Die Berichterstattung der Medien über gewaltförmige Auseinandersetzungen unter vor allem männlichen jugendlichen Inhaftierten und/oder gegenüber den Justizangestellten fördert die Bildung und Konsolidierung bestimmter Stereotype und die Stigmatisierung von Personengruppe innerhalb unserer Gesellschaft. Medien suggerieren den Menschen durch die dramatisierende Berichterstattung über wiederholte brutale physische Vorkommnisse in deutschen Vollzugsanstalten, dass trotz der massiven Kontrollinstanzen innerhalb der totalen Institution des Strafvollzugs, Gewalt in deutschen Jugendgefängnissen ein kaum beherrschbares Dilemma darstellt. Aber was ist tatsächlich dran an dieser suggestiven Berichterstattung?
Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit den Lebenslagen jugendlicher Inhaftierter und der Fragestellung auseinander, inwieweit der Jugendstrafvollzug eine Subkultur der Gewalt darstellt und welche Rolle, diesbezüglich die gesetzliche Ausgestaltung des repressiven Strafvollzuges in der Bundesrepublik Deutschland als begünstigender Faktor, für die Entstehung einer Subkultur der Gewalt im Jugendstrafvollzug einnimmt?
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in den Subkulturbegriff
1.1. Begriffsbestimmung der „Insassensubkultur“
1.2. Subkultur der Gewalt
1.3. Die Entstehung von Subkulturen im Jugendstrafvollzug
1.4. Deprivationsmodell
1.5. Kulturelle Übertragungstheorie
1.6. Integrationsmodell
1.7. Zusammenfassung
2. Lebenslagen der jugendlichen Inhaftierten inmitten subkultureller Gegebenheiten
3. Präventiv wirkende Faktoren
3.1. Einzelunterbringung des Inhaftierten in den Nachtstunden
3.2. Unterbringung in der Arbeitszeit und Freizeit
3.3. Einheitliche Kleidung zur Vermeidung von Konflikten zwischen Inhaftierten
3.4. Wohngruppenvollzug
3.5. Zusammenfassung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenslagen jugendlicher Inhaftierter im deutschen Jugendstrafvollzug, um zu klären, inwieweit dieser ein Umfeld für Subkulturen der Gewalt bietet und welche Rolle die gesetzliche Ausgestaltung des repressiven Vollzugs dabei als begünstigender Faktor einnimmt.
- Analyse des Subkulturbegriffs im kriminologischen Kontext
- Untersuchung von Entstehungsursachen für delinquente Gruppenbildungen
- Betrachtung von Gewalt als Interaktionsmuster und Überlebensstrategie
- Evaluierung präventiver Maßnahmen im Haftalltag
- Diskussion der Spannungsfelder zwischen Resozialisierung und Sicherheitsanspruch
Auszug aus dem Buch
1. Einführung in den Subkulturbegriff
Aus kriminologischer Sicht wird von Subkulturen gesprochen, wenn unterschiedlich ausgeprägte fakultative Gruppenbildungen, bei welchen vor allem abweichenden bzw. delinquenten Normen im Mittelpunkt stehen, stattgefunden haben. Albert Cohen vertritt die These, dass der überwiegende Teil jugendlicher Straftäter die Mitgliedschaft in delinquenten Subkulturen innehat. Subkulturen werden diesbezüglich als konträr zum bestehenden gesamtgesellschaftlichen System mit seinen Normen und Werten verlaufende Gebilde bezeichnet, welche ihre eigenen Meinungen, Werteordnungssysteme, Normen, soziale Strukturen und Verhaltensweisen besitzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung in den Subkulturbegriff: Dieses Kapitel definiert den kriminologischen Subkulturbegriff und beleuchtet verschiedene theoretische Erklärungsmodelle für die Entstehung von Gruppenstrukturen innerhalb des Jugendstrafvollzugs.
2. Lebenslagen der jugendlichen Inhaftierten inmitten subkultureller Gegebenheiten: Hier wird analysiert, wie Inhaftierte durch das System des Strafvollzugs beeinflusst werden und inwiefern Gewalt als Mittel zur Autonomie und Selbstbehauptung genutzt wird.
3. Präventiv wirkende Faktoren: Dieses Kapitel untersucht verschiedene institutionelle Maßnahmen, wie die Einzelunterbringung oder den Wohngruppenvollzug, auf ihr Potenzial, Gewalt im Haftalltag wirksam einzudämmen.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass der Strafvollzug in der Bundesrepublik Deutschland zwar eine Subkultur der Gewalt beherbergt, die gesetzliche Ausgestaltung jedoch nur ein Fragment der komplexen Ursachen darstellt.
Schlüsselwörter
Jugendstrafvollzug, Subkultur der Gewalt, Insassensubkultur, Inhaftierte, Kriminologie, Viktimisierung, Resozialisierung, Delinquenz, Gewaltprävention, Strafvollzugsgesetz, Wohngruppenvollzug, Jugendkriminalität, Sicherheitsbedürfnis, Haftbedingungen, Autonomieverlust.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und den Strukturen von Gewalt-Subkulturen im Jugendstrafvollzug der Bundesrepublik Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den soziologischen Bedingungen der Gruppenbildung in Haftanstalten, den Lebenslagen der Inhaftierten sowie der Wirksamkeit präventiver Strategien.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Es wird untersucht, inwieweit der Jugendstrafvollzug eine Subkultur der Gewalt begünstigt und welche Rolle die gesetzliche Ausgestaltung des repressiven Vollzugs dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse kriminologischer und juristischer Quellen sowie der Auswertung aktueller Studien zum Thema Gewalt in Vollzugsanstalten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Subkulturbegriffs, die Analyse der Lebenslagen unter Haftbedingungen und die Bewertung präventiver Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Jugendstrafvollzug, Subkultur der Gewalt, Viktimisierung, Resozialisierung und Gewaltprävention.
Welche Rolle spielt die Medienberichterstattung für die Arbeit?
Die Arbeit setzt sich kritisch mit der oft dramatisierenden medialen Berichterstattung auseinander, die Gewalt im Jugendstrafvollzug als beinahe unkontrollierbares Dilemma darstellt.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin zum Wohngruppenvollzug?
Der Wohngruppenvollzug wird als ein präventives Instrument hervorgehoben, da kleinere, überschaubare Einheiten eine professionellere Betreuung und vertrauensvollere Beziehungen zwischen Personal und Inhaftierten ermöglichen.
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- Henriette Ortel (Autor), 2016, Subkultur der Gewalt in Jugendgefängnissen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321146