„Tierra Baja“ von Don Angel Guimerá. Eine exemplarische Analyse eines Theaterstücks als Medium der fingierten Mündlichkeit


Hausarbeit, 2015

16 Seiten, Note: 2,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Entstehungskontext
2.1 Español rioplatcnsc
2.2 Fingierte Mündlichkeit
2.3 Werk „Tierra Baja“
2.3.1 Autor
2.3.2 Inhalt des Stücks
2.3.3 Figuren und deren soziale Einordnung

3. Fingierte Mündlichkeit in „Tierra Baja“
3.1 Verwendung von regionalen Varietäten..
3.2 Sprachliche Eigenarten von Figuren
3.3 Sprachliche Mittel der Mündlichkeit
3.4 Übersetzung aus dem Katalanischen.

Fazit

Literatur

1 Einleitung

Anfang des 20, Jahrhunderts erlebte Argentinien einen wirtschaftlichen Boom, Damit verbunden war ein kultureller Aufschwung, der ein Bedürfnis nach Un­terhaltung weckte, das alle Klassen und Schichten betraf. Die so entstandene neue Populärkultur war von einem Hunger nach preiswertem Vergnügen durch Theater und Literatur geprägt. Für 10 bis 20 Centavos waren Heftehen zu er­werben, die aufgrund ihres geringen Umfangs im Bus, der Metro oder der Stra­ßenbahn gelesen werden konnten: Unterhaltung für jedermann. Auch wenn die Herausgeber der Zeitschriften den Aufbau von Sammlungen durch die Leser­schaft intendierten, überlebten nur wenige der auf billigem Papier gedruckten Hefte,[1]

In Anlehnung an die Ausstellung von 2014 - „Von Liebe, Mord und Alltag: Sprache in argentinischen Theater- und Romanzeitschriften des beginnenden 20, Jahrhunderts“ - des Iberoamerikanischen Instituts findet eine Analyse der dort gesammelten argentinischen Theater- und Romanzeitschriften statt.

Ein im Seminar erarbeitetes Analysemodell bezieht dabei die außersprachliche Ebene (Zeitschrift, Autor, Struktur der Ausgabe etc.), die sprachliche Ebene (fingierte Münd­lichkeit, regionale Varietäten, Sprachfehler etc.) und die funktionale Ebene (Entwicklung der Handlung, soziale Einordnung, Figurencharakterisierung etc.) ein. In der vorliegenden Arbeit wird verstärkt die sprachliche Ebene beleuchtet, da die Verwendung der fingier­ten Mündlichkeit - verstärkt durch beispielsweise regionale Varietäten - ein besonderes Merkmal von Theaterstücken ist und daher näher betrachtet werden soll.

Die Analyse bezieht sieh auf die im moodle-Kurs vorliegende PDF-Ausgabe des Stücks „Tierra Baja“ von Don Angel Guimerä[2], Die Angabe von Seitenzahlen sowie formale Angaben sind ausschließlich auf das angegebene PDF bezogen. Auf den Seiten des IAI gibt es ähnliche Versionen des Werkes[3].

Mit einer großen Einwanderungswelle von hauptsächlich Italienern und Spaniern zwi­schen 1870 und 1930 nach Buenos Aires, Argentinien, begann eine Veränderung des ar­gentinischen Spanisch und es entstand als Variante des Spanischen das español rioplatense (Rio-de-la-Plata-Spanisch), welche heute die Standardsprache Argentiniens und Uruguays ist. Der Einfluss dieser Sprache auf die Populärkultur Argentiniens lässt sieh u.a. durch eine Betrachtung der Theater- und Romanzeitschriften des beginnenden 20. Jahrhunderts nachvollziehen. Zu unterscheiden ist das español rioplatense von den Kontaktvarietäten Lunfardo und Cocoliche, die sieh hauptsächlich in Buenos Aires entwickelten. Ein nähere Betrachtung dieser Varietäten findet in dem Kapitel 2.1 statt.

Die fingierte Mündlichkeit, als Gegensatz zur authentischen Mündlichkeit, ist ein Haupt­bestandteil von Theaterstücken. Durch sie entsteht Komik, aber auch Figuren werden charakterisiert und eine regionale sowie soziale Einordnung der Figuren ist möglich. Im Gegensatz zur authentischen Mündlichkeit ist die fingierte Mündlichkeit nicht unbedingt spontan, sondern unterliegt einem Entstehungsprozess, da sie schriftlich konstruiert, ge­plant und überarbeitet wird. Sie orientiert sieh jedoch stark an der Mündlichkeit. Eine tiefgründigere Betrachtung der fiktiven Mündlichkeit findet sieh in Kapitel 2.2.

Die vorliegende Arbeit setzt sieh mit der Frage auseinander ob bzw. inwieweit sieh das español rioplatense oder die Kontaktvarietäten Lunfardo und Cocoliche in dem Werk „Tierra Baja“ von Don Angel Guimerä wiederfinden und welchen Einfluss sie auf die fin­gierte Mündlichkeit der Theaterzeitschrift haben. Im ersten Schritt sollen dazu das español rioplatense, der Lunfardo und Cocoliche sowie die fingierte Mündlichkeit näher definiert werden. Anschließend gibt es einen Abriss über den Autor, den Inhalt des Stücks und die Figuren. In einer Analyse wird dann geklärt, ob bzw. inwiefern regionale Varietäten ver­wendet werden, welche sprachlichen Eigenheiten die Figuren aufweisen und wie fingierte Mündlichkeit in dem Stück geschaffen wird. Ein Fazit wird die Ausgangsfrage klären.

2 Entstehungskontext

Das folgende Kapitel beschäftigt sieh mit dem Entstehungskontext des Werks „Tierra Baja“ von Don Angel Guimerä. Dazu gehört die Betrachtung des español rioplatense, der fingierten Mündlichkeit und der formalen sowie inhaltlichen Merkmale des Werks selbst. Diese Punkte bilden die Grundlage für die spätere sprachliche sowie funktionale Analyse des Stücks.

2.1 Español rioplatense

Das español rioplatense siedelt sieh vor allem um das Gebiet des Rio de la Plata in Argentinien an. Das Zentrum dieser Sprache befindet sieh in Buenos Aires. Wichtige Einflussfaktoren waren die Kolonisierungsströme, der Kontakt mit indigenen Sprachen in Argentinien und die Immigration, Das español rioplatense unterscheidet sieh u.a. in folgenden Punkten vom Standard-Spanisch:

Phonetik Eins der typischsten Merkmale des español rioplatense ist der Seseo, Die in der Standardvarietät gesprochenen stimmlosen alveolaren Frikative |s| und die als stimmlose dentale Frikative [Θ] artikulierten Phoneme fallen beim Seseo zum /s/ zusammen (Born et al, 2012:73), Der Seseo ist auch in Andalusien sowie auf den Kanarischen Inseln zu finden und der Seseo in Sevilla gilt als Ursprung für den Seseo in Argentinien (LamÍQUIZ 2004:103f,),

Ein weiteres phonetisches Merkmal ist der Yeísmo, Bei diesem werden y und ll als postalveolare Frikative [3] oder [ƒ] ausgesprochen und die phonologische Opposition /L/ und /j/ zugunsten der frikativen Realisierung /j/ aufgehoben. Aus Yo сото pollo en la calle wird somit [jo ’komo ’poLo en la ’kaLe] (Born et al, 2012:74),

Morphosyntax Zu den morphosyntaktisehen Merkmalen des español rioplatense zählen beispielsweise der Voseo (vos anstelle von tú), die Verwendung des pretérito perfecto simple anstelle zusammengesetzter Zeitformen, die Verwendung des periphrastisehen Futur ir a anstelle des morphologischen Futurs, Klitika sowie das Xullobjekt ( Quere­mos el postre. Yo // traigo) und die Verdopplung des complemento directo (La vimos a Marta) (COLANTONI & LOURO 2013).

Lexik Zur Lexik des español rioplatense zählen Galizismen, Italianismen, das kaum noch vorhandene Cocoliche und der Lunfardo.

Cocoliche kann nicht als homogen betrachtet werden, sondern als ein Kontinuum mit Interferenzen, C AN CELLIER 1996 zeigt auf, dass es sich weder um einen Jargon, noch um einen Dialekt, noch um Pidgin oder Kreol o.ä, handelt (vgl, CanC'ELLIER 1996:7ff,), Stattdessen kann es als Lernervarietät bzw, Kontaktvarietät der (siid- ) italienischen Einwanderer (oder jedweder Immigranten) bezeichnet werden. Laut Kailuweit ist es keine (Miseh-)Spraehe, sondern ein Wortschatz, der in der münd­lichen Umgangssprache gebraucht wird[4]. Insgesamt gibt es in der Forschung viele verschiedene Definitionen des Cocoliche, jedoch scheint die von KAILUWEIT sinn­voll.

Der Lunfardo ist eine Gauner- und Unterschichtensprache (Argot), welche sich ab der zweiten Hälfte des 19, Jahrhunderts aus der Sprache der europäischen Immigranten,Gauchos, Indios und Porteños in den unteren sozialen Schichten entwickelte. Der Wortschatz findet sich in der informellen Sprachen Argentiniens wieder. Auch beim Lunfardo gibt es Diskussionen, ob es sich um eine Sprache oder einen Jargon handelt, Cancellier 1996 und Conde 2011 vertreten die Position, dass es sich um einen Argot handelt, Kailuweit spricht von einer Varietät der spanischen Sprache.

Die hier genannten Merkmale des español rioplatense sind lediglich beispielhaft und stellen nur ein Auszug aus den gesamten Merkmalen da. Die sprachliche Analyse des Werks „Tierra Baja“ wird zeigen, ob und inwiefern die genannten Merkmale dort vorhanden sind,

2.2 Fingierte Mündlichkeit

Literarische Mündlichkeit ist nie authentisch, weil ihre Gestalt reduziert ver­ändert, verfremdet, gebrochen ist |,,,|, Gleichzeitig ist literarische Mündlich­keit immer wenigstens wenig authentisch, weil sie ohne einen gewissen Grad an Authentizität als solche gar nicht erkannt werden und funktionieren kann, (Freunek 2007:79f.)

Fingierte Mündlichkeit - im Gegensatz zur authentischen Mündlichkeit - bezeichnet das sprachliche Phänomen, wenn in geschriebenen Texten Äußerungen erscheinen, die an das spontane Mündliche erinnern und typischerweise nicht schriftlich erfolgen. Dazu gehören beispielsweise Sprichwörter, Schimpfwörter, direkte Anrede der Gesprächspartner untereinander, Wiederholungen, Umgangssprache, Exklamationen oder diasystematiseh markiertes Vokabular (vgl, Blum 2013:77f,).

Auch wenn FREUNEK 2007 zurecht die Verwendung von fingiert, kritisiert, da dies „Echt­heit vortäuschend“ (FREUNEK 2007:27) bedeutet und Autoren ihren Lesern keine wirk­liche Mündlichkeit Vortäuschen wollen, hat sich dieser Begriff in der deutschsprachigen Fachliteratur, neben u.a, fingierte Oralität, literarische Mündlichkeit, inszenierte Münd­lichkeit etc,, durchgesetzt (vgl, BLUM 2013:78).

Die starre Opposition von Mündlichkeit/Schriftlichkeit wird in dem Xähe-Distanz-Modell von Koch & Oesterreicher 1985 aufgelöst, Stattdessen gibt es ein Kontinuum von mehr oder weniger „mündlich“ erscheinenden Manifestationsformen von Sprache, Es wird ein Bezug zwischen Kommunikationsbedingungen wie z,B, „Vertrautheit mit dem Part­ner", mit bestimmten Verspraehliehungsstrategien und daraus resultierenden Merkmalen in Bezug gesetzt (vgl, KOCH & OESTERREICHER 2011:12).

Bei der fingierten Mündlichkeit geht es dem Autoren darum, über ein distanzsprachli­ches Medium eine nähesprachliche Konzeption zu vermitteln, auch wenn keine Lautliehkeit vorhanden ist. Dies geschieht zum einem über die Figurenrede und zum anderen über die Erzählerrede. Blum 2013 sagt dazu, dass eine Figurenrede ab dann als fingierte Münd­lichkeit gilt, sobald ein nähesspraehliehes Merkmal verwendet wird (vgl. BLUM 2013:80). Dabei muss auf die Verständlichkeit geachtet werden und es dürfen beispielsweise nicht zu viele Unterbrechungen oder zu viel Code-Switching geben. Dies würde auch nicht au­thentisch wirken.

Bei der Analyse des Werks „Tierra Baja“ ist nicht nur die eben erwähnte Authentizität der sprachlichen Mittel wichtig, sondern auch die Authentizität des Autors. Es stellt sieh beispielsweise die Frage, ob der Autor authentisch Cocoliche oder Lunfardo in seinem Werk verwenden kann.

2.3 Werk „Tierra Baja“

Das Werk „Tierra Baja“ stammt aus der Zeitschrift Revista Quincenal. Editor und Ad­ministrator dieser Zeitschrift ist Francisco Hostench. Das vorliegende Stück wurde am 15. April 1911 in Buenos Aires veröffentlicht (10. Ausgabe des Magazins).

Das Werk wurde in seiner spanischen Version - übersetzt aus dem Katalanischen von José Echegary - in Madrid, November 1896 im Teatro Nacional uraufgeführt. Die Urauf­führung der katalanischen Version war am 8. Februar 1897 im Teatro Principal de Tortosa (Katalonien). Danach gab es Aufführungen auf Mallorca und in Alicante.

Die untersuchte Ausgabe wurde in verschiedenen Schriftarten verfasst (altertümlich­wirkend bis modern). Das Drama selbst wurde in einer Schriftart verfasst. Die Struktur der Ausgabe ist wie folgt:

- Deckblatt mit Name des Magazins, Editor, Veröffentlichungsdaten und Ausgabe, Titel des Stücks, Genre, Autor, Zusatzinformationen, Preis
- Preise des Magazins, Werbung (zum Teil noch Platz für mehr)
- zweites Deckblatt: Titel des Stücks, Genre, Autor, Zusatzinformationen
- leere Seite
- Listung der auftretenden Figuren
- leere Seite
- Stück (Großteil des Magazins - 27 Seiten)
- leere Seite
- Werbung (zum Teil noch Platz für mehr)
- große Anzeige für „Caja Internacional Mutua“

[...]


[1] http://www.foederales-programm.de/iai/liebe-mord-alltag-romanzeitschriften/

[2] “https : //moodle.hu-berlin.de/pluginfile .php/1012109/mod_f older/content/0/Tierra\*/,20baja_drama\ */,20en\*/,20tres\*/,20actos\*/,2C\*/,20prosa_teatro\*/,20nacional ,pdf?f orcedownload=l

[3] “http ://digital.iai.spk-berlin.de/viewer/collections/argentinische-theater-und- romanzeitschriften/

[4] http : //web .fu-berlin. de/phin/phin27/p27t3.htm, Aufruf am 06.09.2015

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
„Tierra Baja“ von Don Angel Guimerá. Eine exemplarische Analyse eines Theaterstücks als Medium der fingierten Mündlichkeit
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Liebe, Mord und Alltag
Note
2,7
Jahr
2015
Seiten
16
Katalognummer
V319771
ISBN (eBook)
9783668190689
ISBN (Buch)
9783668190696
Dateigröße
1138 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tierra, baja, angel, guimerá, eine, analyse, theaterstücks, medium, mündlichkeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, „Tierra Baja“ von Don Angel Guimerá. Eine exemplarische Analyse eines Theaterstücks als Medium der fingierten Mündlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319771

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