„Eine Vernichtung der Vielfalt an Kultur als auch der Vielfalt an einzigartigen menschlichen Individuen durch das System Schule“ – eine von Helena Norberg-Hodge gewagte These. Ausgehend von Norberg-Hodges These stellt sich diese Arbeit die Frage, inwieweit das System Schule zu einer Vereinheitlichung von Kulturen beziehungsweise zur Einführung einer Monokultur beiträgt und inwieweit diese Monokultur zu Bildungsdisparitäten beiträgt. Auf mikropolitischer Ebene stehen dabei im Wesentlichen die Lehrer und ihr Unterricht im Fokus. Der Unterricht in multikulturellen Klassen als direkte Folge von Migration stellt dabei zweifellos eine Herausforderung für sie dar.
Zweifelsohne herrscht derzeit eine große Heterogenität unter den Flüchtlingen und Asylbewerbern, was das derzeitige Problem der Chancenungleichheit weiter intensivieren wird.
Der Umstand, dass derzeit die soziale sowie die ethnische Herkunft für den Bildungser- beziehungsweise –misserfolg ausschlaggebend sind zeigt, dass bildungspolitische Maßnahmen zur Beseitigung von Diskrepanzen, besonders hier eine Entkopplung herbeiführen müssen. Angesichts anhaltender Einwanderung in die Bundesrepublik und der Annahme, dass diese Zahlen in den nächsten Jahrzehnten eher wachsen als sinken wird, ist es unerlässlich „Migration“ als eine Ursache für Bildungsmisserfolg zu eliminieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Bildungsdiskrepanzen durch Migrationshintergründe
2 Allgemeine Relevanz von Bildungsdiskriminierung
3 Theoretischer Bezug im Kontext des Monolingualen Habitus
3.1 Definition Migrant
3.2 Interventionsfeld Schule
3.3 Lehrerverhalten
4 Studien zum Habitus von Lehrpersonen und Auswirkungen dessen in internationalen Schüler-Vergleichsstudien
4.1 Sprachbezogene Sichtweisen von Lehrern nach Kärner, Ülkü & Sembill
4.2 Interkultureller Sprachenunterricht von Lehrer nach Kroon
4.3 Internationale Schüler-Vergleichsstudien: IGLU
4.4 Internationale Schüler-Vergleichsstudien: PISA
5 Relevanz für die BaF-Beschulung
6 Implikationen für weitere Forschung
7 Beseitigung von Bildungsdiskrepanzen durch eine veränderte Lehrerausbildung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des monolingualen Habitus von Lehrpersonen auf den Bildungserfolg von Schülern mit Migrationshintergrund. Das zentrale Forschungsziel ist es, aufzuzeigen, wie sprachliche Orientierungen im Unterricht Bildungsdisparitäten begünstigen und welche Ansätze in der Lehrerausbildung notwendig sind, um diese Diskriminierungsmechanismen zu minimieren.
- Analyse des monolingualen Habitus im Kontext des deutschen Schulsystems.
- Untersuchung internationaler Vergleichsstudien (PISA, IGLU) hinsichtlich der Auswirkungen von Monolingualität.
- Erforschung der Relevanz dieser Mechanismen für die Beschulung von Flüchtlingen und Asylsuchenden.
- Diskussion bildungspolitischer Maßnahmen und notwendiger Veränderungen in der professionellen Lehrerausbildung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Definition Migrant
Nicht alleine Personen, die im Ausland geboren wurden, auch in Deutschland Geborene können als Personen mit Migrationshintergrund tituliert werden. Entsprechend unterschiedlicher Auffassungen, inwieweit Geburtsland, Familiengeschichte und Staatsangehörigkeit einen Einfluss auf das Zugehörigkeitsgefühl zur Bundesrepublik Deutschland haben, ist auch in der Literatur keine einheitliche Definition von Migranten zu finden. Gemäß des Statistischen Bundesamtes gelten als Menschen mit Migrationshintergrund „alle Ausländer und eingebürgerte ehemalige Ausländer, alle nach 1949 als Deutsche auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderte, sowie alle in Deutschland als Deutsche Geborene mit zumindest einen zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“ (Statistisches Bundesamt 2015, 6). Sowohl Deutschland als Geburtsort als auch die deutsche Staatsangehörigkeit schließen den Status als Migrant also nicht aus. So ist auch in dem Klassifikationsschema, das die Bevölkerung nach Migrationsstatus einordnet, in jedem Quadranten die Bezeichnung „Migrant“ zu finden (Anhang 1: STATISTISCHES BUNDESAMT 2006, 75).
In Gegenwart von anhaltenden Flüchtlingsströmen sowie einer mit der Überforderung der Behörden einhergehenden erschwerten und möglicherweise lückenhaften Erfassungen von in die Bundesrepublik einwandernden Menschen, können stetige Änderungen der Statistiken im Rahmen der Erfassung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund postuliert werden. Insofern sollen die hier aufgeführten Zahlen lediglich einen groben Eindruck vermitteln und Tendenzen aufzeigen, müssen jedoch nicht zwangsläufig der exakten derzeitigen Lage entsprechen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Bildungsdiskrepanzen durch Migrationshintergründe: Einleitende Darstellung der Herausforderungen für Schüler mit Migrationshintergrund und die Notwendigkeit, das System Schule zu hinterfragen.
2 Allgemeine Relevanz von Bildungsdiskriminierung: Untersuchung der normativen, kognitiven und wissenschaftlichen Bedeutung von Bildungsdiskriminierung im deutschen Schulsystem.
3 Theoretischer Bezug im Kontext des Monolingualen Habitus: Definition der zentralen Begriffe und Erläuterung des Habitus-Konzepts im schulischen Kontext.
4 Studien zum Habitus von Lehrpersonen und Auswirkungen dessen in internationalen Schüler-Vergleichsstudien: Systematische Analyse verschiedener Studien und internationaler Vergleichsdaten hinsichtlich des Lehrerverhaltens und der Schulleistungen.
5 Relevanz für die BaF-Beschulung: Übertragung der theoretischen Erkenntnisse auf die spezifische Situation der Beschulung von Flüchtlingen an Berufsschulen.
6 Implikationen für weitere Forschung: Aufzeigen von Forschungslücken und notwendigen weiteren Untersuchungen zum Thema.
7 Beseitigung von Bildungsdiskrepanzen durch eine veränderte Lehrerausbildung: Fazit und Handlungsempfehlungen zur Professionalisierung von Lehrkräften zur Überwindung von Bildungsbenachteiligung.
Schlüsselwörter
Monolingualer Habitus, Migrationshintergrund, Bildungsdiskrepanzen, Bildungsdiskriminierung, Lehrprofessionalität, Multilingualität, Schulentwicklung, Interkulturelle Kompetenz, PISA, IGLU, Sprachförderung, Heterogenität, Beschulung, Integration, Bildungsgerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den Auswirkungen des sogenannten monolingualen Habitus von Lehrkräften auf den Bildungserfolg von Schülern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Schwerpunkten gehören das Konzept des Habitus, Bildungsdiskriminierung, der Umgang mit sprachlicher Heterogenität sowie die Professionalisierung von Lehrkräften.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob ein monolingualer Habitus einer Lehrperson tatsächlich negative Auswirkungen auf Schüler mit Migrationshintergrund hat und inwieweit dies Bildungsdisparitäten verstärkt.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um ein systematisches Literaturreview, das theoretische Konzepte mit Ergebnissen aus empirischen Studien wie PISA, IGLU und spezifischen Arbeiten (z.B. Kärner, Ülkü & Sembill) verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Grundlagen, bewertet einschlägige Studien zum Lehrerverhalten und reflektiert die Relevanz dieser Erkenntnisse für die Beschulung von Flüchtlingen und Asylsuchenden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Monolingualer Habitus, Bildungsdiskriminierung, Interkulturelle Kompetenz und die Förderung von Schülern in einer Einwanderungsgesellschaft.
Welche Bedeutung hat das Berliner-Didaktik-Modell für die BAF-Beschulung?
Es wird herangezogen, um die hohe soziokulturelle Heterogenität in BaF-Klassen zu verdeutlichen, die besondere Anforderungen an die Lehrpersonen stellt.
Welche Rolle spielt die Lehrerausbildung laut der Autorin?
Die Lehrerausbildung wird als zentraler Hebel identifiziert, um durch eine Öffnung für interkulturelle Organisationsentwicklung strukturelle Diskriminierungsmechanismen abzubauen.
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- Nicole Roer (Author), 2016, Der sprachliche Habitus von Lehrpersonen im Umgang mit Schülern mit Migrationshintergrund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321630