Russlanddeutsche. Besonderheiten des Integrationsprozesses


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Begriff Russlanddeutsche

3. Wie aus Deutschen Russlanddeutsche wurden

4. Erste Schritte in der fremden Heimat

5. Integration als vordringliche Aufgabe

6. Integrationsprozesse
6.1. Eingliederungshilfe
6.2. Sprachförderung
6.3. Berufliche Eingliederung
6.4. Integration von Kindern
6.5. Integration von Jugendlichen
6.6. Integration durch Sport

7. Probleme beim Integrationsprozess

8. Unterschiede der Integrationsprozesse gegenüber anderen Migrationsgruppen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten kehrten Millionen Menschen nach Deutschland zurück, die größte Gruppe derer, die zurückkamen, war die der sogenannten Russlanddeutschen. Insgesamt waren davon geschätzte 2,6 Millionen Menschen deutschen Ursprungs aus den ehemaligen Sowjetre- publiken. Mit den mitgenommenen Verwandten lässt sich diese Zahl auf 4 Millionen erhöhen (Kleindienst, 2008).

In dieser Hausarbeit habe ich mich mit den Integrationsprozessen der Russlanddeutschen befasst. Da heutzutage nur eine äußert geringe Anzahl von Russlanddeutschen noch nach Deutschland kommen, habe ich mich ausschließlich auf die 1990er konzentriert. Aufgrund meiner Herkunft aus Kasachstan und der Tatsache dass meine Vorfahren auch Russlanddeutsche sind, beruht diese Ausarbeitung auf recherchierten Berichten von der Bundesregierung Deutschland sowie vielen persönlichen Erfahrung. Im Alter von fünf Jahren bin ich mit meinen Eltern nach Deutschland gekommen und habe die meisten in Folge geschilderte Prozesse entweder selbst durchlaufen oder bei meinen Eltern miterlebt.

In der vorliegenden Arbeit soll zuerst geklärt werden wie sich der Begriff Russlanddeutsche defi- niert und woher er seinen Ursprung hat. Um die verschiedenen Integrationsprozesse zu verste- hen ist es hierbei auch die Geschichte der Russlanddeutschen zu kennen. Anschließend werden die einzelnen Schritte und die dazu gehörende Personengruppe aufgegriffen. Zum Schluss defi- niere ich die einzelnen Probleme die während dieser Integrierung aufgekommen sind.

In dieser Hausarbeit wird die Bevölkerung der Russlanddeutschen als eine heterogene Gruppe gesehen und vor Pauschalisierung einiger verallgemeinernder Aussagen gewarnt.

2. Der Begriff Russlanddeutsche

Der Begriff Russlanddeutsche ist eine Sammelbezeichnung für Menschen deutscher Nationalität, die im Verlauf mehrerer Jahrhunderte in verschiedenen Gruppen nach Russland kamen und sich dort niederließen. Im Allgemeinen wir der Begriff für die Nachfahren deutscher Kolonisten verwendet, die in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion leben. Der Begriff wurde aus den Russischen abgeleitet und hieß dort Ärusskie nemcy“ (Liebenstein, 2010).

Die Menschen, die zur Gruppe der Russlanddeutschen zählen, waren und sind vorwiegend in Russland und Deutschland vertreten. Sie sind aber auch in vielen anderen Ländern, vor allem in Nord- und Südamerika sesshaft. Russlanddeutsche bilden eine heterogene Gruppe. Aus der Sicht ihrer Konfessionszugehörigkeit weisen Russlanddeutsche eine starke Heterogenität auf. Sie sind Mitglieder in evangelischen, katholischen, mennonitischen und baptistischen Gemeinden. In der Sowjetunion wurde der ursprünglich territorial verstandene Begriff Ende der 1920er Jahre in die ideologisch geprägte Bezeichnung Sowjetdeutsche verändert. Die Satzung der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland e.V. vom 1./2. April 1989, § 4 Abs., definiert: ÄRussland-Deutscher ist ein Deutscher, der in Russland in den Grenzen der UdSSR von 1937 geboren ist“. Und Abs. 3. besagt: ÄAls Russland-Deutscher gilt auch ein Deutscher, der längere Zeit im in § 4 Abs. bezeichneten Gebiet gewohnt hat und seine Verbundenheit mit der russlanddeutschen Volksgruppe bekundet.“ (Ilarionowa & Plewe, 2007).

Als weitere Synonyme Begriffe der Russlanddeutsche gelten auch die Aussiedler bzw. Spätaus- siedler. Die Menschen, die ab dem 1. Januar 1993 in die Bundesrepublik Deutschland zugezogen sind, werden als Spätaussiedler bezeichnet. Wer vor dem 1. Januar 1993 in die Bundesrepublik Deutschland migriert gilt laut Bundesvertriebenengesetz als Aussiedler (BVFG, 2007).

3. Wie aus Deutschen Russlanddeutsche wurden

Um die Integrationsprozesse und die Eingliederung der Russlanddeutschen nachvollziehen zu können, sollte man einen Blick in ihre Geschichte werfen. Diese begann vor fast 350 Jahren als im 18. Jahrhundert Deutsche nach Russland siedelten. Damals waren noch große Teile des rus- sischen Reiches unbesiedelt, obwohl sie sich gut für die Landwirtschaft eigneten. Die Ansiedlung der ersten Kolonisten begann mit dem Amtsantritt der Zarin Katharina II. Diese erließ 1762 ein Manifest, in dem sie alle Ausländer, insbesondere ihre deutschen Landsleute, einlud, sich inner- halb der Grenzen des riesigen Reiches niederzulassen. Sie bot Auswanderungsinteressierten eine Reihe von Sonderrechten als Anreiz. Unteranderem gehörten das Recht auf freie Religions- ausübung, Befreiung vom Militär- und Zivildienst, befristete Steuerfreiheit, regionale Selbstver- waltung und Reisegeld dazu. Zudem bat man günstige Kredite für den Hausbau und die Anschaf- fung von Vieh an. Das Hauptziel war es hierbei das siedlungsarme Gebiet an der Wolga zu kolo- nialisieren. Bauern und Handwerker stellten die Hauptzielgruppe dar. Allerdings, konnte die Re- sonanz nicht erreicht werden und somit wurde eine Prämie für übersiedelnde Familien angesetzt. In der nun einsetzenden Auswanderungswelle bis 1767 traten fast 30.000 Menschen den Weg nach Russland an. Rund 25.000 Deutsche trafen an der Wolga bei Saratow ein, fanden jedoch Bedingungen vor, die keinesfalls ihren Vorstellungen entsprachen. Die darauffolgenden Jahr- zehnte waren geprägt von Armut, Missernten und Existenzängsten. Nach rund 40 Jahren deut- scher Einwanderung führten Instruktionen der inneren Verwaltung zur positiven Entwicklung der Wirtschaft. Die Bevölkerung hat sich mehr als verdoppelt. Zahlreiche Kolonien entstanden zwi- schen den Flüssen Dnjestr und Don. Nach 100 Jahren deutscher Siedlungsgeschichte, lebten allein im Schwarzmeergebiet über 140.000 Menschen deutscher Herkunft. Im gesamten russi- schen Reich zählte man etwa 900.000. Durch das Einladungsmanifest der Zarin und der damit zusammenhängenden freien Religionsausübung nutzten Mennoniten, Lutheraner und Katholiken diese. Von Beginn an bauten sie Kirchen und Bethäusern in denen ausschließlich die deutsche Sprache dominierte. Ihr Sinn und Zweck bestand primär darin, den Schülern das Lesen und Schreiben anhand von Bibeltexten zu lehren. Bis zum Ende des Jahrhunderts hatte sich ein ei- genes deutsches Schulsystem mit ausgebildeten Lehrern und eigenem Lehrmaterial entwickelt. Ab 1928 begann ein Wendepunkt für die verschiedenen deutschen Religionsgemeinschaften. Das russische Volk und die Regierung begannen gegen sie vorzugehen, bis hin zu deren Verbot. Nur mit dem Nötigsten an Lebensmitteln und Kleidung wurden sie in Güterwägen und zum Teil per Schiff nach Osten transportiert. Der Umsiedlung der Wolgadeutschen folgte die Deportation der Deutschen aus den Städten Moskau und St. Petersburg. Insgesamt wurden nach Schätzun- gen über 900.000 Menschen verbannt. Nach Ankunft in entlegenen sibirischen und kasachischen Gebieten wurde die arbeitsfähige männliche Bevölkerung in eine Arbeitsarmee disponiert. Die deutschstämmige Bevölkerung in der Sowjetunion wurde politisch und rechtlich nie völlig wieder- hergestellt. Obwohl sich die Situation in den 1960er- und 70er-Jahren verbesserte, bestand in vielen Teilen der deutsch-russischen Bevölkerung der Wunsch, in die Bundesrepublik Deutsch- land überzusiedeln. Jedoch gab man in den ersten zwanzig Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg Deutschstämmigen kaum die Chance, die Sowjetunion zu verlassen. Nach in Kraft treten eines liberalen Gesetzes im Jahre 1987, ergreifen 100.000 Deutsche ihre Chance nach Deutschland auszusiedeln. Die Zahl der Aussiedler erhöhte sich erst, nachdem Michael Gorbatschow und Hel- mut Kohl den Deutsch-Sowjetischen Vertrag unterzeichnen. Dieser gibt den Deutschen in Russ- land endlich einen Teil ihrer Rechte zurück. Vor allem, darf die Bundesrepublik mit Hilfsprogram- men die Deutschen in der Sowjetunion nun selbst unterstützen (Schneider, 2005).

Mit der Öffnung der Grenzen 1989 stieg die Anzahl der Aussiedler an. Zwischen 1990 und 2011 reisten zweieinhalb Millionen Menschen als Aussiedler in die Bundesrepublik ein. Im Jahr 1997 erreichte die Einwanderungswelle mit 397.073 Aussiedler oder Spätaussiedler einschließlich ihrer Angehörigen, ihren Höhepunkt. Im Jahr 2000 sank der Zuzug erstmals auf unter 100.000 Personen. 2011 wurden mit 2.148 Personen die niedrigsten Einwanderungszahlen von Russlanddeutschen seit 1950 registriert. (Schneider, 2005).

4. Erste Schritte in der fremden Heimat

Bis zum Jahre 1997 bekam fast jeder Russlanddeutsche, der nachweisen konnte deutsche Vorfahren zu haben, automatisch eine deutsche Staatsbürgerschafft. Und konnte somit in sein neues altes Heimatland einreisen. Als die Befürchtung vor zu großem Andrang der Russlanddeutschen aufkam, führte die Regierung als Hürde einen Sprachtest ein (Heinen, n.b.).

Im Vergleich zu anderen Einwanderern waren Russlanddeutsche privilegiert, denn hierbei half ihnen das deutsche Grundgesetz welches im Artikel 116 besagt: Ä(1) Deutscher im Sinne dieses Grundgesetzes ist vorbehaltlich anderweitiger gesetzlicher Regelung, wer die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt oder als Flüchtling oder Vertriebener deutscher Volkszugehörigkeit oder als dessen Ehegatte oder Abkömmling in dem Gebiete des Deutschen Reiches nach dem Stande vom 31. Dezember 1937 Aufnahme gefunden hat“ (GG, 2015).

In Übergangslagern fanden die Russlanddeutschen ihre erste Bleibe. Der Neuanfang in der neuen Heimat erwies sich vor allem für die Älteren als schwierig, obwohl sie der deutschen Spra- che mächtig waren. Durch die Eingliederung sollte die Chancengleichheit in allen gesellschaftli- chen Lebensbereichen für Russlanddeutsche geschaffen werden. Dies bedeutet eine enorme Anpassungsleistung. Sie betrifft die Spracherlernung ebenso wie die Orientierung auf dem Aus- bildungs- und Arbeitsmarkt oder den Umgang mit alltäglichen Problemen wie Behördengänge, Banken oder Versicherungen.

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Russlanddeutsche. Besonderheiten des Integrationsprozesses
Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
17
Katalognummer
V323213
ISBN (eBook)
9783668230996
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russland, Integration, Migration, Einwanderung, Russlanddeutsche, Deutschland
Arbeit zitieren
Kristina Kraft (Autor), 2016, Russlanddeutsche. Besonderheiten des Integrationsprozesses, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323213

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