Zu welcher Zeit wurde die „Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno“ verfasst? Was beabsichtigt Poma de Ayala mit seiner Chronik? Auf welche Weise tragen die Bilder zur Konservierung andiner Kultur bei? Inwieweit benutzt der Autor die bildliche Darstellung zur kritischen Äußerung gegenüber den Kolonialherren? Die vorliegende Arbeit stellt sich diese Fragen, insbesondere wird die Bedeutung der Bilder innerhalb der Chronik von Poma de Aylala untersucht.
Schon immer kam Bildern bei der Bewahrung geschichtlicher Ereignisse eine besondere Bedeutung zu. Seien es lediglich simple Skizzen an Höhlenwänden, in Stein gehauene Reliefe, Federzeichnungen auf Pergament, Gemälde in Öl oder schließlich photographische Aufnahmen – all diese bildlichen Darstellungen halfen und helfen dabei, sich Vergangenes in Erinnerung zu rufen und sich wortwörtlich ein Bild von zum Teil unvorstellbaren Geschehnissen machen zu können. Wäre es beispielweise dem deutschen Volk nach Ende des Zweiten Weltkrieges gelungen, sich eine auch nur ansatzweise realistische Vorstellung von den Verbrechen der Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern zu machen, wenn es nicht die Aufnahmen der Alliierten gegeben hätte? Bis heute haben sie sich Generation für Generation ins Gedächtnis gebrannt und werden wohl auch weiterhin Teil unserer kollektiven Erinnerung bleiben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno“ von Poma de Ayala
2.1 Historische Situierung
2.2 Der Autor Poma de Ayala
2.3 Inhalte und Anliegen der Chronik
3. Die Illustrationen als besondere Form der Repräsentation kultureller Ereignisse
3.1 Die Bilder in der Funktion zur Legitimation
3.2 Die Bilder zur Konservierung andiner Kultur
3.3 Die Bilder zum Ausdruck von Kritik
4. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion der Illustrationen in der „Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno“ von Felipe Guamán Poma de Ayala. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, wie der Autor durch die Kombination von Text und Bild sowohl die andine Kultur konserviert als auch eine kritische Auseinandersetzung mit der spanischen Kolonialherrschaft führt und dabei versucht, zwischen der indigenen und der europäischen Perspektive zu vermitteln.
- Historischer Kontext der Eroberung Perus und die Rolle von Poma de Ayala
- Die Funktion der Illustrationen als Legitimationsmittel für den Text
- Konservierung andiner kultureller Traditionen durch das visuelle Medium
- Verwendung von Symbolik und Raumschemata zur Kritik an der Kolonialverwaltung
- Synthese europäischer und andiner Darstellungsweisen in der Bilderchronik
Auszug aus dem Buch
Die Bilder in der Funktion zur Legitimation
Zweifelsohne fügen sich die Zeichnungen inhaltlich in den Text ein und tragen zu dessen Veranschaulichung bei. Dies erweist sich insbesondere an den Stellen als nützlich, an denen die textlich-deskriptive Repräsentation nicht mehr ausreicht, um das „kulturell Andere und Unbekannte“ zu verdeutlichen. Doch angesichts der eindrücklich gestalteten Abbildungen von Misshandlungen Eingeborener wird erkennbar, dass Poma de Ayala die Federzeichnungen außerdem dazu nutzt, das Geschriebene noch glaubwürdiger zu gestalten (im Sinne heutiger Photographie) und seinen Erzählungen die Form eines authentischen Zeugnisses zu verleihen.
Insgesamt präsentiert Guamán Poma seinen Text in einem Spanisch, bei dem die Orthographie und Grammatik stark vernachlässigt werden; manche Kritiker beurteilen selbst sein Quechua als fehlerhaft. Lediglich die Bilder erhalten eine überwiegend positive Bewertung. Laut Laurenz Kilger seien sie „frisch und kühn, gut komponiert, voll Geist und Leben, Witz und Schärfe […], [sie] legen großen Wert auf Genauigkeit der Tracht und erinnern, besonders bei Inkadarstellungen, an altmexikanische Malereien“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Bildern für das historische Gedächtnis dar und führt in die Fragestellung ein, welche Rolle die Illustrationen in der „Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno“ einnehmen.
2. „Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno“ von Poma de Ayala: Dieses Kapitel erläutert den historischen Hintergrund der Eroberung Perus, die Biografie des Autors Poma de Ayala sowie die Intention und den Werdegang seiner Chronik.
3. Die Illustrationen als besondere Form der Repräsentation kultureller Ereignisse: Der Hauptteil analysiert die Funktion der Bilder als Mittel zur Legitimation des Textes, zur Bewahrung andiner Kultur und als Instrument der Kritik an der kolonialen Gewalt durch die Verwendung spezifischer Raumschemata und Symbole.
4. Zusammenfassung: Dieses Kapitel resümiert die Ergebnisse und betont, dass die Illustrationen als notwendiges Bindeglied zwischen mündlicher und schriftlicher Überlieferung fungieren, um das kulturell Fremde verständlich zu machen und die koloniale Praxis kritisch zu hinterfragen.
Schlüsselwörter
Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno, Poma de Ayala, Andine Kultur, Kolonialgeschichte, Peru, Bilderchronik, Illustrationen, Repräsentation, Legitimation, Kulturelle Mittler, Spanische Eroberung, Symbolik, Hanan/Hurin, Postkoloniale Analyse, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die 400 Illustrationen in der Chronik von Felipe Guamán Poma de Ayala und deren Funktion im Kontext der spanischen Kolonialherrschaft in Peru.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die andine Kultur, die Geschichte der Eroberung, das Medium Bild als kulturelles Gedächtnis sowie die Verbindung von Text und visueller Repräsentation.
Was ist das Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Poma de Ayala die Illustrationen einsetzt, um die andine Kultur zu bewahren und gleichzeitig eine kritische Position gegenüber den spanischen Kolonialherren zu beziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kulturwissenschaftlichen und historisch-analytischen Auswertung, die neben den Primärtexten der Chronik auch bildanalytische Methoden einbezieht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der legitimierenden Funktion der Bilder, ihrer Rolle als Konservator andiner Traditionen und der symbolischen Nutzung von Raumschemata für politische Kritik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Poma de Ayala, andine Kultur, koloniale Gewalt, Bilderchronik, Legitimation und kulturelle Hybridität.
Wie unterscheidet sich die andine Tradition in der Darstellung von der europäischen Schriftform?
Die Arbeit stellt heraus, dass die inkaische Kultur primär mündlich und durch Knotensysteme geprägt war, während die Spanier auf das schriftliche Zeugnis setzten. Poma de Ayala überbrückt diese Kluft durch seine Illustrationen.
Was besagt das andine Raumschema hanan/hurin?
Das Schema beschreibt eine hierarchische Anordnung der andinen Welt, in der das Zentrum (Cuzco) und die vier Himmelsrichtungen eine soziale und politische Ordnung darstellen, die der Autor gezielt für seine Kritik nutzt.
Warum wird Poma de Ayala als „kultureller Mittler“ bezeichnet?
Er wird so bezeichnet, da er als eingeborener Adliger sowohl die indigenen Wurzeln als auch die europäische Erziehung in sich vereinte und beide Welten in seiner Chronik miteinander verknüpfte.
- Citation du texte
- Franziska Kober (Auteur), 2012, „Primer Nueva Corónica y Buen Gobierno“ von Poma de Ayala. Zur Bedeutung der Bilder innerhalb der Chronik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322212