Ziel der Arbeit ist es, einen ersten pädagogischen Zugang zum Thema „Der außerschulische Lernort im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen“ zu schaffen, welcher durch den ersten Schwerpunkt der Arbeit, die empirische Untersuchung, eingeleitet wird. Sie ist als „Fundament“, als Grundlage zu betrachten, um den außerschulischen Lernort im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen legitimieren zu können. Dieser Vorgang wird um die darauffolgende Auseinandersetzung mit den Potenzialen des außerschulischen Lernortes Kirchenraum, welche den zweiten Schwerpunkt dieser Arbeit bildet, erweitert. Mit Hilfe einer Verbindung von grundlegenden Komponenten des außerschulischen Lernortes im Allgemeinen, die sich durch die Untersuchung ergeben, sowie des außerschulischen Lernortes Kirchenraum im Speziellen soll eine Entwicklung fachdidaktischer Impulse für den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen erfolgen. Dies macht den dritten Schwerpunkt der Arbeit aus, welcher sich zum einen auf den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen bezieht, zum anderen die Altenpflegeausbildung in den Blick nimmt. Durch diese Konzentrierung auf den Lernort Betrieb soll schließlich untersucht werden, wie sinnvoll sich die Lernorte gegenseitig pädagogisch-didaktisch ergänzen können.
Die Ergebnisse dieser Arbeit sollen zeigen, in wie weit der außerschulische Lernort auch für den Religionsunterricht berufsbildender Schulen ertragreich und bildungsgehaltvoll sein kann und in wie weit der Lernort Kirchenraum mit seinen Besonderheiten als ein „Lernort mit Zukunft“ angesehen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Konzeptioneller Teil
1.1 Der außerschulische Lernort
1.1.1 Geschichte des außerschulischen Lernens
1.1.2 Der Lernortbegriff in der beruflichen Bildung
1.1.3 Primärer und sekundärer Lernort
1.1.4 Der außerschulische Lernort und seine Bildungsmöglichkeiten
1.1.5 Lernprozesse am außerschulischen Lernort
1.1.5.1 Definition von Lernen
1.1.5.2 Lernpotenziale des außerschulischen Lernortes
1.1.5.3 Außerschulisches Lernen und Bezugnahme zum handlungsorientierten Unterricht
1.2 Der Bildungsgehalt
1.3 Forschungsstand
II Empirischer Teil
1.1 Forschungsfrage
1.1.1 Fragestellung
1.1.2 Hypothesen
1.2 Methodenteil
1.2.1 Untersuchungsdesign
1.2.2 Beschreibung der Stichprobe
1.2.3 Instrumente
1.2.3.1 Der Online-Fragebogen
1.2.3.2 Das Anschreiben
1.2.4 Beschreibung und Konstruktion der Online-Befragung
1.2.4.1 Vorgehen der Fragenentwicklung
1.2.4.2 Konstruktion der Fragen
1.2.5 Durchführung der Datenerhebung
1.2.6 Auswertung
1.3 Ergebnisteil
1.3.1 Stichprobe
1.3.2 Deskription und Reflexion der Ergebnisse
1.3.3 Diskussion
1.4 Fazit der Untersuchung
III Der Kirchenraum als außerschulischer Lernort
1.1 Wandel der christlichen Sozialisation und Konsequenzen für die Religionspädagogik und den Lernort Kirchenraum
1.2 Begründung des Lernortes Kirchenraum aus Sicht einer performativen Religionsdidaktik
1.3 Entwicklung der Kirchenpädagogik
1.3.1 Historischer Abriss der Kirchenpädagogik
1.3.2 Begriffliche Bestimmungen der Kirchenpädagogik
1.3.3 Entstehungsmotive der Kirchenpädagogik
1.4 Inhalte und Ziele der Kirchenpädagogik
1.5 Didaktisch-methodische Prinzipien der Kirchenpädagogik
1.5.1 Wahrnehmen – Deuten – Handeln
1.5.2 „Von außen nach innen“
1.5.3 Ganzheitlichkeit, um Erfahrungen zu ermöglichen
1.5.4 Verlangsamung
IV Fachdidaktische Impulse für den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen
1.1 Impulse für den Berufsschulreligionsunterricht
1.2 Impulse für einen Religionsunterricht mit Berufsbezug am Beispiel der Altenpflegeausbildung
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der außerschulische Lernort – insbesondere der Kirchenraum – im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen einen pädagogischen Bildungsgehalt bietet und wie eine Kooperation mit dem schulischen Unterricht fachdidaktisch gestaltet werden kann. Die zentrale Forschungsfrage ist, ob eine solche Lernort-Kooperation existiert, die über bloße Freizeitaktivitäten hinausgeht und systematisch religiöse Lerninhalte erschließt.
- Empirische Untersuchung des Einsatzes außerschulischer Lernorte durch Religionslehrkräfte an berufsbildenden Schulen.
- Analyse des Kirchenraums als "Lernort mit Zukunft" unter Berücksichtigung kirchenpädagogischer Prinzipien.
- Entwicklung fachdidaktischer Impulse für den Berufsschulreligionsunterricht.
- Konkrete Übertragung auf den Berufsbezug am Beispiel der Altenpflegeausbildung.
- Diskussion über die Relevanz der Lernort-Kooperation im dualen Ausbildungssystem.
Auszug aus dem Buch
1.1.5.2 Lernpotenziale des außerschulischen Lernortes
Nach Untersuchungen des Gehirnforschers Spitzer ist Lernen vom Erleben prinzipiell nicht trennbar. Bereits in den 1980er Jahren haben Burk et al. im Rahmen der Grundschuldidaktik Bezug auf die Lernpotenziale außerschulischer Lernorte genommen, denn insbesondere „für den primär erfahrungs- und handlungsorientierten Sachunterricht in der Grundschule, wo konkrete Anschauung, unmittelbares Erleben und handelnder Umgang mit den lebensweltlichen Phänomenen grundlegende Bedeutung für den Lernprozess besitzen“, wirkt das außerschulische Lernen äußerst produktiv auf die angestrebten Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler.
Die Ausführungen der Autoren gelten bis heute als grundlegende Bezugsquelle für theoretische Ausführungen rund um das außerschulische Lernen. Eines der Lernpotenziale außerschulischen Lernens, das die Autoren benennen, ist das situationsbezogene Lernen, welches die Notwendigkeit beinhaltet, Lernen sowohl in einen subjektbezogenen Kontext sowie in konkrete Lebenszusammenhänge einzubetten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung außerschulischer Lernorte im pädagogischen Diskurs und formuliert die Herausforderung, diese speziell für den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen zu legitimieren.
I Konzeptioneller Teil: Dieser Teil definiert den außerschulischen Lernort historisch sowie in der beruflichen Bildung und arbeitet das Potenzial für handlungsorientiertes Lernen und den Bildungsgehalt nach Klafki heraus.
II Empirischer Teil: Hier wird die Online-Befragung von Religionslehrkräften konzipiert, durchgeführt und ausgewertet, um die Hypothesen zur Existenz und Integration außerschulischer Lernorte zu prüfen.
III Der Kirchenraum als außerschulischer Lernort: Dieses Kapitel begründet den Kirchenraum als performativen Lernort und erläutert kirchenpädagogische Konzepte sowie didaktisch-methodische Prinzipien wie Wahrnehmen, Deuten und Verlangsamung.
IV Fachdidaktische Impulse für den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen: Der abschließende Teil leitet aus den theoretischen und empirischen Erkenntnissen konkrete Impulse für den Religionsunterricht ab, insbesondere unter Berücksichtigung des Berufsbezugs in der Altenpflege.
Schlüsselwörter
Außerschulischer Lernort, Berufsbildende Schulen, Religionsunterricht, Kirchenpädagogik, Lernort-Kooperation, Bildungsgehalt, Handlungsorientierter Unterricht, Performative Religionsdidaktik, Altenpflegeausbildung, Lernprozesse, Religionspädagogik, Sinnangebote, Lernstandort, Kirchenraum, Empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen der Masterarbeit?
Die Arbeit untersucht, wie außerschulische Lernorte, insbesondere der Kirchenraum, systematisch in den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen integriert werden können, um dort einen pädagogisch wertvollen Bildungsgehalt zu entfalten.
Welche Hauptthemenfelder deckt die Arbeit ab?
Sie verbindet theoretische Grundlagen des Lernortbegriffs und der Kirchenpädagogik mit einer empirischen Bestandsaufnahme der Praxis an berufsbildenden Schulen und entwickelt darauf aufbauend fachdidaktische Impulse.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob eine Lernort-Kooperation zwischen Schule und außerschulischem Ort existiert, die nachweislich einen Bildungsgehalt aufweist, statt nur als Freizeitbeschäftigung zu dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin führte eine quantitative empirische Untersuchung mittels eines standardisierten Online-Fragebogens unter Religionslehrkräften an öffentlichen berufsbildenden Schulen in Niedersachsen durch.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil stehen die theoretische Fundierung des außerschulischen Lernens, die empirische Analyse der Lehrerpraxis sowie die spezifische didaktische Aufbereitung des Lernortes Kirchenraum im Fokus.
Wie lässt sich die Arbeit anhand ihrer Schlüsselwörter charakterisieren?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie "Außerschulischer Lernort", "Berufsbildende Schulen", "Kirchenpädagogik" und "Lernort-Kooperation", die den Fokus auf die fachdidaktische Theorie und empirische Praxis legen.
Inwiefern ist der Kirchenraum für die Altenpflegeausbildung relevant?
Der Kirchenraum bietet einen geschützten Erfahrungsraum, um tabuisierte Themen wie Sterben, Tod und Trauer, die im Beruf der Altenpflege allgegenwärtig sind, unter religiösen und emotionalen Aspekten zu reflektieren und zu bewältigen.
Welche zentrale Erkenntnis ergab die Untersuchung zur Lehrpraxis?
Die Mehrheit der befragten Religionslehrkräfte integriert außerschulische Lernorte bewusst in den Unterricht und führt eine inhaltliche Vor- und Nachbereitung durch, was deren pädagogischen Wert und Bildungsgehalt unterstreicht.
Was bedeutet das Prinzip der "Verlangsamung" im kirchenpädagogischen Kontext?
Verlangsamung bedeutet, dass der Erkundungsprozess eines Kirchenraums bewusst entschleunigt wird, um durch Stille und Konzentration einen tieferen, emotionalen Zugang zum Raum und seiner Symbolik zu ermöglichen.
- Quote paper
- Christina Scharmann (Author), 2011, Der außerschulische Lernort im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321185