Das Alltagsverständnis von Geschlecht wird meist unhinterfragt hingenommen. Es wird davon ausgegangen, dass die Geschlechterzugehörigkeit – männlich oder weiblich – sich auf biologisch-anatomischen Tatsachen begründet und unveränderbar sei. Diesem biologischen Geschlecht entspräche ferner eine eindeutige Geschlechtsidentität. Die Normierung von Geschlecht erfolgt hauptsächlich in der Lebensphase, in der sich das Kind im Schulsystem befindet. Die Schule inszeniert Geschlechtlichkeit, da sie durchzogen von vergeschlechtlichten Normen, Symbolen, Legitimierungen sowie Macht- und Hierarchiemustern ist.
Im Prozess der Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen werden diese mit der Erwartung, sich als weiblich oder männlich zu identifizieren, von Gleichaltrigen und Erwachsenen konfrontiert. Die Art und Weise, wie die Geschlechtlichkeit ausgedrückt oder gelebt werden soll, wird durch Zwänge und Verletzungen reguliert und zugleich von Geschlechterkonzepten hierarchisiert. Daraus folgt, dass die Kinder und Jugendliche ihr Selbstkonzept an die existierenden Gender-Schemata anpassen. Die Prozesse der Informationsverarbeitung, Vorlieben, Einstellungen, Verhalten als auch persönliche Merkmale richten sich dann an der Zuschreibung stereotyper sozialer Geschlechterrollenerwartungen aus.
Vor allem im öffentlichen Diskurs bleibt dabei weitgehend unbeachtet, dass die Schule durch das Geschlechterrollenverständnis der LehrerInnen Geschlechterstereotype reproduziert. Die Deutungsmuster der LehrerInnen bezüglich Homogenität und Heterogenität prägen aber die im Schulalltag praktizierten geschlechterstereotypen Reaktionsmuster.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll der Gender-Aspekt im Schulsystem betrachtet und die Frage beantwortet werden, welche Anforderungen und Kompetenzen LehrerInnen erfüllen müssen, um einen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit in der Schule zu leisten. Als Anwendungsbeispiel dient die Kunstpädagogik. Ausgangspunkt der Fragestellung ist die Untersuchung der gesetzlichen Grundlage für die Implikation des Gender-Aspektes. Das sächsische Schulgesetz als auch der sächsische Lehrplan sollen Aufschluss darüber geben, inwiefern Lehrkräfte Orientierungshilfen für das eigene Handeln und Aufbereiten der Fachinhalte durch diese erhalten.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Begriffserklärung
- Genderaspekte in der Schulentwicklung
- Wissenschaftliche Untersuchung...
- Anforderungen an Lehrer
- Genderkompetenz
- Anwendung Genderkompetenz im Fach Kunstpädagogik...
- Konsequenzen für Schulentwicklung.
- Fazit.........
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Gender-Aspekt im Schulsystem und untersucht die Anforderungen und Kompetenzen, die Lehrerinnen erfüllen müssen, um einen Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit in der Schule zu leisten. Die Kunstpädagogik dient als Anwendungsbeispiel. Die Arbeit analysiert die gesetzliche Grundlage für die Implikation des Gender-Aspektes im sächsischen Schulgesetz und Lehrplan und beleuchtet, inwiefern Lehrkräfte Orientierungshilfen für ihr Handeln und die Aufbereitung von Fachinhalten erhalten.
- Gender-Aspekt im Schulsystem
- Anforderungen und Kompetenzen von Lehrerinnen zur Förderung von Geschlechtergerechtigkeit
- Anwendung von Genderkompetenz in der Kunstpädagogik
- Geschlechterstereotype und deren Reproduktion im Schulalltag
- Relevanz von Gendermainstreaming in der Schulentwicklung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung beleuchtet das Alltagsverständnis von Geschlecht und die Bedeutung der Schule bei der Inszenierung von Geschlechtlichkeit. Sie führt in die Fragestellung der Arbeit ein, welche Anforderungen und Kompetenzen Lehrerinnen für Geschlechtergerechtigkeit in der Schule erfüllen müssen.
Die Begriffserklärung erläutert die Bedeutung von Gender, Genderkompetenz und Gendermainstreaming.
Der Abschnitt „Genderaspekte in der Schulentwicklung“ gibt einen Überblick über die historische Entwicklung des Gender-Aspektes in der Schule, beginnend mit der Bildungsreformdebatte Ende der 1960er Jahre. Die Diskussionen um die koedukation, die Kritik am „heimlichen Lehrplan“ und die Darstellung von Geschlechterrollen in Lehrmaterialien werden beleuchtet. Weiterhin wird die Entwicklung des Gender-Aspektes in der Kunstpädagogik betrachtet.
Schlüsselwörter
Gender, Geschlechtergerechtigkeit, Genderkompetenz, Gendermainstreaming, Kunstpädagogik, Schulentwicklung, Lehrerinnen, Geschlechterrollen, Geschlechterstereotype, Koedukation, feministische Schulforschung, Differenztheorie, (De-)Konstruktionsansatz, Diversität.
Häufig gestellte Fragen
Wie reproduziert die Schule Geschlechterstereotype?
Durch vergeschlechtlichte Normen, Machtstrukturen und die Deutungsmuster der Lehrkräfte werden Kinder oft dazu gedrängt, ihr Selbstkonzept an existierende Gender-Schemata anzupassen.
Was versteht man unter Genderkompetenz bei Lehrkräften?
Genderkompetenz ist die Fähigkeit von Lehrern, geschlechterstereotype Reaktionsmuster im Schulalltag zu erkennen und aktiv zur Geschlechtergerechtigkeit beizutragen.
Welche Rolle spielt der sächsische Lehrplan beim Thema Gender?
Die Arbeit untersucht, inwiefern das sächsische Schulgesetz und der Lehrplan Orientierungshilfen für geschlechtergerechtes Handeln und die Aufbereitung von Fachinhalten bieten.
Wie wird Genderkompetenz in der Kunstpädagogik angewendet?
In der Kunstpädagogik dient Gender als Analyseinstrument, um die Darstellung von Geschlechterrollen in Bildern zu hinterfragen und kreative Freiräume jenseits von Stereotypen zu schaffen.
Was ist der „heimliche Lehrplan“?
Der Begriff beschreibt die implizite Vermittlung von Werten und Rollenerwartungen (z. B. durch Lehrerverhalten), die nicht offiziell im Lehrplan stehen, aber die Geschlechtsidentität der Schüler stark prägen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Geschlechtergerechte Schule? Wachsende Anforderungen an die Kompetenzen von Lehrkräften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319170