, Fernsehen und dem Internet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Selektionskriterien für Nachrichten, die Verantwortung von Journalisten sowie die Veränderungen durch den Aufstieg von Social Media und Online-Portalen.
Was charakterisiert die Arbeit?
Die Arbeit ist durch eine Verknüpfung von klassischer Medientheorie mit aktuellen digitalen Entwicklungen und einem Fokus auf die veränderte Selektionsmacht von Journalisten geprägt.
Was unterscheidet einen „Gatewatcher“ vom klassischen „Gatekeeper“?
Der klassische Gatekeeper fungiert als „Schleusenwärter“, der Informationen strikt filtert. Der „Gatewatcher“ hingegen agiert eher wie ein Bibliothekar, der den Nutzer bei der Strukturierung und Einordnung der Informationsflut unterstützt.
Hat der Journalist im Internet noch eine Zukunft?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Journalist auch in Zukunft als Garant für Seriosität und als Strukturgeber benötigt wird, sich jedoch in seiner Tätigkeit an die neuen technischen Gegebenheiten anpassen muss.
- Citation du texte
- Lukas Sorge (Auteur), 2016, Gatekeeper trifft auf modernen Journalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318611