Implementierung von nationalen Expertenstandards in eine Einrichtung der stationären Altenhilfe

Vorgehensweise und Implikationen für die Praxis


Hausarbeit (Hauptseminar), 2014

27 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Einleitung

1 Fragestellung
1.1 Definitionen
1.1.1 Nationaler Expertenstandard
1.1.2 Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege
1.2 Hinführung zum Thema

2. Implementierung von Expertenstandards
2.1 Empfohlene Vorgehensweise
2.2 Weitere Vorgehensweisen
2.2.1Sechsschrittiger Implementierungsprozess
2.2.2 Breakthrough-Methode
2.2.3 PARiHS-Konzept
2.2.4 Allgemeine Implementierungsstrategien

3 Bewertung der Vorgehensweisen
3.1 Grundlage
3.2 Bewertung der vorgestellten Methoden
3.2.1 Bewertungsraster
3.2.2 Bewertung mittels Bewertungsrasters
3.3 Reflexion der Methoden vor dem Hintergrund praktischer Erfahrungen
3.4 Erkenntnis

4 Implikationen für die Praxis

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Innovations-Entscheidungsprozess nach Rogers (Kopp, 2014)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Bewertung der Implementierungsstrategien (eigene Darstellung)

Einleitung

Diese Hausarbeit ist in den Bereich der Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung einzuordnen. Vorwiegend geht es in dem Themenbereich darum, dem Bewohner[1] kontinuierlich eine Verbesserung der Pflegequalität zu bieten und ein professionell abgestimmtes Leistungsniveau zu gewährleisten (DNQP, 2011).

Speziell geht es um nationale Expertenstandards in der Pflege, die vom Deutschen Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) entwickelt wurden. Hierbei wird untersucht, welche Vorgehensweisen den Einrichtungen zur Verfügung stehen, die Standards in den Pflegeprozess zu implementieren. Erkenntnisse aus der Forschung sollen zudem praxisrelevant dargestellt werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, eine qualitativ hochwertige Methode ausfindig zu machen, mit der die genannten Expertenstandards erfolgreich in die Praxis implementiert werden können.

Dazu werden auf der Basis einer internationalen Literaturrecherche Methoden ausfindig gemacht, anschließend wird beurteilt, ob diese Methoden für die Implementierung von Standards geeignet sind. In einem zweiten Schritt sollen die gefundenen Vorgehensweisen vor dem Hintergrund der Forschung über Veränderungs- und Implementierungsprozesse qualitativ bewertet werden. In einem dritten Schritt werden die Methoden in Bezug auf Erfahrung in Bezug auf Praxistauglichkeit reflektiert.

Abschließend soll die Hausarbeit wichtige Anhaltspunkte liefern, die bei einer Implementierung von Expertenstandards unbedingt zu beachten sind

1 Fragestellung

„Gute Pflege und die dazu nötigen Rahmenbedingungen und Prozesse in einer Einrichtung zu ermöglichen ist Aufgabe des Pflegemanagements“ (Giese, 2012, S.158). Gute Pflege liegt also in der Verantwortung des Pflegemanagements. Giese definiert eine solche gute Pflege als Pflege nach dem aktuellen Stand des Wissens, die nach Möglichkeit auf der Grundlage von konsensfähigen Standards erbracht wird (Giese, 2012).

Eine Option bilden die nationalen Expertenstandards des DNQP. Die Implementierung dieser Standards gehört zum derzeitigen Gegenstandsbereich des Pflegemanagements. Hierbei kommen komplexe Einführungsprozesse zum Tragen. Ein solcher Einführungsprozess setzt sich zum Einen aus der Abstimmung fachlicher und zeitlicher Bedingungen und zum Anderen aus zentralen Entscheidungen, hinsichtlich auf die Bewohnergruppe abgestimmter Instrumente, zusammen (Elsbernd, 2011).

In Anlehnung hieran wird für die vorliegende Hausarbeit folgende Fragestellung formuliert:

Welche Implementierungsmöglichkeiten für nationale Expertenstandards des DNQP gibt es und wie sind diese zu bewerten?

1.1 Definitionen

Im Folgenden werden zentrale Begrifflichkeiten zum besseren Verständnis kurz definiert.

1.1.1 Nationaler Expertenstandard

Definiert werden die nationalen Expertenstandards als evidenzbasierte, monodisziplinäre Instrumente. Mithilfe der Standards wird ein professionell abgestimmtes Leistungsniveau dargestellt. Sie sind nach einer einheitlichen Struktur in Struktur-, Prozess- und Ergebniskriterien unterteilt. Die Entwicklung der Expertenstandards erstreckt sich über einen sechsstufigen Prozess:

1. Themenfindung
2. Bildung unabhängiger Expertenarbeitsgruppen
3. Erarbeitung des Expertenstandard-Entwurfs
4. Konsensus-Konferenzen
5. Modellhafte Implementierung
6. Regelmäßige Aktualisierung

Ziele der Expertenstandards sind (1) berufliche Aufgaben und Verantwortungen zu definieren, (2) Innovationen in Gang zu setzen, (3) evidenzbasierte Berufspraxis zu fördern und (4) Grundlage für einen konstruktiven Dialog über Qualitätsfragen mit anderen Professionen des Gesundheitswesens zu schaffen (DNQP, 2011; S. Schmidt, 2009).

1.1.2 Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege

Das DNQP ist ein Zusammenschluss von Pflegefachleuten auf Bundesebene, Es hat seinen Sitz in Osnabrück. Seit 1999 wird in Kooperation mit dem Deutschen Pflegerat (DPR) an der Entwicklung und Einführung von evidenzbasierten Expertenstandards für alle Aufgabenfelder professioneller Pflege gearbeitet. Derzeit existieren sieben Nationale Expertenstandards, vier liegen bereits in einer aktualisierten Fassung vor:

1. Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege (1. Aktualisierung)
2. Expertenstandard Entlassungsmanagement in der Pflege (1. Aktualisierung)
3. Expertenstandard Schmerzmanagement in der Pflege (1. Aktualisierung)
4. Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege (1. Aktualisierung)
5. Expertenstandard Förderung der Harnkontinenz in der Pflege
6. Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden
7. Expertenstandard Ernährungsmanagement in der Pflege

(DNQP, 2011, 2014)

1.2 Hinführung zum Thema

Das elfte Sozialgesetzbuch schreibt im §11 den Pflegeeinrichtungen vor, die Leistungen „entsprechend dem allgemein anerkannten Stand medizinisch-pflegerischer Erkenntnisse“ (BMJV & jurisGmbH, 2013, S.17) zu erbringen. Medizin- und arztrechtliche Literatur nennt im Hinblick auf den allgemein anerkannten Stand medizinisch-pflegerischer Erkenntnisse auf haftungsrechtliche Gesichtspunkte. Allerdings kann ein weiterer Handlungsmaßstab herangezogen werden, und zwar der der Richtlinien und Leitlinien. Igl (2010) verweist jedoch darauf, dass rechtlich und faktisch die Einlösung von Qualität in der Pflege begrenzt sei.

Zur Entwicklung von Qualität existieren in Deutschland zwei Zusammenschlüsse, die zu verschiedenen Qualitätsbereichen Inhalte veröffentlicht haben. Zum Einen sind das das o.g. DNQP, das mit dem Instrument der Expertenstandards arbeitet und zum Anderen die Bundeskonferenz zur Qualitätssicherung im Gesundheits- und Pflegewesen e.V. (BUKO-QS). Die BUKO-QS hat drei Qualitätsniveaus[2] veröffentlicht (Igl, 2010).

„Evidenzbasierung stellt eine international eingeführte Methode des Wissensmanagements zur Identifizierung der aktuell besten erreichbaren Vorgehenseise in (…) Pflege von Menschen mit gesundheitlichen Problemen dar“ (R. Schmidt, 2010, S.19). Schmidt (2010) bezeichnet sowohl die nationalen Expertenstandards als auch die Qualitätsniveaus als Produkte wissensbasierter Qualitätsfestlegungen. Somit leisten sie einen wesentlichen Bestandteil zur Evidenzbasierung in der Pflege.

Um eine rechtliche Verbindlichkeit zu erreichen und die Entwicklung von Qualität in politische Hand zu nehmen, wurde 2008 das Gesetz zur strukturellen Weiterentwicklung der Pflegeversicherung initiiert. Hierbei handelt es sich u.a. um Expertenstandards, die nach den §§113a/113b SGBXI entwickelt werden. Die Entwicklung dieser Standards unterliegt einem international vorgeprägten und von der Wissenschaft entwickelten Verfahren (Igl, 2010; R. Schmidt, 2010). Es ist allerdings bis zum Abschluss dieser Hausarbeit noch kein Expertenstandard, der vor diesem Hintergrund entwickelt wurde, veröffentlicht worden.

Die nationalen Expertenstandards bieten folglich zurzeit mit eine der höchsten Evidenzbasierungen der Pflege in Deutschland. Aus diesem Grund wird in dieser Hausarbeit der o.g. Frage im Hinblick auf diese Expertenstandards nachgegangen.

2. Implementierung von Expertenstandards

Im vorliegenden Kapitel werden verschiedene Vorgehensweisen zur Implementierung von Standards vorgestellt. Die qualitative Bewertung der Methoden erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt.

2.1 Empfohlene Vorgehensweise

Die vom DNQP empfohlene Standardeinführung beruht auf einem vierstufigen Phasenmodell. Das Modell wurde in Anlehnung an den Qualitätszyklus der Methode der stationsgebundenen Qualitätsentwicklung entwickelt. Auf diese Weise wird den Einrichtungen ein systematisches Vorgehen für die Implementierung von Standards an die Hand gegeben. Im Folgenden werden die vier Schritte genannt und beschrieben:

1. Fortbildungen zum Expertenstandard

Die erste Phase der Fortbildung sollte sich über einen Zeitraum von ca. vier Wochen erstrecken. Die Fortbildungen sollten durch eine Kick-off-Veranstaltung für verschiedene Adressaten (Pflegeteam, Leitung, Pflegeexperten, u.a.) eingeleitet werden, um möglichst viele Mitarbeiter zu erreichen. Die Anzahl und die Themen der Fortbildungen richten sich nach dem Bedarf der einzelnen Teams. Es sollte die Möglichkeit bestehen auch in den weiteren Phasen Fortbildungen anzubieten, da es in der späteren Implementierung zu einem Bedarf kommen kann.

2. Anpassung einzelner Standardkriterien an die besonderen Anforderungen der Zielgruppe oder Einrichtung

In der zweiten Phase (ca. acht Wochen) sollte es zu einer vertieften inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Kriterienebenen des nationalen Expertenstandards kommen. Hier können Konkretisierungen des Expertenstandards erfolgen, wobei darauf geachtet werden soll, dass die Kernaussage der einzelnen Kriterien nicht verändert wird.

3. Einführung und Anwendung des Expertenstandards

Auch die dritte Phase (ca. acht Wochen) sollte durch eine Kick-off-Veranstaltung beginnen, um die Verbindlichkeit der Standardeinführung zu signalisieren. Weiterhin sollten den Pflegefachkräften Anleitungen und Supervisionen bei der Erprobung an die Hand gegeben werden. Es ist auf ausreichende personelle Ressourcen und zeitliche Freiräume bei der Umsetzung zu achten.

4. Datenerhebung mit standardisiertem Audit-Instrument

Die letzte Phase (ca. vier Wochen) wird durch das Auditverfahren als Abschluss der Implementierung geprägt. Die Kriterienebenen des Standards werden überprüft. Im Rahmen der Überprüfung wird auf drei Datenquellen zurückgegriffen: (1) Pflegedokumentation, (2) Bewohnerbefragung und (3) Personalbefragung.

Die Gesamtzeit für das Implementierungsprojekt wird mit sechs Monaten veranschlagt. Für eine erfolgreiche Implementierung der Expertenstandards ist es wichtig, dass Arbeitsgruppen gebildet werden, die für die Vorbereitung und Durchführung der einzelnen Phasen zur Verfügung stehen, und dass eine fachlich kompetente Projektbegleitung vorhanden ist (DNQP, 2011).

Da dieses Vorgehen gezielt vom DNQP zur Implementierung der nationalen Expertenstandards empfohlen wird, ist es unabdingbar, es an dieser Stelle vorzustellen. Folglich ist die Methode zur Implementierung von Standards geeignet.

2.2 Weitere Vorgehensweisen

Folgend werden weitere in der Literatur vorgefundenen Möglichkeiten zur Implementierung von Standards vorgestellt.

2.2.1Sechsschrittiger Implementierungsprozess

Schmidt (2009) beschreibt einen Implementierungsprozess mit sechs Schritten, der speziell auf nationale Expertenstandards zugeschnitten ist:

1. Fortbildung aller Mitarbeiter
2. Aktualisierung und Anpassung des einrichtungsinternen Standards
3. Überprüfung der Formulare
4. Verfahrensanweisungen im Qualitätsmanagement-Handbuch
5. Implementierung
6. Kontrolle durch die Leitung (z.B. durch Pflegevisiten)

Auch hier beschreibt die Autorin wichtige Voraussetzungen, die für eine erfolgreiche Implementierung von Nöten sind. So sind zum Einen der Kenntnisstand von aktuellen pflegewissenschaftlichen Grundlagen zumindest der examinierten Pflegekräfte zu nennen. Im Weiteren wird empfohlen, dass für die Überarbeitung der einrichtungsinternen Standards die eigenen personellen Ressourcen genutzt werden sollten, da die Mitarbeiter auf diese Weise ihr eigenes Wissen mit einbringen können. Auch soll die Projektgruppe möglichst nicht zu groß sein und einen strukturierten Ablaufplan an die Hand bekommen (S. Schmidt, 2009).

[...]


[1] Folgend wird aus Gründen der Vereinfachung die männliche Wortform verwendet, i.d.R. ist ebenfalls die weibliche Form gemeint.

[2] „Qualitätsniveaus dienen der systematischen Bündelung von berufsgruppen- und disziplinenübergreifenden Wissensbündelung für die Praxis zu einem auf nationaler Ebene bedeutsamen Thema in der Pflege und Betreuung“ (Igl, 2010, S.8).

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Implementierung von nationalen Expertenstandards in eine Einrichtung der stationären Altenhilfe
Untertitel
Vorgehensweise und Implikationen für die Praxis
Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz  (Fachbereich Gesundheit und Pflege)
Veranstaltung
Management pflegerischer Leistungen und Bedarfe
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
27
Katalognummer
V319650
ISBN (eBook)
9783668189195
ISBN (Buch)
9783668189201
Dateigröße
632 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pflegeheim, Altenheim, Nationale Expertenstandards, Implementierung, Qualitätsmanagement, Pflegemanagement
Arbeit zitieren
Martin M. Müller (Autor), 2014, Implementierung von nationalen Expertenstandards in eine Einrichtung der stationären Altenhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319650

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