Sklaverei und Romantik – was hat das eine mit dem äußerst „unromantischen“ anderen zu tun? Welchen Einfluss die Sklaverei auf die romantische Literatur ausübte, und wie die die romantische Literatur sich auf die Sklaverei auswirkte, soll in dieser Arbeit untersucht werden. In der Blütezeit der romantischen Bewegung befand sich Spanien auch in der Blütezeit seiner Verwicklung in die Sklaverei und den Sklavenhandel. Wie lässt sich die Vorstellung von romantischem Heldentum und der Sehnsucht nach Freiheit mit der brutalen Realität des Sklavenhandels vereinbaren?
Im ersten Teil der hier vorliegenden Arbeit soll die Epoche der Romantik generell und der Sonderfall Spanien erläutert werden. Der zweite Teil der Arbeit gibt einen Überblick über Geschichte der Sklaverei bis hin zur Entwicklung der Abolitionistenbewegungen und der Abschaffung der Sklaverei. Im letzten Teil soll dann auf Sklaverei in der romantischen Literatur eingegangen werden. Im Rahmen dieser Arbeit liegt der Fokus auf den Romanen “Sab” von Gertrudis Gómez de Avellaneda und Onkel Toms Hütte von Harriet Beecher Stowe, sowie der Adaption „Haley, ó, el traficante de negros“ von Angel María de Luna und Rafael Leopoldo de Palomino. Die Ergebnisse der vorherigen Punkte werden anschließend in einem kurzen Fazit bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Romantik
2.1 Romantik in Europa
2.2 Romantik in Spanien
3 Sklaverei und Abolitionismus
3.1 Europa und Amerika
3.2 Spaniens Sonderstellung
4 Sklaverei und romantische Literatur
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht den wechselseitigen Einfluss zwischen der Epoche der Romantik und der historischen Realität der Sklaverei. Dabei liegt der Fokus primär auf der Frage, wie sich die romantische Idealisierung von Freiheit und Heldentum mit der brutalen Praxis des Sklavenhandels vereinbaren ließ und welche Rolle literarische Werke bei der Sensibilisierung der spanischen Öffentlichkeit spielten.
- Historische Einordnung der europäischen und spanischen Romantik.
- Entwicklung des Sklavenhandels und der globalen Abolitionismusbewegungen.
- Analyse von Sklavennarrativen und deren Rezeption in Spanien.
- Die Sonderrolle Spaniens bei der Abschaffung der Sklaverei.
- Literatur als Instrument gesellschaftlicher Kritik und Bewusstseinsbildung.
Auszug aus dem Buch
4 Sklaverei und romantische Literatur
In den vorangehenden Kapiteln wurden der historische und kulturelle Hintergrund der Sklaverei und der romantischen Literatur beleuchtet. Im Folgenden soll nun auf das Zusammenspiel der beiden eingegangen werden.
Bereits zu Beginn des 19. Jahrhundert kamen vermehrt Berichte über die unmenschlichen Bedingungen des atlantischen Sklavenhandels in Umlauf. Dennoch erlangte der Sklavenhandel und die Abolition in Spanien erst durch die Literatur der Romantik und die Sklavennarrative verstärkte Aufmerksamkeit. Wobei zunächst weder die Vertreter der Aufklärung, noch die Vertreter der Romantik das Paradoxon zwischen Sklaverei, Sklavenhandel und dem Ideal von Freiheit und Gleichheit wahrnahmen. Sie betrachteten die schwarzen, heidnischen Sklaven als unterlegene Geschöpfe; nicht als gleichwertige Artgenossen.
Im Verlauf der Romantischen Bewegung wurde die Abolition jedoch zum cause célèbre. Die großartigen Werke und Ideale der Romantik waren immer schwerer vereinbar mit der Sklaverei. Zunächst tauchte Kritik am Sklavenhandel nur vereinzelt und in isolierten Texten auf. Beispiele dafür sind unter anderem Blakes „Little Black Boy“ und „Visions of the Daugthers of Albion“. Auch Coleridges „Lecture on the Slave Trade“ gehört dazu. Allmählich entwickelte sich eine Art spiritueller Diskurs und, vor allem im Zusammenhang mit den Gospelgesängen und Sklavenaufständen, die Sklaven-Narrativik. Bekannte Beispiele sind „Twelve years a slave“ von Solomon Northup (1853), „Uncle Tom’s Cabin“ von Harriet Beecher (1852) und „Sab“ von Gertrudis Gomez de Avellaneda (1841). Obwohl Sab bereits 10 Jahre vor Onkel Toms Hütte in Spanien erschien, war es in Kuba bis 1914 verboten. Sab handelt von dem schwarzen Sklaven Sab, der sich in die weiße Tochter seines Besitzers verliebt. Carlota hingegen ist verliebt in den geldgierigen Enrique, der sie nur wegen ihres Geldes heiraten will. Als sich herausstellt, dass Carlotas Vater das Geld der Familie verloren hat und die Hochzeit der beiden und somit Carlotas Glück bedroht ist, gibt ihr Sab (der zuvor in der Lotterie gewonnen hat) heimlich sein gesamtes Vermögen. Sab stirbt am Ende in dem Moment, in dem Carlota Enrique heiratet. Der Roman spielt auf einer Zuckerrohrplantage auf Cuba und ist nicht nur gegen die Sklaverei gerichtet, sondern beschäftigt sich vor allem mit den Themen des Feminismus. Dennoch ist er ein gutes Beispiel für die beginnende Beschäftigung der romantischen Literaten mit der Sklaverei.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Paradoxon zwischen romantischen Freiheitsidealen und der Realität der Sklaverei ein und definiert das Ziel der Arbeit sowie die untersuchten Romane.
2 Romantik: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge und Merkmale der Romantik in Europa sowie die spezifische, konservativ-liberale Ausprägung der romantischen Bewegung in Spanien.
3 Sklaverei und Abolitionismus: Hier wird die Geschichte des atlantischen Sklavenhandels, die Entwicklung der Abolitionsbewegungen und die Sonderstellung Spaniens als Kolonialmacht thematisiert.
4 Sklaverei und romantische Literatur: Das Kapitel untersucht, wie literarische Werke wie „Sab“ oder „Onkel Toms Hütte“ dazu beitrugen, die Aufmerksamkeit auf die unmenschlichen Zustände in den Kolonien zu lenken.
5 Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Literatur zwar zur Bewusstseinsbildung beitrug, die Abschaffung der Sklaverei jedoch maßgeblich durch politische und wirtschaftliche Entwicklungen vorangetrieben wurde.
Schlüsselwörter
Sklaverei, Romantik, Abolitionismus, Spanien, Literatur, Sklavenhandel, Sab, Onkel Toms Hütte, Freiheit, Kolonialismus, Unterdrückung, Gesellschaftskritik, 19. Jahrhundert, Emanzipation, Humanismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Spannungsfeld zwischen den Idealen der romantischen Literatur und der historischen Realität des Sklavenhandels im 19. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören die europäische und spanische Romantik, die Geschichte der Sklaverei, der Abolitionismus und die Analyse von Sklavennarrativen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie romantische Literatur als Medium der Kritik am Sklavenhandel fungierte und wie Spanien mit dieser Thematik umging.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen kulturgeschichtlichen und literaturwissenschaftlichen Analyseansatz, um den Kontext zwischen politischer Geschichte und fiktionaler Literatur herzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Romantik, die historische Entwicklung der Sklaverei und eine detaillierte Auseinandersetzung mit literarischen Werken wie „Sab“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sklaverei, Romantik, Abolitionismus, Spanien, Literatur, Freiheit und Kolonialismus geprägt.
Warum war der Roman „Sab“ in Kuba so lange verboten?
Da der Roman die Sklaverei kritisierte und als inhaltlich provokant für die damalige Sklavenhaltergesellschaft auf Kuba beurteilt wurde, blieb er dort bis 1914 verboten.
Wie wurde „Onkel Toms Hütte“ in Spanien rezipiert?
Obwohl das Buch in den USA spielte, wurde es in Spanien zum Bestseller und sogar für das Theater adaptiert, um eine indirekte, aber deutliche Kritik am spanischen Kolonialismus zu üben.
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- Nadja Niyaz (Author), 2016, Sklaverei und Romantik. Die Sklaverei und ihre Bedeutung für die romantische Literatur Spaniens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321304