Aufgrund der institutionellen und staatlichen Rahmenbedingungen spielt die Mitbestimmung in Deutschland eine besondere Rolle. Hierbei wird zwischen Mitbestimmung auf Betriebsebene bzw. Mitbestimmung auf Unternehmensebene unterschieden, wobei die betriebliche Mitbestimmung in dieser Untersuchung im Fokus steht. Mitbestimmung auf Betriebsebene wird durch den Betriebsrat dargestellt und kann unter Umständen einen Einfluss auf Produktinnovationen ausüben. Diese Ausarbeitung soll zum einen den Einfluss eines Betriebsrats auf Produktinnovationen untersuchen und darüber hinaus den Einfluss eines verschieden stark eingebundenen Betriebsrates identifizieren.
Im Rahmen dieser Ausarbeitung soll die folgende Forschungsfrage beantwortet werden: Inwiefern kann Mitbestimmung die Innovation in Unternehmen fördern? Um diese Frage zu beantworten, gilt es zunächst einige Unterstellungen vorzunehmen:
1. Arbeitnehmer verfügen über Wissen, welches bei den Führungskräften nicht vorhanden ist.
2. Arbeitnehmer sind motiviert, die Fähigkeiten und Fertigkeiten nach eigenem Ermessen anzuwenden.
3. Die Unternehmensstrategie ist darauf bedacht, die Anwendung des Wissens durch den Arbeitnehmer zu ermöglichen.
Die Theorie suggeriert, dass eine institutionelle Mitbestimmungsinstitution Vertrauen der Belegschaft sichert und eine gewisse Kontrollfunktion für das Unternehmen darstellt. Dies führt dazu, dass Humankapital an das Unternehmen gebunden und somit das Potenzial zur Sicherung von Innovationen gesteigert werden kann. Damit dies geschieht, ist jedoch die Motivation der Arbeitnehmer und der Wille der Unternehmensleitung notwendig.
Mit dem zugrunde liegenden Datensatz der sechsten Welle des NIFA-Panels soll die Theorie, insbesondere die zwei aufgestellten Hypothesen, einer empirischen Belastungsprobe unterzogen werden. In dem entsprechenden Abschnitt der Ausarbeitung wird zunächst eine Regression erstellt, die Variablen enthält, die keine Mitbestimmungsfaktoren betrachten. Danach werden zwei Regressionsmodelle erstellt, welche zunächst die Existenz eines Betriebsrats im Zusammenhang mit Produktinnovationen betrachten, um daraufhin den Einfluss der verschiedenen Grade der Einbindung des Betriebsrats zu untersuchen. Darüber hinaus enthalten beide Regressionsmodelle exemplarisch die Variable Gruppenarbeit, welche das Job-Design des „Empowerment“ repräsentieren soll.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie: Wie führt Mitbestimmung zur Innovation?
3 Datensatz und deskriptive Statistik
4 Ökonometrisches Modell
5 Ergebnisse der Regressionen
6 Fazit
7 Anhang:
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss betrieblicher Mitbestimmung durch Betriebsräte sowie verschiedener Formen des Jobdesigns auf Produktinnovationen in Unternehmen des Maschinenbaus. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Inwiefern kann Mitbestimmung die Innovation in Unternehmen fördern?
- Analyse der theoretischen Ansätze (Collective-Voice, Ear-Ansatz, Kündigungsschutz)
- Empirische Untersuchung anhand des NIFA-Panels (1996)
- Einfluss der Existenz eines Betriebsrats auf Produktinnovation
- Wirkung verschiedener Grade der Einbindung des Betriebsrats
- Bedeutung von Gruppenarbeit als Form von Empowerment
Auszug aus dem Buch
2 Theorie: Wie führt Mitbestimmung zur Innovation?
Die hier vorgestellten Theorien zur Funktionsweise von Betriebsräten sollen verdeutlichen, über welche Stellschrauben der Betriebsrat verfügt, mit denen er die Strategie des Unternehmens sinnvoll mitgestalten kann:
Der „Collective-Voice-Ansatz“ besagt, dass die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer steigt, sobald Interessen nicht auf individueller, sondern kollektiver Ebene eingebracht werden, welche durch den Betriebsrat repräsentiert wird. Die Beziehung der Belegschaft zum Betriebsrat suggeriert Vertrauen, wodurch die Interessen und Belange des Einzelnen durch den Betriebsrat gesammelt werden und dieser die individuellen Interessen in kollektive aggregieren und an die Unternehmensleitung weiterleiten kann. Der Dialog zwischen Management und Betriebsrat gestaltet sich in einem für den Arbeitnehmer gesetzlich geschützten Rahmen, sodass die einzelnen Mitglieder des Betriebsrats und die Arbeitnehmer nicht mit individuellen Sanktionen des Managements rechnen brauchen. Durch die Möglichkeit Kritik, Ideen und Bedürfnisse der Belegschaft weiterzuleiten – wodurch die Arbeitnehmer Wertschätzung erfahren – bleibt die Motivation dieser weiterhin erhalten und die Gestaltung des Innovationsprozesses erfolgt wechselseitig. Der Betriebsrat hat mit dem Collective-Voice-Ansatz eine „Sprachrohrfunktion“ und kann das in den Arbeitnehmern vorhandene Wissen für das Management verfügbar machen (Schwarz-Kocher, 2011).
Im Zusammenhang einer Innovation reicht die Verfügbarkeit des Wissens allein nicht aus. Darüber hinaus muss auch der Aufbau von Vertrauen der Belegschaft zum Unternehmen erfolgen. Dieser Prozess wird vom „Ear-Ansatz“ dargestellt, welcher den Collective- Voice Ansatz um eine Kontroll- und Vertrauensfunktion des Betriebsrats ergänzt. Demnach überprüft der Betriebsrat die Entscheidungsvorhaben des Managements auf deren Glaubwürdigkeit und baut Vertrauensbarrieren der Belegschaft gegenüber dem Management ab.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, inwiefern betriebliche Mitbestimmung Innovationen in Unternehmen fördern kann, und stellt die theoretischen Grundannahmen vor.
2 Theorie: Wie führt Mitbestimmung zur Innovation?: Dieses Kapitel erläutert theoretische Ansätze wie den Collective-Voice-, Ear- und Kündigungsschutz-Ansatz, um die Einflussmöglichkeiten des Betriebsrats auf Innovationsprozesse zu verdeutlichen.
3 Datensatz und deskriptive Statistik: Hier wird der verwendete Datensatz des NIFA-Panels der Ruhruniversität Bochum vorgestellt und deskriptive Statistiken zu Betriebsgröße und Mitbestimmung dargelegt.
4 Ökonometrisches Modell: Das Kapitel entwickelt die Regressionsgleichungen zur empirischen Überprüfung der Hypothesen und stellt die verwendeten Variablen sowie das Probit-Schätzverfahren vor.
5 Ergebnisse der Regressionen: Die Ergebnisse der Probit-Regressionen werden präsentiert und diskutiert, wobei insbesondere der Einfluss von Betriebsräten und Gruppenarbeit auf Produktinnovationen beleuchtet wird.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert die fehlende statistische Signifikanz der Betriebsrat-Variablen und interpretiert die positive Signifikanz von Gruppenarbeit im Kontext der theoretischen Ansätze.
7 Anhang:: Der Anhang enthält detaillierte Tabellen zu den Regressionsvariablen sowie die verwendeten Logfiles und Dofiles der statistischen Analyse.
Schlüsselwörter
Betriebliche Mitbestimmung, Betriebsrat, Produktinnovation, Maschinenbau, NIFA-Panel, Collective-Voice, Ear-Ansatz, Kündigungsschutz, Innovation, Gruppenarbeit, Empowerment, Humankapital, Regressionsanalyse, Probit-Modell, Unternehmenserfolg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss betrieblicher Mitbestimmung durch Betriebsräte auf die Innovationskraft von Unternehmen im deutschen Maschinenbau.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Fundierung der Mitbestimmungsrollen (z.B. Sprachrohr- und Kontrollfunktion), die empirische Analyse von Innovationsdaten und die Wirkung von Jobdesign-Elementen wie Gruppenarbeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob die Existenz und die Einbindung eines Betriebsrats die Wahrscheinlichkeit für Produktinnovationen positiv beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine ökonometrische Analyse auf Basis von Paneldaten (NIFA-Panel) und wenden das Probit-Verfahren zur Schätzung von Binärvariablen an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretische Herleitung der Hypothesen, die Beschreibung des Datensatzes, die Modellbildung und die Interpretation der Regressionsergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Betriebsrat, Produktinnovation, Mitbestimmung, Empowerment und Gruppenarbeit definiert.
Welchen Einfluss hat die Variable "Gruppenarbeit" auf Innovationen?
Die Untersuchung zeigt, dass Gruppenarbeit einen starken, statistisch signifikanten positiven Effekt auf Produktinnovationen hat.
Warum konnte für den Betriebsrat keine statistische Signifikanz nachgewiesen werden?
Die Autoren vermuten, dass dies an der Korrelation der Variablen untereinander und der subjektiven Einschätzung der Einbindung durch die Befragten liegen könnte.
Welche Rolle spielt die institutionelle Förderung?
Die Förderung der Produktentwicklung durch externe Institutionen zeigt in den Modellen eine sehr hohe statistische und ökonomische Signifikanz.
- Citation du texte
- Bahadir Düsendi (Auteur), Ali Salman (Auteur), Sari Fawzi Mohamed Shokr (Auteur), Aref Hesso (Auteur), 2014, Einfluss betrieblicher Mitbestimmung auf Produktinnovation im Unternehmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320729