Artusmythos im Deutschunterricht am Beispiel des Parzival (7. Klasse, Gymnasium)


Unterrichtsentwurf, 2012
24 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fachwissenschaftliche Analyse / Gegenstandsanalyse
2.1. Fachwissenschaftliche Einführung in den Artusmythos
2.2. Fachwissenschaftliche Einführung in Wolframs Parzival

3. Fachdidaktische und –methodische Analyse
3.1. Lernziele und Kompetenzen
3.2. Methodische Analyse anhand eines konkreten Stundenentwurfs

4. Bibliographie

1. Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es, den Mythos um König Artus und seine Tafelrunde anhand des Beispiels des Parzivals sowohl aus fachwissenschaftlicher Sicht als auch aus fachdidaktischer Sicht zu untersuchen und einen methodisch fundierten Stundenentwurf darzulegen. Hierzu soll in einem ersten Schritt eine fachwissenschaftliche Einführung in den Artusmythos sowie in den Parzival als Grundlage für die weitere Bearbeitung vorangestellt werden. Anschließend soll in einem zweiten Schritt eine fachdidaktische und -methodische Analyse anhand eines konkreten Stundenentwurfs für eine an einer 7. Klasse ausgerichteten Stunde mit dem Thema „Der Artusmythos am Beispiel des Parzivals“ folgen. Besonderes Augenmerk soll hierbei auf die angestrebten Lernziele und Kompetenzen gelegt werden.

2. Fachwissenschaftliche Analyse / Gegenstandsanalyse

2.1. Fachwissenschaftliche Einführung in den Artusmythos

Eine erste Frage, die sich im Zuge der Beschäftigung mit dem Mythos um König Artus geradezu aufdrängt, ist die Frage nach der Historizität des Artus. Diesbezüglich ist sich die heutige Forschung weitestgehend einig, dass ein historischer Artus existiert haben muss. „Um sich [diesem] anzunähern und zu den Ursprüngen der Überlieferung zurückzukehren, muss [der] im Laufe der Jahrhunderte gewachsene Sagenstoff Schicht um Schicht abgetragen werden.“ 1 So kann davon ausgegangen werden, dass Artus auf Seiten der Briten als Heerführer oder König eines Kleinreiches gegen den Einfall der Sachsen kämpfte, sodass seine Herrschaft auf das 5. Jahrhundert angesetzt werden kann. Eben in dieser historischen Einordnung liegt jedoch die Problematik des Artusmythos, welcher laut der oben zitierten Definition Jürgen Wolfs aufgrund seines Basierens auf einer geschichtlichen Tatsache kein Mythos, sondern eine Sage darstellt. Der Ursprung, aus welchem die Sage erwächst, ist in Abgrenzung zu dem Mythos, der nur den Anspruch auf Realität erhebt, eine historisch wahre Begebenheit, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort ereignet hat. Diese auf einem wahren Kern basierende Begebenheit wurde im Laufe der Jahrhunderte durch mündliches Tradieren erhalten und durch Weglassungen und Hinzufügungen modifiziert.2

Ein weiteres abgrenzendes Merkmal der Sage zum Mythos stellt ihr fehlender Anspruch dar, „die Welt zu erklären“3 und Ängste zu nehmen. Der Mythos dagegen hat laut Rolf Grimminger klar die Funktion, „die Angst aller Ängste zu besänftigen, die Angst vor Endlichkeit und der Bedrohung des Daseins durch den Tod.“4 Elisabeth Schmitt betont hierzu, dass Mythen von „den Grundproblemen menschlichen Daseins“5 handeln und „die Reduktion von Angst [...] als eine der Hauptfunktionen des Mythos“6 ansieht und ordnet den Mythen zwei Grundfunktionen zu:

„Auf sozialer Ebene schaffen sie durch gemeinsame Erklärungen (Gruppen)-Identität und sozialen Zusammenhalt, auf individueller Ebene reduzieren Mythen Angst, und zwar dadurch, dass sie den Tod, das Unbekannte in der Natur und im menschlichen Unterbewusstsein mittel Sprache benennen.“7

Jedoch sollte hierbei angemerkt werden, dass keine allgemein gültig anerkannte Definition des Mythos der heutigen Forschung zugrunde liegt und, dass jeder, der „sich mit Mythentheorien beschäftigt, vor dem Problem [steht], dass es »noch immer keine anerkannte Definition von >Mythos< gibt«“8. So kann auch dieser Abgrenzungsversuch von Sage und Mythos aufgrund der problematischen Begriffsbestimmungen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Desweiteren zeigen sich die Unterscheidungskriterien als so gering, dass die beiden Begriffe „Sage“ und „Mythos“ oft synonym gebraucht9 werden, was aus Gründen der Einfachheit auch im Folgenden geschehen soll, wenn von König Artus als Mythos gesprochen wird.

Bezüglich der Anfänge des Interesses an Artus als Subjekt literarischer Verarbeitung ist das 12. Jahrhundert zu nennen, in welchem es zugleich seinen Höhepunkt erlebte. Maßgeblich dafür verantwortlich war Chrétien de Troyes Bearbeitung des Artusstoffes in Perceval, was auch Jürgen Wolf bekräftigt, wenn er schreibt, dass die „chrétienschen Artusromane [...] so etwas wie die ersten Artusbestseller des Mittelalters [wurden]“10. So stellt der Artusstoff seit den zahlreichen Bearbeitungen Chrétien de Troyes, Hartmann von Aues und Wolfram von Eschenbachs einen festen Bestandteil der Weltliteratur dar. Jedoch ging die steigende Anzahl an Verarbeitungen einher mit einer stetigen Abnahme der Historizität und Faktizität, sodass der historische Hintergrund lediglich zur Rahmenhandlung wurde und die Historizität auf Kosten der Publikumswirksamkeit verloren ging.

Wie immens groß diese Anzahl an Verarbeitungen des Stoffes im Mittelalter war, zeigt die von Thomas Malory, einem wichtigen Artusforscher und Literat, in 21 Bänden niedergeschriebene Artusgeschichte, die fast alle bis zum 15. Jahrhundert entstandenen Niederschriften über Artus umfasst. Auch in den folgenden Jahrhunderten verloren die Literaten nicht das Interesse an dem Artusstoff und rezipierten ihn zwischen 1500 und 2000 in mehr als 4000 Bücher und Schriften.11

So lässt sich zusammenfasen, dass Artus in der gesamten Literaturgeschichte bis heute immer Vorbild für ein ritterlich-ideales Mittelalter darstellt und Ehre, Tugend, Mut und Gottvertrauen repräsentiert.

Aktualisierung des Artusmythos

„ [Dass] der legendäre britische König Artus, seine Tafelrunde und der Heilige Gral […] in der Erinnerungskultur der Moderne kaum anders als im Mittelalter zu den herausragenden Eckpunkten des kulturellen Gedächtnisses [gehören]“12 lässt sich anhand der zeitgenössisch zahlreichen Rezeption verifizieren. Neben literarischen Bearbeitungen fand der Artusstoff Eingang in Comicserien wie beispielsweise „Prince Valiant“ (Prinz Eisenherz), die seit 1937 existiert, in Film und Kino bis hin zu Brett- und Computerspielen. Literarisch bedeutsam war besonders der historisch orientierte globale Bestseller „Die Nebel von Avaon“ von Marion Zimmer Bradley, dessen Verfilmung 2001 herausragenden Erfolg hatte. In der filmischen Verarbeitung erlebte der Artusstoff aber vor allem in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts seine Blüte in den zahlreichen Hollywoodverfilmungen, in welchen „der britische König Artus und seine Ritter der Tafelrunde zu einer Chiffre der amerikanischen Fundamentaltugenden Aufrichtigkeit, Edelmut und Gottvertrauen [wurden].“ 13

Bemüht um eine historische Darstellung waren beispielsweise „First Knight“ (1995) oder „King Arthur“ (2004), wobei letzterer beispielhaft für die zeitgenössische Bearbeitung des Artusstoffes laut Wolf „[...] nun zwischen freier Phantasie und einer holzschnittartig auf wenige gesicherte Daten reduzierten historischen Faktizität [pendelt].“14. Problematisch wird dies jedoch nur dann, wenn, wie bei „King Arthur“ „mit Vehemenz der Anspruch exakter Historizität und Quellentreue [suggeriert wird], um dann völlig hemmungslos verschiedenste Zeit- und Handlungsebenen miteinander zu verquicken sowie Elemente des Historien- und des Abenteuerfilms zu vereinigen.“15

So bleibt festzuhalten, dass Artus und seine Tafelrunde bis heute zahlreich rezipiert, bearbeitet und schriftlich oder filmisch dargestellt werden.

2.2. Fachwissenschaftliche Einführung in Wolframs Parzival

Inhalt

Aufgrund der Umfangsbeschränkung dieser Arbeit kann der sehr breitgefächerte Inhalt hier keinen Platz finden. Deshalb befindet sich im Anhang eine ausführliche Inhaltsangabe und eine Grafik, welche zusammen mit meiner Referatspartnerin in Vorbereitung auf das Referat angefertigt wurden.

Autor

Über den Autor des Parzivals, Wolfram von Eschenbach (1160/1180-1220), ist wenig bekannt; alles Bekannte entstammt seinen eigenen Werken, in denen er sich regelmäßig selbst nennt. Entgegen seiner eigenen spöttisch-ironischen Darstellung eines Analphabeten und ungebildeten Mannes besaß er wohl Kenntnisse von Medizin, Astronomie, Kosmologie, Geographie, Tier- und Pflanzenkunde, Theologie und Rechtswissenschaft. Von seinen Werken sind lediglich drei epische Werke und neun Lieder noch erhalten.

Überlieferung

Gemäß der zeitgenössischen Tradition ist Wolfram selbst nicht der Schöpfer des von ihm verarbeiteten Stoffes, sondern orientiert sich an französischen Vorbildern und bearbeitet deren Stoffe auf neue Weise. So stellt Chrétien de Troyes Perceval , auch Le conte du Graal genannt, das Vorbild für Wolframs Parzival dar. Wolfram „baut den [von Chrétien unvollendet gelassenen] Roman weiter, indem er die von Chrétien vorgegebenen Linien mit Hilfe seiner Kenntnis der arthurischen Doppelwegstruktur verlängert.“16 Dennoch hält Wolfram sich vergleichsweise eher gering an die Vorlage Chrétiens und fügt dieser die Bücher 1-3 und 14-16 als Eigenproduktion hinzu. Insgesamt ist kein anderes höfisches Epos mit 80 Handschriften so zahlreich überliefert wie der Parzival.

Erzählerfigur

Die Erzählerfigur im Parzival stellt eine besondere Neuerung dar und löst die reine Dialogform ab. Dennoch bleibt er in gewisser Weise an der Dialogform haften und erzeugt durch direktes Ansprechens des Publikums als Dialogpartner eine Fiktion der Unmittelbarkeit.

Die Frage nach der Identität des Erzählers muss jedoch rein spekulativ bleiben; er ist sicherlich nicht der Dichter selbst, aber wohl ein inferiorer Ritter mit Bezug zu den im Roman handelnden Personen. Diese Einschätzung wird auch dadurch bekräftigt, dass der Erzähler kein auktorialer Erzähler ist, teilweise lückenhaft berichtet und darauf verweist, dass er nur das ihm Berichtete weitererzählt.

Gattung

Eine weitere Besonderheit des Parzivals ist die Zusammenführung von Artus-, Gral-, Aventiure- und Minnemotiv, sodass er bezüglich der Gattung sowohl dem Artus- als auch dem Gralroman zuzuordnen ist.

Die zeitliche Einordnung der beiden Gattungen fällt vor allem in die mittehochdeutsche Klassik. Typisch ist die Orientierung der Autoren an einer französischen Vorlage, welche sich in dem zeitgenössischen Autorenbild begründet. Dieses sieht den Autor nicht als Schöpfer eines Stoffes, sondern misst die literarischen Fähigkeiten eines Autors an dem Grad der Innovation und Kreativität, mit welchem er den bereits bekannten Stoff neu bearbeitet und ihm seine persönliche Prägung verleiht.

Als Prototyp des Artusromans gilt Chrétiens Erec et Enide beziehungsweise Hartmann von Aues Erec, welcher neben Wolfram von Eschenbach und Gottfried von Straßburg einen der wichtigsten Vertreter dieses literarischen Schaffenszeitraums darstellt. Als intendierter Leser galt das höfische Publikum, weshalb die Literatur auch vorwiegend Hofliteratur ist. Als typisches formales Merkmal wird dem Artusroman das Strukturmodell des doppelten Kursus zugeschrieben, in welchem sich die aventîure-Reihe des ersten Kursus in dem zweiten Kursus wiederholt und auf einem höhere Niveau spiegelt. Als inhaltliches Charakteristikum wird der Versuch des Helden dargestellt, eine geeignete Balance zwischen ritterlicher Betätigung und Liebeserfüllung zu erreichen. Hierbei steht im Zentrum dieser idealen Artuswelt König Artus als „Inkarnation des hochhöfischen Rittertums, von dessen Hof und Tafelrunde alle Taten des Artuskreises ausgehen und in den sie wieder zurückmünden“17.

Der Gralroman dagegen zeichnet sich durch das Vorhandensein des Grals als Leitmotiv aus, von welchem jedoch kein einheitliches Bild existiert. Erstmals erscheint das Gralmotiv im „Conte du Graal“ des Chrétien de Troyes um 1200, in welchem der Gral ein edelsteinbesetztes Gefäß darstellt. In Robert de Borons Roman du Saint Graal dagegen wird er als großer tiefer Teller/Platte dargestellt, durch welchen Gott zu dem Gralsritter spricht, und schließlich bei Wolfram von Eschenbachs Parzival als ein Stein. Dieser erhält seine Macht durch eine Hostie, welche von einer himmlischen Taube jeden Karfreitag auf die Erde gebracht wird. Als Eigenschaften schreibt Wolfram ihm die Fähigkeit zu, Speisen und Tränke zu spenden, bei seinem Anblick eine Woche vor Tod und vor Alter zu schützen, für Ungetaufte unsichtbar zu sein und durch eine Inschrift den künftigen Gralskönig anzuzeigen. Bei Wolframs Parzival findet sich eine der ausführlichsten Beschreibungen des Grals, sodass es nicht verwundert, dass die Gralssuche das zentrale Motiv des zweiten Kursus darstellt und hierin dem Artusmotiv strukturell übergeordnet ist.

Laut Wolf wurde diese Verbindung von Artusmotiv und Gralssuche im Mittelalter zu dem „erfolgreichsten Artusmodell überhaupt“18.

Bis heute hat der Gral seine vom Mittelalter ausgehende Faszination nicht verloren, welches im literarischen Bereich durch den erfolgreichen Bestseller Sakrileg und im filmischen Bereich durch die als Kultfilme bekannte Quadrologie Indiana Jones bestätigt wird.

[...]


1 Artus ohne Tafelrunde 6

2 Vgl. L.Petzoldt wo?

3 Blatt X; Jedoch nennt hier in ihrer Dreigliederung explizit die aitiolische Sage als „Erklärungssage“ -> Blatt Z

4 Rolf Grimminger

5 Elisabeth Schmitt: Von Herakles bis Spider-Man: Mythen im Deutschunterricht. Hohengehren: Schneider 2006 (Deutschdidaktik aktuell Bd. 25), S. 16. Im Folgenden wird nach der Sigle HS zitiert.

6 HS, S. 17.

7 HS, S. 64.

8 mythos und mythentheorie S.10

9 Vgl. Robert Ulshöfer und Paul Ludwig Sauer laut HS, S. 58.

10 Jürgen Wolf: Auf der Suche nach König Artus. Mythos und Wahrheit. Darmstadt:Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2009, S.52. Im Folgenden wird nach der Sigle KA zitiert.

11 KA, S. 6.

12 KA, S. 8.

13 KA, S. 110.

14 KA, S. 99.

15 KA, S. 115.

16 Volker Mertens, S. 52

17 Wolfgang Beutin [u.a.]: Deutsche Literaturgeschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 7., erweiterte Auflage. Stuttgart [u.a.]: Metzler 2008, S. 25.

18 KA, S.56

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Artusmythos im Deutschunterricht am Beispiel des Parzival (7. Klasse, Gymnasium)
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Neuphilologische Fakultät)
Veranstaltung
Fachdidaktik Deutsch
Note
1,0
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V319360
ISBN (eBook)
9783668190146
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
artusmythos, deutschunterricht, beispiel, parzival, klasse, gymnasium
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, Artusmythos im Deutschunterricht am Beispiel des Parzival (7. Klasse, Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319360

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Artusmythos im Deutschunterricht am Beispiel des Parzival (7. Klasse, Gymnasium)


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden