Die Zweideutigkeit der Blindheit in "Die Heilung des blinden Bartimäus" (Religion, 7. Klasse, Werkrealschule)


Unterrichtsentwurf, 2015
26 Seiten, Note: nicht bewertet

Leseprobe

Inhalt

1. Lehr- und Lernvoraussetzungen
1.1 Lernort
1.2 Klasse
1.3 Leistungsniveau und Lernklima
1.4 Lehrperson

2. Exegetische Überlegungen / Elementare Strukturen
2.1 Textkritik
2.2. Literarkritik
2.2.1 Innerer Aufbau
2.2.2 Synoptischer Vergleich
2.3 Form- und Gattungsbestimmung
2.4 Einzelexegese
2.5 Elementare Wahrheiten

3. Didaktische Analyse
3.1 Bildungsplanbezug
3.2 Einbettung der Stunde in die Gesamteinheit
3.3 Elementare Erfahrungen
3.4 Elementare Zugänge

4. Kompetenzen

5. Methodische Analyse
5.1 Rituale
5.2 Elementare Lernformen
5.3 Aufgaben, Ergebnissicherung, Arbeitsformen und Medieneinsatz
5.4 Planungsalternativen

6. Stundenverlaufsskizze

7. Literaturverzeichnis

1. Lehr- und Lernvoraussetzungen

1.1 Lernort

Die Xxxxxxxxx-Schule ist eine Grund- und Werkrealschule in Xxxxxxxx. Sie umfasst derzeit ca. 650 Schülerinnen und Schüler[1], die in 26 Klassen von 46 Lehrkräften betreut werden.

Aufgeteilt ist die Schule auf zwei Gebäude; den Grundschul- und den Werkrealschulkomplex. Sie verfügt zusätzlich über eine Sporthalle, in der sich auch der Essraum befindet.

Im Werkrealschulkomplex befinden sich im Erdgeschoss eine Aula, ein Schülercafé sowie ein Aufenthaltsraum für die SuS. Es folgen auf den nächsten Etagen die Klassen- und Fachräume. Im dritten Stock befinden sich neben Klassen- und Fachräumen das Lehrerzimmer, das Sekretariat und das Rektorat.

Die Xxxxxxxxx-Schule ist eine Ganztagesschule; in der Grundschule bedeutet dies Kernzeitbetreuung, in der Werkrealschule ganztägiger Unterricht montags bis donnerstags mit Hausaufgaben- und Mittagszeit. Ab 07:00 Uhr können die SuS aufgrund des offenen Beginns zur Schule kommen und sich ab 07:50 Uhr im Klassenraum einfinden. Der Unterricht beginnt um 8:00 Uhr. Es folgen zwei Schulstunden ohne Pause und um 09:30 Uhr findet eine 25-minütige Pause statt. Dann folgen erneut zwei Schulstunden bis es um 11:30 Uhr eine 15-minütige Pause gibt. Unterrichtsschluss ist um 15:40 Uhr.

Das Grundschulgebäude wirkt von außen freundlich mit verschiedenen bunten Farben und Bildern. Das Werkrealschulgebäude ist dagegen eher schlicht gehalten mit Holz, das die Fassade eher dunkel erscheinen lässt und großen Fenstern.

Die Ausstattung der Schule ist ausreichend, könnte aber moderner sein. Es gibt zwar einen Computerraum und einen Laptopwagen; in den meisten Klassenräumen ist jedoch kein PC vorhanden. Ein Whiteboard hängt in dem Klassenraum der zehnten Klasse.

Die Schule liegt direkt neben einer Realschule und einem Kindergarten. Xxxxxxxx ist eine kleinere Stadt im Landkreis Ludwigsburg. Es besteht aus den Stadtteilen Xxxxxxxxxxxxxx und Xxxxxxxx und verfügt über insgesamt etwa 12000 Einwohner. Die Schule liegt im Stadtteil Xxxxxxxx. Allerdings sind die Einzugsgebiete der Schule auch Xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx weswegen es eine große Anzahl an Fahrschülern gibt.

Der Klassenraum der Klasse 7 ist relativ geräumig, im Gegensatz zu anderen Räumen aber eher kleiner. Der Raum hat an einer Seite eine Fensterfront; die Fenster sind mit bunten Wörtern freundlich gestaltet. An zwei weiteren Seiten stehen Regale, in denen die SuS ihre Bücher und Unterlagen aufbewahren, und ein Aquarium mit mehreren Fischen drin. An der einen Wandseite und an der Frontseite des Raumes hängen Tafeln; vorne gibt es auch noch ein Waschbecken und einen Overheadprojektor. An der Fensterseite steht das Lehrerpult; die Tische der SuS sind zu Gruppentischen gestellt, was für Stillarbeiten sehr geeignet ist. Schwieriger ist es, wenn sich die SuS nach vorne drehen müssen. Es sitzen immer mehrere SuS mit dem Rücken zur Lehrperson.

1.2 Klasse

In die siebte Klasse (die keine Parallelklasse hat) gehen zehn Schülerinnen und 13 Schüler verschiedener Herkunft (aus Deutschland, Thailand, Polen, Albanien oder der Türkei). Die Herkunftsunterschiede scheinen aber kein Problem darzustellen. Dennoch ist die Klassengemeinschaft nicht sehr gut. Immer wieder finden Anfeindungen statt; es wird des Öfteren gestritten und die momentane Pubertät findet in zickigem Verhalten Ausdruck. Am evangelischen Religionsunterricht nehmen vier Jungen und drei Mädchen teil. Die Mädchen verstehen sich meistens gut, bei den Jungen gibt es auch kaum Probleme.

1.3 Leistungsniveau und Lernklima

Das Leistungsniveau in der Klasse ist sehr unterschiedlich. Es gibt viele sehr schwache SuS, aber auch mehrere leistungsstarke, die zum Teil von der Realschule aufgrund von sozialem Verhalten zur Werkrealschule gekommen sind. Mehrere SuS haben noch Probleme mit der deutschen Sprache. Insgesamt könnten die meisten SuS sicher mehr zeigen und unterschätzen sich oft, viele sind aber sehr faul und nicht lernbereit. Das zeigt sich oftmals im Unterricht an der sehr geringen Beteiligung. Aufgaben werden von manchen sehr zügig und gründlich bearbeitet; andere arbeiten zwar zügig aber eher fehlerhaft; es gibt aber auch SuS, die länger Zeit für Aufgaben benötigen. Daher ist es wichtig, differenzieren zu können.

In der Klasse herrscht meistens eine große Unruhe, gerade bei Stillarbeiten wird viel geredet oder gerufen und getuschelt. Auch stehen SuS oft auf und laufen durch den Raum. Die Sitzordnung fördert dieses unruhige Verhalten; sie sollte aber erst einmal beibehalten werden, um das soziale Miteinander zu stärken. Leider wird bei falschen Antworten mancher SuS gelacht, weswegen sich meiner Meinung nach einige SuS nicht trauen, etwas zu sagen. Es gibt des Öfteren massive Störungen, weswegen teilweise SuS vom Unterricht entfernt werden müssen. Sie bekommen einen Arbeitsauftrag und werden im betreuten Stilleraum oder einer anderen Klasse untergebracht.

1.4 Lehrperson

In der Klasse unterrichte ich seit Beginn des zweiten Schulhalbjahres (Beginn des Vorbereitungsdienstes). Ich habe auch in der Klasse hospitieren und beobachten können. Mittlerweile kann ich die Klasse ganz gut einschätzen und weiß, wo die meisten Schwierigkeiten oder Probleme liegen.

Bei der Unterrichtsplanung achte ich daher auf Zusatz- oder differenzierte Aufgaben für leistungsstärkere SuS und auf verschiedene Arbeitsformen, um einerseits das soziale Miteinander zu stärken und andererseits Abwechslung und so auch mehr Motivation einzubringen.

Im Religionsunterricht konnte ich nur selten selbst unterrichten. Ein Vikar hat den Unterricht übernommen. Ich durfte dennoch mein Anfangsritual machen, um kein neues für seine Stunden einführen zu müssen. Aber da ich die Klasse aus Englisch und Deutsch kenne, müssen sich die SuS nicht neu an mich gewöhnen.

2. Exegetische Überlegungen / Elementare Strukturen

2.1 Textkritik

Im Folgenden werden die Übersetzungen der Luther-Bibel, der Zürcher Bibel sowie die der Einheitsübersetzung verglichen und Gemeinsamkeiten, als auch Unterschiede herausgestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Sprachliche sinnerhaltende Unterschiede Sinnverändernde Unterschiede

Die Unterschiede der verschiedenen Textfassungen beginnen bereits bei den Überschriften. Während sich die Lutherbibel und die Einheitsübersetzung für eine distanzierte Überschrift entschieden haben, bei der zwar der Herkunftsort der blinden Person, jedoch nicht ihr Name geklärt wird, wählte die Zürcher Bibel die Überschrift „Die Heilung des blinden Bartimäus“ und nennt sogleich den Namen. Dadurch, dass man gleich mit dem Namen konfrontiert wird, stellt man einen anderen Bezug zur Person her; einen engeren und vertrauteren als zu einer Person, deren Namen man nicht kennt. Die Zürcher Bibel beginnt also personenbezogener.

Genau so geht es auch in Vers 46 weiter, bei dem die anderen Textfassungen zwar auch den Namen erwähnen, aber erst nachdem sie ausgesagt haben, dass ein blinder Bettler am Weg saß. Die Zürcher Bibel wählt erneut den direkten Zugang und nennt zuerst den Namen und dann, dass er ein blinder Bettler ist.

In Vers 47 wird Jesus bei der Zürcher Bibel und der Einheitsübersetzung auch mit Sohn Davids angeredet. Die Lutherbibel stimmt überein, sagt jedoch „Jesus, du Sohn Davids“ anstatt „Sohn Davids, Jesus“, wodurch Jesu Bezug zu David verdeutlicht wird. Außerdem wird „erbarme dich meiner“ statt „hab Erbarmen mit mir“ verwendet. Die Lutherbibel wählt hier die etwas veraltete Version, die anderen Textfassungen wirken insgesamt sprachlich betrachtet moderner. Auffallend ist dies auch an anderen Textpassagen („Wege“ statt „Weg“ oder „Straße“, „stillschweigen“ statt „schweigen“) und auch an der in der Lutherbibel (und auch Zürcher Bibel zum Teil) oft verwendeten Hauptsatzreihung durch die Konjunktion „und“. Schöner ist hier die Variante der Einheitsübersetzung, die statt „und“ andere abwechselnde Ausdrücke verwendet, oder das „und“ weglässt.

Ein sinnunterscheidender Unterschied findet sich in Vers 49: Die Lutherbibel wählt im Gegensatz zu den anderen beiden Fassungen „sei getrost“ statt „sei guten Mutes/ hab Mut“. Mut impliziert eher Tapferkeit und Unerschrockenheit, wohingegen getrost viel deutlicher das Gefühl von vertrauensvoll, gläubig und zuversichtlich vermittelt. Das Wort „getrost“ greift viel tiefer und passt im Textzusammenhang besser. Der blinde Bettler soll nicht nur mutig sein, sondern Jesus auch vertrauen.

Vers 51 verdeutlicht die Beziehung Jesu zu Bartimäus. Die Lutherbibel beschreibt dies mit „Und Jesus antwortete und sprach zu ihm“. Die Einheitsübersetzung wählt wiederum die modernere Variante und führt durch „Und Jesus fragte ihn“ gleich auf die folgende Frage hin. Die Zürcher Bibel hingegen leitet das folgende Gespräch ein mit den Worten „Und Jesus wandte sich ihm zu und sagte“. Durch das extra erwähnte „wandte sich ihm zu“ wird deutlicher dargestellt, dass Jesus sich nicht für Bartimäus schämt oder sich nur flüchtig mit Bartimäus unterhalten will, er wendet sich ihm direkt zu, bevor er das Gespräch mit ihm beginnt. Dadurch wertschätzt er den Bettler und zeigt auch anderen deutlich, dass es keine Schande ist, sich mit ihm zu unterhalten.

Bei der folgenden Frage benutzen die Einheitsübersetzung sowie die Zürcher Bibel eine ich-bezogene Frage. Es geht darum, was Jesus für Bartimäus tun soll. Hier wählt die Lutherbibel eine andere Version: Jesus fragt Bartimäus, was dieser möchte, was Jesus für ihn tun soll. Dies zeigt, dass Jesus nicht an sich denkt, sondern an Bartimäus. Er will keinen Vorteil für sich selbst schaffen, sondern nur dem Blinden helfen.

Ein weiterer Unterschied in diesem Vers liegt in der Antwort Bartimäus‘: In der Lutherbibel steht „dass ich sehend werde“, in den beiden anderen Textfassungen soll er „wieder“ sehen können. Zum einen besteht hier ein Unterschied von sehen können zu wieder sehen können. Das „wieder“ impliziert, dass der Blinde bereits früher schon sehen konnte und dann blind geworden ist. Die Version der Lutherbibel könnte auch bedeuten, dass er von Geburt an blind ist.

Des Weiteren lässt sich in das „sehend werden“ viel stärker der Glaubensaspekt hineininterpretieren als in das „sehen können“. Das „sehend werden“ könnte auch heißen, dass Bartimäus nicht nur sehen können will, sondern auch Dinge begreifen und verstehen möchte, die er vorher nicht so sehen konnte; also nicht so erkannt hat.

Dazu passt Vers 52, in dem Bartimäus laut der Lutherbibel sehend wird und laut den anderen Textfassungen wieder sehen kann. Ein weiterer Unterschied besteht hier darin, dass Jesus in der Lutherbibel und der Einheitsübersetzung zu Bartimäus sagt, sein Glaube habe ihm geholfen. In der Zürcher Bibel wird ein viel stärkeres Wort verwendet – hier hat Bartimäus sein Glaube gerettet. Er hat ihm nicht nur geholfen, dass er nun wieder sehen kann, er hat ihn sogar gerettet.

Insgesamt gesehen ist die Textfassung der Einheitsübersetzung sprachlich die modernste und die der Lutherbibel die älteste. Es bestehen einige sinnunterscheidende Unterschiede. Im Folgenden wird die Lutherbibel als Textgrundlage verwendet, da sie für mich am nahesten am ursprünglichen Text ist. Da die für den Unterricht verwendete Erzählung abgewandelt wird vom Bibeltext, ist es kein Problem, dass die Sprache der Lutherbibel veraltet ist; sie wird modifiziert, um den SuS einen besseren Zugang zum Text zu gewähren.

2.2. Literarkritik

2.2.1 Innerer Aufbau

In der Erzählung selbst kann man einen deutlichen Spannungsbogen erkennen:

Sie wird aufgebaut durch den Weg Jesu aus Jericho und durch das Treffen auf den Bettler. Dieser bittet Jesus schreiend, sich ihm zu erbarmen. Es folgt die Aufforderung an Bartimäus, er möge schweigen, doch daraufhin schreit dieser noch lauter. Erst dann bleibt Jesus stehen. Die Erzählung steigert sich immer weiter. Es folgt ein deutlicher Spannungsabfall, als Jesus ihn heilt und er ihm danach lediglich nachfolgt.

Die Passage lässt sich in drei Teile gliedern: Die Einleitung, den Hauptteil und den Schluss. Vers 46 stellt die Einleitung dar, beginnend mit einem einleitenden „Und…“ Es folgen der Hauptteil von Vers 47 bis 51 und schließlich der Schluss mit Vers 52. In der Einleitung wird der Ort des Geschehens genannt und dass es sich bei den Personen um Jesus, seine Jünger und eine große Volksmenge handelt. Außerdem wird der blinde Bettler Bartimäus vorgestellt.

Der Hauptteil umfasst Bartimäus‘ Bitte, ihm zu helfen, Jesu Ruf nach ihm und Bartimäus‘ genaue Bitte, dass er wieder sehend werde.

Im Schlussteil erfolgt die Heilung durch Jesus und die Konsequenz, dass Bartimäus ihm nun auch folgt wird aufgezeigt.

Die Textpassage ist sehr kurz gehalten und beschreibt die Heilung nicht sehr ausführlich. Durch diese Kürze wirkt sie eher nebensächlich; die Heilung erfolgt praktisch durch einen Satz Jesu. Die Spannung wird über Einleitung und Hauptteil lange aufgebaut und fällt dann rapide im Schlussteil ab. Um die Besonderheit der Heilung besser darzustellen, hätten nach der Heilung noch Bartimäus‘ Glück, seine Freude und sein neues Leben genauer erläutert oder dargestellt werden können.

Die Erzählung in der Unterrichtsstunde wird in zwei Teile (vor und nach der Heilung) gegliedert, da so die Unterschiede für Bartimäus vor und nach der Heilung besonders deutlich werden.

2.2.2 Synoptischer Vergleich

Die Perikope Mk 10,46-52 findet sich auch bei Mt 20,29-34 und bei Lk 18,35-43. Im Folgenden soll ein synoptischer Vergleich gezogen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unterschied von zwei Evangelisten zu einem; Unterschied von einem Evangelisten zu den anderen

Das Lukasevangelium beginnt Lk-typisch erzählerisch. Die „Und es begab sich…“ Anfangsformel findet man bei Lk häufig. Auch der übrige Text wirkt viel erzählerischer gestaltet, als bei den anderen Synoptikern; wie eine Geschichte. Lk schmückt den Text durch Details stärker aus.

Die Besonderheit bei Mt ist, dass in seinem Text gleich zwei Blinde vorkommen; vielleicht, um das Wunder der Heilung gleich doppelt so groß und toll erscheinen zu lassen. Im Mk Evangelium wird der Name des Blinden genannt; nicht so bei den anderen Synoptikern. Auch die Jünger, die Jesus folgen, werden nur bei Mk benannt.

Vers 36 im Lk Evangelium kommt in dieser Form nicht bei den anderen vor. Auch hier schmückt Lk die Geschichte weiter aus. Hört Bartimäus Jesus vorbeigehen, so hört er erst nur die Menge bei Lk und forscht nach, was los ist. Lk und Mk nennen Jesus „Jesus von Nazareth“, Mt beschränkt sich nur auf Jesus. Dafür wird Jesus in Vers 31 bei Mt nicht nur mit Sohn Davids angeredet, wie bei Mk und Lk, sondern auch mit „Herr“. Dies verdeutlicht Jesu Stellenwert. Der Blinde, bzw. in diesem Fall die beiden Blinden halten Jesus für ihnen überlegen und höhergestellt. Dies wird bei der Anrede „Sohn Davids“ nicht so deutlich.

In Vers 49 bei Mk lässt Jesus den Blinden von der Menge rufen. Nach der Aufforderung kommt dieser dann zu Jesus. Bei Lk lässt Jesus die Menge den Blinden zu sich führen, was logischer erscheint, da der Blinde Jesus nicht sehen kann; bzw. die Richtung, in die er laufen soll, nur erahnen kann. Mt löst die Situation, indem er die Blinden gar nicht zu Jesus kommen lässt. Trotz der Unlogik bei Mk wird dennoch am besten herausgestellt, dass der Blinde gerne und aus freiem Willen zu Jesus kommt. Das sieht man daran, dass er seinen Mantel von sich wirft; achtlos, obwohl ein Mantel für einen Bettler sehr wertvoll sein muss und dass er sich komplett auf Jesus konzentriert; vielleicht von ihm angezogen wird nach anfänglichem Zögern. Bei Lk wirkt das Näherkommen eher erzwungen, da der Blinde von der Menge geführt wird.

Vers 51 bei Mk und Vers 41 bei Lk sind ähnlich. Bei Mk will der Blinde sehend werden und bei Lk sehen können. Das „sehend werden“ vermittelt einen deutlicheren übertragenen Sinn des Verstehens. Genauso lässt sich bei Mt in das „Augen aufgetan werden“ mehr hinein interpretieren.

Die Heilung selbst wird unterschiedlich dargestellt: Bei Mk sagt Jesus „Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen.“, bei Lk „Sei sehend. Dein Glaube hat dir geholfen.“ Auch hier wählt Lk erneut die logischere Variante. Die Besonderheit bei Lk ist, dass Bartimäus Jesus nicht nur folgt (wie bei Mk), sondern Gott preist und auch das Volk dazu anregt. Gott wird nur bei Lk genannt.

Bei Mt läuft die Heilung völlig anders ab: Jesus jammert und berührt die Augen der Blinden. Hier besteht ein entscheidender Unterschied, denn bei Mk und Lk heilt er die Blinden, ohne sie zu berühren. Bei Mt hat er aber Körperkontakt.

Sprachlich gesehen ist die Textfassung bei Mk am unmodernsten formuliert. Die Sprache ist einfach, sein „Satzbau ist ausgesprochen schlicht“[2] Er beginnt die meisten Sätze mit „und“, eine sogenannte Parataxe, während Lk und Mt verschiedene Satzanfänge gewählt haben. Daran merkt man deutlich, dass sie versucht haben, den markinischen Text zu verbessern. Sie lassen auch Teile der Geschichte weg. Lk hält sich stark an die erzählerischen Merkmale. Er bringt viel mehr Details ein, als die anderen. Mt hat die kürzeste Version, aber auch die sprachlich am besten entwickelte.

[...]


[1] Im Folgenden wird aufgrund der besseren Lesbarkeit die Abkürzung SuS verwendet.

[2] Conzelmann/Lindemann, (2004), 319

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Zweideutigkeit der Blindheit in "Die Heilung des blinden Bartimäus" (Religion, 7. Klasse, Werkrealschule)
Note
nicht bewertet
Autor
Jahr
2015
Seiten
26
Katalognummer
V321108
ISBN (eBook)
9783668217300
ISBN (Buch)
9783668217317
Dateigröße
619 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zweideutigkeit, blindheit, heilung, bartimäus, religion, klasse, werkrealschule
Arbeit zitieren
Sina Leidig (Autor), 2015, Die Zweideutigkeit der Blindheit in "Die Heilung des blinden Bartimäus" (Religion, 7. Klasse, Werkrealschule), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321108

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