Traumatisierte Flüchtlinge in Deutschland. Beschreibungs-, Erklärungs- und Handlungsmodelle der Posttraumatischen Belastungsstörung


Hausarbeit, 2015
23 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinitionen
2.1 Der Terminus ‘Migration‘
2.2 Was ist ein Flüchtling?

3 Gesundheitliche Situation von MigrantInnen und Flüchtlinge in Deutschland
3.1 Allgemeine gesundheitliche Lage von MigrantInnen und Flüchtlingen
3.2 Psychischer Gesundheitszustand von Flüchtlingen

4 Beschreibung
4.1 Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS)
4.2 Posttraumatische Belastungsstörungen im Kontext von Flüchtlingen

5 Erklärungsmodelle
5.1 Multifaktorielles Rahmenmodell
5.2 Sozial - interpersonelles Modell

6 Handlungsansätze zur Behandlung traumatisierter Flüchtlinge
6.1 Ein multiprofessionelles Behandlungsangebot am Beispiel vom Zentrum für Integrative Psychiatrie
6.2 Sequenzielle Traumatisierung und das STOP-Modell

7 Fazit
7.1 Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse
7.2 Ausblick: Welche Rolle spielt die Soziale Arbeit bei der Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen?

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Nach Schätzungen des United Nations High Commissioner for Refugees (UNHCR) befinden sich weltweit ca. 60 Millionen Menschen auf der Flucht, von denen mehr als die Hälfte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahre sind (vgl. UNHCR 2015, S. 2-3). „Sie haben auf der Flucht Gefahren und traumatisierende Ereignisse erlebt und werden auch im Aufnahmeland mit Belastungen und Ereignissen konfrontiert, die traumatische Ausmaße annehmen können.“ (Gavranidou et. al. 2008, S. 224) Da die Anzahl an Flüchtlingen weltweit sehr hoch ist und diese oft traumatische Erfahrungen erleben, ist das Thema Trauma von großer Relevanz. Vor allem, wenn man die Tatsache in Betracht zieht, dass nahezu 50% der Flüchtlinge an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden (vgl. Polat 2013, S. 370).

Ziel dieser Arbeit ist es deshalb, die Posttraumatische Belastungsstörung im Kontext von Flüchtlingen zu thematisieren. Folgende Leitfragen begleiten diese Arbeit: Was ist eine Posttraumatische Belastungsstörung? Wie häufig tritt diese bei Flüchtlingen auf? Wie lässt sich die Posttraumatische Belastungsstörung erklären und welche Erklärungsmodelle in Bezug auf Flüchtlinge sind eher heranzuziehen? Welche Handlungsansätze können zur Behandlung einer Posttraumatischen Belastungsstörung bei Flüchtlingen angewendet werden? Und welche Rolle spielt dabei die Soziale Arbeit? Diese Fragestellungen werden in dieser Arbeit auf Basis von Fachliteratur ausführlich diskutiert.

In der vorliegenden Arbeit werde ich im ersten Kapitel zunächst einmal die Termini Migration und Flüchtling definieren und voneinander abgrenzen. Bevor ich auf die psychische Krankheit der Posttraumatischen Belastungsstörung eingehe, werde ich ein Überblick über die gesundheitliche Lage von MigrantInnen und Flüchtlingen geben. Danach soll die psychische Krankheit der Posttraumatischen Belastungsstörung allgemein und im Kontext von Flüchtlingen beschrieben werden. Darauf aufbauend werden zwei von mir ausgewählte Erklärungsmodelle erläutert, die die Posttraumatische Belastungsstörung aus verschiedenen Perspektiven (z.B. Risikofaktoren, Ursachen) beleuchten. Im vierten und letzten Kapitel dieser Arbeit werde ich zwei Handlungsansätze darlegen, bei der vor allem die Bedeutung der Sozialen Arbeit hervorgehoben wird. In meinem Fazit werde ich die wichtigsten Ergebnisse zusammenfassen und die Rolle der Sozialen Arbeit in der Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen kritisch reflektieren. Im Laufe dieser Arbeit werde ich, aufgrund der Kürze der Arbeit, nicht alle psychischen Krankheiten näher erläutern.

2 Begriffsdefinitionen

Im Vorfeld müssen nun erst einmal die Begriffe Migration und Flüchtling näher erläutert und voneinander unterschieden werden. Der erste Abschnitt thematisiert den vielfältigen Terminus ‘Migration‘. Der zweite Abschnitt beschreibt, was ein Flüchtling ist.

2.1 Der Terminus ‘Migration‘

Der Terminus ‘Migration‘ umfasst eine vielfältige und unterschiedliche Bevölkerungsgruppe. Allgemein bezeichnet er alle Menschen, die ihren Wohnort verlegen (vgl. Hornung 2014, S. 367). Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge unterscheidet dabei zwischen internationaler Migration und Binnenmigration. Von internationaler Migration spricht man dann, wenn sie über Staatsgrenzen passiert und von Binnenmigration wenn man seinen Wohnort innerhalb eines Staates verlegt (BAMF 2015, S. 10). In dieser Arbeit ist die internationale Migration von Bedeutung. Die Ursache einer Migration schafft eine erste Unterscheidung z.B. in Arbeitsmigration, Spätaussiedler, Zwangsmigration und Fluchtmigration. Weitere Unterscheidungen berücksichtigen den wirtschaftlichen, kulturellen, religiösen und sozialen Hintergrund (vgl. Hornung 2014, S. 367). Laut dem Statistischen Bundesamt gelten „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“ (Statistisches Bundesamt 2013, S. 6) als Menschen mit Migrationshintergrund. Derzeit hat etwa ein Fünftel (20,5 %) der Bevölkerung in Deutschland, also rund 16,5 Mio. Menschen, einen Migrationshintergrund vgl. ebd., S. 5).

Somit ist Migration ein vielfältiger und komplexer Oberbegriff, unter dem auch der Flüchtlingsbegriff gefasst werden kann. Wer als Flüchtling gilt, wird im folgenden Abschnitt näher erläutert.

2.2 Was ist ein Flüchtling?

Nach der Definition der UNHCR aus dem Jahr 1951 ,,findet der Ausdruck , ‘Flüchtling‘, auf jede Person Anwendung: (...) die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt, und den Schutz dieses Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will; oder die sich als staatenlos infolge solcher Ereignisse außerhalb des Landes befindet, in welchem sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt hatte, und nicht dorthin zurückkehren kann" (UNHCR 1951, Art.1; Kapitel A, Nr.2). Somit ist ein Flüchtling, eine Person, die ihren Wohnort aufgrund unterschiedlicher prekärer Faktoren verlassen muss und in diesem auch keinen Schutz mehr findet. Naturkatastrophen und Kriege verursachen solche Umstände auf der ganzen Welt. Aktuelle Konflikte in Syrien, Afghanistan, Nordafrika (Arabischer Frühling) oder auch vergangene Kriege im Irak, dem ehemaligen Jugoslawien oder Ruanda führen zu einem stetigen Anstieg der Flüchtlingszahlen in Europa (vgl. Feldmann und Seidler 2013, S. 9). Diese Menschen fliehen aus ihrer Heimat, um dort der drohenden Gewalt und den prekären Umständen zu entkommen, und riskieren ihr Leben auf der Flucht, mit der Hoffnung, ein sicheres Leben in einem neuen fremden Land führen zu können (vgl. ebd., S. 9). Laut Statistiken des UNHCR gehört Deutschland mit einer Aufnahme von ca. 600.000 Flüchtlingen zu den fünf größten Aufnahmeländern in Europa (vgl. Polat 2013, S. 368).

Es stellt sich nun die Frage, ob und inwieweit sich Migration und Flucht auf die Gesundheit auswirkt? Diese Frage wird im nächsten Kapitel diskutiert.

3 Gesundheitliche Situation von MigrantInnen und Flüchtlingen in Deutschland

Im ersten Abschnitt dieses Kapitels wird es nicht möglich sein, vollständig zwischen der Gesundheit von MigrantInnen und von Flüchtlingen zu unterscheiden, da es dazu bisher keine bzw. nicht ausreichend Literatur gibt. Im zweiten Abschnitt geht es dann ausschließlich um den psychischen Gesundheitszustand von Flüchtlingen.

3.1 Allgemeine gesundheitliche Lage von MigrantInnen und Flüchtlingen

Die Gesundheit und Krankheit der MigrantInnen hängen von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Die Migration an sich, kann so ein Faktor sein. Sie selbst führt nicht dazu, dass man krank wird. Durch die Migration können beim Menschen Ressourcen aktiviert werden (vgl. Hornung 2014, S. 367-368). „In vielen Fällen jedoch kumulieren bei Migranten Belastungen und Beeinträchtigungen und erhöhen damit die gesundheitliche Vulnerabilität.“ (ebd., S. 368) Bisher ist bekannt, dass es vielschichtige Zusammenhänge zwischen Migration und Gesundheit gibt (vgl. Robert Koch Institut 2015, S. 543). Sehr viele MigrantInnen sind im Gegensatz zur Gesamtbevölkerung ökonomisch und sozial benachteiligt. Deswegen muss auch ihr Gesundheitszustand messbar prekärer sein.

Erkenntnisse aus der Sozialepidemiologie zeigen, dass ein geringer sozioökonomischer Status das Risiko eines früheren Todes und einer Krankheit erhöht. Spannend ist, dass MigrantInnen die nach Europa oder USA eingewandert sind, eine niedrigere Sterblichkeit im Vergleich zur Gesamtbevölkerung aufweisen. In der Fachterminologie spricht man hier von einem ‘Healthy Migrant Effect‘ (vgl. Razum, Spallek 2009, S. 1). Mit zunehmender Aufenthaltsdauer in Deutschland ist ein gesundheitlicher Nachteil erkennbar. Dies kann man in einigen Bereichen zur gesundheitlichen Lage der MigrantInnen beobachten. Dabei zeigt sich, dass diese nicht besser gestellt sind als die Gesamtbevölkerung in Deutschland, sondern eher einen schlechteren Zustand mit zunehmender Aufenthaltsdauer aufweisen. Beispielsweise ist die psychische Gesundheit der Gesamtbevölkerung ohne Migrationshintergrund besser, als die der MigrantInnen (vgl. Robert Koch Institut 2015, S. 543). Des Weiteren gibt es bestimmte MigrantInnengruppen die besonders ökonomisch und sozial benachteiligt sind, da ihnen der Zugang zur Gesundheitsversorgung komplett oder teilweise fehlt. Dies betrifft vor allem Flüchtlinge ohne Aufenthaltsstatus (sogenannte „Irreguläre MigrantInnen“) in Deutschland (vgl. Razum, Saß 2015, S. 513).

3.2 Psychischer Gesundheitszustand von Flüchtlingen

Flüchtlinge sind sehr oft psychosozial1 belastet. Das gesellschaftliche und soziale Milieu sowie beeinträchtigende und prekäre Lebensbedingungen in dem eingewanderten Land, spielen bei der Entstehung und Aufrechterhaltung psychischer Auffälligkeiten eine große Rolle (vgl. Brandmaier 2013, S. 15). Gründe können aber auch die Verfolgung im Herkunftsland oder die Folge der Wanderungsbedingung sein. Darüber hinaus können auch die Anpassungsbedingungen in der Mehrheitsgesellschaft dazu führen, dass Flüchtlinge häufig psychische Krankheiten aufweisen. Die Risiken, psychisch belastet zu sein, sind jedoch bei den einzelnen Flüchtlingsgruppen je nach Herkunftsland und Migrationsbedingung unterschiedlich (vgl. Alicke 2013, S. 293).

Laut Oliver Razum und Jacob Spallek sind die psychosozialen Auffälligkeiten durch politische Verfolgung im Heimatland oder Trennung der Familie bisher schwer zu messen und schlecht dokumentiert. Die Situation von Flüchtlingen ohne rechtlich gesicherten Aufenthaltsstatus (Flüchtlinge ohne Pass oder Flüchtlinge die Asyl beantragt haben) ist besonders prekär. Dieser Personenkreis ist besonders vulnerabel und daher anfällig für psychische Belastungen.

[...]


1 Psychosoziale Gesundheit beschreibt die nichtkörperlichen Ebenen der Gesundheit, also die psychischen und sozialen Aspekte, welche sich wechselseitig bedingen (vgl. Kälble 2011, S. 683).

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Details

Titel
Traumatisierte Flüchtlinge in Deutschland. Beschreibungs-, Erklärungs- und Handlungsmodelle der Posttraumatischen Belastungsstörung
Autor
Jahr
2015
Seiten
23
Katalognummer
V320625
ISBN (eBook)
9783668198647
ISBN (Buch)
9783668198654
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
traumatisierte, flüchtlinge, deutschland, beschreibungs, erklärungs-, handlungsmodelle, posttraumatischen, belastungsstörung
Arbeit zitieren
Jehad Mohammad (Autor), 2015, Traumatisierte Flüchtlinge in Deutschland. Beschreibungs-, Erklärungs- und Handlungsmodelle der Posttraumatischen Belastungsstörung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320625

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