Ereignisse und Entwicklungen auf dem Weg zur Unabhängigkeit Indonesiens

Die Zeit der japanischen Besatzung von 1942 bis 1945


Hausarbeit, 2014
18 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die nationale Bewegung vor der Ankunft der Japaner

3. Die Zeit der japanischen Besatzung 1942 - 1945
3.1 Die Ankunft der japanischen Besatzungsmacht
3.2 Sukarno und die japanische Besatzungspolitik
3.3 Die ersten Schritte in Richtung Unabhängigkeit
3.4 Die Proklamation der indonesischen Unabhängigkeit

4. Reaktionen auf die Unabhängigkeitserklärung

5. Fazit

Bibliografie

1. Einleitung

Die Arbeit „Die Erklärung der Unabhängigkeit durch Sukarno am 17.8.1945“ legt den Fokus auf die Zeit der japanischen Besatzung von 1942 bis 1945 im Gebiet des heutigen Indonesiens. Es werden Ereignisse und Entwicklungen dargestellt, die den Weg zur Proklamation der indonesischen Unabhängigkeit geebnet und somit das Entstehen eines selbständigen Staates ermöglicht haben.

Das vorliegende Werk lässt sich in folgende Teile gliedern: Die Unabhängigkeitsbewegung vor der Ankunft der Japaner, die Zeit der japanischen Besatzung und Reaktionen auf die Unabhängigkeitserklärung.

Zu Beginn wird das Aufblühen der ersten nationalen Bewegungen auf den Inseln Java und Sumatra thematisiert, denn obwohl diese Organisationen letzten Endes nicht direkt zur Geburt eines unabhängigen indonesischen Staates geführt haben, so bildete doch die Entstehung eines nationalen Gedankens die Grundlage für weitere Entwicklungen.

Im zweiten Abschnitt wird zunächst die Atmosphäre zur Zeit der japanischen Eroberung beschrieben, bevor eine ausführliche Darstellung von der Politik der Besatzungsmacht und Sukarnos Rolle in diesem Kontext erfolgt. Im Anschluss liegt das Hauptaugenmerk auf der Zeit von September 1944 bis Mai 1945, da zu dieser Zeit die Unabhängigkeit tatsächlich in sichtbare Reichweite rückte. Schließlich endet der zweite Teil mit der Unabhängigkeitserklärung am 17.8.1945 und den ausschlaggebenden Ereignissen der vorangegangenen Wochen.

Zuletzt zeige ich auf, dass der Kampf für einen unabhängigen Staat mit der Proklamation noch nicht sein Ende fand, da die Niederlande nicht willens waren, sich von der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Indien zu trennen und auf militärischem Wege versuchten, das Gebiet zurückzuerobern.

2. Die nationale Bewegung vor der Ankunft der Japaner

Am 20. Mai 1908 gründeten Studenten einer holländischen Bildungseinrichtung die Bewegung Budi Utomo, die eine schulische Ausbildung für die Einwohner von ganz Niederländisch-Indien forderte und obwohl diese Bewegung schnell an Bedeutung verlor, gilt das Gründungsdatum auch heutzutage noch als Geburtsstunde der indonesischen nationalen Bewegung. Vier Jahre später wurde die Indische Partei ins Leben gerufen, die erstmals auf eine gesellschaftliche Barrierefreiheit für alle Ethnien und die Unabhängigkeit von den Holländern pochte. Da sich die Partei selbst als revolutionär beschrieb, waren die Holländer bemüht diese Strömung im Keim zu ersticken und so wurde die Partei im Jahr 1913 verboten. Der Islam allein konnte, trotz seiner starken Verbreitung und der Errichtung einiger schnell wachsenden, islamischen Organisationen wie Muhammadiyah, Sarekat Islam oder Nahdlatul Ulama, nie zum Motor der nationalen Bewegung werden[1].

Erwähnenswert ist außerdem die Organisation Perserikatan Komunis India (PKI), die sich Ende 1926 gegen den Willen ihrer exilierten Führungspersonen für eine Revolte in Form von Streiks auf Sumatra und Java entschied. Vor allem die Tatsache, dass die PKI von Spionen der Kolonialregierung unterwandert war - gepaart mit einer mangelhaften Organisation - führte dazu, dass der Revolutionsversuch katastrophal endete[2]. Dieses Ereignis resultierte in der Verhaftung von ca. 13000 Menschen und bedeutete für viele Jahre das Ende der PKI. Die erste Phase des nationalen Erwachens fand mit der indonesienweiten Verbreitung dieser Botschaft ein jähes Ende[3].

Sukarno spielte in der folgenden Phase eine elementare Rolle, da er die Notwendigkeit erkannte, die vielen gespaltenen Lager zu vereinen, um Niederländisch-Indien zur Unabhängigkeit zu führen [4] . Er war Gründungsmitglied des 1925 gegründeten Algemeene Studieclub, einer Bewegung, die aufgrund ihrer Überzeugung, dass indonesische Unabhängigkeit nur durch den Kampf, nicht aber durch Kooperation erreicht werden könnte, auffiel. Dank Sukarnos Kontakt zu den verschiedensten Gruppierungen rückte der Allgemeine Studienclub und er selbst in den Mittelpunkt der nationalen Bewegung[5]. Am 4. Juli 1927 gründeten Sukarno und andere Mitglieder des Studienclubs die Partei Perserikatan Nasional Indonesia, später umbenannt in Partai Nasional Indonesia (PNI), die eine Kooperation mit den Holländern verweigerte und die indonesische Unabhängigkeit verlangte[6]. In diesem Kontext machte sich Sukarno mit Hilfe seiner zahlreichen Auftritte einen Namen, bei denen er die Kolonialregierung, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, angriff und durch Volksnähe punkten konnte. In der Hoffnung die nationale Bewegung zu stärken, initiierte Sukarno außerdem die Gründung von Permufakatan Perhimpunan-perhimpunan Politik Kebangsaan Indonesia (PPPKI), ein Zusammenschluss zahlreicher Gruppierungen[7].

Eine weitere wichtige Rolle spielte der zweite Jugendkongress im damaligen Batavia im Oktober 1928, da man hier den bedeutenden Jugendschwur (sumpah pemuda) leistete, der Indonesien als ein Heimatland, ein Volk und eine Sprache definierte[8].

Diese Phase kam jedoch zum Erliegen, als Sukarno 1929 von den Holländern festgenommen wurde und sich bis zur Ankunft der Japaner größtenteils im Exil oder in Haft befand. Andere Führer der nationalen Bewegung wie Hatta oder Sjahrir wurden ebenfalls verhaftet und ins Exil oder Konzentrationslager geschickt. Ohne diese Persönlichkeiten zerbrach die Einheit schnell und die Strategie der Nicht-Kooperation missglückte[9].

3. Die Zeit der japanischen Besatzung 1942 - 1945

3.1 Die Ankunft der japanischen Besatzungsmacht

Als die japanischen Truppen Anfang Januar 1942 in Niederländisch-Indien landeten, hofften sie den Archipel ohne größere Gegenwehr einnehmen zu können. Allerdings erklärten die Niederlande Japan den Krieg und die Truppen vor Ort machten sich auf die Verteidigung ihres Territoriums bereit. Nichtsdestotrotz konnten die niederländischen Truppen Japans Militärmacht nicht standhalten und nach der Schlacht in der Javasee nahmen die Japaner die holländische Kolonie ohne größeren Widerstand ein[10]. Schließlich kam es am 8. März 1942 zur Kapitulation[11], was das Ende für Niederländisch-Indien bedeutete. Das gesamte Gebiet unterstand nun japanischen Militärkommandos und wurde wie folgt aufgeteilt: Sumatra gehörte zur 25. Armee, Java zur 16. Armee und die östlichen Inseln, sowie Kalimantan zur Marine[12].

Aufgrund der Jayabaya Prophezeiung, die das Ende der Fremdherrschaft des weißen Mannes mit Hilfe der Befreiung durch gelbe Menschen aus dem Norden vorhersagte, entwickelten die Indonesier den Glauben, dass die Japaner ihnen Freiheit bringen würden. Die Japaner untermauerten diesen Gedanken, indem sie Flugblätter über javanischen Städten abwarfen, in denen das japanische Heer als die prophezeiten, gelben Befreier dargestellt wurde. Auch deswegen trafen die Japaner auf wenig Widerstand und wurden sogar begeistert von den Indonesiern willkommen geheißen[13]. Die Japaner beabsichtigten umgehend westliche Einflüsse auszumerzen, sodass der Gebrauch englischer und holländischer Sprache verboten, europäische Denkmäler abgerissen und Straßen umbenannt wurden und Batavia wieder den Namen Jakarta erhielt[14]. Die Eroberung führte außerdem zur Befreiung bedeutender politischer Persönlichkeiten aus der Haft oder dem Exil[15], die somit wieder politisch aktiv werden konnten.

Doch während die Nationalisten auf eine Befreiung hofften, die zur indonesischen Unabhängigkeit führen würde, hatten die Japaner ein anderes Verständnis von Freiheit. Sie beabsichtigten die Gründung einer sogenannten Großostasiatischen Wohlstandssphäre und in diesem Kontext handelte es sich nicht um die Freiheit für Individuen oder Länder, sondern um ein von Japan angeführtes Asien, frei von sämtlichen Einflüssen des westlichen Imperialismus[16].

3.2 Sukarno und die japanische Besatzungspolitik

Das japanische Desinteresse an der Bevölkerung und einem unabhängigen Indonesien zeigte sich innerhalb kürzester Zeit, was dazu führte, dass die Begeisterung für die ursprünglichen Befreier schnell abebbte. Beispielsweise wurde jegliche politische Aktivität, sowie das Singen der Hymne Indonesia Raya oder das Schwenken der rot-weißen Fahne verboten[17] und die Untersagung der englischen und holländischen Sprache führte dazu, dass das Hochschulwesen zum Erliegen kam[18]. Feldmarschall Terauchis Anweisung, die japanischen Soldaten bestmöglich zu ernähren und den Lebensstandard der Indonesier auf ein Minimum zu reduzieren, offenbarte zudem die Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung[19]. Hinzu kam der von der Militärpolizei Kenpeitai verbreitete Schrecken, die Grausamkeit und Arroganz der Japaner, die Prügel und die Vergewaltigungen[20]. Sukarnos Zusammenarbeit mit der Besatzungsmacht verpflichtete ihn dazu, widerwillig an der Ausbeutung seiner eigenen Landsleute mitzuarbeiten und so war er gezwungen, Frauen bereitzustellen, die dem japanischen Heer als Prostituierte dienten und er versorgte Japan mit Millionen dem Tode geweihten Zwangsarbeitern, den sogenannten romushas [21].

Abgesehen von der Ausbeutung beabsichtigte Japan, die Indonesier zu organisieren und für ihre Zwecke zu mobilisieren[22], was sich in der Besatzungspolitik offenbarte. Beispielsweise wurde japanische Propaganda via Film, Theater, Wayang, Radio und öffentlicher Lautsprecher verbreitet[23] und noch vor der Kollaboration mit Sukarno gründeten die Besatzer im April 1942 die Tiga A Bewegung, wobei der Buchstabe A für Asahi Akari no Asai (Japan, das Licht Asiens), Asahi Amijiban no Asai (Japan, der Beschützer Asiens) und Asahi Aniki no Asai (Japan, der Führer Asiens) steht[24]. Diese Bewegung beabsichtigte die Verbreitung der Idee eines von Japan angeführten Asiens, doch aufgrund der drückenden Propaganda traf die Bewegung auf wenig Sympathie und die Japaner erkannten, dass sie auf die Zusammenarbeit mit populären politischen oder religiösen Führungspersonen angewiesen waren[25].

Folglich wurde Sukarno von Sumatras Kommandant, Oberst Fujiyama zu sich eingeladen um ihm die Möglichkeit einer Zusammenarbeit anzubieten. Sukarno war bewusst, dass eine Zusammenarbeit mit den Eroberern sowohl Vor- als auch Nachteile aufweisen würde. Einerseits bestand die Möglichkeit, sein Ansehen zu verlieren, falls man ihn als Marionette der japanischen Besatzungsmacht ausnutzen würde oder er dazu gezwungen wäre, extrem unpopuläre Entscheidungen der Japaner mitzutragen. Andererseits sah er in der Kollaboration großes Potenzial, da die Japaner auf jemanden wie ihn angewiesen waren und er im Gegenzug einige Forderungen stellen konnte. Des Weiteren erkannte Sukarno wohl die Möglichkeit, die Härte der japanischen Herrschaft zu reduzieren und das Eintreten einer möglichen Unabhängigkeit zu beschleunigen. Allerdings spielte auch die Ablehnung der westlichen Welt eine wichtige Rolle, sodass Sukarno und Japan ein gemeinsamer Feind verband[26]. Schließlich entschied sich Sukarno für die Kollaboration und durfte am 9. Juli 1942 wieder javanischen Boden betreten. Dort angekommen kam es zu einem Treffen mit Hatta, Sjahrir und anderen Anhängern eines unabhängigen Indonesiens, bei dem sich darauf geeinigt wurde, dass Hatta und Sukarno die Zusammenarbeit mit den Japanern bestmöglich dafür nutzen sollten, um nationalistische Hoffnungen aufrechtzuerhalten, während sich Sjahrir und andere Persönlichkeiten im Untergrund mit dem Aufbau des Widerstands beschäftigten[27].

[...]


[1] Armin Wertz, Sie sind viele, sie sind eins: Eine Einführung in die Geschichte Indonesiens (Frankfurt am Main: Glaré Verlag, 2009), 123-127.

[2] Wertz, Sie sind viele, sie sind eins, 127-128.

[3] Merle Calvin Ricklefs, A History of Modern Indonesia since c.1300 (London: Macmillan Press, 1993), 179.

[4] Ricklefs, A history of Modern Indonesia since c. 1300, 183.

[5] Wertz, Sie sind viele, sie sind eins, 133-135.

[6] Ricklefs, A history of Modern Indonesia since c. 1300, 183.

[7] Wertz, Sie sind viele, sie sind eins, 136.

[8] Ricklefs, A history of Modern Indonesia since c. 1300, 186.

[9] Wertz, Sie sind viele, sie sind eins, 138–140.

[10] John David Legge, Sukarno: A Political Biography (Singapur: Archipelago Press, 2003), 171-172.

[11] Wertz, Sie sind viele, sie sind eins, 141-142.

[12] Adrian Vickers, A History of Modern Indonesia (Cambridge: Cambridge University Press, 2005), 88.

[13] Bernhard Dahm, Sukarnos Kampf um Indonesiens Unabhängigkeit: Werdegang und Ideen eines asiatischen Nationalisten (Frankfurt am Main: Alfred Metzner Verlag, 1966), 165.

[14] Ricklefs, A history of Modern Indonesia since c. 1300, 201-202.

[15] Wertz, Sie sind viele, sie sind eins, 142.

[16] Legge, Sukarno: A Political Biography, 186.

[17] Legge, Sukarno: A Political Biography, 187-188.

[18] Ricklefs, A history of Modern Indonesia since c. 1300, 201.

[19] Wertz, Sie sind viele, sie sind eins, 145.

[20] Ricklefs, A history of Modern Indonesia since c. 1300, 202.

[21] Wertz, Sie sind viele, sie sind eins, 144.

[22] Wertz, Sie sind viele, sie sind eins, 143.

[23] Ricklefs, A history of Modern Indonesia since c. 1300, 202.

[24] Bob Hering, Soekarno, Founding Father of Indonesia (Leiden: KITLV Press, 2002), 285.

[25] Ricklefs, A history of Modern Indonesia since c. 1300, 202.

[26] Legge, Sukarno: A Political Biography, 175-176.

[27] Legge, Sukarno: A Political Biography, 177-179.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Ereignisse und Entwicklungen auf dem Weg zur Unabhängigkeit Indonesiens
Untertitel
Die Zeit der japanischen Besatzung von 1942 bis 1945
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Ostasiatische Philologien)
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V319007
ISBN (eBook)
9783668181762
ISBN (Buch)
9783668181779
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ereignisse, entwicklungen, unabhängigkeit, indonesiens, zeit, besatzung
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Ereignisse und Entwicklungen auf dem Weg zur Unabhängigkeit Indonesiens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319007

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