Hans Christian Andersens Märchen. Ein Spiegel seiner Seele? Erzählstil und typische Motive

Analyse und Interpretation der Märchen "Den lille pige med svovlstikkerne" und "Den grimme ælling"


Hausarbeit, 2015
12 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Volksmärchen und Kunstmärchen

3. Hans Christian Andersen
3.1. Andersens Leben
3.2. Der Mensch H.C. Andersen

4. Andersens Märchen
4.1. Andersens Erzählstil
4.2. Typische Motive

5. Analyse und Interpretation der Märchen
5.1. Den lille pige med svovlstikkerne
5.2. Den grimme ælling

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Mit liv er et smukt eventyr, saa rigt og lyksaligt!“ [1]

So lautet der erste Satz von Hans Christian Andersens Selbstbiographie Mit Livs Eventyr und hebt die enge Verbundenheit Andersens zur Märchendichtung hevor. Doch betrachtet man Andersens Leben genauer, lässt sich herausfinden, dass dieses weit davon entfernt war „reich und glücklich“[2] zu sein. Er war ein von Zweifeln geplagter Mensch mit Selbstmordgedanken, welcher beinahe auf selbstquälerische Art und Weise lebte.[3] Diese Arbeit befasst sich mit dem Leben Hans Christian Andersens und dessen Verbindung zu seinen Märchen. Die Analyse einzelner Märchen von H.C. Andersen soll verdeutlichen wie sehr er seine eigenen Erlebnisse in seiner Dichtung verarbeitet. Einleitend dazu werden das Volksmärchen und das Kunstmärchen kurz näher erläutert. Der erste Teil wird sich dann mit dem Dichter selbst befassen. Es wird zunächst eine Biographie gegeben und dann näher auf den Mensch H.C. Andersen eingegangen. Der zweite Teil befasst sich dann mit Andersens Märchendichtung. Hierbei wird vermehrt auf Andersens Erzählstil, typische Motive und die Stimmung der Märchen eingegangen. Der folgende Abschnitt beinhaltet die Analyse folgender Märchen von H.C. Andersen:

- Den lille pige med svovlstikkerne
- Den grimme ælling

Abschließend folgen eine Auswertung der Analysen sowie eine Zusammenfassung der gesamten Arbeit. Ziel dieser Arbeit ist es zu prüfen, ob Andersens Märchen als Spiegel seiner Seele gesehen werden können.

2. Volksmärchen und Kunstmärchen

Der Begriff Volksmärchen umfasst alle Märchen, welche auf mündlicher Übertragung basieren. Es besitzt keine feste Textgestalt und hat den Zusammenhang mit der Erzählweise des Volkes nicht verloren.[4] Volksmärchen haben meist eine einfache Struktur, wodurch sie besonders für Kinder leicht zu verstehen sind. Typisch für Volksmärchen ist das einleitende Es war einmal und das stets gute Ende.[5] Weitere typische Merkmale des Volksmärchens sind:[6]

- sprechende Tiere und Pflanzen
- übernatürliche Ereignisse inmitten des Alltäglichen
- Phantasiewesen
- Identifikationsmöglichkeit mit der Hauptperson
- unbestimmte Raum- und Zeitangaben

Aus eben diesen Volksmärchen entwickelte sich im Laufe der Zeit das Kunstmärchen. Als bekanntester Dichter von Kunstmärchen gilt Hans Christian Andersen.[7] Viele Merkmale des Volksmärchens bleiben auch im Kunstmärchen erhalten, allerdings gehen die Dichter viel freier damit um. So gibt es zum Beispiel oft eine genaue Zeit- oder Ortsangabe.[8] Im Gegensatz zum Volksmärchen haben Kunstmärchen oft sozialkritische Inhalte, die zum Nachdenken anregen sollen, und weichen stark davon ab, dass das Gute stets dem Bösen überlegen ist.[9]

3. Hans Christian Andersen

3.1. Andersens Leben

Andersens Selbstbiographie beginnt mit den Worten:“Mit liv er et smukt eventyr“[10]. Und das war Andersens Leben auch tatsächlich, ein Märchen. Vom armen Außenseiter stieg er auf zum angesehen, weltberühmten Dichter. Doch dieses Leben musste er sich hart erarbeiten.

Hans Christian Andersen wurde am 2. April 1805 in Odense geboren.[11] Sein Vater war Schuhmacher, seine Mutter war Hausfrau und nach dem Tod des Vaters Wäscherin. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.[12] Andersen wies schon früh ein großes Interesse am Theater auf und brach bereits mit 14 Jahren auf nach Kopenhagen, mit dem Ziel, berühmt zu werden.[13] Dort versuchte er als Sänger und Tänzer Fuß zu fassen, jedoch ohne Erfolg. Nach einigem Zuspruch dänischer Dichter begann Andersen Theaterstücke zu schreiben, jedoch auch ohne Erfolg. Allerdings lernte er hierdurch den Direktor des Königlichen Theaters, Siboni, welcher den jungen Andersen Unterstützte, und dessen Nachfolger Jonas Collin kennen. Letzterer ermöglichte es ihm 1822-1826 eine Lateinschule in Slagelse, 1826-1828 eine Lateinschule in Helsingør und danach die Universität Kopenhagen zu besuchen.[14] 1833 erhielt er ein Reisestipendium und reiste quer durch die Länder. „Reisen ist leben“, lautete sein Lebensmotto.[15] Das Reisen war ein wichtiger Teil seines Lebens, mit dem Ziel Eindrücke und Inhalte für seine Dichtung zu sammeln. Während dieser Reisen schrieb Andersen viele Gedichte und sogar Romane über seine Erlebnisse. Im Laufe der Zeit begann H.C. Andersen vermehrt sich mit der Märchendichtung zu befassen, um auch die jüngeren Generation ansprechen zu können. 1843 gilt als Wendepunkt in seinem Erzählstil der Märchen und er beginnt selbst Märchen zu erfinden. 1855 wurde Andersens bekannteste Selbstbiographie Mit Livs Eventyr (Märchen meines Lebens) veröffentlich.[16] Am 4. August 1875 starb H.C. Andersen in Folge langer Krankheit.[17]

3.2. Der Mensch H.C. Andersen

„Er kam mir wie ein Schneider vor. Er sieht auch wirklich so aus. Er ist ein Mann mit einem eingefallenen Gesicht und verrät in seinem äußeren Anstande ein ängstliches devotes Benehmen, so wie die Fürsten es gern haben…“[18] So beschrieb der deutsche Dichter Heinrich Heine in einem Gespräch mit Heinrich Rohlfs den dänischen Dichter Hans Christian Andersen.[19] Häufig wird Andersen als eitel und selbstverliebt dargestellt. Doch der Ursprung dieses Narzissmus liegt in der Ausgrenzung aufgrund von Hässlichkeit, Sexualität und Sozialstand.[20] Diese Minderwertigkeitsgefühle waren es auch, die es Andersen unmöglich machten, eine harmonische Lebensgemeinschaft mit einer Frau zu finden. Desweiteren litt er eine Zeitlang an Tics und gilt als Hypochonder.[21] Daher ist es auch umso bemerkenswerter, dass das Reisen eine so große Rolle in seinem Leben spielt. Aber dies unterstreicht seine Rastlosigkeit und innere Unruhe, aber auch seine Weltneugier. Doch genau diese Rastlosigkeit hat dem so in sich gekehrten Menschen die Welten eröffnet, aus denen er die Ideen für den Großteil seiner Werke gezogen hat. Andersens Werke zeigen oft Parallelen zu seiner Biografie. Thomas Mann bemerkte:“ Dichter, die sich selbst geben, wollen im Grunde, dass man sie erkenne.“[22]

4. Andersens Märchen

Im Gegensatz zu den Gebrüdern Grimm war Hans Christian Andersen Dichter, kein Märchensammler. Viele seiner Märchen haben ihr Vorbild in der dänischen Volksdichtung, aber die meisten seiner Märchen entsprangen seiner eigenen Phantasie. Häufig sind es Erinnerungen aus seiner Kindheit die er als Motiv seiner Dichtung nutzt. Es scheint als nutze er das Märchen zur Wunscherfüllung von all dem, was ihm in seinem eigenen Schicksal versagt geblieben ist, denn „das Selbsterlebte ist eines der Grundelemente seiner Dichtung.“[23]

4.1. Andersens Erzählstil

H.C. Andersens Märchendichtung liegt stilistisch gesehen zwischen dem Volksmärchen und dem romantischen Kunstmärchen. Besonders ist jedoch nicht nur der Inhalt, sondern auch die Sprache. Andersen nutzt die Umgangssprache (die Sprache des Volkes), die auch die Kinder leicht verstehen, denn diese wollte er erreichen. Er ist allerdings in der Lage, diese recht schmucklose Sprache so zu verwenden, dass ausdrucksstarke Bilder aus ihr entstehen. Der Erzählstil unterscheidet sich von dem der Volksmärchen, da Andersen den Leser oft direkt anspricht und so die Distanz zwischen Leser und Erzähler bricht. So beginnt zum Beispiel Snedronningen (Die Schneekönigin) mit den Worten: „Se så! nu begynder vi!“[24] anstatt mit dem distanzierenden Es war einmal… wie es im Volksmärchen typisch ist. Es lassen sich aber auch viele Merkmale des Volksmärchens bei Andersen wiederfinden, wie die Vorstellung der Hauptperson und die Beschreibung der Landschaft. Auch die Moral ist in Andersens Märchen zu finden. Jedoch nicht wie vom Volksmärchen gewohnt, indem die Bösen bestraft werden, sondern indem er zeigt, wieso die Guten belohnt werden.[25]

4.2. Typische Motive

Hans Christian Andersens Märchen weisen einige Motive auf, welche immer wieder auftauchen. Eines der am häufigsten verwendeten Motive ist das des Kindes. Doch entgegen aller Erwartungen handelt es sich hierbei nicht um die lustigen Naturkinder, sondern um stets brave und fromme Kinder. Sie „haben alle ein wenig Stubengeruch“[26] anhaften und stehen für Reinheit und Unschuld. Ein weiteres Motiv ist das Wetter. Es untermalt jedoch nicht nur die Stimmung des gesamten Märchens, wie in Den lille pige med svovlstikkerne, sondern häufig auch die Stimmung einzelner Figuren, wie zum Beilspiel in Prinsessen på ærten. Ebenso häufig wie das Motiv der Kinder und des Wetters ist das Motiv der Liebe in Andersens Märchen. Dieses tritt häufig in Verbindung mit einer Reise auf, die das Ziel hat die Liebe und das Glück zu finden, wie in Prinsessen på ærten oder aber auf tragische Weise, wie in Den lille havfrue. Kein Motiv, aber dennoch typisch für die Andersen-Märchen ist, dass das Glücklich sein nicht im realen Leben, sondern nur in einer Traumwelt verwirklicht wird. Ein gutes Beispiel dafür ist das Glück, welches das Mädchen mit den Schwefelhölzern erreicht. Erfüllung und Illusion liegen bei H.C. Andersen nahe beieinander, doch es kommt immer wieder zum Absturz in die Wirklichkeit.

[...]


[1] Andersen, H.C.: Mit Livs Eventyr. Kopenhagen 1855, S.1.

[2] Andersen: Mit Livs Eventyr, S.1.

[3] Barüske, Heinz: Aus Andersens Tagebüchern . Hamburg 1980, S.10.

[4] Klinger, Udo: http://www.udoklinger.de/Deutsch/Grimm/Einfuehrung.htm, Z. 30.

[5] Klinger: http://www.udoklinger.de/Deutsch/Grimm/Einfuehrung.htm , Z. 28.

[6] Klinger: http://www.udoklinger.de/Deutsch/Grimm/Einfuehrung.htm , Z. 24 f.

[7] Lippert, Dr. Karen: http://www.maerchenatlas.de/kunstmarchen/kunstmarchen, Z. 4.

[8] http://www.volksmaerchen.de/maerchen.php, Z. 93f.

[9] Lippert: http://www.maerchenatlas.de/kunstmarchen/kunstmarchen, Z.7f.

[10] Andersen: Mit livs eventyr, S1.

[11] Sommerglæde, Søren: http://visitandersen.de/biografie, Z. 17.

[12] Sommerglæde: http://visitandersen.de/biografie, Z.22.

[13] Barüske: Aus Andersens Tagebüchern, S.13.

[14] Detering, Heinrich: Hans Christian Andersen. Berlin 2011, S.84.

[15] Detering: Hans Christian Andersen, S.75.

[16] Detering: Hans Christian Andersen, S.88.

[17] Sommerglæde: http://visitandersen.de/biografie, Z.91.

[18] Barüske: Aus Andersens Tagebüchern, S.9.

[19] Ebd.

[20] Detering: Hans Christian Andersen, S.23.

[21] Ebd. S.73

[22] Ebd. S.25.

[23] Larsen: Hans Christian Andersens Lebensgeschichte, S. 13.

[24] Andersen, H.C.: Eventyr. Viborg 2005, S.70.

[25] Schmitz, Viktor August: H.C. Andersens Märchendichtung. Bamberg 1925, S.100.

[26] Schmitz: H.C. Andersens Märchendichtung, S.21.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Hans Christian Andersens Märchen. Ein Spiegel seiner Seele? Erzählstil und typische Motive
Untertitel
Analyse und Interpretation der Märchen "Den lille pige med svovlstikkerne" und "Den grimme ælling"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Nordeuropa Institut)
Note
1,3
Jahr
2015
Seiten
12
Katalognummer
V318748
ISBN (eBook)
9783668178786
ISBN (Buch)
9783668178793
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Andersen, Märchen, Hans Christian Andersen
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Hans Christian Andersens Märchen. Ein Spiegel seiner Seele? Erzählstil und typische Motive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318748

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