Unterrichtsstunde zu "Undine geht" von Ingeborg Bachmann (Gymnasium Klasse 11, Deutsch Grundkurs)


Unterrichtsentwurf, 2013
24 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Bedingungsanalyse

3.) Sachanalyse

4.) Didaktische Analyse

5.) Methodische Analyse

6.) Lernziele

7.) Dokumentation

8.) Schluss

9.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Ich habe mich bei meinem Unterrichtsentwurf für die Behandlung der Erzählung „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann entschieden, da ich zuvor mit der Klasse zwei Undinen- Gedichte von Eichendorff gelesen habe. Diese beiden Gedichte stammen aus der Romantik und ich habe mit den Schülerinnen und Schülern sowohl die Motive der Romantik, als auch die Darstellungen der Undinen in diesen Gedichten besprochen. Zur Zeit der Romantik, erfolgten die Gedichte immer aus der Sicht des Mannes und die Undinen wurden dementsprechend anders dargestellt. Sie verkörperten immer etwas Gefährliches und Triebhaftes. Die Erzählung „Undine geht“ ist eine moderne Erzählung und setzt sich mit dem Undinen-Stoff aus der Romantik auseinander. Anders ist hierbei, dass die Erzählung aus der Sicht der Undine berichtet wird und somit ein anderes Frauenbild bzw. Bild der Undine darstellt. In dieser Erzählung wird die Undine zwar auch als impulsiv und emotional dargestellt, jedoch nicht als gefährlich. Sie ist verletzt und enttäuscht über das Verhalten von Hans und erzählt ihre Sichtweise der Dinge. Diese Erzählung bietet sich somit dazu an, eine andere Perspektive solcher Erzählungen kennen zu lernen und die Darstellung der Undine in der Romantik mit der Darstellung in „Undine geht“ zu vergleichen.

Des Weiteren bietet die Erzählung den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, sich in die Sichtweise der Undine einzufühlen und diese nachzuvollziehen. Dies fördert die Empathie der Schüler und bietet ihnen die Möglichkeit sich mit dieser zu identifizieren. Auch die Themen, die in „Undine geht“ angesprochen werden, wie das Scheitern der Liebe, der Wunsch nach Freiheit und bedingungsloser Liebe sowie die Thematisierung der Gesellschaft und der Technik, bieten den Schülern Themen, die sie selbst auch betreffen und sind somit hilfreich für die Identitätsfindung der Schüler.

Die Schüler sollen Undine und Hans charakterisieren und damit die verschiedenen Perspektiven der beiden nachvollziehen und diese mit Zitaten belegen. Dadurch werden sowohl die methodischen Kompetenzen der Textanalyse gefördert als auch die Empathie der Schüler. Danach sollen die Ergebnisse der Klasse präsentiert werden, um die Sprach- und Präsentationskompetenz der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Zum Ende hin werden die Ergebnisse besprochen und der Grund für das Scheitern der Beziehung zwischen Hans und Undine besprochen.

Meine Vorgehensweise in der schriftlichen Unterrichtsplanung lautet wie folgt: In der Bedingungsanalyse werden die Voraussetzungen für die Unterrichtsstunde und die Klassensituation geklärt. Die Sachanalyse beinhaltet meine Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsgegenstand, die Analyse und Interpretation der Erzählung, die die Schüler gelesen haben sollen. In der didaktischen Analyse stelle ich den Bezug zwischen dem Unterrichtsinhalt und dem Lehrplan her, erläutere die Stellung der Stunde in der Unterrichtsreihe und die Ziele, die ich mit den Schülern erreichen möchte. Die zentralen Ziele sollen die Textanalyse und – interpretation sein, welche durch die Charakterisierung von Undine und Hans umgesetzt werden. Daraufhin folgt die methodische Analyse, in welcher die angewandten Methoden und Sozialformen aufgezeigt- und begründet werden. Zum Schluss werden die Lernziele der Stunde erläutert. In der Dokumentation werden der Arbeitsauftrag an der Tafel und das Tafelbild zur Ergebnissicherung hinzugefügt. Am Ende folgt mein Fazit aus der Unterrichtsstunde.

2.) Bedingungsanalyse

Es handelt sich hierbei um eine Unterrichtsplanung für die Klasse 11.1, Deutsch, Grundkurs.

Die Größe der Klasse ist sehr überschaubar und beherbergt 24 Schüler, davon 14 Mädchen und 10 Jungen. Die meisten der Schülerinnen und Schüler sind 18 Jahre alt, 2 Mädchen der Klasse sind 19.

Die Lehrperson befindet sich im Referendariat, bringt also noch nicht sehr viele Lehr-Erfahrungen mit sich. Wir befinden uns in der Mitte des Halbjahres 13.2 und die Lehrkraft unterrichtet die Klasse seit einem halben Jahr. Die Schüler sind sehr motiviert, aufmerksam und lernwillig, die meisten der Schüler nehmen interessiert am Deutsch- Unterricht teil. Obwohl die Lehrkraft sich noch im Referendariat befindet und noch wenig Erfahrung mit sich bringt, sind die Schüler ihr gegenüber respektvoll und folgen dem Unterricht. Es herrscht eine angenehme Klassen- und Arbeitsatmosphäre. Das Verhältnis zwischen den Schülerinnen und Schülern ist ebenfalls gut. Die Schülerinnen und Schüler begegnen sich mit Respekt. Bis auf einige, kurze Privatgespräche, die von der Lehrperson unterbunden werden, finden keine Störungen des Unterrichts statt. Die Hausaufgaben werden, bis auf wenige, seltene Ausnahmen, erledigt. Die Schüler bewegen sich auf das Abitur zu, sind sich dessen bewusst und daher sehr diszipliniert.

Die Klasse bevorzugt den routinierten Klassenunterricht, insbesondere das Unterrichtsgespräch und den Lehrervortrag, sind aber auch Gruppenarbeiten nicht abgeneigt. Bei Gruppenarbeiten allerdings bevorzugen die Mädchen der Klasse Partnerarbeit, während die Jungen der Klasse die Arbeit in größeren Gruppen bevorzugen. Deshalb wechselt die Lehrkraft oft zwischen diesen beiden Sozialformen. Offene, kreative Impulse und Methoden werden des Öfteren genutzt, um das Interesse und die Motivation der Schüler zu fördern.

Die Schülerinnen und Schüler befinden sich auf einem angemessenen Wissenstand, die vorherigen Lehrerinnen und Lehrer haben sich an den Lehrplan gehalten und die Schüler besitzen alle Kompetenzen, die sie bis zu diesem Punkt, an dem meine Stunde einsetzt, benötigen. Das heißt also, die Schüler verfügen über die methodischen Kompetenzen und Arbeitstechniken, wie Lesetechniken, Markieren, Exzerpieren, Zitieren, Zusammenstellen der gewonnenen Information in einen klaren, verständlichen Zusammenhang, auch unter Einbeziehung von Visualisierungstechniken, Lesekompetenz (Texte verstehen) und rhetorische Kompetenz (Texte verfassen). [1] Diese Kompetenzen müssen lediglich vertieft und wiederholt, sowie der Wissenstand erweitert werden.

Die geplante Deutschstunde findet mittwochs in der ersten Stunde statt.

3.) Sachanalyse

Meiner schriftlichen Unterrichtsplanung zu Ingeborg Bachmanns „Undine geht“, gehen zwei Stunden zu zwei anderen Undinen- Gedichten voraus. Zuvor wurde die „Lockung“ und „Der stille Grund“ von Eichendorff gelesen. Dabei wurden die Motive der Romantik (Sehnsuchtsmotiv, Vanitas, Traummotiv, Nacht, Einsamkeit, etc.) besprochen sowie die Darstellung der Nixen in diesen beiden Erzählungen. Die Nixen stehen hierbei immer für die Natur und die Triebe. Die Männer werden von diesen, aktiv oder passiv, verlockt, ihren Trieben zu folgen. Die Nixen haben immer etwas Gefährliches an sich. Meist erfolgt der Tod, wenn sich die Männer auf die Nixen einlassen. Das heißt, hierbei wird der Zwiespalt des Menschen zwischen Kultur und Vernunft versus Natur und Trieben thematisiert. Die Erzählungen erfolgen jedoch immer aus der Sicht der Männer und nicht aus der Sicht der Undine. Die Erzählung „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann erfolgt jedoch aus der Sicht der Undine und zeigt eine andere Perspektive auf. Aus diesem Grunde ist es interessant, diese Erzählung zu behandeln und in diese andere Perspektive einzusteigen.

Den Schülerinnen und Schülern ist somit die Thematik des Undinen- Stoffs nicht gänzlich unbekannt. Als Hausaufgabe sollten die Schüler, vor dem Einsatz meiner Stunde, die Erzählung „Undine geht“ von Ingeborg Bachmann lesen, damit ich diese in der nächsten Stunde mit ihnen besprechen und bearbeiten kann.

Meine Stunde beginnt mit einem kurzen Lehrer- Schüler Gespräch, in welchem ich mit den Schülern bespreche, welche Erzählperspektive hier herrscht, wie die Erzählung auf die Schüler gewirkt hat und worum es im Groben geht.

Daraufhin werde ich die Schülerinnen und Schüler in Gruppen einteilen, um den Text zu analysieren. Vier Gruppen sollen dabei Hans charakterisieren, wobei sich zwei Gruppen auf die negativen Eigenschaften von Hans- und zwei Gruppen auf die positiven Eigenschaften von Hans konzentrieren sollen. Zwei weitere Gruppen sollen die Undine charakterisieren.

Dabei sollen die Schüler ihre Aussagen bei der Charakterisierung mit Zitaten belegen. (Der Arbeitsauftrag für die einzelnen Gruppen wurde von mir vor der Stunde, mit einem Beispiel dazu, an der Tafel notiert, damit sich die Schüler während der Gruppenarbeitsphase daran orientieren können.)

Die Ergebnisse sollen danach, in Form von Plakaten, präsentiert- und in einem weiteren Lehrer- Schüler- Gespräch besprochen und gegebenenfalls korrigiert werden.

Danach soll der Grund für das Scheitern der Beziehung von Undine und Hans besprochen- und die Ergebnisse an der Tafel festgehalten werden.

Um die Verstehensschritte der Schülerinnen und Schüler nachzuvollziehen, wird der Inhalt dieser Erzählung nun im folgenden Abschnitt wiedergegeben und analysiert.

„Undine geht“ von Ingeborg Bachmann, ist eine Erzählung aus der Sicht der Undine, in welcher Undine mit Hans abrechnet, beziehungsweise diesen anklagt, für das, was er ihr angetan hat. Das heißt, Undine ist hier das lyrische Ich und die Erzählweise ist subjektiv. Über die Meinung von Hans zu diesem Geschehen, erfährt man nur aus der Sicht der Undine.

Im Laufe der Erzählung lässt sich erschließen, dass es sich hier nicht nur um einen Hans handelt, sondern um mehrere Hänse, das heißt, Undine spricht hier von mehreren Männern. Hans steht also für alle Männer.

Die Erzählung beginnt mit einer Anklage an die Gesellschaft. Repräsentanten der Gesellschaft sind die Männer. Für die Männer im Allgemeinen steht hier Hans. Undine erläutert, zu welchem Zeitpunkt und an welchem Ort sie Hans trifft.

„Ihr Menschen! Ihr Ungeheuer! Ihr Ungeheuer mit dem Namen Hans! Mit diesem Namen, den ich nie vergessen kann.

Immer wenn ich durch die Lichtung kam und die Zweige sich öffneten, wenn die Ruten mir das Wasser aus dem Gesicht schlugen, die Blätter mir die Tropfen von den Haaren leckten, traf ich auf einen, der Hans hieß“[2]

Im nächsten Abschnitt der Erzählung erläutert sie, welche Arten von Männern sie getroffen hat. Jeder Mann ist dabei anders und doch sind sie alle gleich.

„Ihr Monstren, mit den festen und unruhigen Händen, mit den kurzen blassen Nägeln, den zerschürften Nägeln mit den schwarzen Rändern, den weißen Manschetten um die Handgelenke, den ausgefransten Pullovern, den uniformgrauen Anzügen, den groben Lederjacken und den Sommerhemden!“[3]

Sie sagt, sie werde nie wieder „Ja“ sagen und sich nie wieder auf einen Hans einlassen. Beide leben in unterschiedlichen Welten. Hans lebt in der irdischen Welt. Er ist den Gesetzmäßigkeiten der Zeit unterworfen. Die Grenze seines Lebens ist der Tod. In seinem begrenzten Dasein, muss er sich den Regeln der Gesellschaft unterwerfen. Undines Element ist das Wasser. Sie lebt Jenseits von Zeit.

Diese beiden Welten sind nicht zu vereinen. Jedoch hatte es Undine immer wieder versucht. Sie versuchte, sich auf die Welt des Hans einzulassen und zu lieben. Jedes Mal, wenn Hans „Ja“ sagte, war sie dazu verdammt zu lieben. Sie beschreibt ihre Art der bedingungslosen Liebe und den Unterschied zwischen deren beiden Lebenswelten im folgenden Zitat:

„Ich habe keine Kinder von Euch, weil ich keine Fragen gekannt habe, keine Forderung, keine Vorsicht, Absicht, keine Zukunft und nicht wusste, wie man Platz nimmt in einem anderen Leben. Ich habe keinen Unterhalt gebraucht, keine Beteuerung, keine Versicherung, nur Luft, Nachtluft, Küstenluft, Grenzluft, um immer wieder Atem holen zu können für neue Worte, neue Küsse, für ein unaufhörliches Geständnis: Ja. Ja. Wenn das Geständnis abgelegt war, war ich dazu verurteilt zu lieben; wenn ich eines Tages freikam aus der Liebe, musste ich zurück ins Wasser gehen, in dieses Element, in dem sich niemand ein Nest baut, sich ein Dach aufzieht über Balken, sich bedeckt mit einer Plane. Nirgendwo sein, nirgendwo bleiben. Tauchen, ruhen, sich ohne Aufwand von Kraft bewegen – und eines Tages sich besinnen, wieder auftauchen, durch eine Lichtung gehen, ihn sehen und „Hans“ sagen. Mit dem Anfang beginnen.“

[...]


[1] Vgl.: Download.bildung.hessen.de/unterricht/lernarchiv/lehrplaene/gymnasium_g9/deutschg9/LpgymDeutsch.pdf (S.48), 18.03.13

[2] R. Max, Frank (Hg.): Undinenzauber- Geschichten und Gedichte von Nixen, Nymphen und anderen Wasserfrauen. Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co., 2009. S.241

[3] Ebd. S.242

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde zu "Undine geht" von Ingeborg Bachmann (Gymnasium Klasse 11, Deutsch Grundkurs)
Hochschule
Technische Universität Darmstadt
Veranstaltung
Undinenzauber
Note
2,0
Jahr
2013
Seiten
24
Katalognummer
V320325
ISBN (eBook)
9783668207684
ISBN (Buch)
9783668207691
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Charakterisierung, Undine, Ingeborg Bachmann
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Unterrichtsstunde zu "Undine geht" von Ingeborg Bachmann (Gymnasium Klasse 11, Deutsch Grundkurs), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320325

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