Das deutsche Gesundheitssystem steht durch wachsenden medizinischen, pharmazeutischen und technischen Fortschritt und durch Veränderungen in der Gesellschaftsstruktur vor großen Herausforderungen. Diese betreffen auch die Berufsgruppe der Medizinisch-technischen Radiologieassistenten(MTRA). Um diesen Veränderungen entgegenzutreten sind wirtschaftlich effizientes und wissenschaftlich basiertes Handeln, sowie die Steigerung der Versorgungsqualität nötig.
Ein Weg zum Erreichen dieser Kompetenzen ist Clinical Reasoning. Es stellt eine Anleitung zum klugen Handeln für den klinisch Tätigen dar. Den Ausgangspunkt für ein erfolgreiches Clinical Reasoning bildet das integrierte, patientenorientierte Modell nach Higgs und Jones mit seinen "Herz"-Elementen „Fachwissen“, „Kognition“, „Metakognition“, sowie die Elemente „Patient“, „Umwelt“ „klinisches Problem“.
Die Studie zum Thema "Die Grundelemente des Clinical Reasoning in der medizinisch-technischen Radiologieassistenz" entstand im Rahmen einer Abschlussarbeit im Studiengang Medizinalfachberufe B.A. an der DIPLOMA - FH Nordhessen. Sie soll die Frage klären, in wie fern Clinical Reasoning in der Berufsgruppe der MTRA verbreitet ist und den Einfluss dessen auf die Handlungs- und Denkprozesse der MTRA bestimmen. Dazu wurden insgesamt 380 Teilnehmer mittels eines quantitativen Fragebogens zu ihrem Verhalten und Gedankengängen während der Behandlung/Untersuchung von Patienten befragt. Es würden Häufigkeitsverteilungen und Effektstärken berechnet. Dabei wurden diagnostisch und therapeutisch arbeitende MTRA getrennt voneinander untersucht.
Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit der Theorie von Clinical Reasoning, ordnet dieses in den Kontext des Handelns der MTRA ein und befasst sich mit der Auswertung der zuvor erhobenen Daten.
Im Schlussteil werden die Auswirkungen von Clinical Reasoning auf die Handlungs- und Denkprozesse der MTRA genauer beleuchtet. Dabei werden sowohl daraus resultierenden Möglichkeiten, als auch die Grenzen dessen genau betrachtet. Des Weiteren werden die Implementierung in die Ausbildung und Praxis sowie auch ein Ausblick auf zukünftige Forschungsfragen zu diesem Thema behandelt.
Insgesamt zeigt die Arbeit, wie sich durch qualifiziertes Clinical Reasoning die Versorgung von Patienten durch MTRA verbessern ließe, so dass die Berufsgruppe den heutigen und auch zukünftigen Herausforderungen im Gesundheitswesen gewachsen ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Anforderungen an das deutsche Gesundheitssystem
Das Modellvorhaben zur Akademisierung der Gesundheitsfachberufe
Der medizinisch-technische Assistent
Die Studie
1. Der medizinisch-technische Radiologieassistent
1.1. Über den Beruf
1.2. Die vier Fachbereiche
1.3. Ausbildung und Weiterbildung
1.4. Neue Anforderungen an den medizinisch-technischen Radiologieassistenten
1.5. Soziale Kompetenzen
2. Clinical Reasoning
2.1. Was ist Clinical Reasoning?
2.2. Das integrierte, patientenorientierte Modell des Clinical Reasoning
2.3. Wissen
2.4. Kognition
2.5. Metakognition
3. Methode
3.1. Erhebung
3.2. Online-Fragebogen
3.3. Fragen
3.4. Auswertung
4. Ergebnis
4.1. Allgemeines & Clinical Reasoning
4.2. Wissen
4.3. Kognition
4.4. Metakognition
4.5. Patient
4.6. Umwelt
4.7. Technik
4.8. Anmerkungen von Seiten der Teilnehmer
4.9. Gesamtergebnis
5. Diskussion
5.1. Zusammenfassung der Hauptergebnisse
5.2. Interpretation der Ergebnisse
5.3. Schwächen der Studie
5.4. Aussagekraft der Ergebnisse
5.5. Weitere Forschungsmöglichkeiten
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das bisher kaum erforschte Konzept des Clinical Reasoning im Berufsfeld der medizinisch-technischen Radiologieassistenz (MTRA), um dessen Einfluss auf die Handlungs- und Denkprozesse zu bestimmen. Dabei wird analysiert, wie grundlegende kognitive und metakognitive Elemente, integriert in ein patientenorientiertes Modell, die Arbeit der Fachkräfte beeinflussen.
- Grundlagen des Clinical Reasoning in Gesundheitsfachberufen
- Analyse der Handlungs- und Denkweise von MTRA
- Vergleich von diagnostisch und therapeutisch tätigen MTRA sowie Physiotherapeuten
- Einfluss von Wissensformen, Kognition und Metakognition auf klinische Entscheidungen
- Integration von patientenzentrierten und technischen Aspekten in den Arbeitsprozess
Auszug aus dem Buch
2.1. Was ist Clinical Reasoning?
„Was muss ich machen, um meinen Patienten erfolgreich zu behandeln/untersuchen? Habe ich mich dabei an den Eigenheiten, der Persönlichkeit und den Wünschen des Patienten orientiert? Woher erlange ich das nötige Wissen für die Durchführung der Behandlung/Untersuchung und wie löse ich dabei auftretende Probleme?“ Diese und andere Fragen stellen sich Kliniker im Umgang mit ihren Patienten. Die dahinterliegenden Gedanken sollen dazu dienen klinische Entscheidungen zu treffen. Man nennt diesen Prozess „Clinical Reasoning“.
Clinical Reasoning lässt sich mit „klinischem Urteil“, „klinische Argumentation“, oder „klinische Beweisführung“ übersetzen. Jedoch treffen die Übersetzungen nicht den eigentlichen Sinn des englischsprachigen Begriffes. Aus diesem Grund wird in der deutschsprachigen Literatur und im Sprachgebrauch der englische Originalbegriff verwendet. Ein Synonym für Clinical Reasoning ist das „clinical decision making“.
Der Ursprung des Clinical Reasoning liegt Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre. Der damalige Paradigmenwechsel in der Psychologie von Behaviorismus zum Kognitivismus, die sogenannte kognitive Wende, machte auch vor der medizinischen Forschung keinen Halt (vgl. Schneider 2014, Seite 264). „In den letzten Jahren haben vor allem die australischen Physiotherapeuten Jones, Higgs, Edwards und Rivett das physiotherapeutische CR unter Einfluss der Arbeiten der Ergotherapeuten Fleming und Mattingly maßgeblich geprägt“ (Tautenhahn 2013, Seite 51).
Die wohl meistverbreitete Definition verfasste der australische Physiotherapeut und Therapiewissenschaftler Mark A. Jones, welcher aufgrund seiner Forschung als einer der Väter des Clinical Reasoning gilt. „Unter Clinical Reasoning sind alle Denkvorgänge und Entscheidungsfindungen des Therapeuten während der Untersuchung und Behandlung eines Patienten zu verstehen“ (Jones 1997, Seite 6). Dazu sind die Aufnahme und Wahrnehmung von relevanten Informationen notwendig. Die gesammelten Informationen werden verarbeitet, ausgewertet und führen zusammen mit dem vorhandenen Fachwissen des Klinikers zu ersten Arbeitshypothesen. Diese werden mit den Vorstellungen und Wünschen des Patienten abgeglichen und nach pragmatischen, wirtschaftlichen, ethischen und anderen Gesichtspunkten beleuchtet. All diese Denkprozesse sind nötig, um klinische Entscheidungen treffen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der medizinisch-technische Radiologieassistent: Dieses Kapitel erläutert das Berufsbild, die verschiedenen Fachbereiche, Ausbildungsvoraussetzungen und die zunehmende Bedeutung sozialer Kompetenzen für MTRA.
2. Clinical Reasoning: Hier wird der theoretische Rahmen des Clinical Reasoning definiert und das integrierte, patientenorientierte Modell nach Higgs und Jones mit seinen zentralen Elementen wie Wissen, Kognition und Metakognition vorgestellt.
3. Methode: Das Kapitel beschreibt das Studiendesign, die Erhebung mittels eines quantitativen Online-Fragebogens sowie die Auswertungsmethode anhand von Mittelwertvergleichen und Effektstärken.
4. Ergebnis: Die empirischen Ergebnisse werden detailliert nach den untersuchten Themenfeldern wie Wissen, Kognition, Metakognition, Patient, Umwelt und Technik aufgeschlüsselt und dargestellt.
5. Diskussion: Die Befunde werden kritisch interpretiert, Schwächen der Studie benannt und Implikationen für die weitere Forschung sowie die praktische Ausbildung aufgezeigt.
Schlüsselwörter
Clinical Reasoning, MTRA, Radiologieassistenz, Patientenorientierung, Kognition, Metakognition, Fachwissen, Evidenzbasiertes Handeln, Gesundheitsfachberufe, Problemlösungsstrategien, Diagnostik, Strahlentherapie, Ausbildung, Qualitätssicherung, Klinische Entscheidung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und wie das Konzept des Clinical Reasoning in der medizinisch-technischen Radiologieassistenz angewendet wird und welchen Einfluss es auf die tägliche Arbeitsweise hat.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit fokussiert auf die Elemente Wissen, Kognition, Metakognition, Patientenzentrierung, Arbeitsumwelt und den Einsatz von Medizintechnik innerhalb der klinischen Entscheidungsfindung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, den Einfluss von Clinical Reasoning auf die Handlungs- und Denkweise von MTRA zu bestimmen, da für diese Berufsgruppe bisher kein spezielles Konzept existiert.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Studie verwendet?
Es wurde eine quantitativ-deskriptive Studie mittels Online-Fragebogen durchgeführt, die MTRA und Physiotherapeuten als Kontrollgruppe einbezog und Daten über Selbstauskünfte erhob.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Berufsbildes des MTRA, die theoretische Fundierung des Clinical Reasoning, die methodische Vorgehensweise, die detaillierte Ergebnispräsentation und deren anschließende Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Clinical Reasoning, MTRA, Patientenorientierung, Kognition, Metakognition, evidenzbasiertes Handeln und die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe.
Wie unterscheidet sich die Arbeit therapeutisch tätiger MTRA von diagnostisch tätigen Kollegen?
Die Studie zeigt, dass therapeutisch tätige MTRA stärker durch Clinical Reasoning in ihrer Handlungs- und Denkweise beeinflusst werden, wobei dieses Wissen oft erst nach der Ausbildung erworben wird.
Welche Rolle spielt die Medizintechnik im Clinical Reasoning Prozess für MTRA?
Die Arbeit erweitert das Modell des Clinical Reasoning um das Element "Technik", da der Umgang mit hochkomplexen Geräten und deren Anpassung an individuelle Patientenbedürfnisse eine zentrale Fähigkeit darstellt.
Warum spielt die ICF im Kontext der Studie eine Rolle?
Die International Classification of Functioning, Disability and Health dient als Grundlage für eine ganzheitliche bio-psycho-soziale Betrachtung des Patienten, die im Clinical Reasoning Prozess zur besseren Patientenversorgung integriert werden soll.
- Quote paper
- Bachelor of Arts Andreas Knapp (Author), 2016, Die Grundelemente des Clinical Reasoning in der medizinisch-technischen Radiologieassistenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/320742