Im Mittelpunkt dieser Arbeit soll der Prozess des Wandels der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus stehen. Die Betrachtung der Weimarer Republik, ihres Scheiterns und der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen handelt es sich um eine abgeschlossene Periode, d.h. dass mit großer Wahrscheinlichkeit keine neuen, plötzlich auftauchenden Informationen die Bewertung des Prozesses grundlegend verändern werden. Zum anderen handelt es sich in diesem Fall um einen Prozess, der auf deutschem, also mitteleuropäischen Boden stattgefunden hat, was eine erhebliche Überschneidung mit heutigen Prozessen darstellt.
Welche Faktoren begünstigten also die Systemtransformation weg von der Weimarer Republik hin zur nationalsozialistischen Diktatur?
Zunächst sollen die grundlegenden Annahmen der Transformationsforschung erläutert werden, ehe die Faktoren des Krise-Zusammenbruch-Zyklus vorgestellt werden. An diese sollen auch die Forschungshypothesen angelehnt sein. Diese Theorie soll als Rahmen zur Analyse des konkreten Falles dienen: Welche Faktoren lassen sich für den Fall des Scheiterns der Weimarer Republik bestätigen, welche nicht?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Systemtransformation in der Theorie
2.1 Allgemeine Theorie der Systemtransformation
2.2 Der typische Krise-Zusammenbruch-Zyklus
3 Das Ende der Weimarer Republik und der Beginn der NS-Diktatur
3.1 Konsolidierungsniveau und Stabilität der Weimarer Republik
3.2 Weimarer Republik und NS-Regime im Krise-Zusammenbruch-Zyklus
3.3 Bewertung des Transformationsprozesses
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert den Prozess des systemischen Wandels von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus unter Anwendung der Transformationsforschung und des sogenannten Krise-Zusammenbruch-Zyklus, um die Faktoren zu identifizieren, die das Scheitern der ersten deutschen Demokratie begünstigten.
- Grundlagen der wissenschaftlichen Transformationsforschung
- Stabilität und Konsolidierungsniveau der Weimarer Republik
- Analyse des Krise-Zusammenbruch-Zyklus anhand historischer Fakten
- Identifikation interner und externer Einflussfaktoren auf das Regime
- Übertragbarkeit der Erkenntnisse auf heutige politische Transformationsprozesse
Auszug aus dem Buch
3.2 Weimarer Republik und NS-Regime im Krise-Zusammenbruch-Zyklus
Als Geburtsstunde der Weimarer Republik wird allgemein der 9. November 1918 angesehen; gleichzeitig beinhaltet dieser Tag das Ende des Kaiserreichs. Als Ende der Weimarer Republik werden meist die Jahre 1933/1934 genannt, da aufgrund verschiedener Ereignisse und durch Entscheidungen, genannt seien hier der Reichstagsbrand und das Ermächtigungsgesetz, die Demokratie faktisch abgeschafft wurde (vgl. Kißener 2009). Der Einfluss anderer Faktoren darf deshalb aber nicht vergessen werden: Ein Brand alleine löst keine derartige politische Umwälzung aus; das Ermächtigungsgesetz wurde in einer „denkwürdige[n] Sitzung“ (Morsey 2009: 142) verabschiedet, deren Umstände das Ergebnis jahrelanger nationalsozialistischer Vorarbeit gewesen waren. Der Zeitspanne zwischen diesen „Wendepunkten“ kann sich durch den Krise-Zusammenbruch-Zyklus genähert werden. Den vielfältigen Interdependenzen zwischen den einzelnen Faktoren des Zyklus´ ist es geschuldet, dass manche Faktoren ausführlicher und andere in deren Anschluss in entsprechend kürzerem Umfang analysiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema in der Transformationsforschung und begründet die Wahl des Scheiterns der Weimarer Republik als Analyseobjekt für gegenwärtige politische Prozesse.
2 Systemtransformation in der Theorie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der Transformationsforschung sowie den Krise-Zusammenbruch-Zyklus als methodisches Instrument für die Untersuchung.
3 Das Ende der Weimarer Republik und der Beginn der NS-Diktatur: Das Hauptkapitel wendet das theoretische Modell auf den konkreten Fall der Weimarer Republik an, prüft die Stabilität der Demokratie und analysiert die Faktoren des Zyklus in Bezug auf den Aufstieg des Nationalsozialismus.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, kritisiert die methodische Einseitigkeit des Zyklus-Modells und leitet Erkenntnisse für heutige demokratische Herausforderungen ab.
Schlüsselwörter
Weimarer Republik, Nationalsozialismus, Transformationsforschung, Systemwechsel, Krise-Zusammenbruch-Zyklus, Demokratie, Konsolidierung, Instabilität, politische Krise, Ermächtigungsgesetz, politisches System, Politische Gewalt, Legitimität, Exekutive, NS-Regime.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Transformationsprozess, der von der Weimarer Republik in die nationalsozialistische Diktatur führte, unter Verwendung politikwissenschaftlicher Theorien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Transformationsforschung, die Stabilitätsanalyse defekter Demokratien und die historische Untersuchung der Faktoren, die zum Scheitern der Weimarer Republik beitrugen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit fragt nach den Faktoren, die die Systemtransformation weg von der Weimarer Republik hin zum Nationalsozialismus begünstigt haben, und prüft diese anhand theoretischer Hypothesen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoriegeleitete Analyse angewandt, die den „Krise-Zusammenbruch-Zyklus“ von Wolfgang Merkel als Analyseraster für den historischen Einzelfall nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Konsolidierung der Weimarer Republik, der Anwendung der zehn Faktoren des Krise-Zusammenbruch-Zyklus auf die Ereignisse der Jahre 1929 bis 1933 und der Bewertung dieses Prozesses.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Transformation, Systemwechsel, Krise-Zusammenbruch-Zyklus, Demokratiedefekte und Legitimitätsverlust charakterisiert.
Warum wird die Weimarer Republik als „defekte Demokratie“ bezeichnet?
Aufgrund der permanenten Instabilität, der Schwächung parlamentarischer Prozesse und der mangelnden vollständigen Konsolidierung der Teilregime wird sie als instabiles System eingestuft.
Welche Rolle spielte die Weltwirtschaftskrise für den Transformationsprozess?
Sie fungierte als Katalysator, der bestehende ökonomische und soziale Probleme verschärfte und den antidemokratischen Kräften ermöglichte, das Versagen der demokratischen Eliten zu instrumentalisieren.
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- Sven Schneider (Author), 2015, Von der Weimarer Republik zur nationalsozialistischen Diktatur. Welche Faktoren begünstigen die Systemtransformation?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/321668