Seit Juli 2013 verhandeln die USA und die EU die Schaffung eines Freihandels- und Investitionsschutzabkommens im Rahmen der Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP). Zielsetzungen der Verhandlungspartner sind die Verbesserung des gegenseitigen Marktzugangs, Bürokratieabbau und die regulatorische Zusammenarbeit (Europäische Kommission, 2015).
Die im April 2015 ausgedehnte Anzahl der Verhandlungsrunden sowie der breite öffentliche Diskurs umfassen eine Vielzahl von Themengebieten, die im Zusammen- hang mit TTIP zu diskutieren sind. Zentrale Felder bilden dabei die wirtschaftlichen Auswirkungen einer Liberalisierung, der Verbraucherschutz, Umweltstandards und der Investitionsschutz. Diese Arbeit befasst sich ausschließlich mit den möglichen Wirkungen von TTIP auf Wachstum und Beschäftigung in Deutschland und betrachtet dabei keine Wechselwirkungen mit Ländern außerhalb des Freihandelsraums.
Exakte Vorhersagen sind insgesamt nicht möglich, da diese stark von der konkreten Umsetzung des Abkommens abhängen. Diese Arbeit soll einen ersten Beitrag dazu leisten, elementare Wirkungskanäle von TTIP auf die deutsche Produktion und Beschäftigung zu verstehen, um dadurch eine Beurteilung aktuell bedeutender Studien zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutsch-amerikanische Handelsstruktur und theoretische Einordnung
2.1 Umrisse der bilateralen Handelsverflechtung
2.2 Tarifäre und nicht-tarifäre Handelshemmnisse
2.3 Wirkungskanäle von TTIP aus Sicht der Außenwirtschaftstheorie
3. Grundzüge bedeutender Studien
3.1 Centre for Economic Policy Research London (CEPR)
3.2 Ifo Institut – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung
3.3 Global Development and Environment Institute (GDAE)
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die möglichen ökonomischen Auswirkungen der geplanten Transatlantic Trade and Investment Partnership (TTIP) auf das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung in Deutschland. Dabei wird analysiert, inwieweit theoretische Modelle der Außenwirtschaftstheorie die Prognosen aktueller, bedeutender Studien stützen oder widerlegen können.
- Analyse der bilateralen Handelsstruktur zwischen Deutschland und den USA.
- Untersuchung tarifärer und nicht-tarifärer Handelsbarrieren.
- Theoretische Herleitung der Wirkungskanäle von TTIP auf Produktion und Beschäftigung.
- Vergleichende Analyse der Studien von CEPR, Ifo-Institut und GDAE.
- Bewertung der ökonomischen Aussagekraft der verschiedenen Modellansätze.
Auszug aus dem Buch
2.3 Wirkungskanäle von TTIP aus Sicht der Außenwirtschaftstheorie
Indem man versteht wie im Falle Deutschlands und der USA Handel zustande kommt, lassen sich auch die Effekte einer Änderung der Rahmenbedingungen wie die Einführung eines Freihandelsabkommens besser ermessen. Dieser Abschnitt stellt nun die Struktur des deutsch-amerikanischen Handels in Beziehung zu elementaren Mechanismen der realen Außenwirtschaftstheorie. Dabei ist anzumerken, dass die zugrundeliegenden Modelle von autarken Volkswirtschaften ausgehen und die Effekte von einem Übergang zum Außenhandel beschreiben. Die Volkswirtschaften Deutschlands und der USA sind jedoch bereits tiefgehend miteinander verbunden, sodass theoretische Effekte in der Realität geringer ausfallen. Die Wirkungskanäle einer TTIP verstärken sich allerdings, je umfassender die Handelsbarrieren gesenkt werden und sich die Faktormobilität erhöht.
Einen ersten theoretischen Ansatz bietet die traditionelle statische Außenhandelstheorie mit der Idee komparativer Kostenvorteile. Im Rahmen des Ricardo-Modells (Krugman/Obstfeld/Melitz, 2012, S. 56-84) entstehen komparative Kostenvorteile durch Unterschiede in der Faktorproduktivität, während sie im darauf aufbauenden Heckscher-Ohlin Modell (ebd., S. 127-157) auf Unterschiede in den Faktorausstattungen zurückzuführen sind. Zwar impliziert dieser Ansatz ein Plädoyer für Freihandel, doch spiegelt er vielmehr den intersektoralen Handel zwischen Ländern verschiedener Entwicklungsniveaus wider. Der intra-sektorale deutsch-amerikanische Handel kann auf diese Weise nicht erklärt werden, weshalb dieser Ansatz keine Aussagekraft über Wirkungen einer TTIP hat.
Eine weitere statische Betrachtungsweise ergibt sich aus zolltheoretischer Sicht, d.h. der Abwägung zwischen handelsschaffenden- und handelsumlenkenden Effekten nach Jacob Viner (Rübel, 2013, S. 205-213). Wie in Kapitel 1 erwähnt, richtet diese Arbeit den Blick ausschließlich auf die handelsumlenkenden Effekte innerhalb des TTIP-Raumes. Folgt man dem Ansatz Viners, führt die Senkung von Zöllen und NTB zu einer Handelsschaffung innerhalb einer Freihandelszone, da Handels- und Informationskosten sinken und Preisverzerrungen abgebaut werden. Dies impliziert, dass eigene Produkte aufgrund einer Änderung der relativen Preise durch Einfuhren aus dem Partnerland ersetzt werden können und es zu Spezialisierungen der Unternehmen sowie Wohlfahrtsgewinnen kommt. Für Deutschland und die USA stellen sich handelsschaffende Effekte dabei weniger über Spezialisierungen auf Kostenvorteile, sondern vielmehr über dynamische Effekte ein und verstärken weiter den intraindustriellen Handel.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema TTIP ein, umreißt die Zielsetzung der Arbeit sowie die methodische Vorgehensweise bei der Untersuchung der wirtschaftlichen Auswirkungen auf Deutschland.
2. Deutsch-amerikanische Handelsstruktur und theoretische Einordnung: Dieses Kapitel analysiert den Status quo der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den USA, identifiziert Handelsbarrieren und ordnet diese in die Außenwirtschaftstheorie ein.
3. Grundzüge bedeutender Studien: Es werden drei einflussreiche Studien analysiert und hinsichtlich ihrer theoretischen Konsistenz sowie ihrer Prognosen zu Wachstum und Beschäftigung bewertet.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Validität der Studien vor dem Hintergrund der Theorie und schätzt die Gesamtauswirkungen von TTIP für Deutschland ein.
Schlüsselwörter
TTIP, Freihandelsabkommen, Deutschland, USA, Außenwirtschaftstheorie, Handelsbarrieren, Beschäftigungswachstum, Produktivität, Skaleneffekte, CGE-Modell, Intraindustrieller Handel, Wettbewerbsfähigkeit, Handelsliberalisierung, Nicht-tarifäre Handelshemmnisse, Wirkungskanäle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretisch zu erwartenden und in aktuellen Studien prognostizierten Auswirkungen des Freihandelsabkommens TTIP auf das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die bestehende Handelsstruktur zwischen Deutschland und den USA, die Analyse von Handelshemmnissen sowie die Anwendung außenwirtschaftlicher Theorien auf die spezifischen Szenarien der TTIP-Verhandlungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für die Wirkungskanäle einer Handelsliberalisierung zu schaffen, um die Ergebnisse unterschiedlicher ökonomischer Studien fundiert beurteilen zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, bei der die ökonomischen Konzepte der Außenwirtschaftstheorie (insbesondere der neuen Außenhandelstheorie) als Maßstab für die Analyse und den Vergleich ökonometrischer Studienmodelle dienen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst die reale Handelsbeziehung und die theoretische Basis erläutert, gefolgt von einer detaillierten Analyse und Kritik der drei ausgewählten Studien von CEPR, Ifo-Institut und GDAE.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich vor allem über Begriffe wie TTIP, Außenwirtschaftstheorie, Handelsliberalisierung, Wachstumsaspekte und Beschäftigungseffekte definieren.
Wie bewertet der Autor die Divergenz zwischen den untersuchten Studien?
Der Autor führt die unterschiedlichen Ergebnisse primär auf die Differenzen in der Modellierung zurück – insbesondere den Gegensatz zwischen angebotsorientierten CGE-Modellen und dem nachfrageorientierten GPM-Modell des GDAE.
Warum wird die GDAE-Studie kritisch betrachtet?
Die GDAE-Studie wird kritisch gesehen, da ihr rein nachfrageorientierter Modellansatz nach Ansicht des Autors den aktuellen theoretischen Stand der Außenwirtschaftslehre vernachlässigt und zu pessimistisch ist.
Welche Branchen profitieren laut der Analyse am stärksten?
Besonders die forschungs- und kapitalintensiven Branchen wie die Automobil- und Chemieindustrie sowie spezialisierte Dienstleister werden als potenzielle Hauptprofiteure identifiziert.
- Citation du texte
- Thomas Craemer (Auteur), 2015, Das Transatlantische Freihandels- und Investitionsabkommen TTIP. Mögliche Auswirkungen auf Wachstum und Beschäftigung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/322973