Der Anteil Berliner Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund liegt laut Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft in der Hauptstadt bei weit über 30%. Nicht selten äußern sich die sprachlichen Defizite in Mängeln schulischer Leistungsergebnisse.
Die Internationale Schulleistungsstudie PISA der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beschreibt unter anderem den Erfolg oder Misserfolg von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund in verschiedenen Schulsystemen unterschiedlicher Aufnahmeländer. Die Ergebnisse der Studie aus dem Jahr 2003 zeigten, dass Schülerinnen und Schüler mit nicht deutscher Herkunftssprache in den „Grundbildungsbereichen Mathematik, Lesen und den Naturwissenschaften sowie im Bereich des allgemeinen Problemlösens meist deutlich schlechter […] als ihre Mitschüler aus einheimischen Familien“ abschneiden.
Insbesondere literarische Texte erweisen sich häufig für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund in sprachlicher Hinsicht als zu komplex und schwierig zu verstehen, was vor allem der inhaltlichen Erschließung zu Lasten geht. Im Weiteren soll es um die literarische Textgattung Fabel gehen, die sowohl in der Primarstufe, als auch im Sekundarbereich eine bedeutsame Rolle unter den epischen Texten einnimmt. Daraus resultiert als Lehrkraft die Frage, inwiefern diese Thematik ebenso für DaZ-Lerner relevant sein könnte? Besonders für den Kompetenzerwerb bei DaZ-Lernern sind Fabeln hervorragend geeignet. Es handelt sich hierbei um kurze zumeist fiktionale Prosa-Erzählungen mit einem einfachen Handlungsstrang, an dessen Ende implizit oder explizit eine Moral bzw. eine Lehre steht. Die Protagonisten der Geschichte sind oftmals Tiere mit menschlichen Eigenschaften und festgeschriebenen Rollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Kontextualisierung
2. Bezug zum Rahmenlehrplan und Kompetenzzuwachs
3. Textanalyse
4. Vorschläge zur Verwendung der Fabel Der Rabe und der Fuchs im Fachunterricht
4.1 Pre-Reading-Activities - Aktivierung des inhaltlichen und sprachlichen Vorwissens
4.2 While-Reading-Activities - Förderung der Lesefertigkeit
4.3 Eingreifübung zur expliziten Spracharbeit
4.4 Post-Reading-Activities - Förderung der Schreibfertigkeit / Sprachproduktion
5. Fächerübergreifende Perspektive – Die Möglichkeit der Förderung von Sprachbewusstheit
6. Abschließender Kommentar
7. Literaturliste
Printmedien
Digitale Medien
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, didaktische Ansätze zur Vermittlung der Fabel „Der Rabe und der Fuchs“ (La Fontaine) für den DaZ-Unterricht (Deutsch als Zweitsprache) in den Jahrgangsstufen 7 und 8 zu entwickeln, um das Textverständnis durch gezielte Entlastungsstrategien zu verbessern.
- Didaktisierung literarischer Texte für DaZ-Lerner
- Einsatz von Pre-, While- und Post-Reading-Activities zur Sprachförderung
- Systematische Textanalyse und Identifikation sprachlicher Stolpersteine
- Förderung der Schreibkompetenz durch produktionsorientierte Aufgabenformate
Auszug aus dem Buch
3. Textanalyse
Die Fabel Der Rabe und der Fuchs (La Fontaine) offeriert typische Stolpersteine der deutschen Sprache, die vor allem DaZ-LernerInnen massive Schwierigkeiten hinsichtlich des Textverständnisses bereiten. Im Rahmen der folgenden Textanalyse sollen jene Stolpersteine herausgestellt werden, die besonders häufig in literarischen Texten, vordergründig Fabeln, zu finden sind. Dazu gehören unregelmäßige Verben, verschiedene Pro-Formen, Verben mit Verbklammer, Komposita und Vokabular in nicht mehr gebräuchlicher Sprache. Die jeweiligen Erklärungen sind am rechten Rand in der gleichen Farbe markiert, wie die entsprechenden Textbeispiele. In wenigen Fällen kommt es zur Überschneidung sprachlicher Stolpersteine, dann ist das entsprechende Wort durch beide zutreffenden Farben kenntlich gemacht worden.
Abschließend ist zu erwähnen, dass der gesamte Text im Präteritum verfasst ist, was eine zusätzliche Schwierigkeitshürde für das Textverständnis von DaZ-LernerInnen darstellt.
Die ausführliche Textanalyse befindet sich im Anhang.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Kontextualisierung: Dieses Kapitel erörtert die Relevanz der Fabeldidaktik für DaZ-Lerner vor dem Hintergrund statistischer Daten zum Schulerfolg von Lernenden mit Migrationshintergrund.
2. Bezug zum Rahmenlehrplan und Kompetenzzuwachs: Hier wird der fachliche Rahmen abgesteckt und dargelegt, wie die Arbeit mit Fabeln zur Erfüllung der Kompetenzbereiche des Berliner Rahmenlehrplans beitragen kann.
3. Textanalyse: Dieses Kapitel identifiziert sprachliche Hürden im Originaltext, wie etwa Präteritumformen, Pro-Formen und spezifische Wortarten, die für DaZ-Lernende besonders komplex sind.
4. Vorschläge zur Verwendung der Fabel Der Rabe und der Fuchs im Fachunterricht: Dieser Hauptteil bietet praktische Unterrichtsbausteine, unterteilt in Phasen vor, während und nach dem Lesen, inklusive gezielter Sprachübungen.
4.1 Pre-Reading-Activities - Aktivierung des inhaltlichen und sprachlichen Vorwissens: Der Fokus liegt auf der Motivation und der Aktivierung von Vorwissen durch visuelle Impulse wie Cartoons.
4.2 While-Reading-Activities - Förderung der Lesefertigkeit: Dieses Unterkapitel stellt Übungen zur Erstrezeption und Detailrezeption vor, um das Textverständnis schrittweise aufzubauen.
4.3 Eingreifübung zur expliziten Spracharbeit: Hier werden gezielte Übungen zu Pro-Formen erläutert, um die Kohärenz und Kohäsion beim Lesen und Schreiben zu verbessern.
4.4 Post-Reading-Activities - Förderung der Schreibfertigkeit / Sprachproduktion: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die produktive Anwendung des Gelernten durch Formate wie den „halboffenen Text“ oder das Schreiben eines Briefes.
5. Fächerübergreifende Perspektive – Die Möglichkeit der Förderung von Sprachbewusstheit: Abschließend wird der parabolische Charakter der Fabel und die Bedeutung der ästhetischen Sprache für die allgemeine Sprachbewusstheit reflektiert.
6. Abschließender Kommentar: Ein persönliches Resümee zur praktischen Umsetzbarkeit und dem Wunsch nach Erprobung der Materialien im Unterricht.
7. Literaturliste: Aufzählung der verwendeten Print- und digitalen Medien zur Untermauerung der didaktischen Überlegungen.
Schlüsselwörter
DaZ-Unterricht, Fabel, Sprachförderung, Lesekompetenz, Textentlastung, Literarische Texte, Sprachbewusstheit, Pro-Formen, Schreibfertigkeit, Textanalyse, Binnendifferenzierung, Kompetenzzuwachs, Sprachproduktion, La Fontaine, Sekundarstufe I.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Aufbereitung des literarischen Textes der Fabel „Der Rabe und der Fuchs“ für den Deutschunterricht mit DaZ-Lernenden in der Sekundarstufe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Textentlastung bei literarischen Texten, die Förderung von Lese- und Schreibfertigkeiten sowie die explizite Spracharbeit im fachorientierten Deutschunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch methodisch durchdachte Phasen (Pre-, While-, Post-Reading) Barrieren abzubauen, die DaZ-Lernende bei der Rezeption anspruchsvollerer Texte behindern, und deren Sprachbewusstheit zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine didaktische Konzeptarbeit, die auf einer fundierten Textanalyse basiert und bewährte Methoden der Sprachförderung und Textentlastung auf das spezifische Beispiel der Fabel anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in konkrete Unterrichtsvorschläge: Aktivierung von Vorwissen, Leseverständnisübungen, grammatische Eingreifübungen zu Pro-Formen sowie Schreibanlässe zur produktiven Textverarbeitung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe DaZ-Didaktik, Textentlastung, Sprachförderung und Fabelanalyse definieren.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen verschiedenen Lesestufen?
Die Autorin unterscheidet zwischen Globalverständnis (Erstrezeption) und Detailrezeption, wobei durch Binnendifferenzierung auch leistungsstärkere Schüler durch synonyme Aufgabenstellungen herausgefordert werden.
Warum wird speziell die Fabel „Der Rabe und der Fuchs“ didaktisiert?
Aufgrund ihres einfachen Handlungsstrangs, des überschaubaren Umfangs und der moralischen Struktur eignet sich die Fabel ideal als Einstieg in die systematische Textanalyse und zur Arbeit an typischen sprachlichen Stolpersteinen.
Welche Bedeutung haben Pro-Formen in diesem didaktischen Kontext?
Pro-Formen werden als zentrale sprachliche Mittel für die Textkohärenz identifiziert, deren Verständnis für DaZ-Lernende oft eine große Hürde darstellt, weshalb ihnen ein eigenes Kapitel zur expliziten Übung gewidmet ist.
Was ist das Ergebnis der Überlegungen zum Schreibprozess?
Der Schreibprozess wird durch Vorentlastung gestützt, etwa durch die Vorgabe von Anfangs- und Endsätzen oder die Bereitstellung von Formulierungshilfen, was den Lernenden Sicherheit bei der eigenständigen Sprachproduktion gibt.
- Quote paper
- Julia O. (Author), 2015, Didaktisierung eines literarischen Textes unter sprachfördernden Aspekten. Die Fabel „Der Rabe und der Fuchs“ von La Fontaine, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319934