Im Rahmen dieser Masterthesis wurde die Unterrichtsreihe „Die NS-Diktatur – Gleichschaltung, Entrechtung und Widerstand“ entworfen. Sie gliedert sich wie folgt: Einführend soll der Auf- und Ausbau der NS-Herrschaft erarbeitet werden, um ein Verständnis dafür zu entwickeln, wie eine Diktatur entstehen beziehungsweise gefestigt werden konnte. Durch die Sicht auf das Dritte Reich aus verschiedenen Perspektiven erkennen die SuS Motive der Partizipation am Nationalsozialismus, doch auch die Bedeutung des Handelns der partizipierenden Menschen für die Opfer des NS-Regimes wird eruiert.
Gleichzeitig darf nicht unterschlagen werden, dass es Widerstand gegen den Nationalsozialismus gegeben hat und dass die Möglichkeit, sich gegen ein politisches Regime zu positionieren, damals wie heute besteht – gleichzeitig aber auch Grenzen bestehen. Ein Ausblick darüber, was wir noch heute aus der Zeit des Dritten Reiches lernen können, soll zur individuellen Reflexion anregen.
Nach zwölf Jahren verheerender Herrschaft der Nationalsozialisten umtreibt dieses „dunkle“ Kapitel der Geschichte immer wieder Medien und Politik, die Vergleiche ziehen oder erinnern; doch auch Opferverbände oder den Zentralrat der Juden, die regelmäßig vor einer Bedrohung durch Rassisten oder Antisemiten warnen. Das Erinnern an das nationalsozialistische Regime ist „seit einigen Jahren im kollektiven Gedächtnis der Deutschen präsent“, Geschichte ist immer auch Gegenwart, soll aufklären und zur Reflexion anregen.
Das historische Wissen steht in direktem Zusammenhang mit der Bewertung politischer Systeme, was in einer Studie des Forschungsverbundes SED-Staat eruiert werden konnte, in der jede vierte Schülerin und jeder vierte Schüler keine Trennlinie zwischen Demokratie und Diktatur in der NS-Zeit ziehen konnte . Die Aufklärung der nachwachsenden Generation erfolgt am differenziertesten im Geschichtsunterricht – „Geschichte kann, Geschichtsunterricht soll einer historisch fundierten Gegenwartsorientierung dienen“ . Der Umgang beziehungsweise die Teilhabe an Geschichte soll ermöglichen, dass historische Bezüge verstanden werden, sodass die Schülerinnen und Schüler (SuS) sich eigenständig Urteile bilden können und ihr demokratisches Bewusstsein gestärkt wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die NS-Diktatur – Gleichschaltung, Entrechtung und Widerstand
2.1 Grundprobleme und Tendenzen der Forschung
3 Reihenplanung
3.1 Lernziele der Unterrichtsreihe
4 Unterrichtsvorhaben
4.1 Die Demokratie wird abgeschafft
4.1.1 Sachanalyse
4.1.2 Didaktische und methodische Überlegungen
4.1.3 Lernziele der Stunde
4.2 Gleichschaltung von Staat und Volk
4.2.1 Sachanalyse
4.2.2 Didaktische und methodische Überlegungen
4.2.3 Lernziele der Stunde
4.3 Jugend im Nationalsozialismus
4.3.1 Sachanalyse
4.3.2 Didaktische und methodische Überlegungen
4.3.3 Lernziele der Stunde
4.4 Entrechtung, Verfolgung und Ermordung europäischer Juden, Sinti und Roma, Andersdenkender zwischen 1933 und 1945
4.4.1 Sachanalyse
4.4.2 Didaktische und methodische Überlegungen
4.4.3 Lernziele der Stunde
4.5 Europa unter deutscher Herrschaft – Ein Vernichtungskrieg
4.5.1 Sachanalyse
4.5.2 Didaktische und methodische Überlegungen
4.5.3 Lernziele der Stunde
4.6 Täter im Nationalsozialismus
4.6.1 Sachanalyse
4.6.2 Didaktische und methodische Überlegungen
4.6.3 Lernziele der Stunde
4.7 Widerstand gegen den Nationalsozialismus
4.7.1 Sachanalyse
4.7.2 Didaktische und methodische Überlegungen
4.7.3 Lernziele der Stunde
4.8 Das Ende der Hitler-Diktatur Flucht und Vertreibung im europäischen Kontext
4.8.1 Sachanalyse
4.8.2 Didaktische und methodische Überlegungen
4.8.3 Lernziele der Stunde
5 Fazit
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit entwickelt eine Unterrichtsreihe für die 10. Klasse der Realschule in Nordrhein-Westfalen, die sich mit dem Auf- und Ausbau der NS-Diktatur, ihrer Ideologie sowie Widerstandsformen auseinandersetzt. Ziel ist es, durch eine wissenschaftlich fundierte und didaktisch reflektierte Aufbereitung das demokratische Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu stärken und sie zu befähigen, historische Zusammenhänge kritisch zu reflektieren.
- Machtübergabe und Etablierung der NS-Diktatur
- Gleichschaltung von Staat und Gesellschaft
- Radikalisierung der Verfolgung (Holocaust) und Rolle der Täter
- Widerstand gegen das NS-Regime
- Flucht und Vertreibung im europäischen Kontext
Auszug aus dem Buch
Die NS-Diktatur – Gleichschaltung, Entrechtung und Widerstand
Als nationale Sozialisten sehen wir in unserer Flagge unser Programm. Im Rot sehen wir den sozialen Gedanken der Bewegung, im Weiß den nationalistischen, im Hakenkreuz die Mission des Kampfes für den Sieg des arischen Menschen und zugleich mit ihm auch den Sieg des Gedankens der schaffenden Arbeit, die selbst ewig antisemitisch war und antisemitisch sein wird.
Durch dieses Zitat aus Hitlers Mein Kampf werden die zentralen politisch-ideologischen Elemente des Nationalsozialismus deutlich: „erstens der aggressive, expansionistische Nationalismus, zweitens der ebenso aggressive Antisemitismus und drittens der soziale Appell“, der die soziale Frage durch die Verknüpfung der ersten beiden Elemente gewissermaßen beantwortete oder gar aufhob. Diese zentralen Ideologeme lassen sich an einzelnen Phasen der NS-Zeit exemplarisch darlegen.
So ist die Gleichschaltung die Voraussetzung dafür, die Ideologie des Nationalsozialismus zu etablieren. Erst durch diesen Schritt, der in der Reorganisation von Politik, Gesellschaft und Kultur nach nationalsozialistischem Verständnis bestand, wurde die Durchsetzung der NS-Herrschaft stark forciert. Der Weg zu einem zentralisierten „Führerstaat“ mit regionalen Machtbasen konnte somit geebnet werden und Raum für die eben genannten Ideologeme bieten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit des Geschichtsunterrichts zur Aufklärung über die NS-Zeit und zur Stärkung des demokratischen Bewusstseins.
2 Die NS-Diktatur – Gleichschaltung, Entrechtung und Widerstand: Das Kapitel führt in die ideologischen Grundlagen des Nationalsozialismus ein und problematisiert deren Umsetzung.
3 Reihenplanung: Hier erfolgt die Einbettung der Unterrichtsreihe in das Curriculum der Realschule in Nordrhein-Westfalen.
4 Unterrichtsvorhaben: Dieser Kernbereich gliedert sich in acht Einheiten, die von der Machtergreifung über die Gleichschaltung und Judenverfolgung bis hin zu Täterforschung und Widerstand reichen.
5 Fazit: Das Fazit evaluiert die unterrichtspraktische Umsetzung und betont die Notwendigkeit einer differenzierten Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, NS-Diktatur, Gleichschaltung, Holocaust, Widerstand, Geschichtsunterricht, Realschule, Lehrplan, Antisemitismus, Volksgemeinschaft, Täterforschung, Machtstabilisierung, Ermächtigungsgesetz, Flucht und Vertreibung, Erinnerungskultur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Masterthesis entwirft eine Unterrichtsreihe für das Fach Geschichte in der 10. Klasse einer Realschule, die den Auf- und Ausbau sowie die Folgen der NS-Diktatur behandelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gleichschaltung der Gesellschaft, der Radikalisierung des Antisemitismus, dem Zweiten Weltkrieg, der Rolle der NS-Täter sowie dem Widerstand.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Förderung der Sach-, Urteils- und Methodenkompetenz, um Schülerinnen und Schüler zu einem eigenständigen, reflektierten Urteil über die NS-Zeit zu befähigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert aktuelle historische Fachforschung mit fachdidaktischen Prinzipien wie der Problemorientierung und Multiperspektivität.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in acht Unterrichtseinheiten, die historische Ereignisse (z.B. Ermächtigungsgesetz, Widerstand 20. Juli 1944) mit schülergerechten Methoden verknüpfen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Nationalsozialismus, Gleichschaltung, Holocaust, Täterforschung und Widerstand.
Wie werden die Themen didaktisch für Jugendliche aufbereitet?
Es werden methodisch vielfältige Zugänge gewählt, wie z.B. Fishbowl-Diskussionen, die Gestaltung von Flugblättern, die Arbeit mit Zeit-Leporellos und der Einsatz von Filmtrailern.
Welchen Stellenwert nimmt die aktuelle Flüchtlingsdebatte ein?
Das letzte Kapitel zieht einen Transfer von der historischen Flucht und Vertreibung am Ende des Zweiten Weltkrieges zur aktuellen Flüchtlingssituation, um historisches Lernen an die Lebenswelt der Schüler anzubinden.
- Quote paper
- Katharina Fleischer (Author), 2016, Gleichschaltung, Entrechtung und Widerstand gegen die NS-Diktatur. Unterrichtsreihe im Fach Geschichte für die Zehnte Klasse Realschule in Nordrhein-Westfalen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/323726